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Ehrendoktorat der Fakultät für José Casanova

Autor:Niewiadomski Jozef
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2010-06-08

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Ist die Angst vor Religion, wie sie derzeit in Europa an vielen Fronten geschürt wird, gerecht? José Casanova, einer der wichtigsten Religionssoziologen der Gegenwart, sagt: Nein! Seine Forschungsarbeiten stellen die simple These in Frage: Säkularisierung gehe Hand in Hand mit Demokratisierung und Toleranz. Damit entziehen sie jenen kulturpolitischen Strömungen den Boden, die im Namen eines säkularistischen Selbstverständnisses der modernen Gesellschaft das religiöse Erbe aus dem kollektiven Bewusstsein zu tilgen versuchen. Casanova warnt vor dem “säkularistischen Dogma”, er öffnet aber auch neu den Blick auf die Frage nach integrativer Rolle von Religionen. Deswegen kritisiert er die neurotisierende Angst vor dem Islam und leistet auch einen Beitrag zur Thematik der Integration muslimischer MigrantInnen in Europa. Vieles aus seiner Arbeit ist durch die epochale Wende in der katholischen Kirche mit bedingt: Nicht der Staat, sondern die Zivilgesellschaf sei demnach der eigentliche öffentlichen Ort der Kirche: „Die Kirche scheint nicht nur die Trennung vom Staat, sondern auch die Abkoppelung von der politischen Gesellschaft im eigentlichen Sinne akzeptiert zu haben. Freilich bedeutet das nicht, dass damit der Katholizismus zwangsläufig zu einer reinen Privatsache würde oder die Kirche keine öffentliche Rolle mehr spielte. Es bedeutet lediglich, dass nun die Zivilgesellschaft zum öffentlichen Ort der Kirche geworden ist, und nicht mehr, wie früher der Staat oder die politischen Gesellschaft.”

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Der gebürtige Spanier hat zu Beginn der 70-er Jahre als Canisianer sein Theologiestudium auf unserer Fakultät mit einer Diplomarbeit bei Univ.-Prof. Dr. Franz Schupp abgeschlossen. Seine wissenschaftliche Kariere machte er im Bereich der Religionssoziologie in den USA; als einer der weltweit führenden Religionssoziologen hat Casanova derzeit eine Forschungsprofessur am “Department of Sociology and Anthropology” der Georgetown University inne und leitet dort das “Program on Globalization, Religion and the Secular” des “Berkley Centers for Religion, Peace, and World Affairs”. Am 12. Juni 2010 wird ihm das Ehrendoktorat in Theologie verliehen. Mit diesem Akt bringt unsere Fakultät nicht nur ihren berechtigten Stolz auf den international renommierten Wissenschaftler zum Ausdruck. Seit Jahrzehnten ist vieles in unserer Forschung und Lehre auf die Kritik des Vorurteils: “Religion erzeuge Gewalt” und auf die Kultivierung des friedensstiftenden Potenzials der Religion ausgerichtet. Das Ehrendoktorat für Casanova transportiert die kulturpolitische Botschaft: Nicht weniger, sondern mehr an Religion braucht das Land. An einer Religion, die eine integrative Rolle in der Gesellschaft spielt. Auch oder gerade in Tirol.

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