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Kleines Stundenbuch app jetzt auch digital!

Autor:Lumma Liborius
Veröffentlichung:
Kategoriekurzessay
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2013-11-06

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Eine große Lücke für die liturgische Praxis der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum wurde Anfang November 2013 geschlossen: Das Deutsche Liturgische Institut Trier und der Katholische Pressebund Bonn haben die Inhalte des „Kleinen Stundenbuchs“ als kostenlose App für Android und iOS veröffentlicht. Dieselben Inhalte sind auch auf der Website http://stundenbuch.katholisch2.de abrufbar.

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Das „Kleine Stundenbuch“ stellt bekanntlich die Kurzfassung des „Stundenbuchs“ dar, also die Tagzeitenliturgie der römisch-katholischen Kirche in Form eines „Lesebuchs“ (Breviers), beschränkt auf Laudes, Vesper und Komplet sowie eine minimale Auswahl für die Kleinen Horen.

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Vom Startbildschirm der App können die Horen einzeln aufgerufen werden; hinzugefügt ist auch der Menüpunkt „Tageslesung“ mit den Schrifttexten der Eucharistiefeier. Angegeben ist auch das liturgische Datum, das sich nach dem Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet richtet; diözesane Besonderheiten finden keine Berücksichtigung.

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Die einzelnen Horen sind vollständig wiedergegeben, also auch Eröffnungsformeln, Gloria Patri, Gebet des Herrn usw. Neben dem typischen „Wischen“ auf dem Bildschirm gibt es auch eine „Einfinger-Lesehilfe“: Hier kann man durch eine Pfeiltaste von Zeile zu Zeile springen, die dann farblich hervorgehoben wird.

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Eine vergleichbare kostenlose App existierte bislang nur für Invitatorium und Komplet („Carpe diem“), dort übrigens in acht verschiedenen Sprachen.

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In den Einstellungen ist die Schriftgröße beinahe stufenlos einstellbar, die Marianischen Antiphonen können wahlweise deutsch oder lateinisch angezeigt werden – und als ein besonderes Feature für diejenigen, denen die Fülle an Textmaterial zu groß ist, kann anstelle der kompletten Psalmodie auch nur je ein einziger Psalm angezeigt werden.

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Die Inhalte des Stundengebetes werden jeweils für 10 Tage im Voraus geladen, so dass keine ständige Internetverbindung erforderlich ist.

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Beigegeben ist den Texten eine „Info“-Seite, auf der der Vorsitzende des Katholischen Pressebundes, Paulus Terwitte, kurz in das Stundengebet und die Handhabung der App einführt.

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Ohne überflüssigen Schnickschnack lassen sich die Horen sofort aufrufen und problemlos ablesen. Etwas unübersichtlich scheint mir die farbliche Gestaltung der Startseite, hier wären klarere Kontraste hilfreich. Da die App um Mitternacht auf den folgenden Tag umschaltet, ist es derzeit nicht möglich, nach Mitternacht die Komplet des vorigen Abends anzuzeigen. Im Gegensatz dazu bietet die Website die Möglichkeit, auch den vorigen und den folgenden Tag abzurufen; ein Feature, das sich vielleicht auch noch der App beifügen ließe (ohne damit einem zwanghaften Rubrizismus das Wort reden zu wollen). – Bei mir momentan noch recht häufig auftretende Abstürze der App dürften zu den üblichen Kinderkrankheiten eines Computerprogramms gehören und vermutlich nach und nach beseitigt werden.

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Da die App das „Kleine Stundenbuch“ abbildet, ist die Textauswahl für die Kleinen Horen mehr als dürftig: Es handelt sich täglich um Psalm 118, der in der christlichen Rezeption eigentlich kein „Alltags“-, sondern ausschließlich ein „Sonntagspsalm“ ist; aber diese Schwäche ist nicht der App anzulasten. In einer Zeit, in der Menschen gerne tagsüber nach Gelegenheiten für „kurze Ruhepausen“ suchen, wäre allerdings zu hoffen, dass nach und nach auch Terz, Sext und Non aus dem „großen“ Stundenbuch in die App eingearbeitet werden oder das sonstwie eine vereinfachte Auswahl für die Psalmodie der Kleinen Horen erarbeitet wird.

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Im „Info“-Text von Paulus Terwitte ist die Bemerkung besonders treffend, dass der Verbreitung des Stundenbuchs bislang nicht zuletzt die hohen Anschaffungskosten im Weg standen und dass in der App nun eine Publikation vorliegt, die den Vollzug des Stundengebetes auch ohne die im gedruckten Buch leider erforderlichen rubrizistischen Vorkenntnisse ermöglicht. Merkwürdig mutet hingegen an, die Theologie des Stundengebetes am Psalmvers „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob“ festzumachen, der seit der Tagzeitenreform des II. Vatikanischen Konzils gar nicht mehr zutritt (und deswegen von Terwitte auch den heutigen Horen historisch unkorrekt zugeordnet wird). Noch weniger hilfreich sind die Erklärungen zum Asteriskus, den Terwitte nicht als Innehalten im Atemrhythmus, sondern völlig unzutreffend als „meditative Pause von einigen Takten“ erläutert, was „allerdings nur dann wichtig [ist], wenn die Psalmen gesungen werden“ (was mit der App gar nicht möglich ist). Hier ist auf eine möglichst baldige Änderung des Textes zu hoffen!

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Das II. Vatikanische Konzil hat daran erinnert, dass für die Tagzeitenliturgie die gemeinschaftliche Feier immer vorzuziehen ist (SC 99). Stundenbuch, Kleines Stundenbuch und Stundenbuch-App sind hingegen „Breviere“ für Einzelpersonen. Das macht eine solche Ausgabe aber nicht schlechter – im Gegenteil: Die einfache Verwendbarkeit des Stundenbuches, die nun endlich gegeben ist, kann sogar die Lust darauf wecken, diese Liturgieform auch mehr und mehr als Feier in den Gemeinden zu entdecken. Dass die aus dem Konzil hervorgegangene Liturgia Horarum sowohl inhaltlich als auch strukturell nicht der Weisheit letzter Schluss sein muss, scheint mir mittlerweile unumstritten; dennoch hat es auch einen ekklesialen Wert, wenn die „offizielle“ Liturgie der katholischen Kirche allen in einfacher Form zugänglich gemacht wird.

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Manchem mag der Gedanke, Schrifttexte und Gebete von einem Bildschirm abzulesen, eher fremd sein. Doch sind die alten Breviere gerade dadurch entstanden, dass man auf dem gegebenen Stand der Technik eine möglichst handliche Ausgabe der Tagzeitenliturgie für Einzelbeterinnen und Einzelbeter zur Verfügung stellen wollte, die diese in der sprichwörtlichen Manteltasche mit sich führen können. Wenn sich die Technik weiterentwickelt, darf sich auch das Medium vom gedruckten Buch zum allgegenwärtigen Smartphone weiterentwickeln!

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