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Stundenbuch App jetzt vollständig fürs Smartphone

Autor:Lumma Liborius
Veröffentlichung:
Kategoriekurzessay
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2016-04-29

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Seit dem Erscheinen der Stundenbuch-App, die durch das Deutsche Liturgische Institut Trier und den Katholische Pressebund Bonn erstellt wurde, sind etwa zweieinhalb Jahre vergangen. Nun kann ein neuer großer Schritt vermeldet werden: Sämtliche Horen des römisch-katholischen Stundengebetes sind seit einigen Tagen eingearbeitet und stehen kostenlos zum Herunterladen bereit, nachdem zunächst nur ein Anfang mit den Haupthoren Laudes, Vesper und Komplet gemacht worden war und später auch Terz, Sext und Non hinzugekommen waren. Die Funktionsweise der Stundenbuch-App hatte ich bereits unter https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/1022.html vorgestellt.

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Mit der Erweiterung – die Aktualisierung lief auf meinem Smartphone übrigens nicht problemlos, ich musste am Ende die App löschen und komplett neu installieren – ist der Startbildschirm etwas unübersichtlich geworden: Man muss sich durch die einzelnen Gebetszeiten scrollen, ohne dass die Scrollleiste sofort sichtbar wäre; das ist leider zunächst irritierend. Auch scheint die App neue Kinderkrankheiten angenommen zu haben, nämlich absturzanfälliger geworden zu sein: Hier ist zu hoffen, dass solche Schwächen im Laufe der Zeit behoben werden können.

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Der entscheidende inhaltliche Gewinn der Neuedition besteht in der Aufnahme der Lesehore. Das auf Lateinisch so bezeichnete officium lectionis ist ja in gewisser Weise ein Stiefkind der vom II. Vatikanum in Auftrag gegebenen Stundengebetsreform: Die Lesehore entspricht nicht dem Paradigma der „passenden Tageszeit“ (vgl. SC 88), weil sie überhaupt keiner Tageszeit zugeordnet ist; sie ist kaum für eine gemeinschaftliche Feierform hergerichtet und sie ist in der Druckfassung des Stundenbuchs auf sechzehn (!) Bände verteilt, deren Kaufpreis sich auf deutlich über 200 Euro summiert.

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Durch die Aufnahme in die App wird die Lesehore nun in handlicher Form zugänglich und mit ihr einer der wichtigsten Schätze kirchlicher Spiritualität überhaupt, der leider in der katholischen Alltagsfrömmigkeit nahezu völlig ausgeblendet wird, nämlich die Betrachtung theologisch hochrangiger außerbiblischer Glaubensüberlieferung: von patristischer Literatur bis hin zum II. Vatikanischen Konzil und Karl Rahner SJ. Gerade diese Elemente waren es ja, die trotz der weitgehenden Abschaffung der frühmorgendlichen Matutin in Form einer „geistlichen Lesung“ erhalten bleiben sollten (vgl. SC 89c). All diese Texte wären außerhalb theologischer Fachbibliotheken niemals in dieser Fülle zugänglich, hier werden sie nun als Quelle für geistige und geistliche Beschäftigung im Kontext von Glaube und Kirchenjahr kostenlos zur Verfügung gestellt.

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Noch immer vermag mich die mitgelieferte „Einleitung“, für die der aus den Medien bekannte Paulus Terwitte OFMCap verantwortlich zeichnet, nicht ganz zu überzeugen, doch das gehört wahrlich zu den unbedeutenden Randbemerkungen gegenüber den großen Vorzügen dieser digitalen Edition. Das einzige, was der rubrizistischen Vollständigkeit halber noch fehlt, sind die Eigenliturgien der deutschsprachigen Diözesen und Orden, doch mit einer solchen Erweiterung – die auch die Menüführung verkomplizieren dürfte – wird wohl in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sein.

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Was im Spätmittelalter das breviarium stadtrömischer Kleriker war, ist nun die Stundenbuch-App im 21. Jahrhundert: eine jederzeit verfügbare Möglichkeit, als Einzelperson an den liturgischen Schätzen der Kirche teilzuhaben. Auch wenn die gemeinschaftliche Feier in der christlichen Communio durch das Lesen am Smartphone weder ästhetisch noch ekklesial ersetzt werden kann, so ist das „digitale Brevier“ doch eine in nie dagewesener Einfachheit praktikable Variante dessen, was das Konzil „jenen Hymnus“ nennt, „der in den himmlischen Wohnungen durch alle Ewigkeit erklingt“ (SC 83), „Quelle der Frömmigkeit und Nahrung für das persönliche Beten“ (SC 90).

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