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Wider den feierlichen Kirchenaustritt
(Herausforderungen der Firmbegleitung)

Autor:Scharer Matthias
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:Der Beitrag postuliert eine Wende zu einer theologisch orientierten Firmbegleitung
Publiziert in:Lebendige Katechese 23 (2001), 1 - 5.
Datum:2004-08-25

Inhalt

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In einer Stadtrandgemeinde hatte sich folgendes zugetragen: Der Bischof kam zur Firmung. Es war feierlicher Kirchenzug. Die ganze Gemeinde war auf den Beinen. Vor dem Eingang der Kirche war ein großes Transparent angebracht. Es trug folgende Aufschrift: „Heute feiern wir den feierlichen Kirchenaustritt von ... jungen KatholikInnen“. Das Transparent löste Ärger und Anschuldigungen aber auch Betroffenheit aus. Zu dieser Aktion passt der folgende Witz: Drei Pfarrer unterhalten sich über das Problem, wie sie den Fledermäusen am Dachboden der Kirche Herr werden könnten. „Ich vergifte sie“, sagt der eine „aber sie kommen immer wieder“. Der zweite stimmt zu: „Ich habe versucht sie zu erschießen, doch sie kommen wieder.“ Da lacht der dritte: „Das ist doch ganz einfach mit den Fledermäusen: Ich habe sie alle getauft und gefirmt und seither sehe ich keine einzige mehr“. In den beiden Beispielen zeigen sich Hilflosigkeit, Resignation und Zynismus, die mit der Sakramentenspendung und der begleitenden Sakramentenkatechese bei nicht wenigen SeelsorgerInnen und Verantwortlichen rund um die Firmung vorhanden sind.

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„Was bringt es?“

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Auf diesem Hintergrund wird im Gemeindealltag, der Logik unserer Gesellschaft entsprechend, immer häufiger die Frage gestellt: „Was bringt die Hinführung der FirmkandidatInnen auf das Sakrament?“. Dazu gebe ich das Gespräch aus einer Gemeinde wieder.

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Der Pfarrer, die Gemeindereferentin und die FirmbegleiterInnen der Gemeinde X trafen sich zur Abschlussbesprechung des soeben zu Ende gegangenen Firmkurses. „Was hat er gebracht?“ Diese Frage stand unausgesprochen im Raum. Die Antwort schien relativ klar zu sein: „Nichts oder fast nichts“. Die jugendlichen Gottesdienstbesucher waren nicht mehr geworden; ja es kamen nach dem Firmfest wieder deutlich weniger zum Gottesdienst als in der Zeit der Vorbereitung. Von den im heurigen Jahr gefirmten Jugendlichen sind zwar einige MessdienerInnen; eine kleine Gruppe ist auch im Jugendzentrum engagiert. Aber das war auch schon vor der Firmung der Fall. Der Frust ist deutlich spürbar. Da bricht eine junge Frau das Schweigen: „Also ich habe acht junge Leute, die in unserem Pfarrgebiet wohnen, näher kennen gelernt; ich bin mit ihnen ‘über Gott und die Welt’ ins Gespräch gekommen und bekam etwas von dem mit, was ihnen Angst macht aber auch was ihnen Zuversicht und Hoffnung gibt. Am Anfang war unsere Kommunikation zwar distanziert und förmlich; ich hatte das Gefühl, dass die Jugendlichen in mir zunächst so etwas wie eine Lehrerin vermuteten. Aber nach und nach ist das Eis geschmolzen. Viel geholfen hat der Kontakt der Mädchen und Jungen mit meiner zweijährigen Tochter. Über sie bekamen die Jugendlichen auch eine andere Beziehung zu mir. Ja, wir haben viel miteinander gesprochen, auch gelacht und geblödelt. Nach und nach entstand eine Atmosphäre zwischen uns, die es jeder und jedem ermöglichte, so zu sein wie sie/er ist. Langsam entwickelte sich eine gegenseitige Achtung und Wertschätzung; jede/r konnte sich mit ihren/seinen Stärken und Schwächen einbringen und wurde von den anderen respektiert. Gerade dadurch wurden gemeinsame Aktivitäten möglich. Manche kamen in der Firmgruppe bei sich und bei anderen Begabungen auf die Spur, die in der Schule meistens untergehen: Einander zuhören, einen Streit fair austragen, sich versöhnen usw.. Ich glaube, dass manche wieder mehr Lebensmut und Lebensfreude bekommen haben. Mir ist klar, dass das nicht machbar ist. Ich fühle mich beschenkt und bin zufrieden.“

