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Ignatianische Spiritualität
(Die Wahl und die Unterscheidung der Geister in den Exerzitien des Ignatius von Loyola)

Autor:Repschinski Boris
Veröffentlichung:
Kategorielehrbehelf
Abstrakt:Anhand der Exerzitien des Ignatius von Loyola werden wesentliche Elemente ignatianischer Spiritualität aufgezeibt, die bei Lebensentscheidungen und Lebensoptionen helfen können
Publiziert in:Handreichung zum Seminar Unterscheidung der Geiste
Datum:2004-03-24

Inhalt

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1 Einführung: Spiritualität und Leben des Ignatius

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Ignatius von Loyola, ein Ritter mit später Bekehrung, möchte die Weise seiner Bekehrung und die Art, wie er Gott in seinem Leben findet, für andere Menschen fruchtbar machen. Er nennt diese Weitergabe "den Seelen helfen". Die Entwicklung des Ignatius hin zu dieser Lebensform ist langwierig und geht einher nicht nur mit seiner eigenen Bekehrung, sondern auch mit dem Sammeln von Freunden während seines Studiums und der Gründung eines Ordens, den er "Gesellschaft Jesu" nennt.

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Während seines gesamten Lebens beobachtet Ignatius genau seine eigenen inneren Abläufe und Entwicklungen und entwickelt ein Instrumentarium, diese inneren Bewegungen für eine bewusste Lebensführung nutzbar zu machen. Früh beginnt er damit, auch andere anzuleiten, diese inneren Abläufe wahrzunehmen und mit ihrer Hilfe zu Lebensentscheidungen zu kommen. Besonders deutlich wird das am Pariser Freundeskreis, der sich später zum Jesuitenorden entwickelt.

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Um nicht nur selbst andere Menschen in diesen "geistlichen Übungen" unterweisen zu können, beginnt er mit der Niederschrift eines Instruktionsbüchleins für solche, die anderen Menschen bei solchen geistlichen Übungen beistehen und sie unterweisen. Das so genannte "Exerzitienbuch" ist also zunächst eine Handreichung für Instruktoren, nicht ein Andachtsbuch für fromme Seelen.

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2 Was sind "geistliche Übungen"?

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"Unter geistlichen Übungen versteht man jede Art, das Gewissen zu erforschen, sich zu besinnen, zu betrachten, mündlich und im Geiste zu beten und andere geistliche Tätigkeiten, wie später erklärt wird. Denn wie Lustwandeln, Ausschreiten und Laufen körperliche Übungen sind, so nennt man geistliche Übungen jede Weise, die Seele vorzubereiten und in Bereitstellung zu setzen, dazu hin, alle ungeordneten Neigungen von sich zu tun, und nachdem sie abgelegt sind, den göttlichen Willen zu suchen und zu finden in der Einrichtung des eigenen Lebens zum Heile der Seele." (EB 1)

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 Ignatius geht es also darum, dass ein Mensch bei den Exerzitien:

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 Ÿ innerlich frei wird von den Dingen, die der Bestimmung des Menschen zuwiderlaufen

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 Ÿ sein Leben auf diese innere Bestimmung ausrichtet

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 Ÿ um seelisch zu gesunden.

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3 Die innere Bestimmung: Prinzip und Fundament (EB 23)

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Ÿ der Mensch erhält seine Bestimmung aus der Schöpfungsordnung - Die Bestimmung ist also nicht vom Menschen frei wählbar.

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Ÿ Gott zu loben, ihn zu verehren, ihm zu dienen ist diese in der Schöpfungsordnung grundgelegte Bestimmung.

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Ÿ Andere Dinge in der Schöpfung sollen für den Menschen Hilfen sein, seine Bestimmung zu verfolgen.

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 Ÿ Dies hat bestimmte Konsequenzen:

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•Der Wert der Schöpfung erhebt sich aus der Hilfe, die sie dem Menschen zur Bestimmung hin ist.

