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Krieg gegen Irak und Friedensbotschaft von Johannes Paul II.
(Zwei gegensätzliche Visionen für eine weltweite Friedensordnung)

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-01-07

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Nordkorea hat die USA durch die Ankündigung, sein Atomwaffenprogramm wieder aufzunehmen, in Verlegenheit gebracht. Die USA bereiten einen Krieg gegen den Irak vor, obwohl die internationalen Kontrolleure dort trotz angestrengten Suchens bisher keine Massenvernichtungswaffen finden konnten. Einen Augenblick mochte es scheinen, die nordkoreanische Provokation könnte ein Fingerzeig der 'Vorsehung' sein, die schwierige Frage der internationalen Sicherheit doch noch im Rahmen der UNO zu lösen. Dieser Fingerzeig wurde aber von den USA nicht gesehen, denn sie treiben die Vorbereitungen für einen Krieg mit unvermindertem Einsatz weiter. Daraus ist wohl zu schließen, dass aus ihrer Sicht Saddam Hussein auf alle Fälle entmachtet werden muss - entweder freiwillig oder durch Krieg. Im Irak soll ein US-abhängiges Régime installiert werden, damit in Zukunft die Ölregion besser kontrolliert zu werden vermag und vermehrter Druck auf Saudiarabien, wo wichtige Kräfte des internationalen Terrorismus ihr Zuhause haben, und auf den Iran, das selber ein Atomwaffenprogramm vorbereitet, ausgeübt werden kann.

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Aus der Sicht kurzfristiger westlicher Interessen mag dieses Vorgehen sinnvoll sein. Saddam Hussein ist ein brutaler Diktator, der im eigenen Land wenig echte Unterstützung hat. Russland quält sich selber mit islamistischen Kämpfern in Tschetschenien. Indien liegt im Streit mit dem islamischen Pakistan, und auch China hat Probleme mit Muslimen in seinen westlichen Regionen. Die Rechnung der USA könnte also - kurzfristig gesehen - aufgehen. Dieser Erfolg würde aber um einen großen Preis erkauft.

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Die ganze muslimische Welt kann in einem solchen Vorgehen nur reine Machtpolitik sehen. Selbst wenn Saddam Hussein nicht geliebt wird, hat aus ihrer Sicht die USA kein Recht, sich in nationale Angelegenheiten einzumischen. Sie können ebensowenig verstehen, wieso Israel und andere westliche Länder Atomwaffen besitzen dürfen, ihnen dies aber verwehrt wird. Aus ihrer Sicht gibt es nur eine Folgerung: wir sind in den Augen des Westens minderwertige Völker. Gerade dies wird aber als tiefste Demütigung erfahren. Demütigung wird auch immer mehr zur zentralen Erfahrung der Palästinenser angesichts des Verhaltens Israels, wie sogar die israelische Zeitung Ha'Aretz vor wenigen Tagen in einem Kommentar (Humiliation is more than a sum of incidents) festgehalten hat (5.1.2003).

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Eine fundamentale Demütigung der ganzen muslimischen Welt wird Folgen haben. Kurzfristig dürfte dies dem Terror neuen Auftrieb geben. Längerfristig werden auch andere Kulturkreise - wie etwa Indien und China - daraus die Lehre ziehen, dass von den USA nur ein machtvoller Partner als ebenbürtig anerkannt und nicht beliebig manipuliert wird. Der Krieg gegen Saddam Hussein dürfte folglich den internationalen Rüstungswettlauf weiter antreiben und sich in einen weltweiten Wettlauf um technologische Vorherrschaft verwandeln. Eine Folge solcher Rüstung wird sein, dass der Abstand zwischen Reich und Arm weiter zunimmt und auch die Rücksicht auf die Umwelt immer mehr wegfallen muss. Eine gefährliche Spirale beginnt sich erneut zu drehen.

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Stehen wir vor einer hoffnungslosen Situation? Noch vor zwanzig Jahren sah man kaum eine realistische Möglichkeit, wie der gefährliche Rüstungswettlauf zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt überwunden werden konnte. Trotzdem hat sich das Problem plötzlich - gleichsam von selbst - aufgelöst. Die Geschichte kann voller Überraschungen sein. Wir dürfen folglich nie die Hoffnung aufgeben.

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Papst Johannes Paul II. hat immer an die Überwindung des atheistischen Kommunismus geglaubt, und er hat recht bekommen. In seiner Friedensbotschaft zum 1. Januar 2003 hat er an die Enzyklika Pacem in terris erinnert, die Papst Johannes XXIII in einer schwierigen Zeit geschrieben habe (1963). Nur zwei Jahre vor dem Erscheinen der Enzyklika sei die Berliner Mauer errichtet worden, und die Welt sei damals wegen der Kubakrise (1962) am Rande eines Nuklearkrieges gestanden. Johannes XXIII habe dennoch den Frieden nicht für unmöglich gehalten und auf vier entscheidende Voraussetzungen insistiert: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit. Er habe auch daran geglaubt, dass die Überzeugung von der gleichen Würde aller Menschen die Geschichte verändern könne. Um diese Würde anzuerkennen und um das Wohl der ganzen Menschheit zu fördern, habe er eine öffentliche Autorität auf internationaler Ebene gefordert und Hoffnungen auf die UNO gesetzt. Der Glaube an die gleiche Würde aller Menschen habe sich tatsächlich als geschichtswirksam erwiesen und 1989 zur friedlichen Revolution geführt. Umgekehrt zeige heute die dramatische Situation im Nahen Osten und im Heiligen Land, wohin ein Bruderkrieg führe. Nur ein Friede auf der Grundlage gleicher Würde sei vorteilhaft für alle Seiten.- Abschließend betont Johannes Paul II., internationale Strukturen und rechtliche Ordnungen seien wichtig, leltztlich ruhe aber alles auf einer Kultur des Friedens, die aus zahllosen kleinen Zeichen des Friedens und Taten der Versöhnung erwachse. Der Glaube an Gott rufe zu solchen Friedenstaten auf, wie auch der Gebetstag mit Vertretern vieler Religionen um den Frieden in Assisi (24. Januar 2002) gezeigt habe.

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Johannes Paul II entwirft auf diese Weise eine Friedensvision, die sich deutlich von der Politik der USA unterscheidet. Er baut nicht auf die Machtpolitik einer starken Nation, sondern blickt auf die UNO. Er sieht nicht in der Demütigung einer großen weltweiten Religion einen Weg in die Zukunft, sondern vertraut, dass der Glaube an die gleiche Würde aller Menschen geschichtswirksam ist. Er weiss, dass wir Menschen die Geschichte nie in den Griff bekommen, und hebt deshalb die Notwendigkeit des Gebetes um den Frieden hervor und ermuntert uns zu Zeichen und Taten des Friedens im Alltag.

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