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Memento: Die Asche der Vergangenheit
(Erinnerung, Opfer und Auschwitz)

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:
Publiziert in:Metamorphosen des Eingedenkens. Gedenkschrift der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz 1945-1995, Graz: Styria Verlag 1995, 81-92.
Datum:2001-10-09

Inhalt

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Der metaphorische Titel, der mir vorgeschlagen wurde, löste in mir zunächst ein gewisses Erstaunen aus; bald aber wirkte er wie eine kleine Herausforderung auf mich. "Asche der Vergangenheit" - was soll damit nahegelegt werden? Eine spontane Assoziation stellt sich ein: "Phönix aus der Asche".

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1) Die Asche und die archaische Opfervorstellung

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In der ägyptischen Mythologie war der Phönix jener Urvogel, der bei der Weltenschöpfung auf dem Urhügel erschien. Weltweit wurde der Phönix-Mythos in der römischen Version bekannt. Danach soll sich dieses Wesen in gewissen Abständen selber verbrannt haben, um jeweils neu aus der Asche zu erstehen. Als Heimat des Phönix wurde nun Indien genannt.

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Und in der Tat, - in der indischen Mythologie spielt die Vorstellung vom Weltenbrand, aus dem der Kosmos jeweils neu geboren wird, eine große Rolle. Auch die Asche hat hier - vor allem im Sivaismus - eine große sakrale Bedeutung. Von zahlreichen Göttern und Göttinnen wird gesagt, daß sie aus Bhasm, der heiligen Asche, entstanden sind. (1) Dieser Asche wird die Kraft zugesprochen, alle Sünden von Göttern und Menschen und von hundert Existenzen auszulöschen und Götter und Menschen aus dem Tod in ein neues Leben zu erwecken. (2) Woher kommt aber der Asche diese Kraft zu?

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In den Padma-Purna, die zu den heiligen Überlieferungen Indiens gehören, wird auf mythologische Weise erzählt, wie es ursprünglich zur heiligen Asche kam und wie sie jeweils neu herzustellen ist. Der höchste Gott Sadiva wollte schöpferisch werden und die drei höchsten Qualitäten in sich selber sehen. So spaltete er sich. Aus der rechten Seite machte er Brahm, aus der linken Viu und aus dem Rücken iva, der wieder er selber war. Seine beiden Söhne Brahm und Viu sollten die Qualitäten der Güte und der Tätigkeit/Leidenschaft aufgreifen, vermochten diese aber nicht festzuhalten. iva lehrte sie deshalb, das Wesen der Qualitäten dadurch zu halten, daß sie diese zur Asche verbrannten. - Nach dieser mythischen Einleitung folgen in den Padma-Purna genaue Anweisungen, wie in einer langen Zeremonie, die Wochen dauert, aus Kuhmist und unter Rezitieren vieler Hymnen aus dem Opferfeuer die heilige Asche zu gewinnen ist. (3)

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Der Zusammenhang zwischen dem schöpferischen Akt ivas, der sich selber spaltet, und der Zubereitung der heiligen Asche im Opferfeuer mag für uns zunächst recht befremdlich sein. Bedenkt man aber, daß für den Hinduismus das Opfer "die schöpferische Macht schlechthin, der Urakt" (4) ist, dann zeichnen sich Verbindungslinien ab. Die Dichter der vedischen Hymnen verstanden nämlich die Schöpfung selber als Frucht eines Opfers, und sie stellten konsequenterweise - wie Klaus Klostermeier sagt - "an den Anfang die Opferung des Opfers an das Opfer" (5). Da in Indien das Feueropfer besonders wichtig war, dürfte auf diese Weise die Asche zum wirksamen Zeichen jenes Uropfers geworden sein, aus dem die Schöpfung je neu entsteht.

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Daß Opfer eine ordnende, ja eine kosmische Dimension haben, ist eine weit verbreitete Überzeugung in archaischen Religionen. Adolf Jensen hat gezeigt, daß die alten ackerbautreibenden Kulturen aller Kontinente den zentralen Mythos von der getöteten Gottheit kannten. (6) Gemäß diesem Mythos entstanden die jeweilige Stammesordnung und das wichtigste Nahrungsmittel aus dem zerstückelten Leib einer geopferten Gottheit, wobei im blutigen Ritus das zu opfernde Tier oder der zu opfernde Mensch verwandelt und mit der Kultgottheit identifiziert wurde. In der mythischen Weltsicht kam folglich dem Opfer eine geheimnisvolle Macht zu, durch die Profanes sakral, Irdisches göttlich und die tötende Gewalt zum Schöpfungsakt einer neuen Ordnung wurde. Solche uralten Zusammenhänge dürften sich auch im Phönix-Mythos aussprechen, wobei der Vogel, der sich selber verbrennt, um aus der Asche je neu zu erstehen, die ganze Welt symbolisiert.