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•Der Mensch soll grundsätzlich allem gegenüber unentschieden sein, so lange sein Wert nicht von der Bestimmung her ermittelt ist.

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•Es gibt Dinge, die sich dem Wahlvermögen des Menschen entziehen. Diesen gegenüber darf man nicht unentschieden sein.

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Im Prinzip und Fundament geht es also zum einen darum, den Menschen in den Kontext der Schöpfungsordnung zu stellen. Aus diesem Grund wird auch eine bewusst zugelassene Ungewissheit schon ganz am Anfang des Exerzitienprozesses eingemahnt. Auf der anderen Seite wird hier schon angedeutet, dass es in den Exerzitien um einen Klärungsprozess gehen soll, in dem die anfänglich eingeräumte Ungewissheit über den Ausgang des Prozesses im Laufe der Exerzitien einer Klärung zugeführt werden sollen. Dieser Klärung dient der Prozess der Wahl und der Unterscheidung der Geister. Die Exerzitien sind also auf einen Entscheidungsprozess hingeordnet.

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4 Die Wahl (EB 169-189)

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4.1EB 169: Einleitung zur Wahl

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Ÿ Rückbesinnung auf die Indifferenz (bewusst eingeräumte Ungewissheit) als Vorbedingung für eine gute Wahl durch Anspielung auf das "Prinzip und Fundament" (EB 23).

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 Ÿ Rückbesinnung auf die Schöpfungsordnung, um Mittel und Ziel auseinander zu halten

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Ÿ So darf nichts mich bewegen, dergleichen Mittel zu wählen oder sie liegen zu lassen, als einzig der Dienst und Lobpreis Gottes Unseres Herrn und das ewige Heil meiner Seele.

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Zur Wahl steht also nicht die Ausrichtung des Menschen auf Gott hin. Zur Wahl stehen lediglich die Dinge, die dieser Ausrichtung dienen.

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Es geht also darum, dem Wählenden noch einmal die Klarheit seiner Motivation vor Augen zu führen, und auf mögliche Selbsttäuschungen hin zu weisen. Dieser Unterscheidung dienen auch die Beispiele.

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4.2EB 170-174: Inhalt einer möglichen Wahl

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4.2.1Voraussetzung

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Was zur Wahl ansteht, muss dieser Motivation auch dienen können. Es muss sich also um wertneutrale oder gute Inhalte handeln, die zur Wahl anstehen.

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4.2.2Voraussetzung

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Was zur Wahl ansteht, muss sich im Rahmen der institutionell verfassten Kirche ("der heiligen Mutter, der hierarchischen Kirche") bewegen. Köster führt ebenfalls die Schrift an, die von Ignatius jedoch nicht konkret genannt wird. Moderne Autoren (Köster, Baumert) finden hier oft Raum für Flexibilität; von Ignatius wird diese Flexibilität so im Text jedoch nicht angeboten.

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4.2.3Mögliche Inhalte: Die unwandelbaren Wahlinhalte

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Unwandelbare Wahlen betreffen Lebensstand wie Ehe oder Priestertum. Grundsätzlich geht es um die Anerkennung, dass gewisse Wahlen nicht rückgängig gemacht werden können.

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4.2.4Mögliche Inhalte: Die wandelbaren Wahlinhalte

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Wandelbare Wahlinhalte betreffen Lebensstil, Güter, Karriere etc.

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4.2.5Der Problemfall: Die unwandelbare Wahl als Misserfolg

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Ignatius sieht die Möglichkeit, dass eine Entscheidung für einen Lebensstil, sei es Ehe oder Klerikerstand, auch schief gehen kann. Er erklärt das, indem er die ursprüngliche Wahl als "nicht in der gesollten und geordneten Weise, nicht ohne ungeordnete Anhänglichkeiten geschehen" bezeichnet. Für Ignatius ist das also eine "schiefe oder schlechte" Wahl, die nicht eine göttliche Berufung sein kann.

