


The CoWaVis project team aims to provide empirical data on water availability and use as well as on water-related conflicts in a future glacier-free Ötztal. By working with innovative participatory group methods, we enable and facilitate a process of co-creation for a shared vision of water use in the Ötztal. The project is funded by the Austrian Academy of Science (ÖAW) as part of the Earth System Science Call 2024 (ESS24-04).

Conceptual framework depicting the main activities of the project CoWaVis.
Das CoWaVis Projektteam hat das Ziel, empirische Daten zur Wasserverfügbarkeit und -nutzung sowie zu wasserbezogenen Konflikten in einem zukünftigen gletscherfreien Ötztal bereitzustellen. Mithilfe innovativer partizipativer Gruppenmethoden ermöglichen und unterstützen wir einen ko-kreativen Prozess für eine gemeinsame Vision der Wassernutzung im Ötztal. Das Projekt wird von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Rahmen des Earth System Science Calls 2024 gefördert (ESS24-04).

Konzeptueller Rahmen und Hauptaktivitäten des Projektes CoWaVis.
Climate change is threatening human livelihoods around the world, with mountain regions considered to be hotspots of change that react particularly sensitive to rising temperatures. Strong cryospheric changes, especially decreasing snow cover and the disappearance of glaciers, will reshape the alpine landscape. However, high mountain catchment areas are an important source of water and supply the rivers, which form the lifelines of the Alpine valleys and beyond, with disproportionately high volumes of runoff. As a result of climate change, the availability and seasonal distribution of water will change, which in turn will have an impact on mountain ecosystems and the livelihoods of valley communities and their activities such as agriculture, tourism and hydropower generation. One area of particular importance that is strongly affected by hydroclimatic changes is the main Alpine ridge. It is characterized by very strong topographical and climatological gradients, resulting in a diverse and multifunctional landscape. Mountain forest and grassland ecosystems are located next to ski resorts that require water for technical snowmaking, hydroelectric power plants for electricity generation and irrigated grassland. The ongoing and projected changes require an identification of water-related conflicts, a joint search for potential solutions and a co-creative development of a common vision for the future.

Scheme depicting the impact of climatic changes on an Alpine hydrological system as well as potential conflict area.
Klimaveränderungen gefährden die menschlichen Lebensgrundlagen auf der ganzen Welt, wobei Gebirgsregionen als Hotspots des Wandels gelten, die besonders empfindlich auf steigende Temperaturen reagieren. Starke kryosphärische Veränderungen, v.a. abnehmende Schneedecken und das Verschwinden der Gletscher, werden die alpine Landschaft umgestalten. Hochgebirgs-Einzugsgebiete sind jedoch ein wichtiger Wasserursprung und versorgen die Flüsse, die die Lebensadern der Alpentäler und darüber hinaus bilden, mit überproportionalen Abflussmengen. Als Folge des Klimawandels werden sich die Wasserverfügbarkeit und die jahreszeitliche Verteilung des Wassers verändern, was wiederum Auswirkungen auf die Bergökosysteme sowie auf die Lebensgrundlagen der Talbewohner mit deren Aktivitäten wie Landwirtschaft, Tourismus und Energieerzeugung aus Wasserkraft haben wird. Ein Gebiet von besonderer Bedeutung, das stark von hydroklimatischen Veränderungen betroffen ist, ist der Alpenhauptkamm. Er ist durch sehr starke topografische und klimatologische Gradienten gekennzeichnet, die zu einer vielfältigen und multifunktionalen Landschaft führen. Bergwald- und Graslandökosysteme befinden sich neben Skigebieten, die Wasser für die technische Beschneiung benötigen, sowie Wasserkraftanlagen für die Stromerzeugung, und bewässerten Wiesen. Die laufenden und prognostizierten Veränderungen erfordern eine Identifikation der wasserbezogenen Konflikte, eine gemeinsame Suche nach potenziellen Lösungen und eine ko-kreative Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die Zukunft.

