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Ökumenische Basisbewegungen der Diözese Innsbruck
(Erfahrungsberichte aus verschiedenen pastoralen Bereichen)

Autor:Hell Silvia
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2007-03-09

Inhalt

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Vorwort (Silvia Hell)

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Im Rahmen des Ökumenischen Forschungsprojekts an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck wurde von Mitgliedern aus der Pastoral eine ganze Reihe von Ökumenischen Basisinitiativen und -bewegungen vorgestellt. Sie sollen nun im folgenden angeführt werden. Die Texte stammen von den jeweils angegebenen Autoren. Der Kontext, in dem sämtliche Initiativen und Bewegungen vorgestellt wurden, ist das Thema des Ökumenischen Forschungsprojekts, das sich zur Zeit in einer vierten Phase befindet, nämlich „Katholizität“. Gemeinsamer Tenor ist: „Katholizität“ ist kein konfessioneller Begriff, sondern setzt eine Weite voraus, die ein sensibles Umgehen miteinander erfordert. Die verschiedenen, hier beschriebenen Bewegungen machen deutlich, dass Einheit nicht Uniformität bedeutet, sondern vielmehr ‚Einheit in Verschiedenheit‘ - grundgelegt in einem ‚differenzierten Konsens‘. Aus dem praktischen Zusammenleben und Zusammenarbeiten ergeben sich natürlich immer wieder konkrete Fragen. Die Behandlung dieser Fragen geschah und geschieht im wissenschaftlichen Kreis - unter Mitarbeit von Theologen und Theologinnen der Römisch-Katholischen Fakultät Innsbruck unter Einbeziehung von Theologen aus anderen Kirchen. Folgende Veröffentlichungen geben Einblick in das Vorgehen:

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1.) Die Frage der Zulassung nicht-römisch-katholischer Christen zur Kommunion in der römisch-katholischen Kirche: Petition an die Österreichische Bischofskonferenz - veröffentlicht in: Ökumenische Rundschau 47/4 (1998) 534-542.

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2.) Tauftheologische Implikationen und daraus resultierende Bedingungen für eine mögliche Zulassung zur Kommunion in der römisch-katholischen Eucharistiefeier: Taufe und Eucharistiegemeinschaft. Ökumenische Perspektiven und Probleme. Hg. S. Hell / L. Lies SJ. Innsbruck 2002.

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3.) Konfessionell unterschiedliche Auffassungen von Amt: Amt und Eucharistiegemeinschaft. Ökumenische Perspektiven und Probleme. Hg. S. Hell / L. Lies SJ. Innsbruck 2004.

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4.)„Katholizität“ aus unterschiedlicher Perspektive (derzeitiges Projekt).

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Nun mögen die einzelnen Bewegungen zu Wort kommen. Die Mitarbeit von Vertretern und Vertreterinnen aus der Praxis stellt für das theologische Vorgehen einen großen Wert dar.

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Der Gesprächskreis für konfessionsverbindendene Ehepaare in Innsbruck, Haus der Begegnung (Klemens Betz)

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Wenn man sich die Frage stellt, welche Bedeutung eine Basisgruppe wie der Gesprächskreis für konfessionsverschiedene Familien für die Kirche hat, dann ist zunächst zu klären, was mit dem Begriff Kirche gemeint ist. Die Mitglieder des Gesprächskreises gehören entweder der katholischen oder der evangelischen Kirche an. Deswegen ist mit dem Begriff Kirche hier nicht so sehr eine theologische, sondern vorrangig eine empirische Vorstellung verbunden, nämlich die, wie sich diese beiden Kirchen in ihrer konkreten Gestalt in unserem Land verwirklichen, das heißt in der Form der kirchlichen Struktur, angefangen von der Kirchenleitung über die Seelsorger bis hin zum pfarrlichen Leben in den Gemeinden und Familien.

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Man kommt aber auch nicht umhin, an die Stelle im Epheserbrief (Eph 5, 21 – 33) zu denken, die bei vielen Trauungen als Lesungstext verwendet wird. Die Verbindung von Mann und Frau wird als großes Geheimnis bezeichnet, das Paulus auf Christus und die Kirche bezieht. Deshalb wird die Familie in den Texten des 2. Vat. Auch als Hauskirche, als Kirche im kleinen, bezeichnet. Nun ist auch die konfessionsverbindende Ehe für die katholische Kirche ein Sakrament und damit ebenfalls mit dieser Zeichenhaftigkeit verbunden. Wenn christliche Familien einerseits und jene, die in den Kirchen Verantwortung tragen, andererseits sich dieser Verbindung bewusst sind, dann muss das auch Folgen für die Praxis des kirchlichen Lebens und die Entscheidungen der kirchlichen Autoritäten haben. So werde ich versuchen, anhand der Entwicklungsgeschichte des Gesprächkreises die Auswirkungen auf diese beiden Bereiche und vor allem auf die ökumenische Bewegung aufzuzeigen.

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Vor dem 2. Vat. wurde eine Mischehe – wie damals die Bezeichnung für eine konfessionsverbindende Ehe lautete – als Gefahr für den rechten Glauben gesehen und dementsprechend abgelehnt, mit kirchenrechtlichen Maßnahmen erschwert und am liebsten verhindert. Viele Gewissenskonflikte und seelisches Leid hatte diese Haltung zur Folge, weil jeweils einer der Partner gezwungen war, seine religiöse Identität aufzugeben oder zu verbergen oder vielleicht in Gewissenskonflikten zu leben. Das Konzil hat eine bedeutende Öffnung gebracht, wenn auch die ablehnende Haltung gegenüber der konfessionsverschiedenen Ehe noch lange Nachwirkungen gezeigt hat.

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1968 kam es, noch vor einer kirchlichen Regelung, zu den ersten sogenannten ökumenischen Trauungen in Innsbruck. In dem pastoralen Anliegen, diesen jungen Familien eine spezielle Betreuung und pastorale Hilfestellung zu geben, entstand daraus der Gesprächskreis für konfessionsverschiedene Ehepaare. Die Betreuung des Gesprächskreises erfolgte von Anfang an durch die Geistlichen, Rektor Zorzi (kath.) und Pfarrer Ziermann (evang.). Es nahmen daran auch Ehepaare teil, die schon einige Zeit verheiratet waren und schon Kinder im Schulalter hatten. Deren Erfahrungen waren noch von der Situation vor dem Konzil geprägt. Sie hatten noch nicht das Gefühl erleben dürfen, dass durch die Anwesenheit von Geistlichen beider Konfessionen dieser wichtige Schritt im Leben von ihren beiden Kirchen mitgetragen wird. Die ersten Zusammenkünfte waren freie Gespräche miteinander, in denen die Erfahrungen, die Probleme und Schwierigkeiten, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe und Familie erlebt wurden, zum Ausdruck kamen. Dabei wurden zum Teil auch aufgestaute Emotionen und Vorurteile frei (z.B. Forderungen der kath. Kirche an den evang. Christen, wie der Zwang zur kath. Kindererziehung oder Vorwürfe von Seiten der Geistlichen wegen Heirat eines Andersgläubigen usw.). In diesen Gesprächen wurde deutlich, wie verletzend von den nichtkatholischen Partnern eine solche Haltung empfunden wurde und mit welchen Vorurteilen die Meinung über die jeweils andere Konfession behaftet war (z. B. Die Katholiken würden Maria anbeten statt Jesus, die Evangelischen hätten keine Sakramente udgl.).

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1969 In den Gesprächsabenden wurden die gegenseitigen Vorwürfe diskutiert und erörtert. Dabei entdeckte man, dass Vieles gar nicht so ist, wie es vermittelt wurde. Falsche Vorstellungen konnten korrigiert werden. Man lernte die andere Konfession erst wirklich kennen und entdeckte die Gemeinsamkeiten in den unterschiedlichen Ausprägungen. Auf dem Fundament der Bibel lernte man unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen respektieren. Die Gespräche schärften den Blick für das Wesentliche des christlichen Glaubens, und das Verständnis für eine Hierarchie der Wahrheiten war dabei eine große Hilfe.

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1970 In weiterer Folge kamen vor allem Formen der religiösen Praxis und Unterschiede im sakramentalen Verständnis bzw. in der konkreten Form religiösen Brauchtums in den beiden Kirchen zur Sprache. Häufiger Gesprächsstoff war die unterschiedliche Bußpraxis, sehr bald auch schon die Eucharistie, zunächst von der Praxis der Erstkommunion her oder der Verbindung mit der Konfirmation, dann grundsätzlich und theologisch. Bald wurden einzelne Themenkreise systematisch besprochen, wozu Referenten eingeladen wurden, die ein Thema aus katholischer oder evangelischer Sicht behandelten.

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Aus dem Bedürfnis, religiöses Leben in der Familie gemeinsam zu gestalten, entstand auch der Wunsch nach gemeinsamem Gottesdienstbesuch. So wurden regelmäßig ökumenische Gottesdienste in der Kapelle des Canisianums für den Gesprächskreis angeboten, wobei der Diözesanbischof das Gewissen der Katholiken beruhigte, indem er erklärte, dass mit dem Besuch dieser monatlichen Wortgottesdienste die Sonntagspflicht erfüllt ist.

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Die erste Auswirkung des Gesprächskreises war somit für die teilnehmenden Ehepaare ein tieferes Verständnis für die Konfession des Partners und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Glaubenstradition. Dies führte zu einer Vertiefung und einem besseren Verstehen der eigenen Kirche. Religiöse Formen und Bräuche wurden einerseits bewusster gelebt, andererseits in ihrer Bedeutung für das Wesen des Christseins relativiert. Man erfuhr die Tradition der Konfession des Partners als Bereicherung und nicht als Verirrung.