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An dieser Stelle führt Ignatius also die Unterscheidung zwischen Wahl und Berufung ein. Eine Wahl, die geordnet abläuft, ist für ihn eine göttliche Berufung. Eine ungeordnete Wahl ist eine Täuschung.

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Allerdings gibt es für Ignatius keine Hilfe bei einer missglückten Wahl. Es geht jetzt nur noch darum, aus der schiefen Situation das Beste zu machen, nämlich "innerhalb dieser Erwählung ein gutes Leben zu führen."

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4.2.6Der Problemfall: Die wandelbare Wahl als Misserfolg

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eine wandelbare Wahl kann immer modifiziert werden, um besser auf das eine Ziel hin geordnet zu sein.

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4.3EB 175-178: Drei Zeiten der Wahl

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Nicht jede Zeit ist gleich gut für eine Wahl geeignet. Ignatius erkennt drei verschiedene Zeiten, in denen ein Wahl getroffen werden kann, die als tragfähig gelten kann. Dabei meint Ignatius mit "Zeit" nicht nur einen temporalen Rahmen, sondern auch die verschiedenen Umstände, unter denen eine Wahl getroffen werden kann. In diesen Zeiten werden auch die verschiedenen Möglichkeiten ausgelotet, die sich dem Menschen bieten.

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Man kann also von einer Zeit der Berufung, von einer Zeit der Emotionen und von einer Zeit der Vernunft sprechen.

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4.3.1Gottunmittelbarkeit

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In dieser Situation geht es um das Erreichen einer Gewissheit, die jeden Zweifel ausschließt. Diese Gewissheit wird erreicht, indem das Erwählte unmittelbar als das von Gott Gewollte erkannt wird. Der Anstoß wird als ohne Zweifel von Gott kommend aufgefasst.

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Beispielhaft erwähnt Ignatius Paulus und Matthäus. Zumindest bei Letzterem ist interessant, dass Paulus zwar immer von seiner Berufung sprach, diese aber in langen Jahren auch in ihrer konkreten Bedeutung ausarbeiten musste.

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4.3.2Zeit innerer Gegensätze

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Nur kurz benennt Ignatius diese Möglichkeit der Wahlzeit als eine Zeit, in der der Wählende in sich sowohl "Tröstung" wie auch "Trostlosigkeit" erfährt. Aus diesen inneren Regungen heraus erfährt der Wählende Klarheit und Einsicht. Es geht also um die emotionale Einstimmung auf die verschiedenen Möglichkeiten. Diese Emotionen werden mit Hilfe der Unterscheidung der Geister bewertet und führen zu einer tragfähigen Wahl.

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Voraussetzungen für diese Wahl sind Bedingungen, die in den Regeln zur Unterscheidung der Geister noch weiter ausgeführt sind:

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 Ÿ Offenheit für die Möglichkeiten - Indifferenz

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 Ÿ Freiheit von Wunsch und Angst

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 Ÿ Entschlossenheit, das im Gebet Erkannte auch zu tun

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4.3.3Die ruhige Zeit

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Dies ist eine Zeit, in der der Mensch nicht von Emotionen hin und her gerissen wird, sondern in der der Mensch "von seinen natürlichen Fähigkeiten in Freiheit und Ruhe" Gebrauch machen kann, indem er sich wieder das Prinzip und Fundament in Erinnerung ruft.

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Die dritte Zeit könnte eine Zeit der Bestätigung für die in erster oder zweiter Zeit getroffenen Entscheidungen sein, sie könnte aber genau so gut zur eigentlichen Entscheidungsfindung heran gezogen werden. Damit können dann Entscheidungen gefällt werden, selbst wenn weder eine starke Gotteserfahrung noch eine starke emotionale Reaktion besteht.

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Es geht hier nicht um eine gefühlskalte Entscheidung, sondern um eine Entscheidung, in der die Gefühle nicht eindeutig sind.