Schematische Darstellung der Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf ein alpines hydrologisches System sowie potenzieller Konfliktbereiche.
In the CoWaVis project, we aim to identify existing water-related conflicts, investigate future hydroclimatic changes, anticipate resulting future lines of conflict, identify pathways to possible solutions and transformation, and work together to develop a shared vision for the future that fairly considers the water needs of all stakeholders. An interdisciplinary team of environmental and social scientists will bring the necessary expertise to analyze the latest climate scenarios, conduct high-resolution snow hydrological model simulations, identify and assess the water-related needs of local stakeholders and collect empirical evidence for future water use. To this end, evidence-based visualizations of the data obtained using hydrological and social science methods will be developed. Transdisciplinary knowledge will be created and a co-creative process of conflict identification and resolution established. A rather radical target state - a deglaciated study area - is assumed as an impulse, which then serves as a space for the development of sustainable solutions.
Im Projekt CoWaVis wollen wir bestehende wasserbezogene Konflikte identifizieren, zukünftige hydroklimatische Veränderungen untersuchen, sich daraus ergebende künftige Konfliktlinien antizipieren, Wege zu möglichen Lösungen und zur Transformation aufzeigen und miteinander eine gemeinsame Vision für die Zukunft entwickeln, welche den Wasserbedarf aller Beteiligten gerecht berücksichtigt. Ein interdisziplinäres Team von Umwelt- und Sozialwissenschaftler:innen wird das erforderliche Fachwissen mitbringen, um neueste Klimaszenarien zu analysieren, hochauflösende schneehydrologische Modellsimulationen durchzuführen, den wasserbezogenen Bedarf der lokalen Interessengruppen zu identifizieren und zu bewerten sowie empirische Hinweise für die Zukunftsvorstellungen rund um die Wassernutzung zu sammeln. Dazu werden evidenzbasierte Visualisierungen der durch hydrologische und sozialwissenschaftliche Methoden gewonnenen Daten entwickelt. Transdisziplinäres Wissen wird generiert und ein ko-kreativer Prozess zur Konfliktidentifikation und -lösung etabliert. Dabei wird ein eher radikaler Zielzustand - ein in der Zukunft entgletschertes Untersuchungsgebiet - als Impuls für die Zukunft angenommen, der dann einen Raum für die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen eröffnet.
The project region is the Ötztal, an approx. 65 km long Alpine valley in Tyrol (Austria). The Ötztal has its source on the main ridge of the Alps and there are currently - still - numerous large glaciers in the upper part of the valley. At first glance, the Ötztal seems to be blessed with an abundance of water. However, a closer look reveals the comparatively low precipitation levels typical of such an inner-Alpine dry region. As a result, there has long been pressure to use the available water resources. It can be assumed that this pressure will increase in the future due to changes in water availability. In line with the goals of the 2030 Agenda, a forward-looking approach to issues of demand recognition and distribution is necessary in order to avoid an escalation of conflicts and to enable people to continue to live together peacefully with a high quality of life. The Ötztal is part of the long-term socio-ecological research platform (LTSER) “Tyrolean Alps”. This existing research infrastructure and knowledge base forms an ideal starting point for the co-creative development of an environmentally friendly, fair and sustainable shared vision for water use in the future.

Location of the study area and glaciers as well as land cover/use (based on OpenStreetMap).
Die Projektregion ist das Ötztal, ein etwa 65 km langes alpines Tal in Tirol (Österreich). Das Ötztal entspringt am Alpenhauptkamm und derzeit befinden sich im oberen Teil des Tals – noch – zahlreiche große Gletscher. Auf den ersten Blick scheint das Ötztal mit Wasser im Überfluss gesegnet zu sein. Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch die für ein solches inneralpines Trockengebiet typischen vergleichsweise geringen Niederschlagsmengen. Daher besteht schon seit langem ein Nutzungsdruck auf die verfügbaren Wasserressourcen. Es ist davon auszugehen, dass dieser Druck in Zukunft aufgrund von Veränderungen in der Wasserverfügbarkeit zunehmen wird. Im Einklang mit den Zielen der Agenda 2030 ist eine vorausschauende Herangehensweise an Fragen der Bedarfsanerkennung und Verteilung erforderlich, um eine Zuspitzung von Konflikten zu vermeiden und den Menschen weiterhin ein friedliches Zusammenleben mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Das Ötztal befindet sich zudem in der sozial-ökologischen Langzeitforschungsplattform (LTSER) „Tiroler Alpen“. Die vorhandene Forschungsinfrastruktur und Wissensbasis bildet einen idealen Ausgangspunkt für die ko-kreative Entwicklung einer umweltfreundlichen, gerechten und nachhaltigen gemeinsamen Vision für die Wassernutzung in der Zukunft.

Lage des Untersuchungsgebiets und der Gletscher sowie der Landbedeckung und -nutzung (basierend auf OpenStreetMap).