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Von diesem Hintergrund her drängt sich für unser Symposium, das die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur erinnernd aufarbeiten will, eine bohrende Frage auf: Soll durch die Metapher 'Asche der Vergangenheit' angedeutet werden, daß die Greuel der Hitler-Zeit und das maßlose Töten im Weltkrieg als eine Art Opfer zu verstehen sind, aus dem eine neue Ordnung und neues Leben entstanden? Verwandelten sich die Untaten auf mythische Weise wie von selber in Heilstaten und die mörderischen Werke in Werke der Freiheit und Gerechtigkeit?

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Diese Frage mag für Sie überraschend, ja seltsam klingen. Dennoch drängt sie sich auf, weil in früheren Epochen die Menschen das Böse, das sie traf, tatsächlich immer wieder auf diese Weise bewältigt haben. In unbegreiflichen Gewalttaten sahen sie ein großes Opfergeschehen. Als Beispiel möchte ich nur auf Vergil hinweisen, der lange Zeit als ein Vater des Abendlandes galt und der während Jahrhunderten auch christliche Dichter zutiefst faszinieren konnte. In seiner 'Aeneïs' beschreibt er, wie Rom aus einem großen Gemetzel entstanden ist, das durch die Ankunft der geschlagenen Troer unter den Völkern Italiens ausgelöst wurde. Der 'fromme Vater' Aeneas, wie Vergil ihn nennt, wird vom römischen Dichter als ein rasender Kämpfer dargestellt, und das große Epos endet, indem dieser 'fromme Vater' ingrimmige Rache an seinem großen Gegenspieler Turnus nimmt. Wieso konnte aber ein Epos, - so unsere Frage - das über weite Strecken nur ein wechselseitiges Töten, ja Abschlachten besingt, sogar Christen während Jahrhunderten zutiefst faszinieren? Der Literaturwissenschaftler Cesáreo Bandera (Chapell Hill/ USA) zeigt in einer tiefsinnigen Studie, daß der maßlose Preis an Blut dem spontanen Empfinden lange Zeit deshalb verschleiert blieb, weil Vergil das Töten unter den Helden auf subtile Weise als ein Opfertöten darstellt:

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"Im entscheidenden Moment ist Aeneas in den Augen von Vergil nicht der Sieger, sondern der Opferer, der Priester, der den sakralen Schlag ausführt und das Opfer tötet, das zum Eckstein für die Gründung einer neuen Stadt wird." (7)

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Die Geschichte war immer wieder eine Geschichte von Blut und Tränen. Dennoch konnten die Menschen diese bitteren Erfahrungen ertragen, weil sie instinktiv - und im Rückblick meistens auch ausdrücklich - im Gemetzel ein Opfergeschehen erahnten. Diese Sichtweise findet sich vereinzelt sogar innerhalb der jüdisch-christlichen Glaubensgeschichte.

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Die apokalyptischen Kapitel beim Propheten Ezechiel (Ez 38-39), die auch heute in manchen Kreisen großen Anklang finden, geben uns eine düstere Schilderung vom kommenden Endkampf Gottes gegen den Großfürsten Gog im Land Magog. In der Entscheidungsschlacht, zu der Gog alle Völker der Erde gegen Israel führen wird, werden alle gottfeindlichen Heere durch kosmische Mächte vernichtet werden. Danach wird "allen Vögeln und allen wilden Tieren" im Auftrag Gottes zugerufen:

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"Versammelt euch und kommt her! Von überall kommt zu meinem großen Opfer zusammen, das ich für euch schlachte, zu meinem großen Opfer auf den Bergen Israels, kommt und freßt Fleisch und trinkt Blut... Freßt euch satt am Fett, und berauscht euch am Blut meines Opfers, das ich für euch geschlachtet habe" (Ez 39,17-20).

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Gleich nach diesem Aufruf zur Teilnahme am blutigen Opfer fährt der Spruch Gottes durch den Propheten fort:

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"Alle Völker sehen, wie ich mein Strafgericht abhalte, sie sehen, wie ich meine Hand auf sie lege" (Ez 39,21).

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Der Endkampf, den der Prophet zunächst als ein apokalyptisches Opfer beschreibt, wird unmittelbar danach als Strafgericht bezeichnet. Da die Gerichtsrede zur gewöhnlichen Sprache des Alten Testaments gehört, ist es um so auffallender, daß im Augenblick der höchsten apokalyptischen Steigerung hinter der vertrauten Gerichtssprache wieder eine andere, die alte archaische Opfersprache auftaucht (vgl. auch Offb 19,17f). Dieser Rückgriff oder Rückfall dürfte überall dort naheliegen, wo Extremerfahrungen gemacht werden. Die Frage, die ich vorher gestellt habe, ist deshalb nicht künstlich, und ich greife sie nochmals auf: Soll die Metapher von der 'Asche der Vergangenheit' andeuten, daß auch die Greueltaten des Dritten Reiches als eine Art Opfergeschehen zu verstehen sind? Waren die Gasöfen von Auschwitz Opferaltäre, auf denen aus der Asche der Geopferten neues Leben entstand? - Sie werden, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, diese Frage - vielleicht sogar mit Entrüstung - verneinen; dennoch dürfen wir die anstehende Problematik nicht zu rasch überspringen.