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4.4Die ruhige Zeit und die zwei Arten zu Wählen

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4.4.1Die erste Art: vernunfthafte Regungen

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Ÿ zunächst nur eine Alternative in den Blick nehmen und die Argumente für diese zusammentragen und gewichten; dabei dient als Maßstab die Ehre und das Lob Gottes.

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 Ÿ für diese Alternative mit den Gegenargumenten genau so verfahren

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Ÿ dann für eine weitere Alternative ebenfalls positive und negative Gründe zusammentragen und gewichten

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 Ÿ nun die Argument für jede Alternative nach ihrem Gewicht beurteilen und abwägen

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Ÿ nun die Entscheidung treffen "nach den stärkeren vernunfthaften Regungen", nicht emotional aus dem Bauch heraus

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 Ÿ in einem letzten Schritt diese Entscheidung im Gebet bestätigen lassen

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4.4.2Die zweite Art: imaginative Kräfte

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Ignatius schlägt dem Wählenden vor, sich mit seiner Imagination vorzustellen, wie eine Entscheidung ausfallen wenn:

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 Ÿ er einem anderen raten müsste zu aller Vollkommenheit,

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 Ÿ sich in der Todesstunde entschieden zu haben wünschte,

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 Ÿ oder seine Entscheidung vom Endgericht betrachten würde,

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 Ÿ und sich die Entscheidung dann wieder im Gebet bestätigen zu lassen.

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4.5Der Abschluss der Wahl

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Ignatius geht davon aus, dass eine Besserung des Lebens immer möglich zu sein scheint. Er macht das fest an der Art und Weise, wie er auch Personen zu einer Wahl rät, die die Verbesserung des eigenen Standes zum Ziel hat. Dabei geht es Ignatius vor allem um den rechten Gebrauch von Reichtum und Besitzstand. Denn hier, so Ignatius, kann ein Mensch das Geistliche fördern, so er "herausspringt aus seiner Eigenliebe, seinem Eigenwillen und seinem Eigennutz" (EB 189).

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5 Die Unterscheidung der Geister

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Obwohl Regeln zur Unterscheidung der Geister schon durchaus vor Ignatius bekannt sind, besteht seine Leistung darin, die Regeln mit der Entscheidungsfindung innerhalb der Wahl zu kombinieren. Für ihn sind die Regeln nicht eine Art und Weise, den Willen Gottes generell ausfindig zu machen, sondern ihn fruchtbar zu machen im Rahmen einer persönlichen Lebensentscheidung. Gott teilt sich mit in konkreten Lebenssituationen und in den Regungen, die diese auslösen.

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Die Fähigkeit zur Unterscheidung ist ein Charisma (1 Kor 12,10), also eine Gabe, die sich im Gebet mitteilt. Das Kernstück der Unterscheidung ist die Verbundenheit eines Menschen mit Gott. so wie ein Mensch im Gebet allmählich in die Vertrautheit mit dem Leben Jesu hineinwächst, so lernt er auch den Willen Gottes von anderen Regungen zu unterscheiden. Die Unterscheidung ist also ein geistlicher Weg, der Übung und Reifung benötigt.

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Aus diesem Grund bietet Ignatius zwei verschiedene Regelsätze zur Unterscheidung an. Der erste Satz gehört in die so genannte "Erste Woche" der Exerzitien, in der Umkehr und Bekehrung das Hauptthema sind. Der zweite Satz von Regeln ist eher hilfreich für die zweite bis vierte Woche, in der der Übende nach seiner Bekehrung immer größere Vertrautheit mit Gott einübt.

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Die Regeln machen auf bestimmte Vorkommnisse aufmerksam, die geschehen können, aber nicht unbedingt müssen:

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 Ÿ geistige Reife ist Faktor in der Unterscheidung

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 Ÿ nicht alles, was gut scheint, ist auch gut

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Ÿ Gott kann unmittelbar eingreifen, ohne Grund oder Ursache: Gott ist ein Gott der Überraschungen

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Ÿ innere Regungen sind nicht immer plötzlich, sondern können Prozesse mit Anfang, Mitte und Ende sein, die sich teils über Tage erstrecken (EB 333).

