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Aus einem Guss – In Memoriam Emerich Coreth SJ
(Ansprache des Dekans beim Begräbnis von em. Univ.-Prof. DDr. Emerich Coreth SJ am 12. September 2006 in der Jesuitenkiche in Innsbruck)

Autor:Niewiadomski Jozef
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2006-09-14

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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"Wie lange haben Sie denn an ihrer Metaphysik geschrieben?", fragte einer der Mitarbeiter unserer Fakultät den gut gelaunten P. Coreth beim Fest, das einen schönen Namen trägt: Jesuitengrillen. "Ah, wissen Sie, ich habe mich hingesetzt ... und in drei Monaten war das Buch fertig." Die in einem Schwung geschriebenen Publikationen von P. Coreth haben etwas gemeinsam mit seinen Vorlesungen: Sie waren und sind Kunstwerke aus einem Guss. Und man kann an ihnen die Tugend der großen Menschen erkennen: Die Leute verstehen Sie!

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Lieber Herr Bischof, Pater Provinzial, Herr Landeshauptmann, Magnifizenz; liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Theologischen Fakultät, liebe Schwerstern und Brüder, v.a. Angehörige von P. Coreth. Das Professorenkollegium der Theologischen Fakultät hat am 11. Oktober 1950 den Antrag an das Bundesministerium für Unterricht gestellt, den hochwürdigsten Herrn Pater Dr. Emerich Coreth SJ als Privatdozent für das Fachgebiet Scholastische Philosophie und Geschichte der Philosophie zuzulassen. Das Ministerium reagierte prompt. Am 28. November desselben Jahres wurde der begnadete Rhetoriker Dozent, am 24. Jänner 1955 ordentlicher Professor für Christliche Philosophie. Schnell wurde er Dekan, musste allein an seiner Schreibmaschine und am Telefon in seinem Zimmer im Jesuitenkolleg (Coreth, Die Theologische Fakultät Innsbruck. Ihre Geschichte und wissenschaftliche Arbeit von den Anfängen bis zur Gegenwart. Innsbruck 1995, S. 141) das 100 jährige Jubiläum der Wiedererrichtung der Theologischen Fakultät vorbereiten (zu dem nicht nur 10 Bischöfe angereist sind - einschließlich des Apostolischen Nuntius -, bei dem der Unterrichtsminister sogar die Festrede hielt und die Fakultät gar vier Ehrendoktorate in Theologie verliehen hat; von seinem damaligen Organisationstalent könnte auch ein moderner Eventmanager etwas lernen!).

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Von Begeisterung erfüllt, entfaltet sich der junge Wissenschaftler an jener Fakultät, an der - so sein eigenes Urteil - drei bedeutende und wissenschaftlich sehr produktive Theologen im Vordergrund standen, die neues Leben in die Theologie brachten und deren Namen weltweit bekannt sind: Josef Andreas Jungmann, Hugo Rahner und sein Bruder Karl (Coreth, S. 121f.). Als Autor der Geschichte der Fakultät hält er nüchtern fest, dass auch Emerich Coreth dort die philosophische Arbeit aufnahm; ja, er zählt seine Publikationen und Funktionen auf, enthält sich aber des Urteils. Er war ja ein bescheidener Mensch. Dieses Urteil dürfen wir nun fällen und den Namen Emerich Coreth zu jenen Namen hinzufügen, die der Fakultät weltweit zur Ehre verholfen haben.

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Der junge Dozent wurde zum wichtigen Gesprächspartner von Karl Rahner, ließ sich auch stark von ihm inspirieren, gewann nach und nach an eigenem Profil als Metaphysiker, Anthropologe, Hermeneutiker und auch als Hochschulpolitiker. Das nochmalige Dekanat am Ende der 60-er Jahre und die zweifache Periode als Rektor Magnificus, die Organisation des großen Jubiläums der 300-Jahr-Feier der Universität, dann das Provinzialat der Gesellschaft Jesu: All das raubte ihm die kostbare Zeit, die er eigentlich für die Philosophie brauchte. Doch ob die Arbeiten bei der Vorbereitung des Allgemeinen Hochschulgesetzes (1966) oder bei der Internationalen Kommission zur kirchlichen Neuordnung von Studien: Pater Coreth ist mit vollem Herzen dabei, weil die Zukunft der Theologie und der Christlichen Philosophie in der sich verändernden Welt und der völlig anders werdenden akademischen Landschaft ihm ein Herzensanliegen sind.

