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Kommunikative Theologie im Kontext von Bologna
(Überlegungen des Lehrgangsleiters zum Abschluss des 2. Universitätslehrganges für Kommunikative Theologie)

Autor:Scharer Matthias
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2005-06-13

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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„Die Zukunft gehört den Forschungsuniversitäten“, hat unser Rektorenteam programmatisch verkündet, während wir, die AbsolventInnen des Universitätslehrganges Kommunikative Theologie (ULG) und die wissenschaftliche Leitung, in einem kreativen Prüfungsprozess auf Augenhöhe den „Kern“ Kommunikativer Theologie herauszuarbeiten versucht haben. Angesichts des Schwerpunktstreites zwischen Forschung und Lehre an den Universitäten muss gefragt werden, wozu eine so personalintensive Lehre, wie wir sie im ULG betreiben, gut sein soll. Auch die Verwandten, Bekannten und Freunde der LehrgangsteilnehmerInnen werden sich manchmal gefragt haben: Was haben meine Partnerin, mein Partner, mein Abt, unsere Krankenhausseelsorgerin zwölf Wochen lang über 2 ½ Jahre beim Universitätslehrgang Kommunikative Theologie gelernt? Warum haben meine Religionslehrerin/mein Religionslehrer, unser Bildungswerkleiter, unsere Pfarrerin/unser Pfarrer die Mühen Strapazen und Kosten einer Exkursion in die Kirche von Taiwan, von Kenia, von Südafrika oder von Indien auf sich genommen? Warum haben sich die TeilnehmerInnen des ULG quer durch den deutschen Sprachraum im Schnitt 8 Semesterstunden, also ungefähr drei Wochen lang in ihrer Peergruppe – einer kleinen selbstgeleiteten Studiengruppe – getroffen, obwohl im Studienplan nur 1 Semesterstunde, also ca. 3 ½ Tage vorgesehen sind? Und schließlich wozu haben die TeilnehmerInnen des 2. ULG einen finanziellen Aufwand von durchschnittlich 8.500 auf sich genommen, um Kommunikative Theologie zu studieren? Was ist an diesem Lehrgang, an dieser Kommunikativen Theologie dran, dass sie euch liebe AbsolventInnen des ULG, soviel Einsatz wert war?

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Die Frage nach dem „Wert“ unseres Lehrganges schließt an der grundsätzlichen Frage an, was universitäre Bildung im Vergleich zur Forschung wert sei. Um diese Frage wird an den Universitäten im Moment heftig gestritten. Der Schwerpunkt der Universitäten soll in Hinkunft auf der Forschung liegen. Lehre ist nur mehr dort interessant, wo sie unter den Exzellenzanspruch fällt; das ist u. a. in hoch qualifizierten DoktorandInnenkollegs der Fall.

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Vor allem personalintensive Lehre soll minimiert werden; Kontaktstunden zwischen Lehrenden und Studierenden sollen eingeschränkt, das selbsttätige Lernen gefördert und die mediale Vermittlung u. a. durch E-Learning intensiviert werden. Die Studiensysteme sollen gleichgeschaltet werden: In allen Fächern sollen Bakkalaureats-, Master/Magister- und Doktorats- bzw. PhD-Studien eingerichtet werden. Die magische Größe, die hinter diesen Entwicklungen steht, wird mit der Metapher „Bologna-Prozess“ bezeichnet, jenem Treffen der europäischen Bildungsminister bei dem ein einheitlicher europäischer Bildungsraum beschlossen wurde, der innerhalb von 10 Jahren in allen EU-Ländern durchgesetzt werden soll. Ohne die wirkliche Idee von Bologna zu transportieren, nisten sich in diesem Prozess Begriffe ein, die m. A. die Grundidee des Bologna-Prozesses eher verstellen als fördern.

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Ein Begriff, der mit Bologna verbunden wird, heißt: Vereinheitlichung der Bildungssysteme. Naiv stellt man sich darunter eine Gleichschaltung der universitären Studien in dem Sinne vor, dass u. a. an allen Fakultäten Bakk., Mag. Dr. oder – wie im Falle unseres ULG – Masterstudien bzw. Lizentiatsstudien eingerichtet werden. Über das European Credit Transfer System – kurz ECTS genannt – werden für alle Studienleistungen Credit Points vergeben, welche einen messbaren Studienvergleich herstellen sollen. Was soll gemessen werden? Gemessen sollen die Studienleistungen werden, die für die Erreichung einer bestimmten Qualifikation notwendig sind. Bologna und die Nachfolgekonferenzen denken nicht mehr stoff- bzw. inhaltsorientiert, sondern qualifikationsorientiert. Die empirische Messideologie freilich, die inzwischen die ganze Bildung erfasst hat, hat hochproblematische Auswirkungen. Das neue Schlagwort, das die Ideologie der Statistiker entlarvt, ist der turn: „teaching for testing“: Gelehrt und gelernt wird nur mehr, was auch getestet, also gemessen werden kann. Die Begeisterung für Literatur z.B. oder die Veränderung eines bestimmten Blickes auf die Wirklichkeit von Mensch und Gesellschaft können kaum gemessen werden, daher sind sie auch nicht wert gelehrt und gelernt zu werden. Zu welch abstrusen Auswirkungen das führt, zeigt die kritische Auseinandersetzung mit der Pisa Studie.