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5.1Voraussetzungen

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Ÿ In den geistlichen Übungen werden Gottes Lebensabsichten mit den Menschen meditiert, anschaulich gemacht in Jesus Christus und seinem Leben. Grundsätzlich macht die Beziehung zu Gott und Jesus es möglich, sein Leben auf ihn hin zu ordnen, wie es es Prinzip und Fundament beschreiben.

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Ÿ In diesem Ordnungsprozess werden verschiedene Bewegungen verspürt, die wiederum dem Ordnungsprozess hilfreich oder nicht hilfreich sein können.

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Ÿ Die Unterscheidungsregeln wollen Menschen helfen, die sich bewusst aufmachen, den Weg der Verbesserung zu gehen.

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 Ÿ die Regeln helfen,

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•innere Bewegungen zu verspüren, ohne sie gleich zu werten: Schulung der Wahrnehmung auf der Erfahrungsebene: Gefühle, Stimmungen etc. eine frühe Bewertung verhindert oft die Wahrnehmung.

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•innere Bewegungen erkennen und verstehen auf der gedanklichen Ebene: woher kommen die Regungen, welche Richtung nehmen sie, welche Wirkungen hat das, etc.

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 ·zur Unterscheidung von Gefühlsebene und gedanklicher Ebene siehe Diagramm

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•bis zu diesem Punkt werden keine Bewertungen vorgenommen, es wird lediglich versucht, Gefühls- und gedankliche Ebene in Worte zu fassen.

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 •Erst jetzt kommt das Beurteilen

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 •und das Entscheiden.

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Ÿ Diese Regeln sind basiert auf Erfahrung und Übung und erhalten ihre Normativität erst aus der Bewährung im Alltag.

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5.2Regeln erster Teil

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Grundsätzlich geht es um die Wahrnehmung, wie sich Anregungen, Impulse, oder auch Wahlmöglichkeiten, auf die Grundstimmung des Menschen auswirken. Stehen die Impulse im Einklang mit der Grundstimmung, handelt es sich um eine Erfahrung des "Trostes". Stehen sie im Widerspruch zur Grundstimmung, werden sie als "Mistrost" oder "Trostlosigkeit" erfahren. Dabei geht es nicht um Depression. sondern um grundsätzliche Aufregung oder Frustration etc.; bzw. um Frieden, Zufriedenheit etc. Ignatius benutzt dabei Formulierungen, die einen Dualismus suggerieren.

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5.2.1Die ersten beiden Regeln

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Sie dienen der Unterscheidung zwischen Menschen, die im Bösen bzw. im Guten voranschreiten. Je nachdem in welche Richtung die Menschen sich voranbewegen, lösen Gutes und Böses im Menschen unterschiedliche Reaktionen aus. Die folgenden Regeln des Ignatius setzen voraus, dass ein Mensch auf dem Weg zum Guten voranschreiten möchte.

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5.2.2Regel 3: Beschreibungen des geistlichen Trostes

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Geistlicher Trost ist nicht nur "ein gutes Gefühl", sondern eine Bewegung auf Gott hin, in der alles Andere verblasst. Dabei nennt Ignatius nicht nur außerordentliche Liebeserfahrungen, sondern auch jedwede alltägliche Erfahrung von Zufriedenheit, Hoffnung, Freudigkeit etc. In der Trosterfahrung findet der Mensch Besänftigung und Frieden "in seinem Schöpfer und Herrn".

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5.2.3Regel 4: Trostlosigkeit

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Ist im Gegensatz zum Trost eine Erfahrung der Bewegung von Gott weg. Allerdings sieht Ignatius diese Erfahrung im Glauben verwurzelt: Nur ein gläubiger Mensch kann die Erfahrung der Gottferne machen.

