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Die Zumutung des Schuldbekenntnisse
(Gedanken zum Palmsonntag (LJ C))

Autor:Wandinger Nikolaus
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2004-06-09

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Lesungen: Lk 19,28-40; (Jes 50,4-7); Phil 2,6-11; Lk 22,14-23,56

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 Liebe Gläubige,

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der Palmsonntag mutet uns viel zu. Viel an Text und viel an schwer verdaulichem Inhalt. Um die erstere Zumutung nicht noch zu erhöhen, habe ich nur kurze Gedanken; die aber sollen helfen, mit der zweiten Zumutung besser umgehen zu können.

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Es ist eine Zumutung zu hören, dass großteils dieselben Menschen, die Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem zujubeln als König und sich freuen, dass er kommt im Namen des Herrn, dass dieselben Menschen bald darauf die Freilassung eines Mörders an seiner Stelle fordern werden und für diesen Jesus das Kreuz verlangen. Offenbar war der, der kam im Namen des Herrn, doch nicht nach ihrem Geschmack. Es ist eine Zumutung, zu sehen, wie Petrus, der Apostelführer drei Mal so tut, als kenne er Jesus, für den er gerade noch in den Tod gehen wollte, gar nicht. In der Stunde der Gefahr ist ihm doch die eigene Haut wichtiger, als zu dem zu stehen, den er früher mal als Messias bekannte. Vielleicht war auch ihm dieser Messias nicht nach seinem Geschmack.

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Dies alles ist für uns eine Zumutung, weil wir – wenn wir ehrlich sind – doch merken, dass wir das alles tagtäglich selber tun: uns enttäuscht von Menschen abwenden, von denen wir einmal viel – ja allzu viel – erwarteten, weil sie diesen Erwartungen nicht entsprachen und weil es für uns peinlich, unangenehm, leidvoll, gefährlich wäre, zu ihnen zu stehen. Der Politiker, von dem wir die Lösung all unserer Probleme erwarten, und der sie nicht bringt, der fällt so tief, wie sonst kaum einer; der Star, der plötzlich nicht mehr funkelt, sondern alt wird; die Frau oder der Mann an unserer Seite, der sich verändert hat und nicht mehr meinem Bild entspricht; mein Sohn oder meine Tochter, die nicht so werden, wie ich das will, sondern missraten zu sein scheinen, für die mich die Kollegen schief anschauen; oder meine Eltern, die plötzlich alt und gebrechlich und nicht mehr jung und dynamisch sind. Je größer die Verehrung war, desto tiefer oft die Enttäuschung und dann die Verachtung. Vielleicht ist aber mit dem anderen Menschen alles in Ordnung und nur mit meiner Erwartung nicht, die den anderen immer so haben will, dass ich bei Dritten gut dastehe? Und dann sage ich, wie Petrus: Ich kenne ihn nicht. Sollen ihn die anderen nur fertig machen, Hauptsache, sie lassen mich in Ruhe.

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Es ist eine Zumutung, so den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Eine Zumutung, die das alte Kirchenlied auf den Punkt bringt, wenn es uns singen lässt: „Was du, Herr, hast erduldet, ist alles meine Last; ich, ich hab' es verschuldet, was du getragen hast." (GL 179, 4. Str.) Können wir diese Zumutung bestehen? Können wir sie annehmen?

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Wenn, dann nur, weil ein anderer eine größere Zumutung angenommen und bestanden hat. Da hängt einer am Kreuz, verraten, verleugnet, geschunden, verspottet, halbtot, Opfer dieser unserer Machenschaften – und betet. Und betet nicht um Hilfe, nicht um Rache, ja nicht einmal um Gerechtigkeit, sondern er betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23,34) Wenn es das gibt, dass einer hier um Vergebung für seine Verfolger betet, dann – und wohl nur dann – können auch diese Verfolger ihre Schuld bekennen und umkehren.

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Das christliche Bekenntnis der Mitschuld am Tod Jesu, das christliche Schuldbekenntnis überhaupt dient nicht dazu, uns niederzudrücken und zu zerstören, es dient dazu, Versöhnung und Zukunft zu ermöglichen. Christus hat bereits am Kreuz den Vater um Vergebung für unsere Schuld gebeten. Hat der ihn erhört? – Gerade das feiern wir an Ostern.

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