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Es geht ums Anteilnehmen
(Zum 90. Geburtstag von Ruth C. Cohn)

Autor:Scharer Matthias
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:Der "Geburtstagsbeitrag" wuerdigt einige Akzente des Lebenswerkes dieser grossen Frau.
Publiziert in:WILL Österreich, Info 2002, 11, hektogr.
Datum:2004-08-25

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Ruth C(harlotte) Cohn vollendet am 12. August 2002 ihr 90. Lebensjahr. Das war bereits beim Internationalen Austauschtreffen (IAK), das heuer an der Ecole d’Humanité am Hasliberg in Goldern in der Schweiz stattfand, ein Grund zum Feiern. Die Ecole, mit der Ruth seit 1974 eng vebunden ist und in deren Nähe sie ihr ‚kleines Haus mit großer Aussicht’ hat, zeigte sich mit berührender Wärme. Da waren die ‚alten’ und ‚neuen’ Leiter bzw. Leiterinnen mit ihrem Musizieren, da war die Lehrerfamilie mit den inzwischen erwachsenen Kindern, für die Ruth wie eine Tante und Oma war, da steht seit Ostern 2002 der Ruth C. Cohn Baum auf einem zentralen Platz dieser Schule. Das Geschenk für und von Ruth an TZI war wechselseitig: In Hinkunft werden wir nicht mehr WILL-Lehrbeauftragte sein und in diesem Namen Kurse ausschreiben; es wurde das Ruth C. Cohn Institut gegründet, das für die Qualität von TZI stehen wird.

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Es ist hier nicht der Ort, Ruths bewegtes Leben im Einzelnen zu würdigen: Ihre Liebe zur Lyrik, ihr Entdecken der Psychotherapie, ihre Emigration aus Deutschland in die Schweiz und nach Amerika, ihr Kampf ums Überleben als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, ihre Auseinandersetzung mit den wichtigsten humanistisch-psychologischen Richtungen und ihr wachsendes Bewusstsein dafür, dass die ‚Couch zu klein’ ist; schließlich ihr ‚Traum’ von einer ‚Gesellschaftstherapie’ in der alles zählt: Jeder einzelne Mensch, jede Gruppe, der je spezifische Globe und die jeweilige Sache, um die es geht.

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Ruth C. Cohns Ansatz ist keine apolitische Wärmestube für ein harmloses Gruppenfeeling. Zeit Lebens bewegt sich Ruth an den Grenzen: ‚Zuwenig geben ist Diebstahl, zuviel geben ist Mord’. Ihre tiefe, sensible Aufmerksamkeit für Menschen, Beziehungen und Geschehnisse ist gepaart mit der Lust an der Konfrontation. ‚Es geht ums Anteilnehmen’, aber in einer den Menschen zu seiner Verantwortung herausfordernden Weise. Mehrmals konnte ich das in der Begegnung mit Ruth erleben: Als ich mit Linzer Studierenden in ihrem kleinen Haus am Hasliberg war, saß sie als damals 80-jährige auf einem Hüpfball und verwickelte die jungen Leute innerhalb einiger Minuten in ein kirchenpolitisch derart brisantes Thema, dass keine/r kneifen konnte. Einen Moment hatte ich das Gefühl, dass Ruth die Jüngste unter uns war. Beim Graduiertentreffen vor einigen Jahre wurde um die ‚Marktfähigkeit’ von TZI gestritten. Wie können wir TZI marktgerechter machen, das war die Frage vieler TZI Lehrender. Ruth hörte einige Zeit zu, sie wurde immer unruhiger. Plötzlich stand sie auf und sagte: ‚Meine Frage war nie, wie wird TZI marktgerecht. Ich habe mich immer gefragt: Wie wird der Markt gerecht?’

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