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Unser theologisches Kurzstudium und die Fragen der Theologie
(Ansprache des Studiendekans zur Sponsion/Promotion am 11. Juli 2003)

Autor:Scharer Matthias
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2003-07-14

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Zur Zeit befindet sich die Universität in einer der größten Reformen ihrer Geschichte. Sie haben als Studierende und einige von Ihnen als Studentenvertreter(inn)en an unserer Fakultät etwas von der Innenseite der laufenden Reformen mitbekommen: In einer umfassenden Studienreform haben wir Studienpläne geschaffen, die durch ein Basisstudium, das für alle theologischen Studienrichtungen gleich ist, eine fundierte theologische und philosophische Basisqualifikation anstreben. Durch die Festlegung des ersten Studienabschnittes auf 6 Semester in der fachtheologischen Studienrichtung und in der Katholischen Religionspädagogik war es uns als erste Fakultät in Europa möglich, ein Bakkalaureatsstudium gemäß den europäischen Richtlinien des Bologna-Prozesses einzurichten. Das Studium der Katholischen Religionspädagogik wird demnach an unserer Fakultät ab dem Wintersemester 2003/04 als Bakkalaureatsstudium mit einem darauf aufbauenden Magisterstudium geführt.

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Das Bakkalaureatsstudium dauert 6 Semester und setzt Latein und Griechisch nicht mehr voraus. Neben der Ausbildung zum Religionsunterricht an Pflichtschulen im Rahmen eines pastoralen Berufes bieten wir einen neuen Ausbildungszweig für die kirchliche Erwachsenenbildung an. Erlauben Sie mir eine kleine Werbung der Theologie in eigener Sache: Ich möchte Sie alle herzlich einladen, in möglichst vielen kirchlichen und gesellschaftlichen Bereichen von der neuen und bisher einmaligen Möglichkeit eines theologischen Kurzstudiums an unserer Fakultät zu erzählen. Bereits im vergangenen Studienjahr haben wir wahrgenommen, dass das Interesse an Theologie bei Studierenden anderer Fachbereiche, wie Medizin, Jus, Wirtschaft im Steigen begriffen ist. Mit dem Bakkalaureatsstudium bieten wir allen Interessierten eine Zusatzqualifikation in Fragen von Religion und Weltanschauung, sowohl als persönliche Bereicherung als auch als Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt, an. In der „anything goes-Mentalität" vieler öffentlicher Bereiche ist die geschulte Fähigkeit zur kritischen Reflexion religiöser Phänomene neu gefragt. Unterscheidungen zwischen destruktiven und konstruktiven Spiritualitäten sind angebracht. Das Bakkalaureatsstudium richtet sich neben den Interessierten aus anderen Fakultäten bzw. aus der gesellschaftlichen Öffentlichkeit auch an kirchliche Mitarbeiter(inn)en, die bisher keine fundierte theologische Ausbildung hatten. Gerade in den Gemeinden gibt es viele interessierte Menschen, welche nach einem theologischen Kurzstudium fragen; auch Religionslehrer(inn)en an Pflichtschulen, denen wir eine breite Anrechnungsmöglichkeit ihrer RPA-Studien bieten, finden im Bakkalaureat eine fundierte Ergänzung ihrer Ausbildung. Wir versuchen das Bakkalaureatsstudium durch e-learning-Systeme zu unterstützen und kommen berufstätigen Studierenden durch Nachmittags- und Abendlehrveranstaltungen entgegen.

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Wer sich für ein Theologiestudium interessiert, will genauer wissen, mit welchen Fragen sich Menschen in einem solchen Studium beschäftigen. Einen kleinen Einblick in diese Fragen geben die Dissertationen und Diplomarbeiten der Kandidat(inn)en zur heutigen Promotion/Sponsion. Sie zeigen etwas von der Vielfalt der Philosophie und Theologie und deren Aktualität und Lebensrelevanz.

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So beschäftigt sich Anthony Chidi Echechi in einer Diplomarbeit bei Hans Goller mit dem Problem der Wahrhaftigkeit in der zwischenmenschlichen Kommunikation bei Friedemann Schulz von Thun.

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Maria Theresia Ploner widmet sich in ihrer Diplomarbeit bei Siegfried Battisti den Fragen der Freiheit. Ihr Thema: „Zur Freiheit verurteilt? Das Verständnis von Freiheit in Dostojewskis Großinquisitor und Sartres Die Fliegen."

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Eine breite Palette von Arbeiten setzt sich mit biblischen Fragen auseinander. An den Themen kann man sehen, welche politische, gesellschaftliche und kirchliche Relevanz Fragestellungen haben, die vom menschheitsgeschichtlich wohl bedeutsamsten Text, der Bibel, heraus gefordert sind.

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So nimmt Rudolf Kutschera den Satz aus Joh 4,22b „Das Heil kommt von den Juden" auf und untersucht in seiner Dissertation unter der Begleitung von Raymund Schwager in exegetischer, systematisch-theologischer und praktischer Hinsicht die Heilsbedeutung Israels.

