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Krieg der Gefühle - Herz Jesu

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-03-27

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

1
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Der Krieg im Irak läuft anders als geplant, und er dürfte länger dauern, als vorausgesehen war. Die Bilder von Opfern, die Angst vor weiteren Toten und die Hoffnung auf Erfolg wecken tiefste Gefühle und steigern Emotionen. Bei jenen, die gegen den Krieg waren, wird sich leicht - offen oder heimlich - eine Genugtuung oder gar Freude über die Schwierigkeiten der Amerikaner und Briten einschleichen. Die Iraker zittern vor Bomben, sorgen sich um das Leben ihrer Familien, und viele von ihnen triumphieren bei jedem Verlust ihrer Gegner. Die arabische Welt empfindet es als eine Wiederherstellung ihrer Ehre, wenn der kleine David Irak dem großen Goliat USA möglichst lange widersteht. Amerikanische und Britische Politiker fürchten um ihren politischen Erfolg, und viele ängstigen sich ganz einfach um das Leben von Mitmenschen, die direkt im Krieg stehen und mit denen sie verbunden sind. So drängen sich widersprüchliche Gefühle auf, die zugleich verdeckte eigene Emotionen aus anderen Erfahrungsbereichen wecken können.

2
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Der Krieg wird zur Herausforderung auch für jene, die nicht direkt betroffen sind. Er weckt ein Gewirr von Stimmungen und Aggressionen, die ihre eigene Dynamik haben und die nichts Gutes bewirken, wenn sie ihrem Lauf überlassen bleiben. Der Krieg ruft, soll er nicht an vielen Orten weiteres Unheil schüren, deshalb nach einer Reinigung und Durchleuchtung der eigenen Gefühlswelt. Mit wem soll ich mich freuen, mit wem mitleiden? Muss ich nicht für die einen und gegen die anderen sein? Ist eine kalte Distanz nicht unmenschlich?

3
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Wie Kriegshandlungen die Pläne der Strategen, die vorher gemacht wurden, überrennen, so wirbeln sie Gefühle hoch, die leicht unserer Kontrolle entgleiten. Wollen wir uns nicht mitreißen lassen, bedarf es einer bewussten Vertiefung in Schmerz und Erregung, in Todesangst und Lebenshoffnung, in Wut und Feindesliebe. Das eigene Herz ist dabei sehr unsicher und weiß nicht recht, wohin es sich ziehen lassen sollen. Eine alte Frömmigkeitsform dürfte in dieser Situation vielleicht hilfreich sein. Die Vertiefung in die dramatischen Erfahrungen des Herzens Jesu, der selber Erregungen und Zorn gekannt, Gewalt erfahren und Feindesliebe gelebt hat, kann uns etwas weiterführen, denn dieses Herz eröffnet einen Weg wahren Lebens und wahren Friedens auch inmitten einer Welt von Feindschaft und Krieg.

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