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1971 Die Gespräche und Gottesdienste hatten in allen Beteiligten einen Lernprozess zur Folge, der unterschiedliche Reaktionen auslöste. Für die einen war nun das Ziel erreicht. Ein friedliches Zusammenleben in der Familie war auf Grund des durchgemachten Lernprozesses auch auf religiösem Gebiet möglich, das war ihnen genug. Allerdings geriet der Gesprächskreis dadurch in eine gewisse Krise. Einige Ehepaare schieden aus wegen Übersiedlung oder aus den oben genannten Gründen, so dass die Gruppe recht klein wurde. Die vordergründigen Probleme waren ausdiskutiert, man hatte eine das Gewissen beruhigende interkonfessionelle Lebensführung gefunden.

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In anderen wurde das Bedürfnis geweckt, die eigene Erfahrung auch mitzuteilen und darüber hinaus in der Öffentlichkeit tätig zu werden. Die Gesprächsabende wurden in das Programmheft des Hauses der Begegnung aufgenommen mit einer Einladung an alle, denen Ökumene ein Anliegen war.

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1972 In diese Zeit hinein fielen die Vorbereitungsarbeiten zur Innsbrucker Dözesansynode. Nachdem festgestellt wurde, dass in den Vorlagen das ökumenische Anliegen nicht aufschien, wurden vom Gesprächskreis Überlegungen angestellt, ob nicht die Möglichkeit genützt werden soll, Vorschläge für gewisse Initiativen und Aktivitäten einzubringen. So erging für den 12. 4. eine Einladung an die Teilnehmer des Gesprächskreises. Bei diesem Gesprächsabend wurde beschlossen, an die Versammlung der Synode den Antrag zu stellen, dass auch das Anliegen der Ökumene und die Situation konfessionsverschiedener Eheleute berücksichtigt werden möge. Damit wurde der Gesprächskreis zu einem Aktionskreis, auch wenn der Name beibehalten wurde. Der Kreis erhielt dadurch auch neue Impulse. Zusammen mit dem Haus der Begegnung lud man zu einer offenen Veranstaltung mit dem Thema: “Mischehe - Ehe zweiter Klasse?”, durch die man neue Ehepaare anzusprechen suchte. Das Durchhalten des kleinen Gesprächskreises lohnte sich. Nach dem dreitägigen Abendseminar gliederten sich mehrere neue Ehepaare dem Gesprächskreis ein.

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Die Folge des Initiativantrags an die Vorbereitungskommission für die Synode war, dass das Thema Ökumene und speziell der konfessionsverschiedenen Ehe als Thema aufgenommen und behandelt wurde. Das heißt, dass der Gesprächskreis ökumenische Impulse für die Diözese Innsbruck gegeben hat.

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1973 Aus dem Gefühl heraus, durch separate ökumenische Gottesdienste in kleinem Kreis zu einer isolierten Gruppe zu werden, sowie aus dem Bedürfnis, dort, wo man beheimatet ist, den Gottesdienst gemeinsam besuchen zu können, begann man die monatlichen ökumenischen Gottesdienste in Pfarrgottesdienste zu integrieren. Mit der Gestaltung der Pfarrgottesdienste als ökumenische Gottesdienste wurde das Anliegen über den engen Kreis hinaus in die Pfarren getragen. So fand einmal im Monat, abwechselnd in der evang. Auferstehungskirche und in der kath. Nachbarkirche St. Paul ein solcher ökumenischer Gottesdienst statt, bei dem jeweils der Gastpfarrer die Predigt hielt. Die separaten ökumenischen Gottesdienste für den Gesprächskreis hörten damit auf. Dafür bekamen die monatlichen Gesprächsabende eine feste Form. Der erste Teil eines solchen Abends hatte jeweils eine Stelle aus der Bibel zum Inhalt, der zweite Teil die Planung und Durchführung konkreter praktischer Arbeit und Information aus dem Bereich der Ökumene.

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Damit kann von einer weiteren Auswirkung des Gesprächskreises auf die Kirche gesprochen werden. Nach der Phase des persönlichen Bildungsprozesses, der natürlich nie zu Ende ist, trat der Gesprächskreis in die Öffentlichkeit des pfarrlichen Lebens. Die Gläubigen in den betreffenden Pfarren erlebten Geistliche der anderen Konfession im eigenen Sonntagsgottesdienst. Das scheint mir insofern von Bedeutung als dadurch in Menschen, die vorher keinen Anlass dazu hatten, das Gefühl für Gemeinsamkeiten mit der anderen Konfession geweckt wurde. Vor allem konnten sie die Erfahrung machen, dass sie mit Menschen, mit denen sie bisher nur im weltlichen Bereich zu tun hatten, plötzlich gemeinsam Gottesdienst feiern konnten. Beim Besuch der Gottesdienste in der Kirche des Ehepartners erlebte der andere Vieles, was von ihm als positiv wahrgenommen wurde, aber auch Manches, was ihn störte oder ein ungutes Gefühl erweckte. Beispielsweise war der auf Grund der anderen Auffassung von der Dauer der Realpräsenz recht sorglose Umgang mit den Gaben Brot und Wein nach der Abendmahlfeier für einen Katholiken fast ein Ärgernis. Dafür war die Art der Kindergottesdienste zwischen Predigt und Schlusssegen für unsere katholischen Kinder eine so positive Erfahrung, dass sie den Wunsch verspürten, so etwas Ähnliches auch in der eigenen Pfarre zu machen. Durch das gute Verhältnis zu den Geistlichen beider Kirchen, das inzwischen aufgebaut war, konnte in freundschaftlichen Gesprächen darauf eingegangen werden. Heute ist es in den evangelischen Gottesdiensten selbstverständlich, dass übriggebliebene Hostien und Wein erst nach dem Gottesdienst in die Sakristei zurück gebracht werden. Auf der anderen Seite ist in der katholischen Pfarre in Axams seit Jahren regelmäßig einmal im Monat parallel zum Pfarrgottesdienst im Pfarrsaal ein Wortgottesdienst für Familien mit Kleinkindern. Auch in manchen anderen Bereichen haben die Kirchen voneinander gelernt und sind darauf bedacht, aufeinander Rücksicht zu nehmen. So z. B. schweigen während der Kartage neben der katholischen Pauluskirche auch die Glocken in der benachbarten Auferstehungskirche. Man könnte sagen, das seien Nebensächlichkeiten. Es sind jedoch Signale einer gegenseitigen Achtung, die vielleicht mehr bewirken als manche Diskussionen. Das gute ökumenische Klima in Tirol ist gewiss von solchen Ereignissen mitgeprägt worden.

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In den ”ökumenisch verheirateten” jungen Familien kamen die ersten Kinder zur Welt, damit standen sie vor der Entscheidung, in welcher Kirche diese getauft und erzogen werden sollten. Wenn von den Ehepartnern auch die jeweils andere Kirche akzeptiert wurde, war es emotional doch nicht leicht, auf die Einbindung der Kinder in die eigene Kirche zu verzichten. Oft gaben rein praktische Erwägungen den Ausschlag, so dass die Mehrzahl der Kinder in der katholischen Kirche getauft wurden.

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1974 Die Eingabe des Gesprächskreises an die Innsbrucker Diözesansynode wurde wirksam: Auf Grund der Synodenbeschlüsse 58 CB) und 61 CB) kam es zur Konstituierung eines Ökumenischen Arbeitskreises der Diözese. Der Gesprächskreis hat mit dem Arbeitskreis eine Instanz bekommen, an die Wünsche und Anliegen herangetragen werden können. Anderseits wurden ihm von dort Aufgaben übertragen, die zu erledigen waren. So z.B.wurden auf Wunsch des Gesprächskreises diskriminierende Äußerungen zur Mischehe aus der Fastenordnung gestrichen. Der Gesprächskreis war beteiligt an der Erarbeitung einer Informationsschrift für die Seelsorge an konfessionsverschiedenen Ehepaaren. Er wurde herangezogen, den Domgottesdienst in der Weltgebetsoktav zu gestalten und beauftragt, eine Untersuchung über das religiöse Verhalten von konfessionsverschiedenen Ehepaaren durchzuführen. Die Untersuchung über das religiöse Verhalten konfessionsverschiedener Ehepaare erforderte eine Fragebogenaktion, die relativ breites Echo fand. Über tausend Fragebogen wurden ausgeschickt. Das Ergebnis der Untersuchung wurde ausgewertet und veröffentlicht.

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Dass der Gesprächskreis vom Arbeitskreis zur Mitarbeit herangezogen wurde, hat ihm damit auch offizielle Anerkennung und Einflussmöglichkeit gegeben. Die Aufnahme zweier Mitglieder des Gesprächskreises in das offizielle Gremium des Ökumenischen Arbeitskreises der Diözese hat natürlich Auswirkungen auf Entscheidungen und die Haltung der Kirchenleitung, denn von diesem Zeitpunkt an hat der Gesprächskreis Mitspracherecht in einer diözesanen Kommission und über einen Vertreter des Arbeitskreises in der Gemischten Kommission sogar über die Diözese hinaus.

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In der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen wurden nicht nur im Innsbrucker Dom, sondern auch in vielen Pfarreien ökumenische Gottesdienste gefeiert. Dort allerdings ist das bis heute in vielen Fällen eine katholische Eucharistiefeier, bei der der evangelische Geistliche die Predigt hält und im Wortgottesdienstteil mitwirkt. Diese Praxis wurde vom damaligen Vorsitzenden des Ökumenischen Arbeitskreises, Bischofsvikar Schramm, gebilligt und ist nach zwanzig Jahren schon so sehr Tradition, dass sich speziell katholische Pfarrangehörige aus rein katholischen Familien im Vorbereitungsteam vehement dagegen gewehrt haben, als ein Pfarrer im vergangenen Jänner auf einen ökumenischen Wortgottesdienst zurückgehen wollte.

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1977/78 Ein Jahresbericht dokumentiert, was im laufenden Arbeitsjahr geschah: Gesprächsthemen waren Glaubenseinheit (nach einem Referat von Prof. Pannenberg), die charismatischen Bewegungen (aufgezeigt am Film: Beten wie verrückt), Probleme des Religionsunterrichts, das Menschenbild aus christlicher Sicht, die Versöhnung mit Gott aus evang. und kath. Sicht. Dazu kamen ein Gebetsabend im Advent und ein Wochenende mit Partnertraining.

