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Fronleichnamsprozession: Glaubensbekenntnis und (oder) Brauchtum?

Autor:Weber Franz
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:Kirche informiert 4-II/2003
Datum:2003-06-16

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Das Fest Fronleichnam und die dazu gehörige Prozession waren mir von Kindesbeinen an ans Herz gewachsen. Und für mich, als ich sie als Ministrant "aktiv" mitgestalten durfte, waren sie jedes Jahr ein besonderes Erlebnis. Als Jugendlicher und als junger Priester habe ich mir dann später - mitten in Umbrüchen der Konzils- und Nachkonzilszeit - zeitweise recht schwer damit getan. Seither habe ich viele Diskussionen um Inhalt und Gestalt dieses Festes mitverfolgt und als Pfarrer verschiedene Formen miterlebt und gestaltet. Als "Wahltiroler" und Innsbrucker Pastoraltheologe mache ich mir nun von Berufs wegen auch meine Gedanken über Innsbrucker und Tiroler Fronleichnamsprozessionen. Ich stelle fest, dass ich hier nicht der Einzige bin, der vor allem in der Stadt starke Veränderungen in der Einstellung und Beteiligung der Pfarrgemeinden wahrnimmt.

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Welche Art von Fest- und Feiergestaltung kann auch in Zukunft der Darstellung eines so zentralen Geheimnisses des Glaubens überhaupt gerecht werden? Wie ist Eucharistie "erlebbar" ? Wie bleibt sie - schlicht und einfach - glaubwürdig? Auf welche Art und Weise können sich Menschen dem Mysterium nahen, ohne es zum volkstümlichen Schauspiel oder zum Touristen- und Foto-Event verkommen zu lassen? Ich zweifle nicht daran, dass für Viele das "Mitgehen" bei der Fronleichnamsprozession auch heute noch so etwas ist wie ein öffentliches Bekenntnis zur Kirche und für Manche vielleicht auch ein Element einer gewissen "Tiroler Identität", die Vielen offensichtlich massiv bedroht erscheint. Aber ich nehme auch wahr, dass die junge Generation und auch viele von denen, die ihre Pfarrgemeinde noch als ein Stück Heimat empfinden und sich dort auch engagieren, mit der traditionellen Form der Fronleichnamsprozession ihre Schwierigkeiten haben.

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In meiner Beschäftigung mit verschiedenen Formen der Volksreligiosität habe ich gelernt, wie emotional besetzt dieses Terrain für viele Katholikinnen und Katholiken nach wie vor ist. "Pastorale Elefanten" hinterlassen auf dem Feld volksliturgischer Vollzüge genau so Scherben wie im sprichwörtlichen Porzellanladen. Mit dem, was Menschen heilig ist, muss man auf jeden Fall respektvoll und behutsam umgehen. Paul VI. hatte seinerzeit in einem Apostolischen Schreiben zur Evangelisierung in der Welt von heute von denen, die in der Pastoral Leitungsverantwortung tragen, eine Haltung der "pastoralen Liebe" gegenüber der Vielfalt und der Werte der Volksfrömmigkeit verlangt, aber auch die Notwendigkeit einer "hinführenden und begleitenden Evangelisierung" betont.

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Die Fronleichnamsprozession ist auch ein Stück Volksreligiosität. In ihre Gestalt sind hierzulande über Jahrhunderte viele sehr verschiedene Elemente lokaler volkskirchlicher Traditionen, aber auch amtskirchlicher Reformen eingeflossen. Ich teile die pastorale Sorge derer, die die Zukunft der Fronleichnamsprozession mittel- und langfristig bedroht sehen, falls wir uns nicht auf verschiedene Ebenen und unter Einbeziehung der verschiedenen Gruppen von Beteiligten von Neuem fragen, welche zentralen Inhalte der christlichen Botschaft wir in ihr vermitteln und was wir damit der Welt und den Menschen von heute sagen wollen. Denn in der Eucharistie kann sich nicht alles um die Darstellung oder gar Zurschaustellung von Einzelnen oder von Gruppen drehen. Es geht "um das Heil der Welt", d.h. konkret um die zentralen Lebens- und Überlebensfragen der Menschen in unserer Stadt, in unserem Land und auf der ganzen Welt. "Wo die traditionelle Gestalt (von Fronleichnam) bloß konserviert wird, droht ein Abgleiten ins Folkloristische", schreibt Andreas Heinz im Lexikon für Theologie und Kirche.

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Das "Mitgehen" gläubiger Menschen bei der Fronleichnamsprozession könnte glaubwürdiger Ausdruck jenes Kirchenbildes des 2. Vatikanums sein, nach dem sich die Kirche als Volk Gottes "engstens mit der ganzen Menschheit und ihrer Geschichte" (2. Vatik. Konzil, Pastoralkonstitution, n. 1) verbunden weiß. Das Mühen und Ringen um eine die Menschen von heute ansprechende Form der Fronleichnamsprozession ist mehr als eine "Altstadtsanierung", in der hinter den sorgfältig restaurierten Fassaden ganz andere moderne Räume geschaffen werden, die mit dem ursprünglichen Gebäude nichts mehr zu tun haben. Eucharistie ist nicht Aufputz und Fassade, sondern innerster Lebensraum der Kirche, die aus der Kraft der Eucharistie fähig wird, eine Solidargemeinschaft mit allen Menschen zu bilden und deren Lebensnot und Lebensfreude "mitzutragen" und "mitzufeiern ".

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