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Erscheinung des Herrn
(Predigt in der Jesuitenkirche am 6. Jänner 2026)

Autor:Niederbacher Bruno
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2026-01-10

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Wir feiern das Fest Erscheinung des Herrn. Beim Wort „Erscheinung“ denkt man an seltene Begebenheiten, außergewöhnliche Ereignisse, spektakuläre Phänomene. Vielleicht denken manche an Marienerscheinungen, andere an abnorme Zustände wie Halluzinationen. Man kann das Wort „Erscheinung“ aber auch in einem nüchternen, ja alltäglichen Sinn verstehen, nämlich wie uns Dinge oder Menschen erscheinen oder scheinen. So erscheint mir diese Kirche gerade ziemlich kalt, mir scheinen die Menschen hier gerade sehr aufmerksam zuzuhören, was sich schnell ändern kann, wenn ich nicht bald zum Punkt komme. Und der Punkt ist die Frage:

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Wie erscheint mir Jesus?

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Erstens erscheint er mir wie er Herodes und ganz Jerusalem mit ihm erscheint? Als jemand, der Schrecken einjagt? Als Konkurrent? Als jemand, dessen Macht zu fürchten ist? Oberflächlich betrachtet wird er wohl kaum jemandem von uns so erscheinen. Subtiler aber vielleicht doch manchmal:

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  • Wenn ich zweifle, dass er es gut mit mir meint.
  • Wenn mir das Leben übel mitspielt.
  • Wenn ich mich nicht von ihm führen lassen kann, sondern mich verkrampft an anderen Dingen festhalte.
  • Wenn ich Angst habe, mich ihm ganz zu überlassen.
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Diese Facetten gibt es auch im Leben der Glaubenden.

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Zweitens erscheint mir Jesus wie er den Sterndeutern erscheint, die im Zeichen des Sterns etwas erblicken, das sie fasziniert, das sie anzieht, um dessentwillen sie sich vom Gewohnten lösen und aufbrechen, sich auf die Suche begeben, eine Suche, die auch mit Risiken verbunden ist, eine Suche, bei der am Anfang noch nicht sicher ist, ob sie auch finden? Ja, so erscheint mir Jesus oft:

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  • Wenn er mir nicht direkt erscheint, sondern als Stern einer Sehnsucht, die sich nicht stillen lässt. Wie Rainer Maria Rilke schreibt: als „großes Heimweh, das wir nie bezwangen.“[1]
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 „Gottsucher zu sein“ beschreibt vielleicht treffend viele Tage des glaubenden Lebens. Gottsucher brechen auf, sie machen sich auf den Weg, sie sind Pilger, weil sie von etwas angezogen werden, das sie noch nicht ganz kennen aber immer tiefer kennenlernen möchten.

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Drittens erscheint mir schließlich Jesus wie er den Sterndeutern erscheint als sie ihn als Kind in Betlehem finden? Ja, so erscheint er auch mir manchmal. Kinder lösen in der Regel Sympathie und Liebe aus. In ihrer Gegenwart ist nicht wichtig, was ich leiste und wozu ich es gebracht habe. Ich entspanne mich und bin einfach da. So offenbart das kleine Kind viel über den großen Gott:

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  • dass ich keine Angst vor ihm haben muss;
  • dass ich mich vor ihm nicht beweisen und verstellen muss;
  • dass ich vor ihm ganz ich sein darf, ja noch besser: mich vergessen und einfach da sein kann.
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So erscheint er als jemand, dessen Gegenwart die Angst vertreibt, Trost und Freude verbreitet, sodass ich mich schenken kann mit allem, was mich ausmacht: dem Gold meiner Liebe, dem Weihrauch meiner Verehrung und der Myrrhe meiner Nöte, Schmerzen, Schuld und Sünden. Selige Stunden, in denen ich mich ihm ganz überlassen kann!

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Am Schluss ein Wort von Karl Rahner, der in seiner Predigt zur Erscheinung des Herrn schreibt:

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„Brich auf, mein Herz, und wandre! Es leuchtet der Stern. Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg. Und viel geht dir unterwegs verloren. Lass es fahren! Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir. Er wird sie annehmen.“[2]

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Anmerkungen

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[1] Rainer Maria Rilke, Stundenbuch: Das Buch vom mönchischen Leben, Leipzig 1905: „Ich liebe dich du sanftestes Gesetz…“

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[2] Karl Rahner, Kleines Kirchenjahr, München 1954, 43.

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