Der verlorene Sohn

 

   Du brauchst mir kein Kalb zu schlachten, eine Schüssel Suppe genügt mir.
   Aber laß sie mich draußen auf deiner Schwelle verzehren,
   drinnen ist alles zu sicher und zu eng für ein Heimweh wie meines,
   und ich kann ihm nicht weit genug in die Fremde entlaufen.    
   Immer sendet’s mich aus und alles weist mich zurück. Da bin ich.
   Frag nicht, wie treulos sich einer verliert, der verloren ist an die Treue!
   Frag mich über den Wind, den Schnee, die Flüsse und Sterne,
   nach den Zerlumpten im Land, um Scheunen, verhagelte Ernten,
   Trauben, Trebern und Worte zwischen den Steinen im Feuer,
   um die Falter im Sand, den Geruch vertrockneter Brunnen.
   Leer meinen Bettelsack aus, er strotzt von verworfenen Schätzen,
   ein Vogelbalg ist darunter und eine Flaschenpost,
   die auch das Salz nicht auslöscht.
   Ich brauch keine Antwort, kein Erbteil,
   zerbrich mir dein grauestes Mohnfeld
   und füll mich für immer mit Schlaf. 

   (aus: Salzgärten, 1975.
   Mit freundlicher Genehmigung des Otto Müller Verlags.)