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Die Stimme des Volkes und die Stimme Gottes müssen unterschieden bleiben!
(Clemens August von Galens Beitrag zu einer theologischen Politik der Demokratie)

Autor:Palaver Wolfgang
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:Kardinal von Galens Interpretation von Röm 13 und seiner bleibender Beitrag zu einem theologischen Verständnis von Demokratie.
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2005-10-31

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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So ungeteilt heute unter vielen von uns die Freude über die vor kurzem erfolgte Seligsprechung von Kardinal von Galen sein dürfte, so wenig sollten wir dabei aber vergessen, dass es lange Zeit ein merkliches Zögern in der positiven Identifikation mit dem "Löwen von Münster" gab. Trotz seines bemerkenswerten Widerstands gegen die nationalsozialistische Ermordung behinderter Menschen schämte man sich gleichzeitig für seinen Ruf als Antidemokraten und Gegner der Weimarer Republik. Die Etiketten, die ihm bis heute in dieser Hinsicht nachgesagt werden, zeigen die Skepsis, die seiner politischen Haltung noch immer entgegengebracht wird: "'Rechtskatholik', Monarchist, autoritärer Klerikaler" (zit. nach Facius). Eine "autoritäre Grundeinstellung" (zit. nach Stehle) bzw. eine "Obrigkeitsgläubigkeit" (Klausa) seien für ihn typisch gewesen. Andere kritisieren seinen Nationalpatriotismus und seine Unterstützung des nationalsozialistischen Kampfes gegen die "bolschewistische Bedrohung" (Conzemius). Ekkehard Klausa fasst die Kritik an von Galen in einem vor kurzen erschienen Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit prägnant zusammen:

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"Galen war autoritärer Nationalist. Daran gibt es keinen Zweifel. Er verabscheute Demokratie, Liberalismus und 'Modernismus', er stand vielen Zielen und der anfänglichen Politik des Hitler-Staates nahe und weinte der Weimarer Republik keine Träne nach. Des 'Führers' Außenpolitik hatte bis Anfang 1939 seinen ungeteilten Beifall." (Klausa)

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Es dürfte zutreffen, dass von Galen sich beispielsweise hinsichtlich des Kampfes gegen den Bolschewismus blenden ließ. Ich möchte Schwächen seiner politischen Haltung keineswegs unterschlagen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass viele Kritiker selbst oberflächlich urteilen und bis heute seine berechtigten Einwände gegen die Weimarer Republik nicht verstanden haben. Meine folgenden Überlegungen möchten die bleibende Bedeutung seines Beitrags zu einem christlichen Verständnis von Demokratie hervorheben. Ich möchte zeigen, dass von Galen schon 1937 zu Recht das Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät von Innsbruck erhielt, weil er schon damals wichtige Maßstäbe und Grenzen der Demokratie aus einer theologischen Perspektive benannt hatte. Er steht im besten Sinne des Wortes für eine theologische Politik der Demokratie.

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Das gängige Schema zur Erklärung der Machtergreifung des Nationalsozialismus behauptet einen Zusammenhang zwischen autoritärem Katholizismus und dem Aufstieg Hitlers. Von Galen wäre damit trotz seiner Kritik an der nationalsozialistischen Herrschaft selbst ein Teil des Problems. Das Paradebeispiel für diese Affinität von autoritärem Rechtskatholizismus und Nationalsozialismus ist der berühmt-berüchtigte Staatsrechtsgelehrte Carl Schmitt. Sein ganz auf die "Autorität von oben" zentriertes Kirchenbild sowie seine mit dem traditionellen Katholizismus übereinstimmende Betonung von Röm 13, wonach alle staatliche Gewalt von Gott stamme, erklären scheinbar problemos, dass dieser Denker nach 1933 zum "Kronjuristen des Dritten Reichs" aufstieg. Doch diese simple These ist – auch wenn sie selbstverständlich zu sein scheint – falsch (vgl. Palaver 97-104). Ein genaues Studium der Entwicklung Schmitts zeigt im Gegenteil, dass er erst durch seine Absage an Röm 13 und seine bewusste Annäherung an eine politische Theologie der vox populi vox Dei – der Glaube, dass in der Stimme des Volkes die Stimme Gottes hörbar werde –, die Weichen für seine spätere Unterstützung Hitlers stellte. Der Aufstieg des Nationalsozialismus ist ein demokratiepolitisches Problem, dem wir uns – so schwierig das auch sein mag – in aller Klarheit stellen müssen. Nicht die Bejahung von Autorität als solcher führte zum Nationalsozialismus, sondern gerade das Fehlen echter Autorität, die die Menschen dazu verleitetete der neuen anschwellenden Massenbewegung schon aufgrund ihrer erdrückenden Zahl ihr Vertrauen zu schenken. Die linke Philosophin und französische Jüdin Simone Weil hat diese Zusammenhänge zutiefst verstanden, als sie über das "große Tier" in der Offenbarung des Johannes (Offb 13) und bei Platon nachdachte und darin den "Fürsten dieser Welt" erkannte, der sich in der Vergötzung des Kollektivs zeigt:

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"Auf der Erde gibt es nur eine Sache, die man tatsächlich zum Ziel nehmen kann, denn sie besitzt eine Art Transzendenz im Hinblick auf die menschliche Person, nämlich das Kollektiv. ... Es ist der Gegenstand jedes Götzedienstes." (Weil, Cahiers 3,249f)

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Wie sehr der Herdentrieb die Menschen zu diesem Götzendienst verleiten kann, hat Weil an ihrem eigenen Beispiel beschrieben:

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"Ich habe eine starke Neigung zum Herdentier in mir. Ich bin meiner natürlichen Veranlagung nach äußerst beeinflussbar und vor allem für kollektive Einflüsse überhaupt empfänglich. Ich weiß, dass, wenn ich in diesem Augenblick zwanzig junge Deutsche vor mir hätte, die im Chor ihre Nazilieder absängen, ein Teil meiner Seele unverzüglich von dem Nazismus angesteckt würde." (Weil, Zeugnis 81)

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Carl Schmitt wurde Nazi weil er diesem Sog des Kollektivs nicht widerstehen konnte. Sein Bekenntnis zur "Autorität von oben" erwies sich gegenüber der übermächtigen "Stimme des Volkes" als zu schwach.

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Wie sehr die Machtergreifung des Nationalsozialismus in der politischen Theologie der vox populi vox Dei seinen Nenner findet, zeigt auch das "Betheler Bekenntnis" von Sommer 1933, an der der protestantische Gegner des Nationalsozialismus, Dietrich Bonhoeffer, mitgearbeitet hatte. Dieses Bekenntnis verwirft die Identifikation von Gott und Volk klar, weil es um die Wankelmütigkeit des Volkes weiß: "Wie verwerfen ... die Irrlehre, dass des Volkes Stimme Gottes Stimme sei. ... Des Volkes Stimme schreit 'Hosianna' und kreuzige!'" (Zit. nach Scholder 580)

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Es lohnt sich, Kardinal von Galens angebliche Obrigkeitsfrömmigkeit vor diesem Hintergrund näher zu untersuchen. Aufbauend auf die traditionelle Moraltheologie, wie sie ihm sein Lehrer Hieronymus Noldin in Innsbruck beigebracht hatte und wie sie auch in den Sozialenzykliken von Leo XIII. sowie Pius XI. zum Ausdruck kam, betonte auch von Galen die Bedeutung von Röm 13. Die staatliche Autorität verdiene Gehorsam. Aber das ist bei weitem kein Bekenntnis zum absoluten Gehorsam gegenüber der Staatsgewalt, sondern enthält auch schon gleichzeitig die Grenze dieses Gehorsams in sich. Weil alle Gewalt von Gott ist, hört dort die Verpflichtung zum Gehorsam auf, wo sich der Staat dem Willen Gottes entgegenstellt. Als die Verfassung der Weimarer Republik sich im zweiten Satz ("Alle Gewalt geht vom Volke aus") von Röm 13 absetzte und auch sonst jeden Verweis auf Gott vermied, stand von Galen im anschließenden Verfassungsstreit auf Seite jener, die diese Verfassung als eine "Verfassung ohne Gott" kritisierten (vgl. Lutz 91-123; Lönne 227). Schon 1919 warnte er deshalb in einem Aufsatz vor der "Idee vom Staatsgott", die aus der Absage an die traditionelle Verantwortung gegenüber Gott folgen würde. Noch 1930 engagierte er sich vehement in dieser Frage, als er beim Katholikentag in Münster das Zentrum anklagte, weil es diesem Satz der Weimarer Verfassung zugestimmt hatte (vgl. Angenendt 23). Seine Kampfschrift Die "Pest des Laizismus" und ihre Erscheinungsformen von 1932 enthält ein eigenes Kapitel, in dem er im Anschluss an Pius XI. der politischen Herrschsucht – der "Hoffart des Lebens" – nachgeht und indirekt auf die Versuchung der politischen Theologie der vox populi vox Dei zu sprechen kommt. Wo die politische Verantwortung gegenüber Gott beiseite gedrängt werde, drohe der Götzendienst gegenüber dem Volk und jeder beliebigen Mehrheit:

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"Der naturalistische, laizistische Grundsatz heißt: 'Was der Menge, was dem Volke gefällt, soll Gesetz sein.' Liegt nicht darin auch eine Abkehr von der Anerkennung des einen wahren Gottes? Gewiß, der Menge, dem Volke wie einem Götzen wirklich Weihrauch zu streuen, als Symbol der Anbetung sichtbare Opfer zu bringen, dazu ist der Laizismus zu unfromm, zu gottlos, zu sehr noch dem Materiellen zugewandt; aber kann man nicht beobachten, dass manche aus Herrschsucht, oder auch aus anderen Gründen, meinetwegen weil sie sich befähigt glauben, das Volkswohl am besten fördern zu können, der Menge in geistiger Weise Weihrauch streuen, ihr schmeicheln und Ergebenheit bezeigen, um mit der Vertretung des omnipotenten Volkswillens in den staatlichen Körperschaften betraut zu werden?" (Galen, Pest 44f)

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Von Galens Wahlspruch als Bischof (1933) lässt sich als eine entschiedene Absage an die politische Theologie der vox populi vox Dei verstehen: Nec laudibus – nec timore. "Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen. Aber das Lob Gottes zu fördern, sei unser Ruhm, selbst in heiliger Gottesfurcht zu wandeln, sei unser beharrliches Streben." (Von Galen, Hirtenbrief vom 28. Oktober 1933; Galen, Akten I 31)

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Von Galens Betonung von Gottes oberster Autorität gemäß Röm 13 führte ihn nicht zur Anbiederung an die nationalsozialistischen Herrscher, sondern die Autorität Gottes war der Maßstab, an dem auch das neue Regime gemessen werden musste. Schon im März 1934 tritt er entschieden der neuheidnischen und rassistischen Lehre Alfred Rosenbergs und dessen Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts entgegen (vgl. Predigt vom 26.3.1934). (1) Das Blut dürfe nicht über dem moralischen Gesetz stehen. In einer Predigt aus dem Jahre 1935, zeigt sich deutlich, wie sehr gerade sein Verständnis der Autorität Gottes im Widerspruch zum rassistischen Neuheidentum steht. Weil für von Galen das Christentum die "Bindung an die Oberherrschaft Gottes und an die Wahrheit seiner Offenbarung" (von Galen, Hirtenbrief vom 19. März 1935; Galen, Akten I 170) bedeutet, muss er konsequent jede Lehre ablehnen, die Nation oder Rasse an oberste Stelle zu setzen versucht. Den "Mythus von der Göttlichkeit der deutschen Nation und Rasse" (ebd. 182) lehnt er als "Götzendienst" oder "Abgötterei" entschieden ab (ebd. 170). Diese Linie des Gehorsamsverständnisses, die in seiner Interpretation von Röm 13 nur in einer "rechtmäßigen Obrigkeit den Abglanz der göttlichen Herrscherrechte" (ebd. 182) erkennt, setzt sich im Wirken von Galens fort. Hervorzuheben ist dabei seine Xantener Predigt vom 6. September 1936, in der er ausführlich seine Deutung von Röm 13 erklärt:

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"Gottes Dienerin ist die Obrigkeit. Darin liegt ihre Würde und ihr Recht zu gebieten und Gehorsam zu fordern. Darin liegt aber auch ihre Grenze und der Schutz der menschlichen Freiheit gegenüber dem Mißbrauch obrigkeitlicher Stellung." (Predigt von Galens vom 6. September 1939; Galen, Akten I 442) (2)

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Auch in seinen berühmten Predigten von Sommer 1941 fehlt weder der Hinweis darauf, dass Gott mehr gehorcht werden müsse als dem Menschen (Apg 5,29; Predigt vom 20. Juli 1941; Galen, Akten II 862) noch die Kritik am Götzendienst gegenüber Natur, Staat, Volk oder Rasse (Predigt vom 3. August 1941; II 881).

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Von Galen blieb auch nach dem Krieg der Demokratie gegenüber skeptisch. Gesprächsnotizen vom 21. Juni 1945 zeigen, dass er dem Willen des Volkes misstraute ("Demokratisch / also Regierung nach dem Willen des Volkes? / Was will das Volk? / Jedem Agitator ausgeliefert!") und einen Zusammenhang zwischen Hitlers Machteroberung und der Weimarer Republik festhielt ("Demokratie hat Hitler zur Herrschaft gebracht"; Galen, Akten II 1171).

