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Ministrantinnen, Reaktionen in den Medien und die Liturgie

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-10-02

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Das Gerücht, Rom wollte die Rolle der Ministrantinnen wieder stark einschränken, hat zu zahlreichen und oft erregten Reaktionen geführt. Legen diese nahe, dass wir eine Errungenschaft der Moderne gegen böse Mächte zu verteidigen haben? Wohl kaum, denn ein Hauptproblem scheint anderswo zu liegen. Bedenkt man, welch große Probleme heute alle Länder - auch die reichen - bedrängen und welche Gefahren und Nöte auf der ganzen Menschheit liegen, bedenkt man ferner, wie Rom versucht, zu all diesen Problemen Stellung zu nehmen, ohne dass die Medien viel darüber berichten, dann kann man sich über das 'Interesse' an der Frage der Ministrantinnen nur wundern. Glauben nicht gewisse Journalisten, Moderatoren und selbst kirchliche Mitarbeiter einen neuen Anlass gefunden zu haben, um Emotionen gegen die kirchliche Autorität zu schüren? - Legt sich nicht die Annahme nahe: hysterische Reaktionen?

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Dass sich die römische Autorität über die Liturgie Gedanken macht, ist kein Verbrechen, sondern eher eine notwendige Aufgabe. Die moderne Tendenz, in der Liturgie nur noch religiöse Riten zu sehen, in denen eigene subjektive Gefühle und Anliegen ausgedrückt werden, nimmt auch in kirchlichen Kreisen zu. Die christlichen Sakramente sind aber etwas anderes. Wie alle echten religiösen Riten sind sie zunächst Ausdruck einer gemeinschaftlichen Erfahrung, und als christliche Riten bringen sie vor allem vorgegebene Erfahrungen aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel und mit Jesus Christus zur Darstellung. Durch die Sakramente sollen nicht unsere eigenen kleinen Freuden und Leiden ichbezogen bis in den Himmel aufgeblasen werden, die kirchlichen Riten laden uns vielmehr ein, in die großen Erfahrungen der Heilsgeschichte einzutreten und einzuschwingen.

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In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (17. April 2003) lehrt der Papst erneut die katholischen Grundüberzeugungen von der Kirche und vom Sakramente der Eucharistie. Dabei wird die Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein und die Lehre von der Transsubstantiation der materiellen Gestalten betont. Dieser letztere Begriff dürfte heute von den meisten Menschen, ja sogar von vielen Gottesdienstbesuchern nicht mehr angemessen verstanden werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dies aber auch früher nicht anders, ohne dass sich daraus ein Schaden für den christlichen und kirchlichen Glauben ergeben hat. Die frühere liturgische Praxis führte nämlich klar dazu, dass die Gläubigen das Wichtigste verstanden, nämlich - wie Paulus sagt - den Leib des Herrn von anderen Speisen zu unterscheiden (1 Kor 11,17-34). Wo dies geschieht, wird der Glaube an die Gegenwart Christi gelebt und durch die Liturgie erneuert, selbst wenn die entsprechenden Erklärungen, die zweitrangig sind, von vielen nur teilweise oder wenig verstanden werden. Die heutige Liturgie ist jedoch in Gefahr, dass der genannte Unterschied nicht mehr deutlich hervortritt und vermittelt wird, und deshalb schrittweise auch aus dem Bewusstsein der Gläubigen verschwindet.

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Für Theologen und Theologinnen, Priester, kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollte es deshalb eine Aufgabe sein, nicht auf Reaktionen aus Rom zu warten, sondern sich selber zu fragen, wie dem genannten Anliegen besser entsprochen werden kann. Im Zentrum der Diskussion um die Liturgie sollte nicht die Frage stehen, ob sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Augenblick besonders 'wohl' fühlen; entscheidender ist, ob sie durch die kirchlichen Riten und Sakramente in die großen Wahrheiten der Heilsgeschichte einführt werden. Wird diesem Anliegen entsprochen, dann dürften römische Bedenken gegen Ministrantinnen - sofern es diese in maßgeblichen Kreisen überhaupt gibt, was keineswegs klar ist - von selber wegfallen.

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