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Ignatius macht hier eine Bemerkung über die Gedanken, die diesen Gefühlen entspringen und die gegensätzlich sind. Hier wird der Unterschied zwischen der Gefühlsebene und der gedanklichen Ebene deutlich greifbar.

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5.2.4Regeln 5-8: Verhalten in Trostlosigkeit

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Ÿ Trostlosigkeit ist nicht eine Zeit der Entscheidungsfindung: Man soll den zweifelnden Gedanken keinen Raum geben.

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Ÿ Ebenso soll man sich gegen die Trostlosigkeit wehren, indem man etwa an den äußeren Umständen eine Änderung trifft. Man soll Zeichen der Treue setzen.

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Ÿ Man soll einen geistlichen Zugang zur Trostlosigkeit suchen, indem man auf die Gnade Gottes reflektiert.

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 Ÿ Man muss sich in Geduld üben -- als Zeichen der Treue verstanden.

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5.2.5Regel 9: Gründe für die Trostlosigkeit

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Ÿ Nachlässigkeit in den geistlichen Übungen

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 Ÿ Gottesbeziehung wird zu einem Versuch des Schachers mit Gott

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 Ÿ Trost ist Geschenk Gottes und nicht abrufbar oder gar eigener Verdienst.

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5.2.6Regeln 10-11: Verhalten im Trost

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Diese Regeln sollen falscher Selbstsicherheit im Trost vorbeugen: Der nötige Bodenkontakt muss erhalten bleiben.

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5.2.7Regeln 12-14: Unbewusste Reaktionsmuster

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Mit den drei Bildern vom schwachen Weib, vom falschen Liebhaber und vom tückischen Häuptling versucht Ignatius, unbewusste Verhaltensmuster in Licht zu rücken.

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 Ÿ Der Neigung zu unbegründeter Angst soll man durch das gegenteilige Handeln entgegentreten.

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Ÿ Der Neigung zu Scham vor und Verheimlichen von bestimmten Regungen soll man mit Offenheit und Ehrlichkeit begegnen.

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Ÿ Der Neigung, seine eigenen Schwachstellen zu ignorieren, soll man mit dem ehrlichen Bemühen um das Aufdecken der Schattenseiten entgegentreten.

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Alle drei Bilder sollen den Übenden ermutigen, seine Schatten und Geheimnisse anzugehen, wahrzunehmen und offen zu legen.

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5.3Regeln zweiter Teil

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Im ersten Teil der Regeln ging es um die Unterscheidung von Trost und Trostlosigkeit. Dabei kamen hauptsächlich Mechanismen zur Sprache, die mit der Trostlosigkeit zu tun haben. Im zweiten Teil geht es einen Schritt weiter, da Ignatius annimmt, dass derjenige, der sich mit den folgenden Regeln beschäftigt, mit Trostlosigkeit umgehen kann. Die nächste Frage ist also: Wie ist dem Trost zu trauen? Wie bekommt man besonders in der Wahl die Sicherheit, dass die Erfahrung des Trostes zuverlässig ist?

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5.3.1Regel 1

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Göttlicher Trost bringt "wahre Fröhlichkeit und geistliche Freude". Dabei geht es nicht um punktuelle Freude, sondern um eine Lebensgrundstimmung, die auch Trauer und Verwirrung des Feindes an seinen Platz rückt. Gottes Tröstungen machen sich also kenntlich, indem sie sich in das Ganze des Lebens harmonisch einfügen.

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5.3.2Regel 2: Trost ohne Grund

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Es gibt Lebenserfahrungen, die sich ganz zweifelsfrei als Trost Gottes einordnen lassen. Dies ist Geschenk Gottes, daher weder vorhersehbar noch berechenbar. Seine Authentizität ergibt sich aus der Kraft der Erfahrung.

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5.3.3Regel 3-7: zweifelhafter Trost und seine Authentizifierung

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Ÿ Trost macht sich von seinem Ziel her kenntlich: Führt es zum Guten oder zum Bösen?