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Was haben Ihre Bekannten im ULG gelernt? Wie Bologna-konform ist unser ULG? Kann eine kommunikative Lehr- Lernkultur wie sie der Lehrgang intensiv pflegt, mit dem Excellenzverständnis der neuen Universität mithalten? Man könnte zunächst auf etwas hinweisen, was in den Nachfolgekonferenzen von Bologna immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt: nämlich die Verbindung von wissenschaftlichem Wissen, den „hard facts“ und so genannten „soft skills“ wie Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Leitungskompetenz usw. Tatsächlich zielt unser ULG auch auf die Qualifikation zu solchen „weichen“ Fähigkeiten ab. Wer den ULG bestanden hat, die/der hat leibhaftig erfahren, wie unsinnig es ist, die soft skills von den hard facts des wissenschaftlichen Wissens – und sei es nur indem beides in unterschiedlichen Lehrveranstaltungen vermittelt wird – voneinander zu trennen. Wenn der Kern der Theologie das wissenschaftliche Nachdenken der letzten Wahrheiten um den Menschen im Lichte der Kommunikation Gottes mit dem Menschen ist, wie sie sich in Schöpfung, Geschichte und vor allem in der Gestalt Jesu Christi zeigen, wenn es also um Fragen des Woher und Wohin von Mensch und Gesellschaft, um Freiheit und Verantwortung, um Heil und Unheil des Menschen geht, dann spitzt sich die Bildungsproblematik zu.

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Wozu haben sich Ihre Bekannten in Innsbruck/St. Michael qualifiziert? Sie haben nicht einfach nur bessere Techniken zum Leiten, Konflikte lösen oder besser Kommunizieren gelernt, sondern sie haben durch das Erleben, dass es eine untrennbare Verbindung zwischen den konfliktiven Prozessen in der Lehrgangsgruppe und dem theologischen Wissen davon gibt, welches Menschen- und Gottes- und Wirklichkeitsverständnis wir aus den biblischen Schriften und ihrer lebendigen Vermittlung erschließen können und was uns die Teilhabe an der Weltkirche lehrt. Ihren theologischen Blick, ihre theologische Urteilsfähigkeit auf die Weltwirklichkeit haben sie ausgebildet und geschärft. An den Titeln der Master- und Lizentiatsarbeiten, mit denen sich die ULG TeilnehmerInnen selbst vorgestellt haben, können Sie erahnen, wie sehr ihre jeweilige Berufspraxis, in der sie stehen, durch die Schärfung des theologischen Blickes und die Stärkung der kommunikativen Kompetenz verändert wird. Qualifikationsorientierte Bildung, wie sie Bologna fordert, betrifft den ganzen Menschen in seinem Denken, Fühlen und Tun.

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Ob qualifikationsorientierte Bildungsprozesse nach Bologna wirkmächtig werden, kann man kaum statistisch messen; wohl aber kann man u. a. in der Zunahme selbsttätigen Lernens, wie sie in unserem Fall in den Peergroups überdimensional und mit hohem persönlichen und materiellen Einsatz geschehen ist, erkennen, wie die prozessorientierten und personalintensiven face to face Phasen eine Wissensdynamik entfalten, welche das Lernen ohne Lehrer erst sinnvoll macht. Auch die modernen Kommunikationsmedien, wie sie die Universität Innsbruck im E-campus anbietet, werden erst dort sinnvoll genützt, wo sie nicht zum Selbstläufer werden, sondern wo sie die prozessintensiven face to face Phasen als Hilfsmedien – und mehr sind sie nicht – sinnvoll ergänzen. Um den theologischen Blick zu intensivieren und dabei eure Konflikt- Kommunikations- und Leitungsfähigkeit zu stärken hat es sich für euch – liebe LehrgangsteilnehmerInnen - offensichtlich gelohnt, zum ULG nach Innsbruck zu kommen. Die Namen, die Berufsfelder und die Titel der Abschlussarbeiten geben einen Einblick in die Vielfalt der Lehrgangsgruppe. 18 AbsolventInnen hat der Promotor die Urkunde über den akademischen Grad „Master of Advanced Studies of Communicative Theology“ übergeben. 7 davon wurde zusätzlich das Licentiat der Theologie mit dem Schwerpunkt Kommunikative Theologie verliehen.