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An Aktivitäten scheint die Gestaltung einiger ökumenischer Gottesdienste auf, sowie die Beratung von Pfarrern in Fragen der Trauung von konfessionsverschiedenen Paaren und ein Gespräch mit den Theologen im Priesterseminar.

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Der Gesprächskreis hat einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht und wurde so etwas wie eine Instanz und Anlaufstelle für ökumenische Fragen. Er ist zu einer nicht mehr wegzudenkenden Einrichtung im Haus der Begegnung geworden mit einem neuen Selbstverständnis, das über jenes der Anfangsjahre weit hinausgeht. Dies beweisen die jährlichen Planungsprotokolle, die einen Einblick in die Arbeit des Gesprächskreises geben.

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Seit mehreren Jahren wurde im Gesprächskreis auch Wert darauf gelegt, dass die Bildung des Gemüts und die Geselligkeit nicht zu kurz kamen. Der Abend in der Adventszeit wurde immer zum Anlass genommen, eine besinnliche Adventfeier mit anschließendem kleinen Buffet zu gestalten. Zusammen mit dem Ökumenischen Arbeitskreis wurde einmal im Jahr ein Familienausflug unternommen, der den gegenseitigen Kontakt sehr förderte. Auch die Fortbildungsveranstaltungen bekamen ein sehr hohes Niveau, betrachtet man die Themenstellung und die Referenten:

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° Prof. Pannenberg (München): Einheit der Kirche als Glaubenswirklichkeit und als ökumenisches Ziel.

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° Prof. Fries (München): Ökumene heute - Hoffnungen, Grenzen, Gegenströmungen

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° Prof. Egger (Brixen): 2 Bibelwochenenden (exegetisch)

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° Prof., Finkenzeller (München): Amt und Abendmahl

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1979 Es erschien sinnvoll, einen zweiten Gesprächskreis zu beginnen, da es für neue Interessenten fast unmöglich geworden ist, sich in die bestehende Gruppe zu integrieren. Neue Ehepaare hatten die gleichen Fragen und Probleme wie unsere Gruppe in den ersten Jahren. Ein Bildungsprozess von zehn Jahren ließ sich nicht leicht überspringen. So kam der zweite Gesprächskreis für konfessionsverschiedene Ehepaare zustande und es wurde ihm die anfängliche Hilfestellung gegeben. Es wurde auch der Versuch unternommen, den ökumenischen Horizont zu erweitern und mit Vertretern der Altkatholiken ins Gespräch zu kommen. Das Gespräch, zu dem der altkatholische Pfarrer aus Salzburg anreiste, war sehr informativ. Eine Öffnung des Gesprächskreises in diese Richtung war aber nicht möglich, da es im Raum Innsbruck kaum Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft gab.

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1980 tauchte der Wunsch auf, über die Grenzen der Diözese hinaus zu schauen. So wurde eine ökumenische Woche in Rocca di Papa bei Rom geplant. Über fünfzig Teilnehmer erlebten in einem reichhaltigen Programm die Sehenswürdigkeiten der Stadt und in gemeinsamem Beten, Reden und Feiern christliche Gemeinschaft. Von Bedeutung für den Gesprächskreis waren ein Referat von P. Schmidt vom Einheitssekretariat und die Gespräche mit ihm.

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1981 Am Beginn dieses Jahres stand ein auch für die Ökumene in der Innsbrucker Diözese wichtiges Ereignis, nämlich die Verabschiedung des alten Diözesanbischofs Dr.Paulus Rusch und die Weihe des neuen Bischofs Dr.Reinhold Stecher.

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In einer herzlichen Runde, zu der der Bischof im Anschluss an den ökumenischen Domgottesdienst in der Weltgebetsoktav einlud, wurde dem scheidenden Bischof der Dank für sein großes Verständnis und sein Wohlwollen ausgesprochen. Die Tatsache, dass der Gesprächskreis mit dem Bischof an einem Tisch sitzen konnte, zeigt deutlich, welchen Öffentlichkeitscharakter der Kreis inzwischen erlangt hat.

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Mit dem Heranwachsen der Kinder verstärkte sich das Engagement der Familien in der Gemeinde, in der die Kinder getauft waren und in den Kindergarten und in die Schule gingen. Evangelische Mütter aus unserem Kreis wurden sogar gebeten, in der katholischen Pfarre als Tischmütter und Firmhelfer Gruppen von Kindern auf den Empfang der Sakramente vorzubereiten. Dort wo die Familie lebte, wurde auch der Gottesdienst besucht. Von Zeit zu Zeit nahmen viele aber auch an den Gottesdiensten in der Kirche des Partners teil. Die Kinder erlebten diese Gottesdienste genau so selbstverständlich wie die in der eigenen Pfarre. So nahmen die Familien am religiösen Leben beider Kirchen teil und wurden damit zu Bindegliedern zwischen den beiden Pfarrgemeinden. Die gemeinsamen Gottesdienstbesuche mit dem Ehepartner weckten aber das Bedürfnis, mit ihm auch gemeinsam zum Tisch des Herrn zu gehen. Die Beschäftigung mit den Konsensdokumenten (Das Herrenmahl, Das geistliche Amt in der Kirche, Einheit vor uns, usw.) bestärkte uns in unserem Wunsch. Von Seiten der evangelischen Kirche war das kein Problem, da sie von der Überzeugung, dass Christus es ist, der zum Abendmahl einlädt, eine offene Einladung an alle Christen ausgesprochen hat. Auf der Basis der theologischen Aussage von Karl Rahner: “Wenn da Kirche ist, dann muss da auch Sakramentalität sein”, sind viele von uns dieser Einladung gefolgt. Auch viele unserer katholischen Priester haben die nicht katholischen Ehepartner zum Empfang der Kommunion eingeladen. So entstand das, was wir als “Eucharistische Gastfreundschaft” bezeichnen. Auch die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland 1971 – 1975 hat sich mit diesem Thema befasst und in den Gemeinsamen Kirchlichen Empfehlungen für die Seelsorge an Konfessionsverschiedenen Ehen und Familien (hrsg. 1981) den bemerkenswerten Satz formuliert: “Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass ein katholischer Christ – seinem persönlichen Gewissen folgend – in seiner besonderen Lage Gründe zu erkennen glaubt, die ihm seine Teilnahme am evangelischen Abendmahl innerlich notwendig erscheinen lassen.”

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Die Eindrücke der gemeinsamen Romfahrt von 1980 waren so positiv, dass man sich entschloss, wieder etwas Ähnliches durchzuführen. Unter der bewährten Regie von Rektor Zorzi nahmen wieder etwa fünfzig Personen, darunter der spätere evangelische Bischof Herwig Sturm, an einer ökumenischen Woche in Assisi teil. Wir wurden vom Bischof von Assisi empfangen und hatten interessante Gespräche in der Casa Papa Giovanni mit dem Ökumeneverantwortlichen, einem persönlichen Freund von Papst Johannes XXIII. Von da an wurden alle zwei Jahre solche ökumenische Wochen geplant und durchgeführt, um mit den Bischöfen oder ihren Vertretern über die Situation in ihrer Diözese zu sprechen. Wir haben dabei auch immer Kontakt aufgenommen mit ökumenischen Basisgruppen und konfessionsverbindenden Familienrunden, um Informationen zu erhalten, wie sie versuchen, ihre Gemeinsamkeit in der Konfessionsverschiedenheit zu leben. So waren wir im Lauf der Jahre 1984 in der Diözese Straßburg, wo der Bischof den nicht katholischen Partnern konfessionsverbindender Familien den Kommunionempfang in der katholischen Kirche erlaubt hatte, 1986 in Bamberg und Speyer, wo wir die katholische Kirche in der Diaspora und eine evangelische Mehrheitskirche erlebten, 1988 in Luzern, wo uns ein sehr lebendiges ökumenisches Bewusstsein begegnet ist, 1991 in Prag, wo wir mit der Husitengemeinde Kontakt hatten und viel über die Unterdrückung der Kirche in der Zeit des Kommunismus erfuhren, 1993 in Ravenna, 1995 wieder in Rom, 1997 in Basel, wo uns Bischof Dr. Kurt Koch, den wir schon als Referenten kannten, zu einem langen Gespräch empfing, 1999 in Budapest, wo wir mit einer ökumenischen Basisgruppe Freundschaft schlossen, 2001 in der Heimat Luthers, wo uns die religiöse Situation im ehemaligen Ostdeutschland sehr nachdenklich gemacht hat, 2003 reisten wir zur Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien nach Rom, und 2004 erlebten wir die Osterwoche im Ökumenischen Patriarchat in Istanbul, wo wir von Seiner Heiligkeit, Patriarch Bartholomaios, empfangen wurden, was unseren Horizont in Richtung Orthodoxie erweiterte.

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Doch zurück zum Jahr 1983. Dadurch, dass unsere Gesprächsabende regelmäßig im Programmheft des Hauses der Begegnung veröffentlicht wurden, ist die Arbeit unseres Kreises über die Diözese hinaus bekannt geworden. So wurden wir nach Salzburg eingeladen, um dort an der Bildung eines ähnlichen Gesprächskreises mitzuwirken. Der Ökumenereferent, der Familienseelsorger, der Rektor des Bildungshauses St. Virgil, der Superintendent der evang. Kirche und einige konfessionsverschiedene Ehepaare ließen sich von unseren Erfahrungen berichten und diskutierten mit uns bis spät in die Nacht hinein über Chancen und Möglichkeiten, auch in der Diözese Salzburg ähnliche Wege zu gehen.

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Eine weitere Einladung erreichte uns aus Kärnten. Im Zusammenhang mit dem österreichischen Katholikentag wurde in Klagenfurt eine Studientagung mit dem Thema ”Gegeneinander – Nebeneinander – Miteinander” abgehalten. Vertreter unseres Gesprächskreises haben an der Veranstaltung teilgenommen und wurden zum Empfang beim Diözesanbischof eingeladen.