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Die Veränderungen der Rahmenbedingungen für die akademische Tätigkeit, die seit dem Ende der 60-er Jahre greifbar werden, fallen zugunsten unserer Fakultät aus. So bringen die veränderten Arbeitsbedingungen zusammen mit - so wiederum Coreth im Originalton - dem Arbeitseifer der Mitbrüder und Kollegen, mit der Offenheit, Bereitschaft zur Diskussion neuer Probleme die wissenschaftlich fruchtbarste Periode in der Geschichte der Fakultät (Coreth, S. 156).

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Lieber Pater Coreth! An Ihrer Wahrnehmung und Darstellung der Geschichte unserer Fakultät fällt ein Dreifaches auf, gerade im Hinblick auf die Zeit der post 68-er: die wertschätzende Darstellung der Arbeit ihrer Mitbrüder und Kollegen (die meisten sind heute um Ihren Sarg versammelt), die Überzeugung vom Wert des spezifischen Jesuitencharakters der Fakultät und der Optimismus. Wenn Sie die Krisenzeiten erwähnen, so eigentlich deswegen, um zu betonen, dass die Fakultät aus den Krisen immer stärker hervorgegangen ist und sich gut fortentwickeln konnte.

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Ihr Optimismus entspringt der christlichen Hoffnung, nicht dem Ausbleiben von Konflikten. Sie haben in Ihrer Geschichte mit der Fakultät viele große Konflikte erlebt; Konflikte, an denen Sie - vor allem als Provinzial - gelitten haben und die Ihnen vermutlich auch einiges an Gesundheit geraubt haben. Vor allem über die Einschätzung der 70-er Jahre streiten sich immer noch die Geister. Und es wird wohl Menschen geben, die aufgrund dieser Konflikte mit Ihnen vielleicht auch unversöhnt bleiben. Sie haben ihre Arbeit als Philosoph, als Hochschullehrer und auch als Provinzial als Dienst an der Wahrheit gesehen. Dort, wo um Wahrheit gestritten wird, da sind auch die Machtfragen mit dabei, damit auch Konflikte und Opfer. Unsere Zeit neigt dazu, Opfer gegeneinander aufzuwiegen und sie damit auch in die Teufelskreise von Ressentiments oder gar Rache zu stürzen. Als Hermeneutiker und Anthropologe wussten Sie, dass solche Strategien in die Sackgassen führen. Doch keine - auch noch so brillante - Hermeneutik vermag die Sackgassen zu sprengen.

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Ihr Begräbnis findet statt in der Woche, in der die Kirche das Fest der Kreuzerhöhung feiert. Sie rückt damit das Geheimnis des stellvertretenden erlösenden Handelns in den Vordergrund. Dieses stellvertretende erlösende Handeln werde Ihnen zuteil! Und auch all jenen, die mit Ihnen vielleicht unversöhnt geblieben sind.

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Und noch eine Anekdote zum Schluss: Gerade große Menschen haben ihre kleine Schwächen, die auch zum Schmunzeln animieren. Im Umkreis der Vorbereitungen zu Ihrem 80. Geburtstag haben Sie gesagt: Es soll bloß eine kleine Feier werden! Beim Durchgehen der Anmeldungen zum Fest haben Sie wohlwollend registriert, dass der damalige Bischof Kothgasser und der damalige Innsbrucker Bürgermeister van Staa kommen. Und es rutschte Ihnen aus: "Und wo ist der Landeshauptmann?" Heute ist der Landeshautmann da! Damit können Sie sich mit dem Land Tirol aussöhnen.

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Lieber Pater Coreth! Die Leopold-Franzens-Universität und die Theologische Fakultät danken Ihnen, dass Sie Ihr Leben in ihren Dienst gestellt haben. Ihr akademisches Leben war eine überzeugende Form des Apostolates. Als Dekan der Theologischen Fakultät sage ich Ihnen auch im Namen des Rektors der Universität: Vergelts Gott!

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