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Der jüdische Philosoph Hans Jonas, dessen eigene Mutter in Auschwitz umgekommen ist und der in den letzten Jahren vor allem durch seine Betonung der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen in einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde, hat sich ausdrücklich mit Auschwitz und der Gottesfrage befaßt. Seinem Urteil nach fügen die nationalsozialistischen Vernichtungsaktionen "der jüdischen Geschichtserfahrung ein Niedagewesenes hinzu, das mit den alten theologischen Kategorien nicht [mehr] zu meistern ist" (8). Da Jonas von der Gottesfrage dennoch nicht lassen will, entwirft er - wie er es ausdrücklich nennt - einen "selbsterdachten Mythos" (9), den er nachträglich philosophisch-theologisch etwas zu klären sucht. Gemäß diesem Mythos ist Gott bei der Schöpfung in Mut oder Verzweiflung ein absolutes Abenteuer eingegangen, indem er seinem ganzen Gottsein entsagte und sich völlig an sein Werk entäußerte. Über lange Äonen taste sich nun die aus der Selbstauflösung des Schöpfers entstandene Schöpfung zu ihrem geheimnisvollen Ursprung zurück. Diese Rückkehr ist mühsam, und sie wird - so der Mythos von Jonas - dort dramatisch, wo das vormenschliche Leben zur Freiheit und zur Wahl zwischen Gut und Böse erwacht. Wird die Schöpfung zu ihrem Ursprung zurückfinden, oder wird sie sich in den Abgründen des Bösen verlieren? Die wenigen Gerechten, die mit dem Einsatz ihres Lebens den Greueln von Auschwitz Widerstand geleistet haben, sind für Jonas ein Zeichen, daß es doch eine "Überwertigkeit des Guten über das Böse" gibt und daß die "verborgene Heiligkeit" der Wenigen die "zahllose Schuld aufzuwiegen, die Rechnung einer Generation gleichzustellen und den Frieden des unsichtbaren Reiches zu retten" (10) vermag.

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Jonas versteht seinen eigenen Mythos ausdrücklich als eine Radikalisierung kabbalistischer Vorstellungen, gemäß denen Gott sich im Zimzum zusammen- und zurückgezogen hat, um für die Schöpfung Platz zu schaffen. Hans Henrix faßt den entscheidenden Punkt in der radikalisierten Gottesvorstellung von Jonas so zusammen:

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"Auschwitz erscheint bei Jonas sowohl als Ort des Scheiterns des in der Selbstbeschränkung befindlichen Gottes, wie auch als Ort, wo aus der Asche der gescheiterten Sache Gottes die unkenntlich gewordene Transzendenz Gottes als Heiligkeit in der Gestalt der Gerechten hervortritt." (11)

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Zur Deutung der radidalisierten Kabbala und des neuen Mythos von Jonas greift Henrix spontan auf das archaische Bild der Asche zurück, aus der die unkenntlich gewordene Transzendenz neu erstehen soll. Auschwitz wird so tatsächlich zu einer Art Opferstätte. Was Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, im Zusammenhang mit meiner Frage wohl spontan verneint haben, wird heute von einem anerkannten jüdischen Philosophen ausdrücklich als Deutung für das "Niedagewesene" vorgeschlagen. Hier zeigt sich deutlich die Wiederkehr archaischer Vorstellungen. Der Abstand zwischen dem neuen Mythos von Jonas und den Dichtern der Veden, nach denen das Opfer sich selber dem Opfer opfert, um die Welt neu entstehen zu lassen, ist nicht allzu groß. Wir müssen uns sogar fragen, ob die zentralste Kategorie in der Logik von Hegel, die Negation der Negation, letztlich etwas anderes als die neue Ordnung aus dem Opfer meint. Die Negation der Negation wäre dann eine abstrakte Formulierung für den Mythos vom Phönix aus der Asche.