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Die ökumenischen Studienreisen hatten vor allem Auswirkungen auf uns selbst, indem sie unseren ökumenischen Horizont erweiterten. Die Einladung nach Salzburg hatte jedoch zur Folge, dass sich auch in dieser Diözese eine aktive ökumenische Basisgruppe gebildet hat.In unserer Diözese haben wir begonnen, mit einzelnen Pfarren Kontakt aufzunehmen und dort in Gesprächsabenden Betroffenen, Pfarrgemeinderäten und ökumenisch Interessierten unsere Erfahrungen mitgeteilt. Bei dieser Gelegenheit konnten Vorurteile abgebaut, Missverständnisse ausgeräumt und Informationen weiter gegeben werden. Das heißt, wir haben begonnen, ökumenische Bildungsarbeit zu betreiben. Dadurch entstand auch in einer anderen Pfarre der Stadt ein weiterer ökumenischer Gesprächskreis.

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Es wurde auch wieder notwendig, die Richtlinien für die Seelsorge an konfessionsverschiedenen Familien in Österreich zu überarbeiten. Über den Arbeitskreis der Diözese wurden unsere Vorschläge an die Gemischte Kommission in Wien weiter geleitet.

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Ein bedeutendes ökumenisches Ereignis war 1989 die Europäische Versammlung ”Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung” zu Pfingsten in Genf. Eines unserer Ehepaare hatte daran teilgenommen und berichtete stark beeindruckt von der Veranstaltung.

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1991 kam eine Initiative von außen auf uns zu. Der Gesprächskreis bekenntnisverschiedener Paare in Salzburg lud im Oktober unseren Gesprächskreis und einen Wiener Arbeitskreis zu einem Ökumenetreffen nach Salzburg/St. Virgil ein. Dort erfuhren wir auch von einem Kreis konfessionsverschiedener Familien in Oberösterreich. Daher entstand die Idee, eine ARGE-Ökumene zu gründen und es wurden unser Selbstverständnis und die ”Salzburger Visionen” formuliert.

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Die ARGE Ökumene ist eine Gemeinschaft konfessionsverbindender Paare, Familien und von der Situation Betroffener,

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° die keine neue Konfession schaffen, sondern in den Traditionen ihrer Kirchen versöhnt mit den anderen Konfessionen, leben will.

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° die sich regelmäßig trifft, dabei Erfahrungen austauscht, sich mit Themen der Ökumene auseinandersetzt, einander neue Impulse gibt, miteinander feiert und sich gegenseitig stärkt.

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° die ihre Anliegen gegenüber den Kirchenleitungen vertritt.

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° die im Dialog erreichen will, dass theologische Erkenntnisse, die uns betreffen, in der konkreten Pastoral angewendet werden.

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° die die bereichernden Erfahrungen der Vielfalt, aber auch die mit der Konfessionsverschiedenheit verbundenen Schwierigkeiten ausspricht und ins öffentliche Bewusstsein bringt.

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 Unsere Visionen:

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° Wir haben die Vision, dass sich unsere Kirchen als gleichberechtigte Geschwisterkirchen anerkennen, die einander in Fürsorge und Wertschätzung begegnen.

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° Wir haben die Vision, dass unsere Kirchen ihre Verschiedenheit als Wert erkennen: Verschiedenheit wandelt sich vom Ausdruck der Trennung zum Zeichen der Ergänzung.

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° Wir haben die Vision, dass unsere gemeinsame Erfahrung des gemeinsamen Herrenmahls als Zeichen der Versöhnung wirkt.

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° Wir haben die Vision, dass das Christentum durch die versöhnte Verschiedenheit ihrer Kirchen der Welt den guten Geschmack der frohen Botschaft vermitteln kann.

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Mit der Gründung der ARGE-Ökumene wurde für die Kirche in Österreich ein neuer Schritt gesetzt. Verschiedene Gruppen von konfessionsverbindenden Familien begannen, sich zu organisieren in der Absicht, ihre Anliegen wirksamer an die Kirchenleitung herantragen zu können. So wird seither jedes Jahr in einer anderen Diözese eine ARGE-Tagung durchgeführt, bei der ein Gespräch mit dem Diözesanbischof und dem jeweiligen evangelischen Amtsträger fester Bestandteil ist. Inzwischen ist die ARGE-Ökumene eine Vereinigung von Gruppen konfessionsverbindender Familien aus allen österreichischen Diözesen. Die Jahrestagungen haben neben der Begegnung mit den Kirchenleitungen immer religiöse Themen zum Inhalt und Überlegungen, wie wir den Kirchen auf dem Weg zueinender helfen können.

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 Die bisherigen Veranstaltungen waren:

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 1991 Salzburg: Unsere Visionen

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 1992 Wien: Die konfessionsverbindende Familie

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 1993 Bad Goisern: Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.

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 1994 Graz: Gemeinsam im Glauben wachsen.

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 1995 Innsbruck: Gemeinsam Kirche leben.

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 1996 Klagenfurt: Was wissen wir voneinander?

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 1997 St. Pölten: Sind wir eine Kirche?

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 1998 Salzburg: Visions – Los?

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 1999 Wels: Zwei Kirchen – Ein Weg zum Heil?

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 2000 Pinkafeld: Sünde, Vergebung, Erlösung.

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 2001 Deutschfeistritz: Ehe – Ein Sakrament?

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 2002 Innsbruck: Taufe und Leib Christi.

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 2003 Waiern: Unsere christliche Verantwortung.

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 2004 Götzis: Geistliches Amt – Dienst an der Einheit?

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Wir erlebten bei unseren Tagungen, wie wichtig die Gespräche mit den Bischöfen sind, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass vielen die Situation einer konfessionsverbindenden Familie nicht bewusst war. Die Reaktion der einzelnen Bischöfe auf unsere Anliegen war sehr unterschiedlich. Manche fühlten sich offensichtlich unwohl und in die Enge getrieben, andere waren offen und aufgeschlossen. Als Bischof Krätzl erfuhr, dass mehrere nicht katholische Ehepartner anlässlich der Erstkommunion ihrer Kinder als Tischmütter zur Vorbereitung von Kommuniongrppen oder anlässlich der Firmung als Firmhelfer herangezogen wurden, hat er geantwortet: “Dann hat der Pfarrer selbstverständlich daraus die Konsequenzen zu ziehen und den Betreffenden die Kommunion zu reichen.” Eines der großen Anliegen der ARGE-Ökumene ist es, von den Bischöfen eine offizielle Erlaubnis für unsere nicht katholischen Ehepartner zu bekommen, zur Kommunion zu gehen. Es wurde diesbezüglich auch ein Schreiben an die Bischofskonferenz gerichtet. Dort wurde das Thema aber nie behandelt, vermutlich weil die Haltung verschiedener Bischöfe dazu sehr unterschiedlich ist.

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1997 fand die 2. Ökumenische Versammlung in Graz statt, an der Mitglieder unseres Gesprächskreises mit der ARGE-Ökumene teilnahmen und auf der Agora einen Informationsstand betreuten. Dabei kam es zur Begegnung mit Gruppen aus Deutschland, England und Frankreich, so dass sich von da an internationale Verbindungen konfessionsverbindender Familien entwickelten, die schließlich 2003 zur Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien in Rocca di Papa führen sollten, an deren Vorbereitung auch Mitglieder unseres Gesprächskreises beteiligt waren.

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Mons. Victor Zorzi schrieb damals in einer Einladung zum Gesprächsabend: ”Graz hat unter anderem deutlich gemacht, dass sich Ökumene auf zwei Ebenen bewegt, an der Basis und an der Kirchenspitze. Es ist nicht der richtige Weg, sich in der Ökumene gegenseitig auszuspielen. Ökumene muss eine Ökumene des ganzen Volkes Gottes sein, ohne zu urteilen, wer weiter sei. Wenn der Eindruck da ist, dass hohe kirchliche Vertreter sich auf eine Koexistenz beschränken, wird es darauf ankommen, dass das Volk sie erinnert, dass es um Einheit, nicht um Koexistenz geht. Die Basis wird immer die dynamische Komponente sein. Ob Graz 97 ein Erfolg wird, hängt letztlich von der kirchlichen Basis ab. Wir fragen uns, wie kann eine stärkere ökumenische Gemeinsamkeit gelebt werden.”

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Dies ist uns ein Vermächtnis, denn im Laufe des Sommers 2000 erkrankte unser katholischer Begleiter Mons. Victor Zorzi und verstarb am 19. August. Für uns ist das ein großer Verlust. Seine Spiritualität, seine tiefe Gläubigkeit und sein menschliches Verstehen waren uns Leitstern über Jahrzehnte. Es ist uns leider nicht gelungen, einen katholischen Geistlichen zu finden, der die Zeit aufbringen könnte, diese Betreuung zu übernehmen. Unsere bisherige Arbeit sollte damit aber nicht aufhören.

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2003 wäre nach dem Zweijahresrhythmus wieder eine ökumenische Studienreise fällig gewesen. Inzwischen haben sich die internationalen Kontakte derart konkretisiert, dass für den Juli eine fünftägige Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien in Rom durchgeführt werden konnte. Da wir in die Vorbereitungen dieser Tagung involviert waren, war es naheliegend, dass wir auch daran teilnahmen. Mehr als 300 Teilnehmer kamen nach Rocca di Papa, erlebten eine Papstaudienz, und feierten, beteten und arbeiteten in Workshops. Eine Delegation wurde im Einheitssekretariat empfangen und konnte ein Tagungsergebnis und eine Schlussresolution überreichen. Das Selbstverständnis der Tagungsteilnehmer wurde folgendermaßen definiert:

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Die Ländervertreter konfessionsverbindender Familien aus Deutschland (Netzwerk konfessionsverbindender Familien), Österreich (ARGE-Ökumene), Schweiz und Frankreich (Foyers interconfessionells) und England (Interchurch families) wurden im Oktober 2003 vom Generalsekretär der Europäischen Bischofskonferenz zu einem Gespräch nach St. Gallen eingeladen, um ihre Anliegen vorzutragen und konkrete Maßnahmen zu treffen, um einen engeren Kontakt zwischen der Europäischen Bischofskonferenz und den konfessionsverbindenden Familien herzustellen. Auch eine Zusammenarbeit bei der Vorbereitung einer für 2007 geplanten dritten Europäischen Versammlung wurde ins Auge gefasst.

