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Friedensdemonstrationen - und dann?

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-02-17

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Die Demonstrationen in Westeuropa und Nordamerika gegen den drohenden Krieg im Irak haben beeindruckende Zahlen erreicht. Was werden die Folgen sein? Zunächst wurde der muslimischen Welt deutlich gemacht, dass es beim Konflikt um Saddam Hussein nicht um einen globalen Kampf zwischen der westlichen und der islamischen Zivilisation geht. Ein Kommentar in der israelischen Zeitung Ha'aretz spricht sogar von einem Erwachen der 'arabischen Straße' (16.2.2003). Bisher hätten die arabischen Völker und Regierungen den drohenden Krieg in fatalistischer Stimmung hingenommen. Der europäische, russische und chinesische Widerstand in der UNO und die Demonstrationen in europäischen und nordamerikanischen Städten hätten die Situation aber plötzlich verändert. Können wir nur erschreckt und verwirrt zuschauen, während andere sich für den Irak einsetzen, werde gefragt. Das Erwachen der arabischen Straße habe auch bereits zu Änderungen in der Position arabischer Staaten geführt. So habe sich der ägyptische Präsident Mubarak vor 10 Tagen noch strikt gegen ein arabisches Gipfeltreffen mit der Begründung ausgesprochen, es könne kein Nutzen daraus entstehen, solange Saddam Hussein nicht ganz mit den UNO-Inspektoren zusammenarbeite. Nun aber komme dieses Treffen plötzlich zustande und jene arabischen Regierungen, die mit den USA zusammenarbeiten, geraten unter einen wachsenden Druck ihrer Bevölkerungen.

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Die Situation hat sich tatsächlich verändert. Der Aufstand des moralischen Gewissens, das vor allem Johannes Paul II repräsentiert, hat eine Wirkung gehabt. Der Regierung in den USA dürfte nun deutlich werden, dass sie überall in der Welt mit massivem Widerstand rechnen muss, wenn sie meint, nur aus ihrer Sicht eine neue Weltordnung aufbauen zu können. Eine Schwächung der USA ist aber für sich allein noch keine Lösung, denn angesichts eines stets möglichen Terrors mit Massenvernichtungswaffen und angesichts der großen humanitären Probleme in vielen Teilen der Welt ist die Frage nach einer neuen Weltordnung weiterhin von höchster Dringlichkeit.(1) Soll dies nicht eine 'pax americana' sein, dann muss sich die neue Ordnung auf die UNO und internationales Recht stützen. Die Vereinten Nationen sind bisher aber - außer wenn sie von den USA angeführt wurden - nie richtig handlungsfähig gewesen. Einer der Gründe lag in der Schwäche und Uneinigkeit der europäischen Staaten, wie sich in den letzten Wochen erneut gezeigt hat. Nur wenn hier eine Änderung eintritt, ist ein positiver Schritt nach vorn zu erwarten.

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Es muss sich deshalb in den nächsten Monaten und Jahren erst zeigen, ob hinter den beeindruckenden Friedensdemonstrationen tatsächlich der Wille steht, sich für eine gerechtere Friedensordnung zu engagieren oder ob der Wunsch vorherrschend war, sich in der gegenwärtigen Situation, die für viele noch recht komfortabel ist, nicht stören zu lassen. Ein gerechte Friedensordnung setzt voraus, dass man persönliche Interessen gemeinsamen Zielen unterordnet. Doch dies steht im Gegensatz zur heute im Westen noch vorherrschenden Stimmung der privaten 'Wellness' und des 'Ego trips'. Der päpstliche Aufruf zum Frieden ist deshalb sachlich richtig mit dem Aufruf zu moralischer und religiöser Erneuerung verbunden: Der wahre Friede ist von Gott zu erbitten.

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Anmerkungen:

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1. Auf die drohende Problematik eines Terrors mit Massenvernichtungswaffen hat das Innsbrucker Forschungsprojekt zu Religion und Gewalt bereits zu Beginn der ersten Friedensbewegung Ende der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts hingewiesen; vgl. Der Vatikan zur Rüstung. Ein Weg aus der Selbstvernichtung der Völker. Hg. von Katholische Sozialakademie Österreichs. Wien 1979, 59f.

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