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Einfach Esel
(Zur Ausstellung von Jutta Katharina Kirschl)

Autor:Sandler Willibald
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:Die Bilder von Jutta Katharina Kirschl sind vom 4.2. bis 25.3.2005 im Innsbrucker Stadtmuseum, Badgasse 2 Mo-Fr 9-17 Uhr anzuschauen.
Publiziert in:# Eröffnungsrede zur Ausstellung am 3.2.2005
Datum:2005-02-09

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Ich bin weder Künstler noch Kunstwissenschaftler, sondern Theologe und gläubiger Christ. Dass Katharina Kirschl mich um einführende Worte zum ausgestellten Werk gebeten hat, hängt wohl auch damit zusammen, dass ich kein Kunstexperte bin.

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Ein wahres Kunstwerk braucht keine Einführung. Man könnte sogar fragen, wie viel an Einführung ein Kunstwerk verträgt. Vielleicht gibt es Kunstwerke, die durch noch so viele Kommentare nicht umzubringen sind. Andere, wie diese Bilder hier, sind empfindlicher. Es sind sensible, sehr stille Werke, die durch ihr Schweigen den Betrachter, die Betrachterin in die Stille rufen. Dieser Ruf will gehört werden. Wer beladen mit Wissen und Informationen an diese Werke herangeht, läuft Gefahr, ihren Ruf zu überhören. Ein Ruf in die Stille, in Armut und Demut, in Einfachheit.

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Ein Wort des heiligen Franziskus hat die Künstlerin mir mitgegeben:

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„Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung und unsteter Geist.“ (Ermahnungen, Kap. 27)

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Ich habe von einer Managerin gehört, die vor einigen Tagen in diese Ausstellung geeilt ist. Sie hat den Ruf gehört. Auf einmal war sie ruhig. Auf einmal hatte sie Zeit. Beschenkt ging sie von hier weg.

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Stille ist ein Geschenk, das die Dinge einfach macht.

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Was Sie auf diesen Bildern sehen, sind sehr einfache Dinge: Menschen, Tiere, Gegenstände; einfach und schutzlos. Sie tun nichts, sie sagen nichts, sie sind einfach. Es ist ihr bloßes Sein, das anrührt. Und das empfängst du von ihnen. So darfst auch du einfach sein, ohne zu erklären, ohne etwas zu leisten, ohne dass du dich für dein Dasein irgendwie rechtfertigen müsstest.

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Wie werden solche Bilder?

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Gewiss sind da Talent, Ausbildung, Fleiß, Sensibilität und Schaffenskraft. Aber das reicht nicht. Stilles und Einfaches wird im Feuer geschmolzen. Feuer des Leidens, des Mitleidens mit Mensch und Kreatur. Feuer, das falsche Ambitionen wegbrennt, den Anspruch auf hohe Kunst, auf Originalität, den Geist der Kritik. Zurück bleiben Armut, auch Zweifel und Verzweiflung an den eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Armut heißt leere Hände, und leere Hände sind bereit zu empfangen. Trost aus einfachen Gegenständen, Tieren, Menschen. Sie tun nichts, sie reden nichts, sie sind einfach. Einfach Esel unter großem Mond, einfach Mensch mit einem Fisch in der Hand. Es braucht Mut – Demut – Einfaches anzunehmen, es sein zu lassen und einfach, wie es ist, ins Bild zu setzen.

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Tröstung, Frieden und Freude empfangen wir vom Stillen, Einfachen und Wahrhaftigen. Und es wird nur geläutert im Feuer. Davon singt der biblische Hymnus von den Jünglingen im Feuerofen.

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„Ihr Feuer und Glut, preiset den Herrn.

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Ihr Nächte und Tage, preiset den Herrn

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und ihr Licht und Dunkel, preiset den Herrn.

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auf ewig sei ihm Ehre und Lob!“ (Dan 3,66.71f)

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Nächte und Tage – Licht und Dunkel. Der Titel der Ausstellung weist den Weg ins Begreifen.

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Was bewirken solche Bilder?

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Das ungeschützt Dargestellte birgt eine Macht, die Schutz bietet und gebietet. Manchmal erscheint ein Engel am Grund des Bildes. Wer einen Menschen so anschaut, muss ihn achten. Wen ein Baum so anblickt, der kann ihn nicht mehr ohne Weiteres abholzen. Das geschaute Wahre wird zum Gericht an unserem Unwahren. Einer, der das Licht erblickte und sein Leben ändern musste, legt Zeugnis davon ab:

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„Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“ (1 Kor 1,27-29).

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Ein Baum, ein Kalb, eine alte Frau. Ein Nichts in den Augen der Welt. Diese Bilder fügen nichts hinzu, um ihre Blöße zu bedecken. Sie stellen nur dar was ist, lassen es sein, in einem warmen Licht der Würdigung und Liebe. So zeigt sich: Es ist gut. Mehr ist nicht nötig. Mehr würde das Wesentliche nur verdecken. Das bloße Sein offenbart einen Reichtum, der den Glanz der Welt als unnötig und nichtig entlarvt. So wird uns die Schau des einfachen, schutzlosen Daseins zum Gericht. Es kann uns richten, zurechtrichten und Richtung weisen. Wer bereit ist loszulassen, wird den Ruf vernehmen. Wer den Mut hat und die Demut sein Leben zu ändern, kann dem Ruf folgen.

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