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Die Regionalisierung durch die ARGE-Ökumene und die Internationalisierung durch die Verbindung der ARGE in Österreich, dem Netzwerk in Deutschland, den Foyers Interconfessionells in Frankreich, den Famiglie Miste Interconfessionali in Italien und den Interchurch Families in England hat die Arbeit des Gesprächskreises auf eine andere Ebene gehoben. Allerdings ist es auf dieser Ebene viel mühsamer, Fortschritte auf dem Weg zur Einheit zu erreichen. Kardinal Ratzinger hat einmal gesagt: Nicht das, was wir schon gemeinsam tun, sondern das, was wir noch nicht gemeinsam tun, bedarf der Rechtfertigung. Auf theologischer, und noch mehr auf kirchenamtlicher Ebene findet man aber viel leichter und viel häufiger Gründe, solche Schritte nicht zu setzen, als auf der Ebene der einfachen Gläubigen. Diese haben vielfach nur mehr wenig Verständnis dafür, dass die christlichen Kirchen immer noch nicht in der Lage sind, in versöhnter Verschiedenheit mehr christliche Einheit zu leben. Dabei wäre dieses Zeugnis für die Welt wichtiger denn je. Ich denke an eine deutsche Schriftstellerin, die auf die Frage, was sie glaube, wann es zur Einigung der Kirchen komme, geantwortet hat: “Hoffentlich nicht erst, wenn die Kirchen ganz leer sind!”

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Welche Wirkung für die Kirche kann also eine Basisgruppe wie der Gesprächskreis für konfessionsverbindende Familien haben?

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Schon die bloße Existenz konfessionsverbindender Familien stellt für die Kirchen ein sichtbares Zeichen der Einheit dar. Sie sind für die Kirchen ein Faktor geworden, der nicht mehr übersehen werden kann. Ich zitiere einfach, aus der Grußbotschaft von Kardinal Kasper anlässlich der 2. Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien in Mondo Migliore im Juli 2003: Euer Vorbereitungspapier spricht von den Familien als Verkörperung “einer Liebe, die sich nicht einfach mit einer getrennten Parallelexistenz zufrieden gibt, sondern Wachstum in eine sich stets vertiefende Einheit ersehnt und diese dadurch fördert”. Konfessionsverbindende Ehepaare sind ein ständiger Anstoß für die ökumenische Bewegung und halten uns davon ab, unsere Differenzen stillschweigend hinzunehmen.

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Msgr. Fortino vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen bezeichnete auf der gleichen Tagung die konfessionsverbindenden Familien als Propheten und Exerzierfeld, die einen wichtigen Beitrag für die Einheit der Kirche leisten , weil sie als Modell der Einheit dienen können.

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Konfessionsverbindende Familien sind dazu berufen, in ständigem Gespräch, in gegenseitiger Achtung, vor allem in gegenseitiger Liebe eine christliche Einheit zu leben und den Kindern den gemeinsamen Glauben zu bezeugen. Sie könnten damit den getrennten Kirchen Beispiel sein, dass Einheit in einer Vielfalt möglich ist, damit – wie Jesus zum Vater betet - die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast.

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Ich wurde gefragt, ob sich durch den Gesprächskreis mein Bild von der Katholizität der Kirche verändert hat. Auf diese persönliche Frage gebe ich hier eine persönliche Antwort:

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Mein Kirchenverständnis hat sich im Lauf meines Lebens sehr verändert. Ich bin in einem rein katholischen Bauerndorf in Bayern aufgewachsen und habe als Kind nur zwei Kategorien von Menschen gekannt. Die einen waren die Getauften, das waren wir Katholiken – etwas anderes gab es nicht im Dorf – das andere waren die armen Heiden, für die man spenden musste, damit auch sie in den Himmel kommen können. Ich durfte dann in einer Klosterschule das Gymnasium besuchen und war begeistert von den Berichten der Missionare über ihre Tätigkeit bei den Papuas in der Südsee. Anschließend habe ich in Innsbruck Theologie studiert und anfänglich noch gelernt, dass es einem Katholiken nicht erlaubt ist, eine evangelische Kirche zu besuchen. Während meiner Studienzeit begann das 2. Vatikanische Konzil, das bei uns Theologen eine gewaltige Aufbruchsstimmung auslöste. Ich erinnere mich noch, dass P. Karl Rahner nach der ersten Session in seinen Vorlesungen über das neue Kirchenbild reflektiert hat und sich mit der Frage der Kirchlichkeit der anderen, vor allem der außerhalb der Sukzession stehenden Konfessionen beschäftigt hat. Er meinte, man müsse einen neuen Ansatz suchen, und ich habe noch den Satz im Ohr: “Wenn da Kirche ist, dann muss da auch Sakramentalität sein!”

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Nach meinem Theologiestudium habe ich ein Lehramtsstudium begonnen und dabei meine heutige Frau kennen gelernt. Bald stellte sich heraus, sie ist überzeugt religiös, aber evangelisch. Wir begannen, gemeinsam in die Kirche zu gehen, sie mit mir in die katholische, ich mit ihr in die evangelische. Mein erster Gottesdienstbesuch in der evangelischen Kirche war ein prägendes Erlebnis. Es war ein Abendmahlgottesdienst und ich erlebte eine Liturgie, die alles enthielt, was zu einer katholischen Eucharistiefeier gehört. Von da an hat mich das Anliegen der Einheit der Kirche nicht mehr losgelassen. Der Gesprächskreis war dabei eine große Hilfe.

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Das Pfingstwunder (Apg 2,5ff) bestand nicht darin, dass bei der Predigt des Apostel Petrus alle aramäisch verstanden haben, sondern dass alle ihn in ihrer eigenen Muttersprache reden hörten. Ich identifiziere mich ganz und gar mit meiner katholischen Kirche, aber ich achte genau so die Kirche meiner Frau und freue mich, dass ich dort auch zu Gast sein darf. Aber wahre Katholizität ist für mich nicht in einer einzigen Kirche verwirklicht, sondern erst gegeben in der Gemeinschaft aller Kirchen mit dem ganzen Reichtum der unterschiedlichen Traditionen.

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Der ökumenische Gesprächskreis der Pfarre Allerheiligen und des Evangelischen Gemeindezentrums Technikerstraße (Gotlind Hammerer,Bernhard Gross)

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Der ökumenische Gesprächskreis entstand, nachdem der evangelische Pfarrer Bernhard Groß 1983 nach Hötting-West gekommen war.

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Erste Kontakte

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Ab 1984, noch unter Pfarrer P. Johannes Hopfgartner MSC benützte die evangelische Gemeinde anfänglich die kleine Seitenkapelle der Pfarrkirche Allerheiligen für ihre Gottesdienste. Bald entstand das Bedürfnis nach gegenseitigem Kennenlernen und mehr Kontakt. Unter Pfarrer Erich Gutheinz, der im Herbst 1984 die Pfarre Allerheiligen übernahm, wurde 1985 der ökumenische Gesprächskreis gegründet. Er besteht also heuer 20 Jahre in der Form von monatlichen Treffen, an denen ein fester Kern (ca. 10 Personen) ökumenisch engagierter Menschen aus beiden Konfessionen und die beiden Pfarrer Teil nehmen. Es hat sich im Laufe der Zeit ein sehr freundschaftliches persönliches Verhältnis entwickelt, auch zwischen den beiden Pfarrern.

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Struktur

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Der Gesprächskreis trifft sich von Oktober bis Juni jeden Monat am 3. Dienstag des Monats von 20 Uhr bis ca. 22 Uhr abwechselnd im katholischen Pfarrzentrum Allerheiligen bzw. im evangelischen Gemeindezentrum Technikerstraße. Dabei wird jeweils ein Thema behandelt und werden Erfahrungen ausgetauscht. Der Abend klingt gesellig mit einer kleinen Bewirtung aus.

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Das ungefähre Jahresprogramm, d. h. die Themen für die einzelnen Treffen, werden schon im Vorhinein besprochen und vereinbart. Einmal im Jahr, meist im Frühling, gibt es eine größere öffentliche Veranstaltung in Zusammenarbeit mit den Bildungswerken.

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Der Gesprächskreis ist prinzipiell offen, d. h. dass es jederzeit möglich ist, dass jemand auch nur an einem Abend Teil nimmt. Die Termine und Themen werden in beiden Gemeinden jeweils angesagt.

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Gottesdienste:

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Im Zusammenhang mit der Woche der Einheit der Christen im Jänner feiern beide Gemeinden zwei ökumenische Gottesdienste miteinander, die vom ökumenischen Gesprächskreis vorbereitet werden. Ein Gottesdienst ist die Gemeindemesse der evangelischen Gemeinde, der andere die Sonntag-Vorabendmesse der katholischen Gemeinde.

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Seit ein paar Jahren gestaltet der ökumenische Gesprächskreis in Zusammenarbeit mit den beiden Gemeinden und mit anderen ökumenischen Gruppen in Innsbruck am Vorabend von Pfingsten eine ökumenische Pfingstvesper in der Pfarrkirche Allerheiligen.

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Beim Dezembertreffen hält der ökumenische Kreis auch immer eine Adventbesinnung im kleinen Kreis

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Außerordentliche Veranstaltungen:

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Bisher erst einmal hat der ökumenische Gesprächskreis eine ökumenische Fahrt veranstaltet und öffentlich angeboten, und zwar ins Jüdische Museum nach Hohenems. Für heuer ist eine ökumenische Sommerfahrt der beiden Gemeinden geplant unter dem Motto „Fahrt ins Land Martin Luthers“.

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Behandelte Themen:

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Im Laufe der Jahre haben wir miteinander so ziemlich alle Themen des katholisch-evangelischen Verhältnisses besprochen, uns aber auch immer wieder mit neuen Dokumenten befasst (z. B. Rechtfertigungslehre, Ökumenisches Sozialwort). Das derzeitige Jahresthema ist Eucharistische Gastfreundschaft an Hand der Publikation der ökumenischen Institute Straßburg, Tübingen und Bensheim („Abendmahlsgemeinschaft ist möglich“, Verlag Lembeck).