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Ÿ Besonders achten muss man auf einen Trost, der sich tarnt als von Gott kommend, sich dann aber in seiner Zielrichtung als irreführend erweist. Hier erscheint das Böse unter dem Mantel des Guten.

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Ÿ Welche Gedanken entstehen aus Trost? Sind die tröstlichen Gedanken tatsächlich einheitlich, oder ändern sie ihre Richtung? Finden die Gedanken Frieden im Guten, sind sie vom wahren Trost herrührend, aber wenden sie sich in einer Bewegung vom Guten zum Schlechten, sind sie wohl nicht von Gott.

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Ÿ Merkt jemand, dass er so hinters Licht geführt wird, soll man sich den Gedankengang bewusst machen, um daraus zu lernen für die Zukunft.

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 Ÿ Regel 7 entspricht Regeln 1 und 2 des ersten Teils.

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5.3.4Regel 8: Nach dem Trost

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Diese Regel warnt vor der Zeit nach dem Trost, in der die Erfahrung der Gegenwart Gottes sich plötzlich vermischt mit eigenen Angewohnheiten und Urteilen, die nicht ohne Zweifel zu beurteilen sind.

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Diese Regel nimmt noch einmal die Reihenfolge vom zweifelsfreien Trost zu den zweifelhaften Tröstungen auf, um den zweifelsfreien Trost als Maßstab für die Beurteilung von zweifelhaften Tröstungen zu etablieren.

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6 Schlussbemerkung

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Ignatius bewegt sich mit seinen Regeln zur Wahl und zur Unterscheidung der Geister in relativ geordneten Verhältnissen. Er stellt den Menschen in den Kontext der Schöpfung als auf Gott hingeordnet und sich den anderen Dingen der Schöpfung in dieser Hinordnung bedienend. Die Wahl wird dem Schema dieser Hinordnung unterworfen, und auch die Unterscheidung der Geister soll dem Menschen helfen, sich in dieser Ordnung mehr und mehr auf Gott hin zu ordnen. Damit liegt den Regeln und Übungen des Ignatius ein relativ eingegrenztes Menschenbild zu Grunde, das heute sicher Fragen aufwirft:

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 Ÿ Wie akzeptabel ist die Anthropologie des Ignatius heute noch?

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Ÿ Damitverbunden ist die Frage, ob die Hinordnung auf das Lob und die Ehre Gottes heute noch ein Wahlkriterium ist, oder ob vielleicht ein solches Kriterium zwischen Konsumgesellschaft und Ich-AG nicht aufgerieben wird.

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 Ÿ Oder müsste nicht auch das Prinzip und Fundament des Ignatius neu formuliert werden?

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Ÿ Wie weit sind so genannte unwandelbare Wahlen heute überhaupt noch möglich oder im Rahmen menschlicher Überlegungen? Dies betrifft unter anderem die Frage lebenslanger Bindungen.

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7 Literatur

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Ignatius von Loyola. Gründungstexte der Gesellschaft Jesu. Hg. Peter Knauer. Würzburg: Echter, 1998.

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Ignatius von Loyola. Die Exerzitien. Übers. Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln: Johannesverlag, 21954.

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Köster, Peter und Herman Andriessen. Sein Leben ordnen. Anleitung zu den Exerzitien des Ignatius von Loyola. Freiburg: Herder, 1991.

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Köster, Peter. Zur Freiheit befähigen. Kleiner Kommentar zu den großen Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola. Leipzig: Benno Verlag, 2000.

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 Rahner, Hugo. Ignatius als Mensch und Theologe. Freiburg: Herder, 1964.

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Schneider, Michael. "Unterscheidung der Geister." Die ignatianischen Exerzitien in der Deutung von E. Przywara, K. Rahner, G. Fessard. ITS 11. Innsbruck: Tyrolia, 1983.

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8 Schaubild

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