"BERLINER GRÜNER CAESAR"

Inv.Nr. I/88

Berlin, Pergamon-Museum SK 342 (R 9)

FO: unbekannt (Italien?)

Höhe: 0,55 cm (mit Sockel)

Grünschiefer (Diabas); Augen im 18. Jh. eingesetzt

2. H. 1. Jh. v. Chr.

Der 1767 von Friedrich II. in Paris für seine Bibliothek in Potsdam erworbene Kopf gilt seit langem, wenngleich immer wieder umstritten, als ein in Ägypten entstandenes Porträt Caesars. Daß er in Ägypten hergestellt worden sein dürfte, kann fast außer Zweifel gestellt werden: der Stein ist ein in Ägypten anstehender, seit dem Alten Reich dort abgebauter und bearbeiteter, der in spätptolemäischer Zeit vermehrt auch für Arbeiten in griechisch-hellenistischem Stil herangezogen wurde. Auch die Meisterschaft der Materialbearbeitung legt die Vermutung nahe, daß der Kopf in einer Werkstatt, die über lange Erfahrung mit dem ungewöhnlich harten Stein verfügte, entstanden sein dürfte. Andererseits fehlen dem Kopf die meisten jener Merkmale, die den griechisch-ägyptischen Stil der Spätzeit kennzeichnen, und die im Büstenausschnitt wiedergegebenen Teile einer Toga vom Pallium-Typ (mit eingehülltem rechten Arm) kennzeichnen den Dargestellten als Römer.

Für die physiognomischen Charakteristika finden sich im Bereich der Caesar-Porträts durchaus Vergleiche, allerdings sind hier Merkmale von zwei verschiedenen in Italien ausgeprägten Bildtypen zusammengezogen: während vor allem die schüttere Hauptbehaarung ihre Entsprechung in dem wohl noch zu Caesars Lebzeiten entstandenen Bildtyp Tusculum-Aglie findet, entspricht die Gesichtsgestaltung eher dem posthumen Bildtyp Camposanto-Chiaramonti. Für die Antwort auf die Frage nach dem Grund für ein Caesarbildnis in Ägypten, bietet der Hinweis auf das von Kleopatra nach Caesars Ermordung errichtete Heroon immerhin eine mögliche Antwort.

Literaturhinweise:

S. KLIE, Zum "Grünen Caesar" in Berlin, in: O. BREHM - S. KLIE, Mousikos Aner. FS M. Wegner, Antiquitas III 32 (1992) 237-242 Taf. 22.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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