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Erweiterte Ökumene:

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Gelegentlich beschäftigten wir uns mit anderen Religionen. Es gab zwei Abende zum Thema Islam, einmal mit Lehrern des Islam, die sich leider als sehr fanatisch herausstellten, einmal mit einem (islamischen) Mitglied der Arbeitsgruppe Christentum-Islam. Ein Abend galt dem Thema Buddhismus. Einmal besuchten wir die Synagoge.

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Entwicklung:

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In den zwei Jahrzehnten gemeinsamen ökumenischen Lebens hat sich unser Kreis entwickelt. Ursprüngliche Gründungsmitglieder (evangelisches „Urgestein“) sind gestorben oder weggezogen, neue Interessenten und Interessentinnen sind dazugekommen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist gewachsen, und das hat auch liturgisch, in der intensiveren Gestaltung der ökumenischen Gottesdienste, seinen Niederschlag gefunden. Auch hat die katholische Gemeinde inzwischen akzeptiert, dass am Tag des ökumenischen Gottesdienstes im evangelischen Gemeindezentrum nicht zur selben Zeit in der katholischen Kirche eine Messfeier stattfindet. Das Bewusstsein, dass wir große katholische Pfarrgemeinde eine kleinere evangelische Schwestergemeinde zur Seite haben, ist deutlich gewachsen.

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Der neue katholische Pfarrer Dr. Franz Troyer, der nach dem Tod von Pfarrer Erich Gutheinz im Herbst 2004 die Pfarre Allerheiligen übernommen hat, hat sich intensiv mit dem ökumenischen Gesprächskreis und allen ökumenischen liturgischen Gepflogenheiten in den beiden Gemeinden vertraut gemacht und hat nach persönlichen Gesprächen mit Pfarrer Bernhard Groß entschieden, dass er die ökumenischen Verbindungen in Veranstaltungen und Liturgie beibehalten und unterstützen will, worüber wir im Gesprächskreis, darüber hinaus aber auch die Gemeinden, sehr froh sind.

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Weltgebetstag der Frauen (Sen. Fridrun Weinmann, Alexandra Czernohaus, Irma Niederwolfsgruber)

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Der Weltgebetstag der Frauen ist die größte ökumenische Basisbewegung. Sein Motto lautet „informiert beten - betend handeln”.

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Der Weltgebetstag verbindet Frauen aus verschiedenen Kirchen und christlichen Gemeinschaften mit christlichen Frauen verschiedener Kulturen und Traditionen in aller Welt. Jeweils am ersten Freitag im März wird in ca. 180 Ländern ökumenisch der Weltgebetstagsgottesdienst gefeiert. Alle sind zur Teilnahme eingeladen. Die Gebetsordnung dazu verfassen Frauen einer ökumenisch zusammengesetzten Gruppe eines Landes für die ganze Welt. Zur Förderung des besseren Verständnisses über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg dienen intensive Vorbereitungen. Schwerpunkte dabei sind Informationen über das Land, insbesondere über die Situation der Frauen, sowie Bibelarbeiten zu den Texten der Gebetsordnung.

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WGT-Gottesdienste werden in Österreich an rund 450 Orten gefeiert. Dies ist möglich, weil viele Frauen, denen Ökumene ein Anliegen ist, ehrenamtlich mitarbeiten. Durch die Begegnung mit den Erfahrungen und Lebensweisen der fernen Nächsten lernen wir sie und ihre biblische Botschaft verstehen. So entsteht durch das gemeinsame Gebet weltweite Solidarität von Frauen. Dies kommt auch ganz praktisch mit der Kollekte zum Ausdruck. Mit den verschiedenen Projekten wird Frauen geholfen und ihre Anliegen werden weltweit im Gebet mitgetragen und unterstützt.

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Geschichte des Weltgebetstages

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Ab 1887 entstehen in den USA und Kanada in verschiedenen Denominationen jährliche Tage des Dankes und des Gebetes. Baptistische presbyterianische, methodistische und andere christliche Frauengruppen sehen darin eine Möglichkeit der konkreten Unterstützung der Frauenmissionswerke für ihre Arbeit im In- und Ausland. Millionen Einwanderer und ihre Familien sind auf die Hilfe der Frauengesellschaften angewiesen. Zukunftsweisend ist die Entstehung eines interkonfessionellen Gebetstages für Inlandmission 1897. Dabei beteiligen sich Frauengruppen aus 6 Denominationen.

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 Weitere wichtige Daten auf dem Weg zum Weltgebetstag sind:

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1890: rufen baptistischen Frauen zu einem Gebetstag für äußere Mission auf. 1897: Ökumenischer Gebetstag für innere Mission

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 1912: ökumenischer Gebetstag für äußere Mission

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 1920: Erster vereinigter ökumenischer Gebetstag

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 1927: Erster Weltgebetstag - ein weltweites Feiern

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 Der zweite Weltkrieg hemmt die weitere Verbreitung

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Nach 1945 bietet der Weltgebetstag eine Chance zur Begegnung auf dem Fundament des christlichen Glaubens, um den Weg der Versöhnung gemeinsam zu gehen.

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1968 Gründung des Internationalen WGT-Komitees. Der 1. Freitag im März wird als fixes Datum für die Feier des Weltgebetstages festgelegt.1971 tragen röm.-kath. Frauen offiziell die WGT-Bewegung mit.

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1975 wird das Ökumenische Nationalkomitee für den Weltgebetstag in Österreich gegründet.

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 1977 findet die WGT-Europakonferenz in Wien statt.

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1981 erfolgt erstmals eine eigenständige Übertragung der WGT-Liturgie in den österreichischen Kulturkreis. Es entsteht ein nationales Redaktionsteam. Seit 1981 gibt es jedes Jahr im November eine gesamtösterreichische Vorbereitungstagung für die Frauen, die in den Regionen für die WGT-Arbeit verantwortlich sind.

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1987 wird auch in Österreich das Jubiläum „100 Jahre Weltgebetstag" gefeiert.

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1992 gestalten Frauen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland die Gottesdienstordnung

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 zum Thema : In Weisheit mit der Schöpfung leben.

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Die Leitung des WGT liegt in den Händen des Weltgebetstagskomitees und des Nationalen

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 Komitees. Ihre Aufgaben sind:

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 Weltgebetstagskomitee;

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° Auswahl der Themen und der Herkunftsländer für die Liturgie

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° Erfahrungsaustausch und Förderung der Weltgebetstagsbewegung

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° Wahl des Exekutivkomitees (Vertreterinnen der Weltregionen) und der Vorsitzenden

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 Nationalkomitees:

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° Übertragung und Herausgabe der Liturgie und des Arbeitsmaterials

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° Inhaltliche Vorbereitung des Weltgebetstages

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° Entscheidung über die Verwendung der Kollekte

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° Kontakte zum Internationalen Komitee, zu anderen internationalen

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 Frauenorganisationen und zum Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs.

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° Ökumenische Zusammenarbeit- Öffentlichkeitsarbeit

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Vertreterinnen folgender Kirchen und christlichen Gemeinschaften gehören dem Nationalkomitee an:

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° Altkatholische Kirche

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° Armenisch-Apostolische Kirche

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° Evangelische Kirche AB

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° Evangelische Kirche H.B.

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° Evangelisch-Methodistische Kirche

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° Römisch-Katholische Kirche

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° Anglikanische Kirche

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° Baptistengemeinde

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° Heilsarmee

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° Orthodoxe Kirchen

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Geschichte des WGT in Tirol

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In Tirol wurde der Weltgebetstag zuerst von evangelischen Christinnen um Frau Pfarrer Weber gefeiert.

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1967-69 gestalteten die evangelische Pfarre Christuskirche und die Katholische Pfarre Saggen in Innsbruck bereits ökumenische Weltgebetstagsgottesdienste. Frau Pfarrerin Fridrun Weinmann und Frau Beatrix Hanak sammelten eine Frauengruppe um sich. Mit dem Weltgebetstag wuchs auch das Bewusstsein der Ökumene. Erna Öhreneder von der katholischen Frauenbewegung konnte viele von der Idee des Weltgebetstages begeistern.

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Seit 1982 findet jedes Jahr Mitte Jänner ein Informationstag in Innsbruck statt. (Inzwischen auch in Ost- und Südtirol). Vertreterinnen der Gemeinden, die vorhaben den Weltgebetstag zu feiern, können sich an diesem Tag intensiv über das Land, aus dem die Ordnung kommt, die Geschichte, das Leben der Frauen dort, die Kultur, die Religionen, die Hoffnungen und Visionen informieren. Jede Frau nimmt eine Gottesdienstordnung mit, in der die Texte und Lieder, und Informationen über das Land und die Projekte stehen. Die Gottesdienstordnung gilt auch für die Deutschen und Schweizer Frauen. Die Österreicherinnen haben aber eine eigene Übersetzung der Ordnung.

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Es wird viel Zeit und Sorgfalt für die Besprechung der von dem jeweiligen Land ausgewählten Bibelstellen gelegt. Frau Pfarrerin Fridrun Weinmann und Frau Prof. Silvia Hell leiten seit Jahren gemeinsam die Bibelarbeiten und erklären theologische und historische Hintergründe. In Kleingruppen werden anschließend persönliche Gedanken, Erfahrungen und Fragen ausgetauscht.

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Der Kindergottesdienst ist an keinen bestimmten Tag gebunden. Die dafür zur Verfügung gestellte Mappe bietet viele Anregungen für Jungscharleiterinnen und Religionslehrerinnen.

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In über 30 Nord- und Osttiroler Gemeinden wird der ökumenische Wortgottesdienst von Frauengruppen gestaltet. Auch für eine gemütliche Agape im Anschluss an den Gottesdienst wird meistens gesorgt.