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Die Stellungnahme der jungen Frau löste eine heftige Debatte darüber aus, was in der Hinführung der Jugendlichen zum Firmsakrament intendiert werden sollte und was nicht; ob die Gespräche „über Gott und die Welt“, eine offene und ehrliche Beziehung zwischen FirmbegleiterInnen und FirmkandidatInnen, der Mut, sich einzubringen, wie man ist, u.a. zur Vorbereitung auf den Empfang des Firmsakramentes genügten oder ob damit der Ausverkauf des Glaubens begonnen habe. Geht es nicht doch um das Erlernen der wichtigsten Glaubensinhalte, sozusagen als die „letzte Chance“ der Kirche, an die Jugendlichen heranzukommen? (Hilberath/Scharer 22000, 13f)

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Erfolg und Ziel im Wechselspiel

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Aus dem obgenannten Beispiel kann man schließen, dass der „Erfolg“ der Firmvorbereitung je nach dem ausgesprochenen oder unausgesprochenen Ziel unterschiedlich, ja konträr zu bewerten ist. Bei einer sehr offenen Zielbestimmung, wie sie die erwähnte Firmbegleiterin vertritt, scheinen die Zustimmung zum christlich-kirchlichen Glauben und die Sakramentenpraxis keine unmittelbare Rolle für den Erfolg der Firmbegleitung zu spielen; gleichzeitig räumt die junge Frau der pastoral-katechetisch nicht herstellbaren Glaubenserfahrung, traditionell gesprochen dem gnadenhaften Wirken des Geistes Gottes in den Subjekten und in deren Interaktion und Kommunikation, einen entscheidenden Platz ein. Sie moniert mit ihrer Auffassung die theologische Einsicht, dass der „Geist weht wo er will“ und sich nicht an enge katechetische Zielvorgaben binden lässt. Extrem gesprochen könnte es sogar umgekehrt sein: Die geschlossene didaktische Struktur von Firmkursen, wie sie häufig in Gemeinden verwendet werden, zielt auf eine stark inhaltsbezogene Vermittlung dessen ab, was am kirchlichen Glauben an den Hl. Geist und an der Firmtheologie substantiell wichtig ist, ohne dass die theologische Qualität des Vermittlungsvorganges in den Blick kommt.

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Die Sprache verrät das Konzept

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Ein gutes Beispiel dafür, wie schon in mancher Bezeichnung des Vorganges und der Rollen der Hinführung auf das Firmsakrament anthropologisch-theologische und didaktische Implikationen verborgen sind, bieten die jeweiligen Sprachregelungen in der Gemeinde. Sie bestimmen implizit das Ziel der Firmvorbereitung und die Auswahl der in Frage kommenden Erwachsenen, die sich in diesem Vorgang engagieren, wesentlich mit.

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Wer von „Firmunterricht“ und in diesem Zusammenhang von „FirmlehrerInnen“ spricht hat in der Regel ein Konzept im Kopf, das die Analogie bei der Schule und speziell im Religionsunterricht sucht. Firmunterricht zielt vorrangig auf ein inhaltliches Lernen ab, bei dem die Frauen und Männer, die Jugendliche auf die Firmung vorbereiten, sich als „LehrerInnen“ verstehen. M. A. wirft diese Begriffsverwendung eine Reihe von Problemen auf: Im Unterschied zur Schule bzw. zum Religionsunterricht kommen die Jugendlichen weitgehend freiwillig in die Firmvorbereitung (selbstverständlich auch oft von den Eltern geschickt). Mit Unterricht wird stoffliches Lernen verbunden und LehrerInnen stehen in einem ganz bestimmten Interaktionsverhältnis zu ihren SchülerInnen. Es ist auf fachliche Autorität und ExpertInnenwissen ausgerichtet; diese Erwartung würde viele Erwachsene aus der Gemeinde ausschließen, die möglicherweise zur Firmvorbereitung für Jugendliche bereit wären.

