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Leben im Frieden angesichts des Todes

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:Die Kirche gedenkt der Toten, und die Weltsituation ruft uns ins Zentrum des Glaubens zurück
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2001-11-02

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Die Kirche gedenkt am zweiten November aller Toten. In diesem Jahr verbindet sich dieses Gedenken mit der Erinnerung an jene, die beim Terroranschlag in den USA ihr Leben verloren haben. Der Tod, der gewaltsame Tod ist auf neue Weise mitten in unser pulsierendes Leben eingedrungen. Durch Bomben, die jetzt in Afghanistan fallen, gibt es auch täglich neue Tote, die uns durch Medienberichte nahe gebracht werden. Da sie fern sind, können wir uns zwar rasch an sie gewöhnen, und sie helfen uns auch jene Toten zu verdrängen, von denen in ihrem Leben der Terror in den USA ausgegangen ist. Gerade diese Toten stellen der modernen Welt aber unangenehme Fragen: Warum haben sie das getan, und welches Verhältnis hatten sie zum Tod, dass sie ihr Leben nach langer und kühler Vorbereitung bewusst 'opfern' konnten?

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Die moderne Gesellschaft verdrängt den Tod, und für sie gibt es - außer ihrem eigenen ziellosen Funktionieren - keinen Wert, für den man sich unbedingt einsetzen darf. Dieser Gesellschaft treten jetzt Menschen entgegen, die etwas für viel wichtiger halten als dieses Funktionieren und die bereit sind, dafür ihr Leben hinzuwerfen. Viele können darin nur Wahnsinn sehen. Doch selbst wenn es - von herrschenden Standards aus gesehen - Wahnsinn ist, stellt sich die Frage, wer auf die Dauer geschichtsmächtiger sein wird: jene, die nur noch funktionieren wollen und den Tod fürchten oder jene, die sich unbedingt für etwas einsetzen und den Tod nicht scheuen? Der Ausgang mag mittelfristig ungewiss ein. Der Konflikt zwischen diesen beiden Haltungen bringt aber jetzt schon eine neue Unsicherheit in die Welt, die kaum rasch verschwinden wird, denn die technische Welt produziert dauernd neue Dinge, die sich gegen sie selber wenden lassen. Die Sicherung der eigenen Sicherheit wird deshalb zum obersten Ziel der technisierten Welt werden, und der verunsicherten menschlichen Phantasie werden auch bald neue Mittel einfallen, um den Tod weiter zu verdrängen.

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Diese Situation ruft die Christen ins Zentrum ihres Glaubens zurück. In den letzten Jahrzehnten wurde auch in theologischen Kreisen oft so getan, als ob das Wesen der christlichen Überzeugung in der Förderung einer irdischen Utopie bestehe. Doch dies war eine Verkehrung, die nur zur Enttäuschung führen kann. Der christliche Glaube hat in seiner Wahrheit nie ein Reich des Glücks und des Wohlbehagens auf Erden versprochen, sondern den wahren Frieden und die wahre Glückseligkeit immer mit der Auferstehung von den Toten verbunden. Für das Leben auf Erden hat er dem Kreuz einen zentralen Platz eingeräumt. Angesichts der heillosen Opposition zwischen einer ziellos funktionierenden Gesellschaft und ihren tödlichen Feinden hilft es heute, eine ganz andere Haltung zu gewinnen. Wer sich auf den Weg Jesu einlässt und auf einen Gott baut, der nicht mit Gewalt herrscht, sondern die Opfer der Gewalt vom Tod zum Leben erweckt, kann gelassen werden. Er oder sie braucht weder den Tod zu verdrängen noch eine sinnlos funktionierende Welt gewaltsam zu bekämpfen. Es öffnet sich vielmehr ein Raum für Erfahrungen des Friedens in einer unsicheren Welt angesichts eines stets möglichen Todes. Solche Erfahrungen helfen dann, schon auf Erden Lebensräume entstehen zu lassen, die Zeichen für das vollendete Leben bei Gott sind.

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