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Bush oder der Papst?
(Eine Frage angesichts des drohenden Irak-Krieges)

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-01-28

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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"Wer hat recht: Bush oder der Papst?" So fragte der Moderator von 'Berlin direkt' (ZDF) am vergangenen Sonntag (26.1.2003) die Vorsitzende der CDU, Angela Merkel. Bereits die Frage zeigt, wie der Papst immer mehr als 'global player' im heutigen Weltgeschehen wahrgenommen wird. Dass Bush als Präsidenten der einzigen Supermacht eine solche Rolle spielt, ist selbstverständlich. Überraschender ist es bei Papst. Er ist ein alter, leidender Mann, dem nicht mehr viel Kraft zugetraut wird und der während Jahrzehnten von den säkularen Medien in den westlichen Ländern immer wieder als reaktionär kritisiert wurde. Auch viele katholische TheologInnen und katholische Zeitschriften stimmten gern in diesen Chor der Kritiker ein. Dennoch: der alte Mann verkörpert eine geistige Kraft in dieser Welt, die auch in den Medien wahrgenommen wird!

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'Wer hat recht?' Die Frage des Fernseh-Moderators ist journalistisch verkürzt gestellt, denn Bush und Johannes Paul II bewegen sich auf verschiedenen Ebenen. Der Papst ist kein Konkurrent um politische Macht, sondern handelt aus ethischer Überzeugung. Sollte es den USA gelingen, den brutalen Diktator Saddam Hussein ohne großes Blutvergießen von der Macht zu vertreiben und im Irak eine bessere Ordnung zu installieren, würden wohl die meisten sagen, Bush habe recht gehabt. In diesem Fall würden ihm nachträglich sogar manche in der arabischen Welt zustimmen.

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Ob dieses Szenario aufgeht, ist aber sehr ungewiss, und es bleibt vor allem die moralische Frage. Sie verbietet den Präventivkrieg, weil sonst alle Kriterien im Bereich des militärischen Vorgehens wegfallen und nur noch die Macht und die verbalen Behauptungen oder Lügen der jeweils Herrschenden zählen. Die ethische Frage nähert sich zudem der Frage, was längerfristig auch realpolitisch vernünftig ist. Die USA haben darin recht, dass sie den Terrorismus mit Massenvernichtungswaffen als große Herausforderung für die Zukunft erkannt haben. Ihr gegenwärtiges Vorgehen weckt aber den Eindruck, dass sie über jede internationale Ordnung hinweg ihre eigenen Ordnungsvorstellungen durchsetzen wollen. Dadurch verstärken sie bei anderen Mächten den Eindruck, dass nur ein Staat, der selber über Atomwaffen verfügt, von der verbleibenden Supermacht nicht beliebig manipuliert werden kann. Deutlich zeigt sich dieser Reflex in Indien. Dort steht die überwiegende Mehrheit der öffentlichen Meinung sicher nicht auf muslimischer Seite, dennoch verurteilt sie das Vorgehen von Bush gegen den Irak, denn Indien will sich nicht der Macht und dem moralisierenden Diktat der USA beugen. Je mehr die Vereinigten Staaten ihren Willen zur Hegemonie zeigen, um so stärker werden überall in der Welt die Gegenreaktionen, und auch eine Supermacht wie die USA ist für sich allein bevölkerungsmäßig und wirtschaftlich zu schwach, um auf Dauer eine ganze Weltordnung durchzusetzen.

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Die Ethik, die der Papst vertritt, gebietet, über internationale Institutionen zu versuchen, eine Weltordnung aufzubauen und so dem Problem des Terrorismus zu begegnen. Dies ist der ethischere Weg und längerfristig dürfte er auch der einzig realistische sein. So haben wir gute Gründe - gegen Bush - auf den Papst zu setzen.

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