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Wer von „Firmkatechese“ und „FirmkatechetInnen“ spricht, hat in der Regel das traditionelle Modell der Gemeindekatechese im Blick, der es um eine Einführung in den katholischen Glauben – vor allem unter dem Aspekt der Glaubenslehre – geht. Angesichts des tatsächlichen Kirchenverhältnisses vieler FirmkandidatInnen ist der Anspruch einer ausdrücklichen, stark von der Glaubenslehre her bestimmten kirchlichen Katechese zumindest kritisch zu befragen. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, ob in der Firmvorbereitung der katechetische Anspruch jemals gänzlich aufgegeben werden kann, bzw. wie er – etwa im Sinne eines weiten Katecheseverständnisses – zu verwenden ist.

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Der Begriff „Firmbegleitung“ und die Rollenbezeichnung „FirmbegleiterIn“ heben bewusst auf die Subjekthaftigkeit und Autonomie der jugendlichen FirmkandidatInnen ab, die es in ihrer Sinn- und Glaubenssuche möglichst kommunikativ und authentisch zu begleiten gilt. Wie diese Firmbegleitung geschehen kann, ist nicht von außen festgelegt, sondern muss – innerhalb eines bestimmten Rahmens, der das Firmalter u.ä. betrifft, situativ richtig geplant und verantwortet werden. In dieser Verantwortung ist das Subsidiaritätsprinzip in dem Sinne grundlegend, dass die jeweiligen Entscheidungen dort getroffen werden, wo auch die Verantwortung dafür übernommen werden kann.

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Tendenziell stehen sich zwei theologische Konzepte mit jeweils unterschiedlichen katechetisch-didaktischen Konsequenzen gegenüber.

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Den Heiligen Geist „vermitteln“

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In jedem der beiden Konzepte bildet das Wissen um den, der Glaube an den und das (kommunikative) Leben und Feiern im Heiligen Geist, der als Gabe Gottes durch keinen katechetischen oder liturgischen Vollzug „herstellbar“ ist, die elementare theologische Bestimmung der Hinführung auf das Firmsakrament. Es leuchtet jedem Menschen, der mit Jugendlichen zu tun hat, sofort ein, dass eine solche zentrale theologische Einsicht FirmkandidatInnen nicht übergestülpt werden kann. Es beginnen also differenzierte Übersetzungsversuche der zentralen Einsicht in die Lebenswelt Jugendlicher. Dabei dient deren Lebens-/Glaubensgeschichte als Anknüpfungspunkt und „Aufhänger“ für das Eigentliche, das vermittelt werden soll. Das Leben der Jugendlichen wird nach „Spuren“ abgefragt, die mit dem Wissen um das Wirken des Geiste Gottes korrelieren. Auch die Interaktion und Kommunikation, wie sie in einer Firmgruppe zwischen LeiterInnen und TeilnehmerInnen und zwischen den TeilnehmerInnen untereinander läuft, wird zum Anwendungsort der theologischen Einsicht vom Wirken des Geistes. Es werden Aktionen gestartet, die etwas vom Geistwirken sichtbar und spürbar „machen“ sollen. Schließlich wird die Gemeinde bzw. die ganze Kirche als „Anwendungsort“ für den Geist gesehen.

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Den Heiligen Geist „entdecken“