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2) Zwei Arten des Erinnerns

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Trotz einer langen und alten Tradition ist diese Sicht unserem heutigen Empfinden meistens fremd geworden. Sie widerspricht auch zentralsten christlichen Aussagen. Zwar berichten die Evangelien ebenfalls von einem Sohn Gottes, der getötet wurde und aus dessen Tod neues Leben entstand. Einem oberflächlichen Betrachter können deshalb die christlichen Erzählungen wie eine neue Variante des alten Mythos von der getöteten Gottheit erscheinen. Bei genauerem Zusehen zeigt sich jedoch, daß in der Passions- und Ostererzählung alle zentralen Elemente des Mythos eine ganz neue Bedeutung erhalten. Die Tötenden sind nicht mehr die Opfernden, sondern nur noch Vertreter einer mordenden Menschheit. Das Gute entsteht nicht mehr mythisch spontan - als Phönix aus der Asche - oder dialektisch - als Negation der Negation - aus dem Akt der Tötung, sondern es ist die Frucht persönlicher und freier Taten. Der sterbende Sohn am Kreuz überwindet alles Böse, das ihm angetan wird, im fürbittenden Gebet für seine Feinde, und der himmlische Vater weckt den Ermordeten zu neuem unvergänglichen Leben auf. Im Herzen des sterbenden Sohnes und in der Kraft des auferweckenden Vaters wird das Böse durch bewußte freie Taten zum Guten gewendet. Das Wort 'Opfer' erhält deshalb in diesem Kontext einen völlig neuen Sinn. Nicht mehr das Schlachten ist das Opfern, sondern die Annahme des gewaltsamen Todes durch gewaltfreie Feindesliebe wird zum neuen Opfer und zur Selbsthingabe zugunsten all jener, die vom Bösen getroffen werden.

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Daß wir es im Geschick Jesu nicht mehr mit einem mythischen oder dialektischen Umschlagen vom Negativen zum Positiven zu tun haben, wird auch durch den zeitlichen Abstand zwischen dem Tod am Kreuz und den Erscheinungen des Auferweckten deutlich. In diese Zeitspanne fallen die Berichte vom Entdecken des leeren Grabes Jesu. Für starke Strömungen in der heutigen Exegese sind diese Berichte nebensächlich, ja mythologisch wie die archaischen Opfervorstellungen. Bei einem sorgfältigen kultur- und religionsgeschichtlichen Vergleich liegen die Dinge aber anders.

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Menschliche Erinnerungen sammeln sich immer wieder um Gräber, die das Vergangene wachhalten und es zugleich verdecken. Zur archaischen Opferwelt gehören deshalb die Grabstätten. In allen alten Kulturen spielten Gräber eine große Rolle, und René Girard hat eine beeindruckende Menge von Phänomenen analysiert, die darauf hinweisen, daß alle traditionellen Kulturen letztlich über Gräbern errichtet wurden. (12) Gräber halten die Erinnerung wach und verhüllen zugleich das Vergangene. Sie decken die Toten zu, die zu Staub und Asche geworden sind, und sie verbergen vieles, was ihnen angetan wurde. Besondes deutlich zeigt sich die Bedeutung der verschlossenen Gräber in einer Kultur, mit der Israel direkt konfrontiert war, im alten Ägypten. "Nahezu alles, was wir von den Alten Ägyptern wissen, entstammt der Welt ihrer Gräber." (13) Zu den Pyramiden mit ihren verschlossenen Gräbern und zu den unterirdischen Grabanlagen im Königstal stehen die biblischen Erzählungen vom leeren und geöffneten Grab Jesu im scharfen Kontrast. Hier wird nicht mehr der mythische Faden weitergesponnen, sondern der letzte dunkle Untergrund der mythischen Welt aufgedeckt. Die Asche der Vergangenheit spielt keine Rolle mehr.

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Damit ergeben sich zwei radikal verschiedene Formen der Erinnerung: einerseits das zeitlose Zurückgehen über verschlossenen Gräbern und anderseits das bewußte Erinnern des geschichtlichen und gewaltsamen Todes Jesu und seiner Auferweckung durch den Gott der Liebe. Die erste Form des Erinnerns gehört zum Mythos, der sich an die Asche der Vergangenheit heftet und für den das Töten zugleich ein Geborenwerden ist. Die zweite Form ereignet sich in der eucharistischen Feier, die das Töten als Tat der sündigen Menschheit versteht und das Neugeborenwerden auf eine reine Initiative der göttlichen Liebe zurückführt.

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3) Der Opfergedanke im Nationalsozialismus

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Was bedeutet nun die so gewonnene Unterscheidung für unser 'memento'? Eckhard Nordhofen hat am Anfang dieses Jahres in der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" zu unserer Thematik u.a. folgendes geschrieben:

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"Hitlers Abschied vom Christentum restituiert das alte Sündenbock-Muster im großen Stil. Er gründet die Religion der Gewalt. Der 'größte Führer aller Zeiten', wie einer der messianischen Hoheitstitel Hitlers lautete, organisierte den größten Mord aller Zeiten als Gründungsakt seines 'tausendjährigen Reiches'. Die 'Endlösung' war gemeint als Ganzopfer und Gründungsmord, als 'Holocaust'." (14)