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In Südtirol feiern bis jetzt 134 Gemeinden den Weltgebetstag, allerdings ist es nur in den Städten Bozen, Brixen, Sterzing möglich ökumenisch zu feiern. In kleinen Orten gibt es kaum Vertreterinnen anderer christlicher Kirchen .Allerdings hat der Weltgebetstag in Südtirol dir Besonderheit, dass er italienisch - und deutschsprechende Frauen verbindet. In den Gottesdiensten wird auch eine Kollekte gesammelt, die von der Geschäftsstelle in Wien verwaltet wird. Daraus werden gezielt Projekte unterstützt, die Hilfe zur Selbsthilfe geben, Lebensbedingungen von Frauen und Kindern verbessern, Bildung für Frauen anbieten und Versöhnungsarbeit möglich machen.

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 In Südtirol sind es weit mehr Gemeinden, die den Weltgebetstag mitfeiern.

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Zukunftsperspektiven

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Begeisterungsfähige Frauen, sowohl Laien als auch Theologinnen, die offen sind für die Anliegen und Sorgen der Frauen Männer und Kinder anderer Kulturen und Religionen, wollen in Österreich aber auch auf der ganzen Welt durch ihr gemeinsames Beten und Helfen viele Menschen erreichen.

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Das Ziel und die Hoffnung sind, dass in Tirol und in der ganzen Welt der WGT der Frauen am l. Freitag im März von immer mehr Gemeinden mitgefeiert wird. Durch das gemeinsame Beten können Vorurteile, Vorbehalte und die daraus entstehenden Ängste abgebaut, und in ein miteinander kennen lernen, beten und helfen umgewandelt werden.

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Dafür organisieren viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus den Gemeinden unter großer Mühe und Zeitaufwand , aber auch mit sehr viel Freude Veranstaltungen zum WGT in vielen Orten . Das geschieht in der Hoffnung, dass der ökumenische Gedanke sich weiter ausbreitet.

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Weltgebetstag der Frauen - Themen und Länder

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Jahr (Land) Thema:

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 1973 (Schweiz) Wachsam in unserer Zeit

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 1974 (Japan) Am Frieden bauen

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 1975 (Ägypten) Aus der Einheit leben

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 1976 (Mexiko) Am Leben lernen

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 1977 (DDR) Liebe wird zur Tat

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 1978 (Kanada) Leben im Geist der Gemeinschaft

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 1979 (Afrika) Geistlich wachsen

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 1980 (Thailand) Freiheit verantworten

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 1981 (Nordamerika/Indianerinnen) Gott hat uns die Erde anvertraut

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 1982 (Irland) Volk Gottes im Beten und Handeln

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 1983 (Jamaika) Neu werden in Christus als neue

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  () Menschen leben

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 1984 (Schweden) Hoffnung in Christus - Quelle des Lebens

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 1985 (Indien) Um Frieden beten - den Frieden tun

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 1986 (Australien) Das Leben wählen

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 1987 (100 Jahre WGT) Kommt und Freut Euch

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 1988 (Brasilien) Und Türen gehen auf

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 1989 (Birma) Herr, lehre uns beten

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 1990 (Tschechoslowakei) Unsere Hoffnung - Gerechtigkeit für alle

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 1991 (Kenia) Miteinander unterwegs

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 1992 (Österreich - BRD - Schweiz) In Weisheit mit der Schöpfung leben

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 1993 (Guatemala) Als Gottes Volk Heilung bringen

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 1994 (Palästina) Geht, seht und handelt

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 1995 (Ghana) Die Erde - ein Haus für alle Menschen

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 1996 (Haiti) Gott ruft: Antwortet

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 1997 (Korea) Wie ein Same, der zum Baum wird

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 1998 (Madagaskar) Und wer sind unsere Nächsten?

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 1999 (Venezuela) Gottes zärtliche Berührung

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 2000 (Indonesien) Talitha Kumi - junge Frau steh auf!

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 2001 (Samoa) Informed prayer - Prayerful action

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 2002 (Rumänien) Challenged to reconcile

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 2003 (Libanon) Holy spirit, fill us

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 2004 (Panama) In Faith, Women shape the future

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 2005 (Polen) Let our light shine

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 2006 (Südafrika) Signs of the time

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 2007 (Paraguay) United under God's tent

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 2008 (Guyana, Karibik) God's Wisdom provides New Understanding

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 2009 (Papua-Neuguinea) In Christ There Are Many Members But One Body

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 2010 (Kamerun, Afrika) Let Everything That Has Braith Praise God

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 2011 (Chile, Lateinamerika) How Many Loaves Have You?

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Der Johannes Chrysostomos-Chor (Ulrike Urban)

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Um über die Geschichte des Johannes Chrysostomos-Chores zu berichten, bediene ich mich eines Aufsatzes von Frau Dr. Vera Erismann, den sie vor einigen Jahren anlässlich der Teilnahme an einer Messe in der Saggenkirche geschrieben hat.

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Es heißt dort: “Weil wir schon öfter die Messe in der Saggenkirche musikalisch mitgestalten durften, möchten wir Ihnen unseren Chor heute einmal persönlich vorstellen. Sein Name stammt von dem berühmten byzantinischen Kirchenvater, der im fünften Jahrhundert die Ostkirchenliturgie begründete.

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Bei Entstehung des Chores im April 1981 wurde ihm der Name ,Paulus-Chor' gegeben. Da dies jedoch zu Verwechslungen und Missverständnissen führte, wurde der Name 1989 in unseren heutigen Chornamen geändert. Gegründet wurde der Chor vor allem in der Absicht, die wunderschönen Weisen der Ostkirche zu pflegen. Die Intention war auch, der kleinen Gemeinde der Exilrussen, Bulgaren, Rumänen und anderen Orthodoxen bei ihren öfters im Jahr stattfindenden Gottesdiensten gesanglich beizustehen. Der damalige russische Restchor war überaltert und konnte nicht mehr lange bestehen."

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In der russischen Kirche ist der Chor besonders wichtig, weil die Liturgie auf ihm aufgebaut ist, und nur die menschliche Stimme, aber kein Instrument erklingen darf.

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Wir sind jedoch kein Kirchenchor," betont Frau Dr. Erismann in ihrem Artikel, sondern nur die Gestalter sowohl orthodoxer als auch katholischer und evangelischer Gottesdienste. Hiermit ist auch ein weiterer Zweck unserer Gemeinschaft erfüllt, nämlich die Pflege der Ökumene. Unter den etwa 30 Mitgliedern (die Zahl variiert im Lauf der Zeit etwas) sind die meisten Katholiken, doch haben wir auch einige Orthodoxen und Evangelische. Es ist ein gemischter Chor, in dem, wie heute in allen Chören, die Zahl der Frauen überwiegt. Es sind fast alle Berufe und auch alle Altersklassen von 20 bis Ende 70 vertreten. Die Gemeinschaft ist freundlich und harmonisch, was durch unsere Begeisterung für diese Musik bedingt wird, aber vor allem auch durch die ruhige Art unseres Chorleiters Herrn Georg Bleyer aus Hall in Tirol. Er hat sich mit seltener Einfühlung, Musikalität und Religiosität in die Materie eingearbeitet und hält uns fest in der Hand. Auch die Stimmbildung wird nicht vergessen."

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“Jedes Jahr finden Chorreisen statt," beschreibt Frau Dr. Erismann das aktive Chorleben, “die uns schon nach Italien, in die Schweiz sowie nach Deutschland und heuer nach Belgien geführt haben. Dabei ist es schön, das wertvolle Gesangsgut der Ostkirche überall weiterzuverbreiten, wobei erstaunlicher Weise, kaum Schwierigkeiten mit der altslawischen Kirchensprache auftreten. Auch unsere Tiroler und Österreichischen Volks- und Kirchenlieder werden zum besten gegeben. Dies geschieht zum Teil auch in Konzerten."

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Frau Dr. Vera Erismann ist die Tochter einer Russin. Sie war Gründungsmitglied des heutigen Chrysostomos-Chores und fungierte jahrelang als Sprachwartin des Chores.

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Durch den derzeitigen Obmann des Chores Herrn Dipl. Volkswirt Helmut Putz konnte ich noch zusätzlich über die letzten 7 Jahre des Chores recherchieren. Er meint zu den folgenden 3 Bereichen:

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1. Zum Organisatorischen: “Die russische Kirchengemeinde hat sich durch Überalterung praktisch aufgelöst. Die Kapelle in der Siebererstraße wurde von den Serben übernommen. Auch zur Zeit der Nato-Angriffe auf Serbien haben wir dort gesungen. Wir müssen aber mehr oder weniger bitten, dass wir dort singen können. Eine finanzielle Anerkennung durch die serbische Gemeinde gibt es überhaupt nicht.

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Orthodoxe Messen sind aber eine “Lebensnotwendigkeit" für uns. Heuer wird es einen orthodoxen Gottesdienst in Allerheiligen mit Pfarrer Oberascher geben und einen in der Herz-Jesu-Kirche mit Pater Wlodimir, einem ukrainischen Priester.

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Die finanzielle Lage wird immer schwieriger: Subventionen von Stadt und Land kann man ,vergessen'. Die Benutzung des großen Saales im ehemaligen Zentrum 107 an einem Abend in der Woche ist allerdings eine ,stille Subvention' der Stadt. Auch von den Banken gibt es nichts mehr. Unterstützung erhalten wir nur mehr vom jeweiligen Bischof als Anerkennung für unsere ökumenische Aufgabe, denn wir gehören auch zu keiner Pfarre. Messen in katholischen oder evangelischen Kirchen sind immer ein Balanceakt: Manche Pfarrer geben etwas (50 bis 150 € für eine Messe), manche nichts. Wir wollen nichts verdienen, aber irgendwie müssen wir unsere Ausgaben decken."

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2. Zu den Mitgliedern: “In den vergangenen Jahren sind einige ältere Mitglieder ausgeschieden, auch 2 Russinnen und die über 80-jährige Sprachwartin, dafür sind einige jüngere nachgekommen. So ist das Durchschnittsalter von 61 auf 55 Jahre gesunken. Im Allgemeinen bekommt man schwer Nachwuchs, da sich die Leute nicht mehr binden wollen."