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 Absolventinnen und Absolventen:

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Gabriele BAMBERGER M.A. MAS, Klinikseelsorgerin in einem psychiatrischen Krankenhaus, Klingenmünster/D: „Anstöße zu einer menschenwürdigen Psychiatrie als Kommunikativ-Theologisches Geschehen? Die ethische Diskussion im Klinikkontext am Beispiel des Arbeitskreises Ethik“

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Bakk. theol. lic. theol. Li-Wen Rita CHEN MAS, Religionspädagogin, Taiwan: “Eine neue Art und Weise, Kirche zu sein? Chancen und Grenzen des AsIPA-Programms in der Kirche Taiwans“

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Mag. rer. nat. Jakob EGG MAS, Leiter des Katholischen Bildungwerkes in Tirol, Landeck: „Die Judasfalle. Katholische Erwachsenenbildung gegen die Verzweckung des Menschen“

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Mag. theol. lic. theol. Josef GRUBER MAS, Betriebsseelsorger, St. Pölten: „Beim Feiern kemman d’Leit zaum! St. Pölten – Fest der Begegnung 2004 als interkulturelles Lernen“

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Friedrich HASLINGER MAS, Religionslehrer und Erwachsenenbildner, Zwettl: „Glaube kommunizieren. Das Pastoralseminar als eine Form kommunikativer Theologie“

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Dipl. theol. Dorothea LASER-MERKER MAS, evang. Pastorin, Magdeburg/D: „Unsere Taufe – Eine Herausforderung an die landeskirchliche Praxis“

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Lic. theol. Raimund LOEBERMANN MAS, evang. Pastor, Leiter des Amtes für Gemeindedienst der evang.-luth. Kirche in Bayern, Nürnberg/D: „Unter euch soll es anders sein! Kommunikatives Leiten unter ökonomischen Zwängen“

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Dipl. theol. lic. theol. Josef Hermann LÜCKERTZ MAS, Seelsorger beim Bundesgrenzschutz, Walsrode/D: „Missionsgebiet Bundeswehr? Die deutsche katholische Militärseelsorge als kommunikativ-missionarisches Handeln der Kirche“

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Inge ÖSCHLBERGER MAS, Religionslehrerin, Salzburg: „Begegnung mit Fremdem. Vergleichende Projektarbeit in einer Notebookklasse und einer Regelklasse der 6. Schulstufe, aus dem Blick der Kommunikativen Theologie“

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Josef PARZER MAS, Religionslehrer und Diakon, Gampern/OÖ: „Das kommunikative Geschehen bei der Krankenkommunion“

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Mag. theol. lic. theol. Arnulf Johannes PICHLER MAS, Pfarrer, Klagenfurt: „Kommunikative Bibelarbeit in der Pfarrgemeinde“

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Ao. Univ-Prof. lic. theol. Dr. Gunter PRÜLLER-JAGENTEUFEL MAS, Moraltheologe, Wien: “SANDIWAAN. Theologiestudierende begegnen der ‚Church of the Poor’ der Philippinen“

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Mag. theol. Petra REINER MAS, Religionslehrerin, Innsbruck: „Einfach so … - Adventmeditationen für und mit dem Lehrkörper. Oder: Actio et Contemplatio – Ist für beides Platz im Konferenzzimmer?

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Dipl. soz. päd. (FH) Sr. Christa SCHWAB MAS, Leiterin einer Fachschule für Sozialpädagogik, Gengenbach/D: „Macht Schule krank? Auswirkungen des Schulentwicklungsprozesses auf das Befinden der Lehrkräfte als Herausforderung an die Schulleitung“

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Mag. theol. lic. theol. Wolfgang SCHWARZ MAS, Pfarrer, Graz: „Wieviel Rot verträgt eine Pfarrgemeinde? Zur Diskussion über die Neugestaltung des Kircheninnenraumes in der Pfarre St. Christoph in Thondorf/Graz“

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Mag. theol. Alois SOSTERIČ MAS, Pfarrer, Graz: “Die steirische Pfarrerwoche 2004. Kommunikative Theologie als Gestaltungshilfe“

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Mag. Dr. theol. Josef WINKLMAYR MAS, Leiter der Kommunikationsstelle der Caritas der Diözese St. Pölten, Haunoldstein/NÖ: „… und wir wissen, warum wir was tun. Leitbild-Entwicklung in der Caritas der Diözese St. Pölten aus der Perspektive Kommunikativer Theologie“

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Abt Dipl. Kat. Anselm ZELLER OSB MAS, Abt der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht/Tirol: „Soll es beim ‚Abschiedssakrament’ bleiben? Begleitung eines Firmjahrgangs unter besonderer Berücksichtigung der GruppenleiterInnen“

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