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Ist diese Sicht, die die Naziwelt als modernen und totalen Rückfall in die archaische Opferwelt deutet, überzeugend? Manche haben die Greueltaten des Dritten Reiches durch den Antisemitismus zu erklären versucht. Dieser spielte gewiss eine große Rolle. Eine ausschließliche Betonung dieses Faktors weckt aber Bedenken. Einerseits werden nämlich auf diese Weise die zahlreichen anderen Massenvernichtungsaktionen Hitlers (15) nicht erklärt, und anderseits gibt es keinen ungebrochenen Zusammenhang zwischen dem traditionellen Antisemitismus und dem des Nazireiches. Sebastian Haffner schreibt dazu:

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"Hitler hatte vor dem Kriege zweimal ausprobiert, wie die Masse der Deutschen auf offene Gewalttätigkeit gegen die Juden reagieren würde: bei dem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte durch die SA am 1.April 1933 und dem ebenso reichsweiten und ebenso von oben angeordneten Großpogrom vom 9. und 10. November 1938, das noch heute als 'Reichskristallnacht' bekannt ist. Das Ergebnis war von seinem Standpunkt beide Male negativ ausgefallen. Die deutschen Massen hatten nicht mitgemacht, im Gegenteil, vielfach hatte sich Mitleid mit den Juden, Verärgerung und Beschämung gezeigt - allerdings nicht mehr als das." (16)

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Ein ähnliches Urteil fällt der englische Soziologe Zygmunt Bauman, der die neuere Forschung so zusammenfaßt:

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"Es gibt eine evidente Diskontinuität zwischen dem traditionellen, vormodernen Judenhaß und dem modernen Vernichtungsplan, der für den Holocaust erforderlich war. Was die Massengefühle betrifft, gibt es eine stets wachsende historische Evidenz, die über alle vernünftigen Zweifel hinaus beweist, daß die Beziehung zwischen den gewöhnlichen, traditionellen, nachbarlichen und konkurrenzbedingten antijüdischen Gefühlen und der Bereitschaft, die Nazivision von der totalen Vernichtung zu teilen, fast nur negativ ist." (17)

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Wenn der traditionelle Antisemitismus für sich allein die Nazivision der totalen Vernichtung nicht erklären kann, wie konnte es dann zu dieser düsteren Vision und Realität kommen? Sebastian Haffner zeigt recht überzeugend, daß Hitler Leben und Sterben Deutschlands dem eigenen Leben und Sterben ein- und untergeordnet (18) und "Politik nach den Maßstäben seiner persönlichen Biographie"(19) gemacht hat. Trifft dies zu, dann ist neben der Frage, wie Hitler selber zur Vernichtungsvision kam, vor allem die zweite Frage wichtig, wie er es erreichen konnte, daß entscheidende Kräfte in Deutschland sich seinen Machtvorstellungen total untergeordnet, ja ausgeliefert haben. Wirtschaftliche Faktoren waren wichtig, können für sich allein diese Auslieferung aber nicht erklären. Deshalb wurde oft darauf hingewiesen, daß Hitler durch seinen eigenen fanatischen Glauben eine religiös-ekstatische Unterwürfigkeit zu erzeugen vermochte. In ihm sei der Fanatismus zur Religion geworden, wie Edgar Alexander schon 1937 diagnostiziert hat. (20) Diese Antwort bedarf noch einer näheren Präzisierung, denn es stellt sich die Frage, von welcher Art das Religiöse war, durch das Hitler viele fesseln konnte? In seinen Reden verband er immer wieder auf geschickte Weise die moderne biologistische Sicht, wonach es zur Natur und zum Leben des Lebenswerten gehört, daß es sich im dauernden Kampf durchsetzt, mit dem alten archaischen Opfergedanken. Bereits in 'Mein Kampf' spielte die Opferidee eine bedeutende Rolle(21), und sie wurde in den Reden des 'Führers' immer wichtiger. (22) Sie stand auch hinter den theatralisch-liturgischen Feiern in München oder bei den Reichstagen, die jeweils in "der Feier des Todes"(23) ihren Höhepunkt fanden. Auf diese Weise machte Hitler aus der modernen biologistischen Sicht eine quasireligiöse Vision, durch die er viele vereinzelte Individuen zusammenschweißen und zum totalen Einsatz für Volk und Führer aufpeitschen konnte.