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Wie immer man heute von Galens ablehnende Haltung gegenüber der Weimarer "Verfassung ohne Gott" einschätzen mag, es bleibt festzuhalten, dass nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus in Deutschland die Verantwortung vor Gott gerade im Rückblick auf die politische Katastrophe wieder bewusst betont wurde. So heißt es im deutschen Grundgesetz von 1949, dass sich das deutsche Volk "kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt ... im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen" dieses Gesetz gegeben hat. In der Politikwissenschaft zeigt das Beispiel von Eric Voegelin wie die Transzendenz wieder politisch ernst genommen wurde. Voegelin, der schon 1938 den Nationalsozialismus als politische Religion erkannte und auch um die Versuchung der vox populi vox Dei wusste (Voegelin, Religionen 57), betonte in seiner Neuen Wissenschaft der Politik von 1952, dass das anthropologische Prinzip "Der Mensch ist das Maß" durch das Prinzip "Gott ist das Maß" ergänzt werden müsse (Voegelin, Wissenschaft 80-83).

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Die katholische Kirche hat sich nach dem II. Weltkrieg für die Demokratie im Staat ganz geöffnet. Der Verweis auf Röm 13 bedeutet heute, dass in Gott die letzte moralische Autorität zu finden ist, an der sich auch die politische Gemeinschaft auszurichten hat. Im Widerspruch zu einer demokratischen Regierungsform – zur Wahl der Regierung durch das Volk – steht der Verweis auf Röm 13 nicht mehr (Pacem in terris Nr. 46-52; Gaudium et spes Nr. 74; Weltkatechismus Nr. 1897-1904; 2234-2243; Compendium of the Social Doctrin Nr. 380-383; 398). (3)

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Die moralische Ausrichtung auf Gott ist auch für unsere heutige politische Ordnung bedeutend. Zurecht betonte Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Centesimus annus (1991), dass "eine Demokratie ohne Werte sich ... leicht in einen offenen oder hinterhältigen Totalitarismus" (Nr. 46) verwandeln kann. Gerade die Gefährdungen menschlichen Lebens in den heutigen Demokratien haben diesen Papst deshalb auch dazu bewogen, die Seligsprechung von Kardinal von Galen voranzutreiben (vgl. Trautmann 123f). Es bleibt die Aufgabe der Kirche, auch politisch die Gefahren der Gottvergessenheit einzumahnen. Man muss gar kein gläubiger Christ sein, um die politische Bedeutung einer Verantwortung gegenüber einer höheren Ordnung zu verstehen. So betonte der Agnostiker Václav Havel in seinem Buch Moral in Zeiten der Globalisierung (1998) eindringlich die Bedeutung der Transzendenz für das politische Zusammenleben der Menschen. Das Haus Europa kann er sich nur vorstellen, wenn dessen Architektur ausdrücklich auch offen für die Transzendenz bleibt.

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Lassen Sie mich mit einer These theologischer Politik zur Demokratie enden, die gut zur Haltung von Kardinal von Galen passt: So sehr jede Selig- oder Heiligsprechung dem demokratischen Geist zu widersprechen scheint, so sehr bilden solche hierarchischen Elemente der geistigen Bildung und des persönlichen Charakters das notwendige Tragwerk einer jeden humanen Demokratie.

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 Literatur:

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Angenendt, Arnold: Münster - Stadt der Toleranz. In: Ethik und Demokratie. 28. Fachkongress für Moraltheologie und Sozialethik (Sept. 1997/Münster). Hrsg. von A. Autiero. Münster: LIT, 1998, 11-24.

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Conzemius, Viktor: Der "Löwe von Münster". In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. Oktober 2005.

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Facius, Gernot: "Die Botschaft heißt Zivilcourage". Kirchenhistoriker Hubert Wolf über die Seligsprechung Kardinal Graf von Galens. In: Die Welt vom 6. Oktober 2005.

25
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Galen, Graf Clemens von: Die "Pest des Laizismus" und ihre Erscheinungsformen. Erwägungen und Besorgnisse eines Seelsorgers über die religiös-sittliche Lage der deutschen Katholiken. Münster: Verlag der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, 1932.

26
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Galen, Bischof Clemens August Graf von: Akte, Briefe und Predigten 1933-1946. Bearbeitet von Peter Löffler. 2 Bände. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 1988.

27
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Havel, Václav: Moral in Zeiten der Globalisierung. Aus dem Tschechischen von J. Bruss und E, Profousová. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998.

