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Petrus – Fels und Satan in einem
(Gedanken zum 22. Sonntag im Jahreskreis (LJ A))

Autor:Wandinger Nikolaus
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:Innerhalb weniger Augenblicke nennt Jesus Petrus den Felsen, auf dem er seine Kirche bauen will, und den Satan, der ihm aus den Augen gehen soll. Wie wird der Fels gegen die Mächte der Unterwelt in kürzester Zeit zum Satan, zum Fürst der Unterwelt?
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2005-08-30

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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22. Sonntag im Jahreskreis (LJ A)

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Lesungen: (Jer 20,7-9) Röm 12,1-2;

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 Evangelium: Mt 16,21-27

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 Liebe Gläubige,

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haben Sie noch das Evangelium vom letzten Sonntag im Ohr, als Jesus den Fischer Simon „Petrus, den Fels", nennt und ihm zusagt, dass er auf diesen Felsen seine Kirche bauen werde, seine Kirche, die die Mächte der Unterwelt nicht überwinden werden? Und heute nun das: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen." (Mt 16,23) – adressiert an denselben Petrus. Das heutige Evangelium beginnt genau dort, wo das vom letzten Sonntag geendet hat. Was also ist es, das den Fels gegen die Mächte der Unterwelt zum Satan, zum Fürst der Unterwelt, werden lässt?

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Das berühmte Felsenwort hatte Jesus zu Petrus gesagt, weil dieser eine Einsicht hatte, die nur von Gott kommen konnte: er hat Jesus als den Messias, den gesalbten König Gottes erkannt. Jesus preist den Ersten der Apostel für diese Einsicht und hält nun die Zeit für gekommen, die Jünger einen Schritt weiter in sein Geheimnis einzuführen: Er erklärt seinen Jüngern, dass er leiden und sterben müsse, um dann wieder aufzuerstehen (vgl. Mt 16,21). Jetzt, wo sie kapiert haben, dass er der Messias ist, ist es an der Zeit ihnen auch zu erläutern, was der Messias tun wird. Doch da hat sich Jesus verkalkuliert. Petrus ist nicht bereit, sich erklären zu lassen, was der Messias tun wird; er selber will dem Messias erklären, was der tun soll. Tun und nicht erleiden! Auf keinen Fall leiden und schon gar nicht sterben – das mit der Auferstehung hat Petrus wohl gar nicht mehr gehört, weil das Vorige schon seine ganze Aufmerksamkeit beansprucht hat.

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Petrus macht hier etwas, was gläubigen Menschen immer wieder passiert: wir haben vielleicht eine tolle Erfahrung mit Gott gemacht, haben eine geniale Einsicht von Gott bekommen, wir haben ein Stück von Gott erkannt; und dann meinen wir, wir hätten alles erkannt. Dann, so sind wir überzeugt, muss Gott jetzt so sein, wie wir uns das denken. Für Petrus war es der Titel des Messias, von dem er dachte, genau zu wissen, was er bedeutete, bei dem er sich aber gründlich täuschte. Bei uns mag es etwas anderes sein: wenn Gott wirklich gütig ist, dann muss er doch so und so handeln; wenn er wirklich gerecht ist, dann kann er doch das nicht zulassen; wenn er wirklich allmächtig ist, so muss er dies oder jenes tun! – so denken wir mehr oder weniger bewusst. Wir haben eine wahre Einsicht über Gott – und meinen, wir hätten nun die ganze Wahrheit über Gott und die Welt in der Tasche. Anstatt dass wir durch die wahre Einsicht Gottes unser ganzes Denken und Fühlen wandeln und erneuern lassen (wie Paulus uns an Herz legt), wollen wir Gott unserem Denken und Fühlen anpassen; wir gleichen uns selbst der Welt an und wollen Gott dann uns angleichen, und machen ihn damit unseren – vielleicht durchaus frommen – Vorstellungen untertan. Gott hingegen will, dass wir uns, unser Denken und Fühlen, wandeln und an das angleichen, was wirklich dem Heilsplan Gottes entspricht.

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Wenn wir Gott uns angleichen, entsteht ein entstelltes und verzerrtes Gottesbild, wir machen Gott zu unserer Projektion und machen ihn damit auch zu unserem Rivalen und Konkurrenten. Darin besteht das Satanische: wir machen aus Gott einen Götzen, dem wir nun unseren Willen aufzwingen wollen. Und dadurch verführen wir andere dazu, dasselbe zu tun. Man darf annehmen, dass Jesus die Versuchung, in die ihn Petrus da führte, durchaus empfunden hat: Wäre es nicht viel besser, ein Messias zu sein, der nicht leidet; der sich Kreuz und Tod erspart und das Reich Gottes auf Erden durch einen ganz anderen Erweis seiner Macht errichtet? Müsste es so nicht auch und sogar besser gehen?!