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Auch dem Alternativkonzept liegt die oben genannte theologische Einsicht vom Heiligen Geist als „geschenkte“ Gabe Gottes zugrunde. In diesem Fall steht aber nicht die Übersetzungs- und Vermittlungslogik im Mittelpunkt des Interesses, sondern eine aus der Geisttheologie heraus sensibilisierte theologische Aufmerksamkeit. Wenn es um die Subjekte, also um die Jugendlichen und ihre BegleiterInnen geht, stehen deren Geistbegabungen im Kontext ihrer Lebens-/Glaubensgeschichte auf dem Spiel. Um das zu erkennen bedarf es freilich eines erweiterten Blickes auf die „Religion“ der Jugendlichen. Nicht nur die „substantielle“ Religion im Sinn des Glaubensbekenntnisses und der Kirchenzugehörigkeit bzw. der Sakramentenpraxis stehen zur Debatte, sondern auch die „funktionale“ (vgl. u.a. Kaufmann 1989) bis hin zur „unsichtbaren“ Religion (vgl. Luckmann 1991), die sich u.a. in dem äußert, was Jugendlichen „heilig“ ist: der Arbeits- und Freizeitkultur, dem Sport, der Musik, der Gestaltung ihrer privaten Lebensräume, den Riten und Gesten der Begegnung usw.. Selbstverständlich ist aus christlich-kirchlicher Perspektive nicht alles „heilig“ was Jugendlichen heilig ist. Eine Unterscheidung der Geister ist angebracht. Sie erfolgt aber nicht von oben herab, sondern in einem wechselseitigen Kommunikationsprozess, in dem die Generationen voneinander „Religion“ und deren Unterscheidung lernen.

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Wer kann FirmkandidatInnen begleiten?

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Gleiches geschieht auf der interaktionell-kommunikativen Ebene. Sie wird nicht in erster Linie für geistvolle Aktivitäten genützt, sondern in ihr gilt die Wachheit und Wachsamkeit für geist-/ungeistvolle Interaktion/Kommunikation. Von dieser Warte aus betrachtet sind für die Firmbegleitung jene Frauen und Männer besonders gut geeignet, die mit Jugendlichen möglichst ungezwungen kommunizieren können. Es geht dabei nicht in erster Linie um Gewandtheit im Reden oder um ein besonderes didaktisches Geschick; schon gar nicht um eine spezielle theologische Ausbildung.

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Jugendliche werden skeptisch, wenn sie einen nachgeholten Religionsunterricht mit zu viel Methode „riechen“. Menschen, die aus dem Geist des Lebens heraus leben und Jugendliche an ihrem Leben dialogisch teilhaben lassen, ohne ihnen ihre Lebenshaltung offen oder in sublimer Weise aufzuzwingen, sind auf jeden Fall geeignete FirmbegleiterInnen. Wer aber lebt schon aus dem Geist? Es sind nicht große, von den alltäglichen Lebensumständen abgehobene Vorbilder, sondern unmittelbar greifbare Menschen. Es sind „gewöhnliche“ Menschen, wie es sie in jeder Gemeinde genügend gibt; Menschen, die ihr alltägliches Leben in einer lebens-, freiheits- und beziehungsfördernden Haltung, dem Lebendigen zugewandt und gleichzeitig sich beschenken lassend leben.

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Die Lebenswelt als „theologischer Ort“

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Auch im Blick auf Gemeinde/Kirche und Gesellschaft geht es zunächst um eine geisttheologisch gelenkte Aufmerksamkeit, um die Spuren aber auch die Grenzen des Geistwirkens zu entdecken. Die „Situation“ von Menschen, ihre Interaktion und Kommunikation, kurzum ihre ganze Lebenswelt hat in der religiösen Praxis und im Bildungshandeln nicht nur pädagogisch-didaktische Bedeutung. Es geht nicht bloß darum, Menschen „dort abzuholen, wo sie stehen“. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche für ihre Verkündigung und ihre Theologie wieder entdeckt, was schon Jesus (vgl. Lk 12,56) mit dem Achten auf die „Zeichen der Zeit“ meinte: Diese sind nicht bloß Aufhänger sondern selbst schon Botschaft. Nicht nur die Bibel und die Tradition der Kirchen, nicht nur die theologischen Lehrbücher sondern auch die Lebenssituation von Menschen sind „theologische Fundorte“. Jugendliche spüren intuitiv, ob sie als Menschen, wie fremd sie sich auch immer gebärden mögen, wahr- und ernstgenommen werden, oder ob sie als Konsumenten eines kirchlichen Angebots benützt werden. Gerade in der heutigen Werbegesellschaft, in der sie ununterbrochen Opfer neuer Verkaufsstrategien werden, reagieren Jugendliche sensibel, wenn nun auch die Kirchen ihre Lebenswelt zu „kolonialisieren“ beginnen.

