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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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ALIPRANDI, Antonio

 

1. ALIPRANDI, Antonio (Anton, Antonius)
Alliprandi, Allebrandi (Saur, Bd. 2, 1992, 411, 539) Antonius (Sailer, 1943, 63).

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur, kaiserlicher Stuckateur seit 1703, Zeichenmeister und Bildhauer
(ÖKL, 1974, Bd. 1, 31; Saur, Bd. 2, 1992, 411; Morpurgo, 1962, 100, 129).

3. BIOGRAPHIE

* Laino, 1654
† Wien, 26.9.1718

Vielleicht identisch mit dem Zechmeister Branti, über den sich 1686 der Stuckateur Spätz beschwerte (Sailer, 1943, S. 64).
Antonio Aliprandi stammt aus einer Stuckateurfamilie aus Laino/Val d'Intelvi. Er ist Schüler von F. Martinelli, wird 1680
Meister genannt und 1684 Bürger von Wien. Mit seinem Vater Lorenzo und seinem Bruder Cristoforo arbeitet er 1680/1681
in Ottenstein bei Zwettel/NÖ. Sie stuckierten das Gewölbe der Schlosskapelle (Hl.Florian), fertigten die Stuckplastiken der Nischen sowie die Putti über dem Hauptsims an. Mit seinem Vater arbeitete er ein weiteres Mal (Altes Rathaus, Wien;
1699 bis 1709) zusammen.
Antonio Aliprandi führte einen Großbetrieb, der relativ regelmäßig beschäftigt war. Er war vor allem in Niederösterreich tätig: Schloss in Sparbach bei Mödling (1689); Schloss in Gaaden bei Mödling (1695); zusammen mit Giovanni Piazzoli
stuckierte er ab 1684 die Decken einiger Abteiräume im Zisterzienserstift Heiligenkreuz, 1691 die Decke eines der Kaiserzimmer (im ersten Stock des Gästehauses), 1691 das Portal der dortigen Kaiserstiege und schließlich 1709 das Treppenhaus zum Schlafsaal, den Gang vor der Sakristei und die Sakristeidecke.
Ab 1703 wird er als kaiserliche Stukkateur angeführt.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Der Vater Lorenzo (* Laino, um 1629, † Wien, vielleicht um/nach 1703, da in diesem Jahr die Arbeiten eingestellt wurden)
führte einen Kleinbetrieb im selben Haus in dem sich 1693 bis 1711 die Werkstatt von Antonio befand. Er heiratete Lucia, die Tochter von Giovanni Baptista Barbarino, die ebenfalls aus Laino stammen. Sein Sohn Cristoforo war neben Stuckateur auch Maurermeister und als solcher im Kreis der Italiener ab 1681 tätig. Ein weiterer Sohn, Michael, führte in Wien eine mittlere Werkstatt. Auch ein vierter Sohn, Giacomo Lorenzo ist als Stuckateur erwähnt (in der älteren Literatur wird Lorenzo als Bruder Cristoforos bezeichnet ; Hajdecki, 1906, S 30ff; Sailer, 1943, S 64).

In enger Beziehung stand Antonio Aliprandi zu der Familie Martinelli; er war 1710 Trauzeuge des Maurermeister Anton
Erhard Martinelli und Taufpate dessen Vaters Franceso Martinelli (*1684, (Hajdecki, 1906, S.60). Sebastiano Carlone, Besitzer einer Ziegelbrennerei und Schwiegervater Donato Felice Allios, durch dessen erste Ehe, nennt Francesco
Martinelli
und Antonio Aliprandi in seinem Testament († Wien, 11.5.1702 mit 54 Jahren) und vertraut ihnen seine zwei minderjährigen Töchter an (ebenda, S. 52). Auch zum Stuckateur Girolamo Alfieri scheint Antonio Aliprandi in enger Verbindung gestanden zu sein, denn er ernannte ihn zum Paten von seinen Zwillingen, die allerdings früh gestorben sind (ebenda, S. 36).

 

5. WERKE

(WIEN)

5.1 Altes Rathaus (Wollzeile)
1699 - Stuckdecke in barocken Räumen; Zusammenarbeit von Lorenzo und Antonio Aliprandi mit Johannes Rueber

(NIEDERÖSTERREICH)

5.2 Stuckdekorationen 1695 im Schloss in Gaaden bei Mödling in NÖ (Saur, Bd. 2, 1992, 411; Sailer, 1943, 63;
Preimesberger, 1964, 327);

5.3 Im Stift von Heiligenkreuz (NÖ) dekorierte er die Decken einiger Arbeitsräume, ab 1689 in Zusammenarbeit mit Giovanni
G. Piazzoli (Saur, vergl. dazu Dehio: Johann Piazoll). Neben diesen Arbeitsräumen schmückte er 1691 auch das Portal des Kaisersaals, ebenso wie das Treppenhaus zum Schlafsaal, 1709 den Gang vor der Sakristei, die Sakristeidecke und das Kaiserzimmer (dieses zusammen mit Piazoll) mit Stuck aus (Dehio NÖ, 117, Saur, Bd. 2, 1992, 411; Sailer, 1943, 63;
Reclams Kunstführer, Bd. 1, 4 1974, 150, Preimesberger, 1964, 327).

5.4 In Ottenstein bei Zwettl (NÖ) führte er 1680/1681 zusammen mit seinem Vater Lorenzo und mit seinem Bruder Cristoforo (Christoph) Arbeiten im Kapellengewölbe des Schlosses aus. Die Kapelle ist dem Hl. Florian geweiht (Saur, Bd. 2, 1992, 411; Luchner, Bd. 1, 1978, S. 222; Sailer, 1943, 63, Reclams Kunstführer, Bd. 1, 4 1974, 329).

5.5 In Sparbach bei Mödling (NÖ) führte er 1689 Stuckarbeiten im Schloss aus (Saur, Bd. 2, 1992, 411-412; Preimesberger, 1964, 327).

 
6. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich. Wien 1967.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien. Wien 1954.
HAJDECKI, Alexander: Die Dynastenfamilien der italienischen Bau- und Maurermeister der Barocke in Wien.
In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins Wien, Bd.39 (1906). S. 1-83.
LUCHNER, Laurin: Schlösser in Österreich, Bd 1, Residenzen und Landsitze in Wien, Niederösterreich und dem
Burgenland. München 1978.
MORPURGO, Enrico: Gli artisti italiani in Austria. Vol II: Il secolo XVII. Roma 1962.
PREIMESBERGER,R.: Notizen zur italienischenStukkatur in Österreich. in: ARSALAN, E. (Hg): Arte e Artisti lombardi,
Vol II, Gli Stuccati del barocco. 1964
SAILER, Leopold: Die Künstler Wiens, Bd. 1 Die Stukkateure. Wien-München-Brünn 1943.
SAUR, Allgemeines Künstler-Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd.2, München-Leipzig 1992.
SCHAFFRAN, Emerich: Wien. Ein Wegweiser durch seine Kunst. Wien s.a.
THIEME, Ulrich, BECKER, Felix: Allgemeines Lexikon bildender Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 1,
Leipzig 1907.

©Maria-Luise Storch und Irene Raifer, Januar 2004

 

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