Forschung
Kulturkontakt in seiner globalen, gesellschaftsrelevanten
Dimension ist der zentrale Forschungsgegenstand unserer Forschungsgruppe. Das
Forschungszentrum KiK, an dem über 40 WissenschafterInnen der
Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät beteiligt sind, zeichnet sich
durch seinen interdisziplinären Charakter aus, der ein pluriperspektivisches
Herangehen an den gemeinsamen Themenkomplex ermöglicht. Im Zentrum des
Forschungsinteresses stehen zum einen mediale Phänomene (Texte, Filme, Musik,
Fotografie, Kunst, …), die aus der Situation des Kulturkontakts- und transfers
entstehen und sich damit auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzen, zum
anderen die theoretisch-methodische Reflexion dieser Kontaktphänomene.
Ein besonderes Anliegen des Forschungszentrums besteht darin, Kulturkontakt und damit verbundene Phänomene in ihrem kreativen Potential zu analysieren, ohne dass das jedem Kulturkontakt innewohnende Konfliktpotential ausgeblendet wird. Gerade kreative Strategien zur Bewältigung von Konflikten erhalten daher ein besonderes Augenmerk.
Kreatives Potential steckt u.a. in der Erfahrung des Grenzübertritts, der Verdoppelung – ja Multiplikation – von Perspektiven, in der Auseinandersetzung mit „alten“ Erfahrungswertem und neuem Lebensfeld sowie in deren Vergleich. Die Distanz zu beidem impliziert ein neues „doppeltes Schauen“, das sich selbst und die anderen gleichzeitig in den Blick zu nehmen vermag. Gerade die Erfahrungen von ‚Subalternen‘ (im Sinne Spivaks) – etwa MigrantInnen, Angehörige indigener Minderheiten, VertreterInnen von Gegenkulturen – können den konstruierten Charakter von Kulturen sichtbar machen und eröffnen durch ihre Mehrfach-Verortung (bzw. ihre Nicht-Verortung), ihre permanente Suche und ihre Hybridität neue Sichtweisen von Kulturkontakt und Kulturtransfer.
Im Einzelnen geht es um folgende Fragestellungen, die sich in den laufenden Projekten der ForscherInnengruppe widerspiegeln:
- Theoretisch-methodische Reflexion von Begriffen der Kulturkontaktforschung
- Kulturkontakt als (kreativer) Zerrspiegel für das Eigene und das Fremde, als Infragestellung von stereotypisierenden Wahrnehmungen und Repräsentationen und als Ausgangspunkt für neue, innovative Denkmodelle von kultureller Identität
- Kulturkontakt als Auslöser kreativer Prozesse, Migration als eine Grunderfahrung literarischer Produktion
- (trans-) kulturelle Mittlerfiguren und ihre Bedeutung für pluriethnische Gesellschaften
- Auseinandersetzung mit Vergangenheit (und Gegenwart) in Erinnerungsprozessen im Kulturkontakt
- Räume als Katalysatoren kultureller Begegnungen
- Filme als transnationales Medium hybrider Kulturen und Räume
- Körperbilder als Schauplätze transkultureller Prozesse
weitere Informationen: Forschungsbericht 2006, Forschungsbericht 2007