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Mittels der mythischen Opfersprache hat auch der große Ideologe des Nationalsozialismus, Alfred Rosenberg, die Geschichte zu deuten versucht. In seinem Werk "Der Mythus des 20.Jahrhunderts" wird diese Sprache dort überschwänglich, wo sie auf das Ende des 1. Weltkrieges und auf jene traumatischen Erfahrungen Bezug nimmt, die auch für Hitler entscheidend waren (24):

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"Dieser neue und doch alte Blutmythus... war auch im Rücken der einzelnen Nation bedroht, als dunkle, satanische Kräfte überall hinter den siegenden Heeren von 1914 wirksam wurden, als wieder eine Zeit begann, da der Ferniswolf seine Ketten zerbrach, die Hel mit dem Geruch der Verwesung über die Welt zog und die Midgartschlange das Weltmeer aufpeitschte; aber all die Millionen und Abermillionen konnten nur hinter einer Losung zum Opfertod bereit gemacht werden. Dieses Losungswort hieß: des Volkes Ehre und seine Freiheit. Der Weltenbrand ging zu Ende, namenlose Opfer waren gefordert und gebracht worden von allen, da zeigte sich aber, daß die dämonischen Mächte über die göttlichen im Rücken der Heere gesiegt hatten." (25)

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Der Nationalsozialismus stimmte von Anfang an das deutsche Volk auf kommende Opfertote ein, die nicht mehr vergeblich sein durften. Diese Aufstachelung war möglich, weil in breiten Teilen der Bevölkerung Elemente des mythischen Opfergedankens noch sehr lebendig waren. Zwar hatte das aufklärerische und liberale Denken des 18. und 19. Jahrhunderts diese Vorstellungen kritisiert, ohne jedoch ihre untergründige Problematik zu sehen und zu verstehen. Für konservative Denker in ganz Europa - wie etwa Louis de Bonald, Joseph de Maistre oder Donoso Cortés - blieben die blutigen Opfer "eine geheimnisvolle, menschlich gesprochen geradezu unbegreifliche Institution"(26). In Deutschland fand sich die Faszination durch das Opfer sowohl bei christlichen wie bei nihilistischen politischen Denkern. "Die Idee des Opers" - so Martin Greiffenhagen - "fehlt bei keinem der konservativen Theoretiker. Sie reicht von Adam Müller bis zu Ernst Jünger und Carl Schmitt, der in seinem 'Begriff des Politischen' den Opfergedanken besonders herausstellt." (27) Franz Böhm konnte 1938 in seinem "Anti-Cartesianismus" schreiben: "Wenn wir uns heute zu dem Satz bekennen: das Opfer wird uns frei machen, so ist damit keineswegs nur eine äußere 'politische' Freiheit, sondern das entscheidende Ethos des deutschen Menschen gemeint..."(28) Greiffenhagen zeigt weiter, daß das konservative Interesse sich vom Wert, für den man sich töten läßt, ganz auf den Akt des Opfers selber verlagert hat. Das Ende dieser Entwicklung wird Ernst Jünger greifbar, der "überhaupt nicht mehr nach einem das Opfer rechtfertigenden Wert fragt, sondern das Erlebnis und den Prozeß des Opferns selbst als höchsten Wert behauptet"(29). Dieses konservativ-politische Opferdenken hatte bei allem sachlichen Abstand eine assoziative Nähe zur populären christlichen Verkündigung. Deshalb ist es nicht überraschend, daß trotz der liberalen Kritik der Opfergedanke zu Beginn des ersten Weltkrieges auf fast triumphale Weise ins öffentliche Bewußtsein zurückkehren konnte, und Millionen von anonymen Menschen im Laufe des Krieges in den Status heldenhafter Opfer erhoben wurden. (30) Diese verbreiteten Vorstellungen und das schmerzende Gefühl, die Toten des ersten Weltkrieges seien vergeblich gebracht worden, hat der Nationalsozialismus geschickt ausgenützt. (31) Auf diese Weise konnte er entscheidende Kräfte in Deutschland dazu gewinnen, sich erneut ganz für eine Sache zu opfern, und in diesem Kontext erschienen die Vernichtungsaktionen den Beteiligten auch in einem anderen Licht. (32) Das Töten war ein "höheres Werk" (33) wie das Töten durch Priester bei den archaischen Riten oder das Töten durch Scharfrichter, die das populäre Empfinden ebenfalls mit einer sakralen Aura umgeben hat (34). Die Vernichtungspolitik konnte deshalb vom nationalsozialistischen Denken, wie Dolf Sternberger zeigt, als Erlösungs- oder Befreiungstat ausgegeben werden. (35)

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4) Auschwitz als 'Ganzopfer'

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Welche Bedeutung haben diese Zusammenhänge für unser heutiges Erinnern und vor allem für unser Reden von Auschitz als einem 'Holocaust', einem 'Ganzopfer'? Elie Wiesel hat den Begriff 'Holocaust' eingeführt(36), und er wurde - von wenigen kritischen Stimmen abgesehen (37) - meistens problemlos übernommen. Wenn jedoch der Nationalsozialismus seine Vernichtunspolitik selber als Opfer verstanden hat, dann dürfte es äußerst bedenklich sein, wenn wir die gleiche Sprache benützen. Nordhofen sagt deshalb in seinem schon erwähnten Beitrag zu Recht:

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"Diese Theologisierung von Auschwitz, die sich im Begriff 'Holocaust' niederschlägt, übernimmt die Naziideologie unter umgekehrten Vorzeichen." (38)

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Die meisten von jenen, die gewohnheitsmäßig das Wort 'Holocaust' benützen, wollen sicher nicht die Naziideologie übernehmen. Dennoch hat eine Sprache immer auch ihre tieferen und unterschwelligen Gesetzmäßigkeiten. Achtet man auf diese, dann kann man Nordhofen nur zustimmen. Wer deshalb ganz bewußt die Vernichtung der Juden als ein 'Ganzopfer' bezeichnen will, knüpft tatsächlich an die Naziideologie an. Da im archaischen Verständnis Priester (sacerdos) und Opfer (victima) untrennbar zusammengehören, droht bei der Übernahme der rituellen Sprache auch eine Verwischung zwischen Opfern und Tätern. Beide werden dann zu Figuren in einem großen, alle Akteure und Opfer übergreifenden mythischen Geschehen.(39)

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Die Unterscheidung zwischen einem christlichen Erinnern im Sinne der eucharistischen Feier und einem mythischen Zurückkehren zur Asche der Vergangenheit hat Folgen bis in unsere Sprache hinein. Daß die Theologie, die in den letzten Jahrzehnten Auschwitz oft bedacht hat, für die Problematik im Wort 'Holocaust' nicht sensibel war, ist wohl ein Zeichen, daß auch die hintergründigen Zusammenhänge wenigstens teilweise unklar blieben. Für diese Vermutung gibt es deutliche Anzeichen, von denen ich abschließend einige nennen möchte:

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(1) In den sechziger- und siebziger Jahren gab es einen starken theologischen Trend zur Entmyhtologisierung. Man hielt den Mythos für eine total vergangene und überholte Angelegenheit. In den achtziger Jahren begann das Pendel in die Gegenrichtung zu schwingen, und manche fingen an, den Mythos als eine schöne und heilende Größe zu verkünden. Beide Richtungen haben sich aber nie ernsthaft mit dem "Mythus des 20.Jahrhunderts" und mit der Opferwelt im Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Gerade diese Welt zeigt aber, daß der Mythos weder überholt ist, wie man in den sechziger Jahren meinte, noch schön und heilend, wie man heute oft vorgibt. Das Lob des Polytheismus, wie es etwa von Odo Marquard gesungen wird (40), verkennt, daß damit auch der unversöhnliche Streit zwischen den Göttern und Göttinnen gegeben ist, ein Streit, der sich heute in nationalistischen, tribalistischen und quasireligiösen Kriegen und Gemetzeln - ehemaliges Jugoslawien, Somalia, Ruanda, etc. - leider nur allzu deutlich zeigt. Das Lob des Mythischen verkennt auch die pervers-moderne Form der archaischen Umwandlung des Bösen in Gutes, nämlich die Ästhetisierung des Satanischen. (41)

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(2) In jenen theologischen Kreisen, die der Judenvernichtung im Dritten Reich große Aufmerksamkeit geschenkt haben, entstand teiweise die Tendenz, Auschwitz zu einem ganz einmaligen Ereignis zu machen. Diese Tendenz war sicher gut gemeint, dennoch ist sie gefährlich. Wo nämlich die analogielose Einmaligkeit betont wird, dort entsteht notwendigerweise die Neigung, die Greueltaten aus der gewöhnlichen Geschichte herauszuheben und ihnen einen sakralen Status als Gründungsereignis zu verleihen, wie dies im selbsterdachten Mythos von Hans Jonas ausdrücklich und im Begriff 'Holocaust' indirekt geschieht. Diese Mythisierung führt jedoch langfristig nicht zu entschiedenerer Wachsamkeit gegen das Böse, sondern sie kann - weil sie dem mythischen Kreislauf verfangen bleibt - ungewollt dazu beitragen, die Rückkehr dessen vorzubereiten, was sie bekämpfen will.

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Massenvernichtungen gab es zu allen Zeiten. Einmalig war im Dritten Reich die systematisch geplante, bürokratisch organisierte und technisch-industriell durchgeführte Form des Massentötens. Gerade diese moderne Form des Vernichtens verlangt aber, daß Auschwitz im Zusammenhang mit andern Formen des technisch-industriellen Tötens gesehen wird. Zu Auschwitz gehören der Gulag und Hiroschima und als Vorzeichen für Kommendes vielleicht auch Tschernobil. Gemäß dem italienischen Kulturphilosophen Roberto Calasso besteht die spezifisch moderne Form des Opfers in einem immensen industriellen Unternehmen, das den Namen und die Erinnerung an die religiösen Opfer ausdrücklich verdrängt. (42) Deshalb ist es heute dringend nötig, nicht nur die weiterlebenden archaischen Traditionen aufzuarbeiten, sondern auch die modernen Metamorphosen der religiösen Opfer in der industriellen Welt kritisch zu betrachten. War es für diese technisch-industrielle Welt nicht ein willkommenes Mittel, durch die fast ausschließliche Betonung des Antisemitismus von jenen eigenen Problemen abzulenken, die sich in Auschwitz und Hiroschima erstmals so deutlich gezeigt haben?

