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Himmelfahrt und Selbstmordattentate

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:Aktuelle Ereignisse laden uns ein, den Worten des Auferstanden wieder mehr zu vertrauen: 'Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde' (Mt 28,18).
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2002-05-10

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Bewahre uns vor Pest, Hunger und Krieg. So hat man in der christlichen Tradition oft gebetet, und dabei das Leben auf Erden weitgehend als ein Tränental verstanden. Nur der Ausblick auf den Himmel, in den Christus vorausgegangen ist, bot Trost und Zuversicht. Das aufklärerische Denken hat diese Sicht scharf kritisiert. Das Starren auf den Himmel verhindere eine Verbesserung der Verhältnisse auf Erden, so sagte man, und man meinte, hier eine Art Paradies schaffen zu können. Das christliche Denken hat diese Kritik mit der Zeit zu einem großen Teil selber übernommen, und während der letzten Jahrzehnte war auch im katholischen Raum vor allem von der Veränderung und Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse die Rede.

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Doch alles Bemühen um mehr Gerechtigkeit und Frieden auf Erden stößt an harte Grenzen und scheitert immer wieder. Vor allem die vielfältigen Erfahrungen der Gewalt zeigen, dass wir unser Geschick nicht in festen Händen haben und dass es keine Sozialtechnik gibt, die allen Gerechtigkeit verschaffen kann. Soll das Hoffen auf einen wahren Frieden und eine volle Gerechtigkeit nicht leere Utopie bleiben, die leicht in eine zynische Rechtfertigung irdischer Herrschaft und Gewalt umschlagen kann, dann sind wir doch wieder auf ein kommendes Leben bei Gott verwiesen.

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Dass die Ausrichtung auf ein himmlisches Paradies auch massive Auswirkungen für das Leben auf Erden hat, demonstrieren die muslimischen Selbstmordattentäter, und sie beweisen es - über ihre Gegenwart in den Medien - der ganzen Welt. Dies sind zwar erschreckende Beispiele, die aber doch eines klar machen: Wer im Blick auf ein Jenseits das eigene Leben preisgibt, wird unangreifbar. Mit keiner Gewalt kann man ihm etwas heimzahlen. Es bleiben nur Versuche, andere Verdächtige rechtzeitig zu töten. Wer entscheidet aber, dass dabei tatsächlich potentielle Attentäter und nicht Unschuldige getroffen werden? Auf Verdacht hin zu töten öffnet der Willkür Tür und Tor und steigert wechselseitig ungerechte Anklagen, die neuen Verdacht und neuen Terror erzeugen. Gibt es einen Ausweg?

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"Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde" (Mt 28,18). Mit diesen Worten hat sich der auferweckte Christus bei der Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedet. Unter Macht verstand er nicht Gewalt, denn er selber hat durch seine Lehre und sein Leiden vorgelebt, wie dem Bösen mit anderen Mitteln zu widerstehen ist. Im radikalen Vertrauen auf Gott seinen Vater, der Macht über Himmel und Erde hat, ist er seinen eigenen Weg zwischen Gewalt und Gegengewalt gegangen. Dadurch wurde ihm selber Macht gegeben. Im Vertrauen auf diese Macht bietet sich heute die Möglichkeit an, die verheerende Spirale zwischen der negativen Unangreifbarkeit der Attentäter und dem unterschiedslosen Dreinschlagen gegen Verdächtige aufbrechen. Die bitteren Ereignisse der Gegenwart, die ausweglos werden, laden uns deshalb ein, wieder mehr auf den Weg und die Worte Christi zu vertrauen und nicht der Weltweisheit von Schlag und Gegenschlag zu folgen.

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