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"Die Wahrheit wird euch frei machen"

Autor:Büchele Herwig
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2009-07-09

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Die dritte Enzyklika Benedikt XVI. trägt den Titel „Caritas in veritate". Sie  versteht sich als Fortführung der Soziallehre der katholischen Kirche im Zeitalter der Globalisierung. Äußerer Anlass des Sozialschreibens ist der 40. Jahrestag der Enzyklika „Populorum progressio" von Papst Paul VI.

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Die Sozialenzyklika des gegenwärtigen Papstes unterscheidet sich in ihrer ethischen Grundlegung sehr klar von allen bisherigen lehramtlichen Sozialschreiben der katholischen Kirche. Während in den bisherigen Sozialenzykliken vornehmlich philosophisch-naturrechtlich argumentiert wurde, begründet Benedikt XVI. seine Aussagen auf dem Fundament einer theologischen Ethik.

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Seine Grundthese ist: Die geistig-geistliche Dimension des Lebens hat alle anderen gesellschaftlichen Daseinsformen zu bestimmen (§ 78). Überall dort, wo der Vorrang der spirituellen Dimension  des Lebens nicht garantiert ist, rücken die Mittel zu Selbstzwecken auf  - : die Bibel nennt das die Welt der Götzen. „Der Gewinn ist nützlich, wenn er in seiner Eigenschaft als Mittel einem Zweck zugeordnet ist...Die ausschließliche Ausrichtung auf den Gewinn läuft ...Gefahr, Vermögen zu zerstören und Armut zu schaffen" (§ 21). Jede menschliche Aktivität, die auf das reine Begehren von Mitteln ausgerichtet ist, führt zu offener oder subtiler Gewalt, weil dieses Begehren von Gier und Neid geleitet ist, dadurch die Logik der Macht-Konkurrenz auslöst und so gleichzeitig Unrechtsstrukturen verfestigt. „Die Wirtschaft und das Finanzwesen können, insofern sie Mittel sind, tatsächlich schlecht gebraucht werden....an sich gute Mittel können in schadenbringende Mittel verwandelt werden" (§ 36). Der „Gewinn ist als Mittel zu begreifen, um den Zweck der Humanisierung des Marktes und der Gesellschaft zu erreichen" (§ 47). Ja, selbst das „Religiöse" kann zum „Deckmantel" für „Gier nach Herrschaft und Reichtum" missbraucht werden (§ 29).

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Den Sinn der Soziallehre der Kirche sieht Benedikt in der „Verkündigung der Wahrheit der Liebe Christi in der Gesellschaft" (§ 5). „Sie ist Dienst an der Wahrheit, die befreit" (§ 9). Unter „Wahrheit" versteht der Papst die erhellende und befreiende Wirklichkeit Gottes, die alle Wirklichkeit tragende Liebesmacht Gottes. Diese Wahrheit ist für ihn die Wahrheit des Glaubens und der Vernunft. Angesichts der dramatischen Probleme der Welt von heute „helfen sich Vernunft und Glaube gegenseitig. Nur gemeinsam werden sie den Menschen retten" (§ 74). „Die Vernunft bedarf stets der Reinigung durch den Glauben...Die Religion bedarf stets der Reinigung durch die Vernunft" (§ 56).

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Aufgrund des Glaubens bleibt der Christ durch die Offenbarung unbedingt gefordert. Jesus Christus ist für ihn umgreifender und unterscheidender Maßstab: der Weg (Methode), die Wahrheit (Theorie) und das Leben (Praxis). Im Glauben wird die politische Vernunft in ihrer natürlichen, menschengemäßen Möglichkeit als solche freigesetzt. Dies besagt, dass die Politik sich definieren kann als Einsatz zur Schaffung der Voraussetzungen einer menschenwürdigen Gesellschaft in allen ihren Dimensionen, einer Gesellschaft, die - wie Benedikt betont - den Prinzipien der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls verpflichtet sein muss (§ 6/7).

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In dieser Enzyklika weist Papst Benedikt besonders auch auf die große Bedeutung der Zusammenarbeit der Weltreligionen hin. „Auch andere Religionen lehren Brüderlichkeit und Frieden und sind daher für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen von großer Bedeutung" (§ 55). Dort, wo der Mensch sein Begehren ganz auf Gott ausrichtet - „mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft" - wird er davon befreit, an den Götzendienst zu verfallen, und ermächtigt, am „Aufbau der sozialen Gemeinschaft in der Achtung des Gemeinwohls" mitzuwirken (§ 55).

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Um das weltweite Kooperations- und Koordinierungsdilemma zu überwinden, um das globale Wirtschaftssystem und die internationalen Finanzmärkte in gemeinwohlgerechtere Bahnen zu lenken, fordert der Papst - in Fortführung einer Grundforderung Papst Johannes XXIII. - eine

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„echte politische Weltautorität" (§ 67). „Eine solche Weltautorität muss sich dem Recht unterordnen, sich auf konsequente Weise an die Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität halten, auf die Verwirklichung des Gemeinwohls hingeordnet sein" (§ 67). Einer solchen Weltautorität kommt die Aufgabe zu, die „internationale Zusammenarbeit auf die solidarische Entwicklung aller Völker hin" auszurichten (§ 67). Sie hat „eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen", „Sicherheit und Frieden" zu fördern, „den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren" (§ 67).

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Am Schluss seiner Enzyklika wendet sich Benedikt insbesondere an den Christen. Er erinnert ihn an das Wort Jesu: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen" (Joh 15,5) und ermuntert ihn mit seiner Verheißung: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28, 20).

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