Neros Erbe im Untergrund
Die Domus Aurea und ihre architektonische Metamorphose
Dr. Ing. Heinz-Jürgen Beste (Deutsches Archäologisches Institut Rom)
Die Domus Aurea, 64 n. Chr. unter Kaiser Nero nach dem großen Stadtbrand Roms als neue Residenz in Auftrag gegeben, zählt zu den faszinierendsten Monumenten der Antike. Die einst rund 80 Hektar umfassende Anlage veränderte das römische Stadtbild grundlegend und erlangte nicht zuletzt durch die in der Renaissance entdeckten Wandmalereien („Grottesken“) Berühmtheit. Trotz intensiver Erforschung blieben Genese, Gestalt und konkrete Nutzung weiter Teile des Komplexes jedoch lange in Teilen ungeklärt. Neuere Untersuchungen – insbesondere die bauhistorischen Mikroanalysen Laura Fabbrinis – zeigten, dass die heute erhaltenen Kammern des Colle Oppio als Substruktion für ausgedehnte Peristyle und Wasserspiele im Obergeschoss dienten. Aktuelle Bauforschungen belegen zudem, dass es sich keineswegs um ein völlig einheitliches Projekt handelte, sondern vorneronische Bauten integriert wurden. Auch die Umgestaltung nach Neros Tod sowie die Verfüllung der Räume zur Errichtung der Trajanstherme (106–109 n. Chr.) nach dem Brand von 104 n. Chr. wiesen bisher erhebliche Dokumentationslücken auf. Der dramatische Einsturz zweier Substruktionskammern 2010 machte die gravierenden Erhaltungsrisiken durch Feuchtigkeit, statische Instabilität und schwankendes Mikroklima offenbar. Als Reaktion rief die Soprintendenza (SSBAR) in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut Rom eine interdisziplinäre Expertengruppe ins Leben. Archäologen, Bauforscher, Bauphysiker und Restauratoren arbeiten seither gemeinsam daran, den monumentalen Bau nachhaltig zu sichern und seine vielschichtige Entwicklungsgeschichte zu entschlüsseln.
Campus Innrain
Ágnes-Heller-Haus
Kleiner Hörsaal U1J090 (U1)
Innrain 52a
6020 Innsbruck
Teilnahme
Eintritt frei
Veranstalter
Archäologien
Kontaktpersonen
Florian Müller
florian.m.mueller@uibk.ac.at
+43 512 50740808
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