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3. Zum Musikalischen: “Vom fast reinen russisch-orthodoxen Liedgut kamen wir zum ,mehrsprachigen', d.h. deutsche, lateinische und englische Lieder. Dazu kamen auch neue orthodoxe Lieder, wie z.B. 8 verschiedene Oce Nas (Vater Unser) und Teile einer Messe in rumänischer Sprache. Es ist schwierig, an orthodoxe Noten heranzukommen, aber notwendig, denn die Sänger wollen nicht immer nur das Gleiche singen", schildert der Chorobmann aus dem Chorleben

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Durch meine Recherche konnte ich erfahren, dass dieser Chor in Westösterreich der einzige ist, der die gesamte Chrysostomos-Liturgie beherrscht. Zum Abschluss noch ein Hinweis: “Chrysostomos" heißt “Goldmund".

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 Innsbruck, im Februar 2005

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Die ökumenische Chorgemeinschaft in Innsbruck - St Paulus (Ulrike Urban)

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Entstehung und Entwicklung

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Mitte der 60iger Jahre wurde in der evangelischen Christuskirche in Innsbruck ein evangelischer Kirchenchor gegründet und etwa zur selben Zeit in der katholischen St. Pauluskirche der St. Pauluschor. Die Leiter der beiden Chöre waren Kollegen an derselben Schule. 1973 kamen sie bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Pauluskirche ins Gespräch und fanden, dass es schön wäre, wenn ökumenische Gottesdienste zukünftig gemeinsam von beiden Chören gestaltet werden könnten. Der katholische Chorleiter erwog schon zu dieser Zeit seine Übersiedlung weg von Innsbruck, um seine Pianistenkarriere aufzubauen. Er fragte daher seinen Kollegen vom evangelischen Chor, ob er nicht den katholischen Chor mit übernehmen könnte. Bei einer der nächsten Proben sprach der evangelische Chorleiter, Prof. Hans Scheiling, mit den Chormitgliedern über eine geplante Vereinigung beider Chöre. Er meinte: “Gott könnten wir auch gemeinsam loben!". Zuerst kamen Bedenken auf; aber schon nach einigen gemeinsamen Proben war es spürbar, dass auch eine menschliche Annäherung immer deutlicher wurde.

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Es war notwendig zu lernen, in der jeweils anderen Kirche, mit dem bisher unbekannten Ritus umzugehen und zu erkennen, dass Gott auf dieselbe Weise geehrt und verherrlicht werden kann. Zum besseren Verständnis und Zusammenwachsen gab es Abende mit den Pfarrern der beiden Kirchen. Dabei konnten die Chormitglieder Fragen stellen, um so immer mehr in den Ablauf der katholischen Messfeier bzw. in die Art der Verkündigung des evangelischen Gottesdienstes Einblick zu bekommen.

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Den vereinigten Chören war klar, dass sie nicht nur zur Verzierung der Gottesdienste da sind, sondern ein Stück der Mitgestaltung und Verkündigung inne haben. Dazu war es nötig das Repertoire des Liedgutes zu erweitern. Wenn man in groben Zügen das katholische Repertoire von Palestrina über Haydn, Mozart, Schubert bis Bruckner ansiedelt und das evangelische von Schütz, Bach, Mendelssohn bis Distler, so kann in schöner Weise beides ausgiebig gepflegt werden.

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Zu möglichen Problemen ist zu bemerken, dass das evangelische Repertoire fast vollständig in der katholischen Kirche singbar ist. Umgekehrt sind die katholischen lateinischen Messen und das Marienliedgut in der evangelischen Kirche nicht 100-prozentig anzubringen. Aber sicher steht die gegenseitige Bereicherung im Vordergrund. Z.B. sind im neuen katholischen Gesangbuch viele evangelische Lieder anzutreffen.

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Was zur familiären Atmosphäre im ökumenischen Chor wesentlich beiträgt, sind gemeinsame Feiern und eine jährliche Chorreise. Bei diesen Reisen ist immer ein Singen in einer katholischen und einer evangelischen Kirche vorgesehen. Für die Mitglieder der Chorgemeinschaft ist das gemeinsame Singen ein Stück ihres Lebens geworden. Umso schmerzlicher wird der Wermutstropfen bei der Eucharistiefeier empfunden, dass es nicht möglich ist, offiziell gemeinsam Abendmahl bzw. Kommunion zu feiern.

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Die Struktur

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Der Chor ist ein angemeldeter Verein. Er besteht aus ca. 40 aktiven Mitgliedern. Außerdem gibt es noch ca. 14 inaktive Mitglieder.

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Prof. Mag. Hans Scheiling war 28 Jahre Chorleiter des evangelischen und ökumenischen Chores. Nach seinem Tod vor 10 Jahren übernahm Prof. Mag. Franz Kucsera den Chor als Leiter. Organistin ist Frau Camilla Niederhuemer.

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Das Programm erstreckt sich von September bis Ende Juni, wobei etwa 14 mal abwechslungsweise in der katholischen bzw. evangelischen Kirche gesungen wird. Jeden Mittwoch von 19.30 bis 21.45 Uhr ist Chorprobe im Pfarrsaal von St. Paulus. An den hohen Feiertagen stehen Orchestermessen auf dem Programm.

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Der Verein arbeitet ohne Gewinn. Er erhält sich von Subventionen der katholischen Pfarre St. Paulus, der evangelischen Pfarre Christuskirche und Auferstehungskirche, von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und einzelnen Spendern.

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Andere ökumenische Chöre:

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In Österreich sind keine feststellbar; in Deutschland konnte eine Vielzahl von ökumenischen Chören gefunden werden.

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Anhang: Persönliche Gedanken von einigen Chormitgliedern zum Thema ökumenischer Chor

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1. Chorleiter Franz Kucsera: “Die Ökumene in meinem Leben passierte einfach. Bis zu meinem 24. Lebensjahr hatte ich noch nie eine evangelische Kirche betreten. Durch - nachträglich betrachtet - glückliche Umstände entstand ohne bewussten Willensakt die ökumenische Chorgemeinschaft aus dem Zusammenschluss vom katholischen Pauluschor und dem evangelischen Kirchenchor Innsbruck, weil der katholische Chor plötzlich keinen Dirigenten mehr hatte. Erst nachher entwickelte sich allmählich durch praktisches Tun bei der Gestaltung von evangelischen und katholischen Gottesdiensten ein Verständnis für die bisher fremde Konfession. Ich empfinde es als große Bereicherung in meinem Leben, dass mir dieses widerfahren ist. Musikalisch war es eine Bereicherung des Repertoires. Glaubensmäßig half es den Blick für das wirklich Wesentliche zu schärfen. Ich hoffe, dass die Ökumene so von unten wachsen kann. Sie braucht nicht von oben verordnet werden, sondern, wenn sie durch Geschehen im Alltag wächst, bestünde die Möglichkeit zu erkennen, dass katholisch und evangelisch nur verschiedene Wege zu den selben Zielen sind. Vielleicht hilft solches Tun, wie das der Ökumenischen Chorgemeinschaft, dabei."

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2. Eine Altgediente aus den ersten Tagen: “Wir waren von 1967 bis 1974 ein kleines evangelisches Chörlein, dem besonders Männer fehlten. Als dann 1974 unser Chorleiter die Frage an uns stellte, ob wir uns vorstellen könnten mit dem katholischen St. Pauluschor einen gemeinsamen ökumenischen Chor zu bilden, waren wir sehr skeptisch. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Der Versuch wurde gestartet - und siehe da - es klappte. Es klappt nun schon seit 30 Jahren, und längst sind wir zu einer zusammengeschweißten Gemeinschaft geworden, die immer gerne neue Leute aufnimmt."

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3. Frau Roswitha Atzwanger-Wachtler: “Mein Grundgedanke einem Chor beizutreten lag zuerst an der Freude am Singen und zur Musik, besonders zur Kirchenmusik. Durch eine Freundin hatte ich die Möglichkeit im ökumenischen Chor zu singen. Ich verspürte eine liebevolle Aufnahme und eine angenehme Gemeinschaft. Jede Gemeinschaftsform bedarf eines gewissen Grades an Verbindlichkeit. Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Aus dem biblischen Satz, dass Gott Liebe ist, hat der Kirchenvater Augustinus gefolgert, dass Gott in ewiger Gemeinschaft lebt, denn Liebe realisiert sich in der Gemeinschaft. Unsere Verschiedenartigkeit ist wie ein großer, interessanter, bunter Blumenstrauß. Sind wir nicht alle aufgerufen in allen christlichen Konfessionen zur Einigung in Fragen des Glaubens?"

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4. Frau Emmi Roder: “Warum gerade ökumenischer Chor? - Seit meiner Jugendzeit singe ich in Chören verschiedenster Zusammensetzung: Jugendchor, katholischer Kirchenchor, diverse evangelische Chöre, Oratorienchor, Münsterchor.

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Seit meiner Rückkehr nach Innsbruck singe ich, animiert durch eine Freundin, im ökumenischen Chor. Mein Mann und ich wurden sehr herzlich aufgenommen. Die Ökumene wird in diesem Chor auf beste Weise gelebt. Es herrscht eine offene, freundliche Atmosphäre. Jedes Mitglied darf sich angenommen fühlen in seiner Religionsentscheidung und Lebensweise. Die Messen, Kantaten, Lieder etc. werden auf besondere Weise, eben ökumenisch, ausgesucht. Und jeder hat einmal die Freude und den Spaß in ,seiner' Kirche das Loblied Gottes zu singen. Und alles gelingt ganz selbstverständlich.

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Ein wichtiger Punkt für mich war auch: Ich möchte in meinem Alter nicht jeden Sonntag (quasi aus Pflicht) singen, so schön das ist. Ich habe noch viele Interessen - Kinder und Enkelkinder - und Verpflichtungen sonstiger Art. Ich genieße das Singen in einem Rahmen, der für mich passt."

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 Innsbruck, im Februar 2005

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