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 Implizite (Geist-)Theologie thematisieren

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Nicht wenige Menschen, die in der Firmbegleitung engagiert sind, sehen ein, dass theologisch-didaktisch, subjekt-, kommunikations- und prozessorientierte Konzepte in der Firmbegleitung angemessen sind. Sie votieren dafür gerade angesichts der Gefahr, dass die Firmung zum feierlichen Kirchenaustritt wird. Ihr Problem liegt in der Umsetzbarkeit, wenn u.a. die individuelle Lebens-/Glaubensgeschichte von Menschen und auch die Gemeindegeschichte nicht nur als katechetisch-didaktischer Aufhänger, sondern als theologischer Ort in das Spiel kommen sollen. Gleitet dann nicht alles in einen – gesellschaftlich ohnedies forcierten – Individualismus ab, mit dem kaum noch sinnvoll umzugehen ist?

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Auf der Ebene theologischer Aufmerksamkeit hilft im Blick auf die Praxis zunächst eine Unterscheidung weiter, welche die – meist impliziten – Alltagstheologien, wie sie sich in Meinungen von Menschen aber auch in Alltagshandlungen und Strukturen zeigen, von den „offiziellen“ (Geist-)Theologien abhebt. Mit impliziter Theologie ist die Gottes- (Geist-)-perspektive des Redens und Handelns gemeint, die überwiegend verborgen oder indirekt leitend wirksam ist. Diese gilt es wahrzunehmen, aufzudecken und zur Sprache zu bringen. Der Ansatz der Themenzentrierten Interaktion nach R. C. Cohn (vgl. u.a. Cohn/Farau 1984), wie er in einer „Kommunikativen Theologie“ (Scharer 1999) weitergeführt wird, ermöglicht die thematische Verschränkung folgender Ebenen:

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der „subjektiven Theologie“ der FirmkandiatInnen und ihrer BegleiterInnen, wie sie sich in deren Lebens-/Glaubensgeschichte zeigt,

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der Kommunikation in der Gruppe als „geschenktes“ und nicht „gemachtes“ Wir (Scharer 1998)

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 der elementaren (expliziten) Geist- und Firmtheologie und

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 der realen gemeindlich-/kirchlich-/gesellschaftlichen Bedingungen

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in „dynamischer Balance“. Aus diesem Wechselspiel heraus werden jene Anliegen und Themen der jeweiligen Begleitprozesse kreativ entwickelt, welche den Focus des Geschehens in einer Firmgruppe zum Ausdruck bringen. Je aufmerksamer aber auch klarer sich FirmbegleiterInnen auf die unterschiedlichen Ebenen einlassen, umso besser können sie jene Anliegen erspüren, die den FirmkandidatInnen in Auseinandersetzung mit der Botschaft des Glaubens wirklich am Herzen liegen; aus den Anliegen heraus können dann jene Themen verbalisiert und mit geeigneten Arbeitsformen, Methoden und Medien umgesetzt werden, die wirklich auch „stimmen“.

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 Literatur

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Cohn, Ruth C./Farau, Alfred, Gelebte Geschichte der Psychotherapie. Zwei Perspektiven, Stuttgart 1984, 199 – 647.

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Hilberath, Jochen/ Scharer, Matthias, Firmung: Wider den feierlichen Kirchenaustritt. Theologisch-praktische Orientierungshilfen, Mainz u.a.O. 1998; 22000.

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Kaufmann, Franz-Xaver: Religion und Modernität. Sozialwissenschaftliche Perspektiven. Tübingen. 1989.

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 Luckmann, Thomas, Die unsichtbare Religion. Frankfurt a. M. 1991.

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Scharer, Matthias, Das geschenkte Wir. Kommunikatives Lernen in der christlichen Gemeinde, in: Weber, Franz (Hg.), Frischer Wind aus dem Süden: Impulse aus den Basisgemeinden, Innsbruck-Wien 1998, 84 – 100.

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Scharer, Matthias, Kommunikative Theologie. Ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung theologischer Lehre, in: Körtner, Ulrich/Schelander, Robert (Hg.), GottesVorstellungen. Die Frage nach Gott in religiösen Bildungsprozessen. Gottfried Adam zum 60. Geburtstag, Sonderheft der religionspädagogischen Zeitschrift: Schulfach Religion, Wien 1999, 437 – 451.

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