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Aber um welchen Preis? Welche Machterweise müsste er denn da erbringen? Die Gegner mit Gewalt zum Schweigen bringen? Sich über die Menschen erheben und sie einschüchtern – wo er doch gekommnen war, ganz einer von ihnen zu werden? Kurz, wie alle Könige dieser Welt, Macht mit Gewalt verwechseln und etwas Tun verwechseln mit jemandem etwas Antun? Aber Jesus durchschaut diese Versuchung und weist sie zurück. Sein Königreich ist nicht von dieser Welt.

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Bei uns ist es ähnlich. Wir alle haben unsere Vorstellungen von Christus, von der Kirche, vom Leben als Christ oder Christin. Oft sind diese Vorstellungen nicht falsch, aber wir leben sie doch so, als wären wir die Herren und als müssten Christus, Kirche und andere Gläubige sich unseren Vorstellungen anpassen. Jesus fordert uns dagegen auf, uns selbst zu verleugnen und unser Kreuz auf uns zu nehmen, wie er seines trug. Und er stellt uns dafür in Aussicht, dass wir so unser Leben endgültig und ewig gewinnen werden, auch wenn wir es zunächst zu verlieren scheinen. Eine solche Selbstverleugnung und Kreuzesnachfolge meint nicht eine Selbstaufgabe oder den Verzicht auf meine Rechte in der Welt. Es meint, mich von der Kraft Gottes umformen zu lassen und Gott, Kirche, Mitmenschen und mich selber auch zu akzeptieren, wenn sie meinem Ideal von Vollkommenheit nicht entsprechen. Christus hat am Kreuz die Sünden der Welt auf sich genommen. Unser Kreuz auf uns nehmen bedeutet dann, die Sünden der Kirche und der Menschen um uns, die uns treffen, mitzutragen und zu vergeben, anstatt sie durch Anklage und Vergeltung zu beantworten. Auch unter unseren eigenen Sünden und Unvollkommenheiten mögen wir leiden. Auch mit sich selbst kann man in Geduld und Liebe umgehen und die eigenen Schwächen als Kreuz annehmen oder man kann sich selber unerbittlich verurteilen, um damit vielleicht die Anerkennung der Welt zu gewinnen, aber doch das eigene Leben zu verlieren. Dieses Kreuz des Mittragens der Sünde anderer und der Geduld mit den eigenen Schwächen führt auch uns zur Auferstehung und zum Vater Jesu Christi.

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Natürlich ist es kein Zufall, dass Jesus gerade Petrus als Fels und als Satan bezeichnet. Petrus steht einerseits für alle Gläubigen, er steht aber andererseits für die Leitung der Kirche, für das Petrusamt. Und für dieses gilt in ganz besonderer Weise: Es ist das Fundament, auf dem die Kirche gegründet ist – und es ist gleichzeitig immer wieder dem Satan verfallen und der Versuchung erlegen, sich dieser Welt anzugleichen und dann Gott seinen eigenen Vorstellungen anzupassen. Die wahre Erkenntnis und Erfahrung Gottes, deren Hüter dieses Amt ist, wird zur teuflischen Versuchung, wenn die Amtsträger meinen, sie wüssten nun erschöpfend, wie Gott ist, weil sie einen Begriff dafür haben, aber vergessen zu fragen, ob dieser Begriff vielleicht etwas anderes bedeutet, als sie meinen. Oft zeigt sich das dann darin, dass sie nicht bereit sind, das Kreuz der Sünde mit anderen zu tragen, sondern es stattdessen auf andere abladen. Ähnliches gilt auf besondere Weise für uns Theologen und Theologinnen, die wir ständig mit Begriffen über Gott hantieren.

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„Gleicht euch nicht dieser Welt an" fordert uns Paulus auf. Heißt das, dass wir weltfremd, verschroben und eigenbrötlerisch sein sollen? Oder bedeutet es, dass wir uns nicht der Logik einer Welt unterwerfen sollen, in der nur mächtig ist, wer Gewalt ausübt; nur zählt, wer Geld hat; und nur als wertvoll gilt, wer vollkommen ist? In der Logik des Reiches Gottes, das nicht von dieser Welt ist, ist mächtig, wer sich selbst für andere ganz hingeben kann; zählt, wer anderen die Schuld nicht aufrechnet; und hat Wert, wer sein Leben Gott schenkt – nicht weil dieser Gott von uns etwas bräuchte oder uns etwas nehmen will; sondern, weil er uns erst vollkommen machen will, uns ein Leben in Fülle und die ganze Welt schenken will.

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Dafür hat der Messias der Versuchung des Petrus widerstanden und ist durch Leiden und Tod in die Auferstehung gegangen. Damit wir erkennen: wir müssen uns Welt und Leben nicht durch Perfektion erkämpfen, wir dürfen sie von Ihm als Geschenk annehmen.

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