28
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 Klausa, Ekkehard: Ein Löwe für den Himmel. In: Die Zeit Nr. 40 (29. September 2005) 96.

29
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Lönne, Karl-Egon: Politischer Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986.

30
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Lutz, Heinrich: Demokratie im Zwielicht. Der Weg der deutschen Katholiken aus dem Kaiserreich in die Republik 1914-1925. München: Kösel-Verlag, 1963.

31
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Palaver, Wolfgang: Die ethischen Grenzen des Mehrheitsprinzips. Zur politischen Theologie der Demokratie. In: Ethik und Demokratie. 28. Fachkongress für Moraltheologie und Sozialethik (Sept. 1997/Münster). Hrsg. von A. Autiero. Münster: LIT, 1998, 85-111.

32
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Pontifical Council for Justice and Peace: Compendium of the Social Doctrine of the Church. Città del Vaticano: Libreria Editrice Vaticana, 2004.

33
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Ratzinger, Joseph Kardinal: Werte in Zeiten des Umbruchs. Die Herausforderungen der Zukunft bestehen. Freiburg: Herder, 2005.

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Scholder, Klaus: Die Kirchen und das Dritte Reich. Band 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen 1918-1934. Berlin: Ullstein, 1986.

35
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 Stehle, Hansjakob: Widerstand mit Widersprüchen. In: Die Zeit Nr. 13 (22. März 1996).

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Trautmann, Markus: Clemens August von Galen. Ich erhebe meine Stimme. Kevelaer: Verlagsgemeinschaft Topos plus, 2005.

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Voegelin, Eric: Die politischen Religionen. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von P. J. Opitz. München: Wilhelm Fink Verlag, 21996.

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Voegelin, Eric: Die Neue Wissenschaft der Politik. Eine Einführung. Hrsg. von P. J. Opitz in Verbindung mit dem Eric-Voegelin-Archiv an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit einem Nachwort des Herausgebers und einer Bibliographie München: Wilhelm Fink Verlag, 2004.

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Weil, Simone: Zeugnis für das Gute. Traktate, Briefe, Aufzeichnungen. Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von F. Kemp. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1990.

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Weil, Simone: Cahiers. Aufzeichnungen. Dritter Band. Hrsg. und übersetzt von E. Edl und W. Matz. München: Carl Hanser Verlag, 1996.

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Anmerkungen:

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1.

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 Bemerkenswert dabei ist seine Zurückweisung der Identifikation von Sittlichkeit und Rasse: "Es greift die Fundamente der Religion und der gesamten Kultur an, wer das moralische Gesetz im Menschen zerstört. Das tun aber jene, die von der Sittlichkeit erklären, sie gelte nur insoweit für ein Volk, als sie die Rasse fördere. Offensichtlich wird dadurch die Rasse über die Sittlichkeit gestellt, das Blut über das Gesetz. Eben diese Irrlehre behauptet, es seien die zehn Gebote nur der Ausdruck des Sittlichkeit des jüdischen Volkes gewesen und sie müßten anders lauten für andere Völker mit anderem Blut. In Wirklichkeit verpflichten die zehn Gebote, die unter Blitz und Donner auf dem Sinai verkündet worden sind, alle Völker." (Hirtenbrief von Galens vom 26. März 1934; Galen, Akten I 68)

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2.

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 Vgl. Dazu den Hinweis auf Apg 5,29 in dieser Predigt (ebd. 443). Vgl. dazu auch den Hirtenbrief vom 6. Februar 1938 (Galen, Akten I 590-603).

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3.

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 Kardinal Ratzinger betonte in einem Aufsatz zum Verhältnis von Moral und Demokratie im Anschluss an Heinrich Schlier, dass Röm 13 im Zusammenhang mit Offb 13 gelesen werden muss: "Der Römerbrief beschreibt den Staat in seiner geordneten Form – den Staat, der sich an seine Grenze hält und sich nicht selbst als Quelle von Wahrheit und Recht ausgibt. Paulus hat den Staat als Treuhänder der Ordnung vor Augen, der dem Menschen sein Einzelsein wie sein Gemeinsamsein ermöglicht. Diesem Staat gebührt Gehorsam. Der Gehorsam gegen das Recht ist nicht Behinderung der Freiheit, sondern ihre Bedingung. Die Geheime Offenbarung zeigt demgegenüber den Staat, der sich selbst für Gott erklärt und aus Eigenem festlegt, was als gerecht und wahr zu gelten hat. Ein solcher Staat zerstört den Menschen. Er verneint sein eigentliches Wesen und kann daher auch keinen Gehorsam mehr einfordern."

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