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Kreuz-Weg-Stationen
(Gedanken zum Palmsonntag 2012 (LJ B))

Autor:Wandinger Nikolaus
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:Der Palmsonntag spannt einen weiten Bogen: vom triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem durch die ganze Passion hindurch bis zu seinem grausamen Tod nur fünf Tage später. Ich möchte einige Wegmarken dieses Bogens näher ansehen, sieben Kreuzwegstationen, wenn man so will ...
Publiziert in:
Datum:2012-04-20

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Lesungen: Mk 11,1-10; Jes 50,4-7; (Phil 2,6-11); Mk 14,1-15,47 (15,1-39)

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Liebe Gläubige,

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der Palmsonntag spannt einen weiten Bogen: vom triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem durch die ganze Passion hindurch bis zu seinem grausamen Tod nur fünf Tage später. Ich möchte mit Ihnen einige Wegmarken dieses Bogens näher ansehen, sieben Kreuzwegstationen, wenn man so will.

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1. Station: Triumphaler Einzug in Jerusalem: Die Menschen jubeln Jesus zu, weil er kommt im Namen des Herrn. Aber wir wissen, dass dieser Jubel nicht lange anhält. Jesus hat zu viele enttäuscht. Als er plötzlich da ist in Jerusalem – ein ganz normaler Mensch wie du und ich –, da sieht er nicht mehr aus wie im Namen des Herrn gekommen. Und immer wieder stellt sich diese Frage – auch für uns: wer spricht im Namen des Herrn? Muss der außergewöhnlich aussehen – oder kann es auch ein normaler Mensch wie du und ich sein? Es spricht im Namen des Herrn, wer spricht wie Jesus.

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2. Station: Selbstgeschenk in Brot und Wein: Und dann feiert Jesus sein letztes Abendmahl. Verhaftung, Folter und Tod stehen unmittelbar bevor. Seine Kraft, sein Leben soll ihm entrissen werden. Doch Jesus unterläuft das. „Nehmt, das ist mein Leib. Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ Nichts wird ihm entrissen, sondern er selbst gibt sich selbst – noch bevor andere ihm Gewalt antun. Jesus verwandelt Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut – er verwandelt den verdammenden Hass, den sie ihm entgegenschleudern werden, in erlösende Liebe. Wer die letzte Gewalt noch verwandeln kann in ein Liebesgeschenk, den kann man mit Gewalt nicht zerstören.

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3. Station: Furcht und Angst: Und doch! Derselbe Jesus wird ergriffen von Angst und Furcht und betet, fleht, dass ihm diese Tortur erspart werden könnte. Jesus sucht nicht das Leiden, er möchte es vermeiden; Jesus sucht nicht den Tod, er würde gerne leben. Jesus ist kein Masochist und kein Selbstmörder, er liebt das Leben, auch das eigene. Er liebt aber auch das Leben derer, die ohne seinen Tod Gefangene der Sünde und des ewigen Todes blieben. „Nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).“ Er geht freiwillig in den Tod, obwohl er das Leiden fürchtet und das Leben liebt, weil es Gottes Wille ist. Doch, warum um alles in der Welt, sollte Gott den Tod seines geliebten Sohnes wollen?

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4. Station: Verbrechen und Reue: Petrus, der Fels: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. […] Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet.“ Und dann: Reue, Tränen. Petrus, der Versager. Aber: Petrus verleugnet, bereut und erkennt, dass Jesus ihm schon vergeben hat; er hat ihm sein Vergehen ja auf den Kopf zugesagt und ihn doch nicht verstoßen. Judas verrät, bereut – und verzweifelt. Auch ihm hat Jesus sein Vergehen auf den Kopf zugesagt und ihn nicht verstoßen, er teilte ja auch mit ihm das Abendmahl, aber Judas sieht das nicht. Er kann nicht glauben, was Jesus ihm vorlebt: Vergebung und Feindesliebe ohne Einschränkung. Petrus, der Fels, zerbricht nur beinahe, aber er fängt sich wieder: er glaubt der Vergebung Jesu und gerade darum kann er umkehren.

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5. Station: heidnischer Spott: Römische Soldaten lassen ihrem Spott an Jesus freien Lauf. „Heil dir, König der Juden!“ Sie verspotten den Mann mit der Dornenkrone und mit ihm sein ganzes Volk. Juden und einen König haben – nicht mehr im römischen Frieden! Die Gemeinheiten und Grausamkeiten der römischen Soldaten sind ihre Vorurteile und ihre Verachtung für das ganze besetzte Israel. An Jesus lassen sie sie aus. Jesus erleidet sie anstelle seines Volkes. Und sein Volk?

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6. Station: „frommer“ Spott: Auch sie verlachen ihn, auch sie spotten. Aber sie spotten anders: Was für die Römer außerhalb jeder Vorstellung ist, das fordern sie: einen Beweis seiner Königswürde. „Er soll doch jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben.“ Ja, warum tut Jesus das eigentlich nicht? Da hätten sie doch schön dumm dreingeschaut! In der Tat, dumm und vor allem erschrocken, angstvoll. Ein Messias, der vom Kreuz heruntersteigt, was würde der mit seinen Verfolgern anstellen? Er würde sie vernichten, er würde Vergeltung suchen, keine Vergebung anbieten. Er wäre ein Sohn Gottes, der sich mit Gewalt durchsetzt. Das ist nicht der Wille Gottes – und darum hängt Jesus am Kreuz und bleibt auch dort hängen. Kein Gottesbeweis des Kreuzesabstiegs! Deshalb will Gott den Tod seines geliebten Sohnes: weil er will, dass die Menschen an einen Gott der Liebe und der Vergebung glauben, nicht einen der Rache und der Vergeltung. Und wie kann man das Menschen zeigen, die sich bis aufs Blut dagegen wehren? Indem man sie das Blut des Gottessohnes vergießen lässt ohne dass es zu Rache und Vergeltung kommt. Das ist an ganz anderer „Gottesbeweis“.

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7. Station: von Gott verlassen? Er bleibt hängen, sechs lange Stunden, mit durchbohrten Händen, mit blutender Kopf- und Rückenhaut, gequält von Durst und sengender Mittagshitze – so lange bis er sich von Gott verlassen fühlt. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Als Antwort bekommt er Essig zu trinken. Hat Gott ihn verlassen? Jesus kennt die Worte des Gottesknechtes aus Jesaja. Ist da von ihm selber die Rede? „Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.“ Genau so war es doch. Er war in diese Situation gekommen, weil Gott sein Ohr geöffnet und er auf Gott gehört hatte. Und jetzt – verlassen? Nein, denn es geht ja weiter: „Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.“ Als Verbrecher gekreuzigt vor den Toren Jerusalems, entehrt und geschändet – und doch: nicht in Schande enden. Von Feinden umzingelt, gedemütigt, gequält und getötet – und doch: nicht von Gott verlassen. Frommer Wunsch oder letzte Realität?

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Am Ostersonntag wird es sich zeigen. Im Gottesbeweis der Auferweckung!

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