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 Gleich vier biblische Diplomarbeiten wurden von Martin Hasitschka begleitet:

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Norbert Brugger nimmt in einer Diplomarbeit die Perikope „Jesus und die Sünderin" in den Blick. Ihn beschäftigt Jesu Umgang mit ausgegrenzten Menschen, mit Benachteiligten oder Kranken oder mit Sündern, also mit allen, die durch ihr Menschsein bei vielen anderen Menschen nur schwer Angenommensein erfahren und darunter leiden.

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Martin Gusenbauer schreibt in seiner Diplomarbeit über ein anderes Gleichnis, nämlich das vom ungerechten Verwalter. Die Arbeit geht von dem Gedanken aus, dass im Gleichnis vom ungerechten Verwalter (Lk 16,1-13) die Lehre Jesu von der rechten Verwendung unseres Reichtums im Sinne Gottes gipfelt.

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Herbert Lechner beschäftigt sich in einer Diplomarbeit mit dem Gebet Jesu in Joh 17 und fragt nach Anklängen an das Vaterunser.

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Bernd Michael Müller stellt Paulus als modellhaften Vermittler von Versöhnung und Neuschöpfung in einer exegetischen Untersuchung von 2 Kor 5,11- 6,2 ins Zentrum seiner Fragestellung.

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 Drei Arbeiten nehmen das Werk einzelner Theologen in den Blick:

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Irmgard Kleins Diplomarbeit bei Franz Weber beschäftigt sich mit der Gottesfrage in der Feministischen Theologie bei Herlinde Pissarek-Hudelist.

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Galda Wojciechs schreibt in seiner Dissertation bei Józef Niewiadomski über den Beitrag Hans Urs von Balthasars zur Bestimmung des Propriums christlicher Existenz.

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Begleitet von Lothar Lies beschäftigte sich Joseph Gilbert Reginald Lobo aus Indien in seiner Dissertation mit der Christologie von George M. Soares-Prabhu.

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 In zwei Arbeiten geht es im rechtliche Fragen:

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Bernhard von Rohrscheidt schreibt in einer Dissertation, die von Wilhelm Rees begleitet wurde, zu den Bestimmungen über die Priesterausbildung in den Dokumenten des 2. Vatikanums und in der nachkonziliaren Gesetzgebung.

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Die philosophische Diplomarbeit von Andreas Müller widmet sich dem Internationalen Strafgerichtshof als Faktor der Globalisierung; sie wurde von Norbert Brieskorn betreut.

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In Auseinandersetzung mit der christlichen Tradition erscheinen aktuelle Fragen in einem neuen Licht:

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So schreibt Karin Peter ihre Diplomarbeit bei Józef Niewiadomski zum Opfer zwischen Gnadenerfahrung und Masochismus am Beispiel der Erzählung vom Salomonischen Urteil in 1 Kön 3,16-28.

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Fritz Kraner greift in einer Dissertation bei Hans Rotter die ethischen Aspekte von Babyklappe und anonymer Geburt auf.

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Alexander Peter Ginter legt in meinem Fach, der Katechetik/Religionspädagogik, eine qualitative Untersuchung zur Situation von Männern, die ihr erstes Kind erwarten und bekommen, vor.

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In einer philosophischen Dissertation widmet sich Wilhelm Partilla der Frage von Euthanasie - Pro und Contra vor dem Hintergrund des Personbegriffs.

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Thomas Hermann Böhm untersucht in seiner Dissertation unter Begleitung von Józef Niewiadomski die Frage der Religion durch Medien und fragt nach dem kirchlichen Engagement in den Medien und der „Medienreligion".

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Ebenfalls in den Bereich einer theologischen Medienkritik gehört die Diplomarbeit von Martin Bader, auch von Józef Niewiadomski begleitet, zum Thema „Erlösung im Cyberspace? Oder: Warum der Himmel den Herrgott braucht.

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Schließlich erschließt Helga Elisabeth Türtscher in einer Diplomarbeit an der Pastoraltheologie Leben und Gedichte von Christine Busta in einer Reflexion zum Zusammenhang von Lebensgeschichte und theologischer Erkenntnis.

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Die Breite der Fragestellungen in den philosophischen und theologischen Dissertationen und Diplomarbeiten zeigt, mit welch unterschiedlichen Problemstellungen sich Theolog(inn)en auseinander setzen. Vielleicht hat das bei manchen von Ihnen, ich spreche hier die Gäste an, die Lust auf die Theologie, die Lust auf das neu eingeführte Bakkalaureat als theologisches Kurzstudium geweckt.

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Ihre Arbeiten bereichern die philosophische und theologische Erkenntnis. Das ist kein Selbstzweck, sondern Dienst an der Kirche und Gesellschaft. Wissenschaftliche Arbeit verweist wie kaum ein anderes Tun auf die Grenzen menschlicher Erkenntnismöglichkeit und fordert Bescheidenheit ein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie jene Verstehenszugänge der Tradition und des gegenwärtigen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens, mit denen Sie sich in Ihren Arbeiten auseinandergesetzt haben, mit der Haltung einer diskreten Hermeneutik verbinden und sich so immer wieder neu von den Fragen und Problemen der Menschen von heute anrühren und zum Weiterdenken herausfordern lassen. In diesem Sinne gratuliere ich Ihnen, aber auch allen, die Sie begleitet haben und die Ihnen lieb sind, Ihren Eltern, Partnern, Freundinnen und Freunden, sehr herzlich zu Ihrem Studienerfolg.

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