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(3) Die viel gestellte Frage, wie Gott all die Greuel des Dritten Reiches zulassen konnte, verlangt große Vorsicht. Wird nämlich die Gottesproblematik direkt und unmittelbar mit Auschwitz verbunden, dann werden die Gasöfen fast notwendigerweise zu Opferstätten und zu Orten einer, wenn auch negativen göttlichen Manifestation, und Hitler wird zu einer zentralen Figur in einer sakral-mythischen Geschichte. Bei der Frage nach der Zulassung des Bösen ist es deshalb besonders wichtig, sie im Rahmen der eucharistischen Erinnerung zu stellen und nicht als Element in der Suche nach der Asche der Vergangenheit.

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Im Kontext der eucharistischen Erinnerung lautet die Frage zunächst: Wie konnte Gott die Verurteilung und den grausamen Tod seines eigenen Sohnes zulassen? Der Antwortversuch muß vom Kreuz selber und von Ostern ausgehen. Von diesen Ereignissen her wird zunächst deutlich, daß Töten und neues Leben nie - weder mythisch noch subtil dialektisch - identisch sind. Vom Kreuz und von Ostern her zeigt sich ferner, daß das größte Böse in der Geschichte, die Tötung des Sohnes Gottes, durch eine unbegreifliche Gabe der Verzeihung beantwortet wurde. Damit erhalten wir zwar keine direkte Antwort, weshalb Gott das Böse zuläßt, wohl aber zeigt sich in der Überwindung des zugelassenen Bösen eine Liebe, die alle weiteren Fragen verstummen lassen kann. Es ist eine Liebe, die das Leiden nicht direkt sucht, die aber in der Annahme erlittenen Leides eine Tiefe offenbart, der man sich nur ehrfürchtig aussetzen kann. Diese Liebe verliert man aus dem Blick, sobald man sich ihr berechnend - etwa die Opfer zählend oder Schuld und Leid quantitativ abwägend - naht. In diese Liebe, die im erlittenen Leid sich kundtut, haben wir uns zu vertiefen, wenn wir etwas von der Zulassung des Bösen erahnen wollen. Auschwitz kann uns helfen, uns bewußter in das Geheimnis vom Kreuz und von Ostern zu versenken. Auschwitz bringt aber meinem Urteil nach nichts Neues zur Gottesfrage. Suchen wir dennoch etwas Neues in den Greueltaten zu finden, dann machen wir uns nur auf die Suche nach der Asche der Vergangenheit und wir fallen in archaische Opfervorstellungen zurück.

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Anmerkungen:

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 1. Wörterbuch der Mythologie. I/V Götter und Mythen des indischen Subkontinents. Hg. v. H.Haussig. Stuttgart 1984, 577.599.620.642.705.

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2. The Padma-Purna. Ancient Indian Tradition and Mythology Series. Part VI. Translated and annotated by. N.A.Deshpande. Delhi 1990, 2153-2186.

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3. Ebd. 2186-2192.

51
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4. K.Klostermeier, Hinduismus. Köln 1965, 78.

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5. Ebd. 111.

53
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6. A.Jensen, Die getötete Gottheit. Weltbild einer frühen Kultur. Stuttgart 1966.

54
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7. C.Bandera, The Sacred Game. Pennsylvania 1994, 153 (eigene Übersetzung).

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8. H.Jonas, Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Frankfurt a.M. 1987, 14.

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9. Ebd. 15.

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10. Ebd. 48.

58
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11. H.Henrix, Auschwitz und Gottes Selbstbegrenzung. Mönchengladbacher Manuskripte 1989. 10.

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12. R.Girard, Das Ende der Gewalt. Übersetzt v. A.Berz. Freiburg i.Br. 1983, vor allem 168-172.

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13. E.Drewermann, "Ich steige hinab in die Barke der Sonne". Olten 1989, 77.

61
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14. E.Nordhofen, Beleuchtung des schwarzen Loches. in: "Die Zeit", 3.März 1995, 67.

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15. S.Haffner nennt folgende Aktionen und Zahlen: am 1.Sept. 1939 Befehl zur Massentötung von Kranken (in 2 Jahren etwa 100'000 Opfer); Ende September 1939 Beginn der Ausrottungsaktion gegen Zigeuner (wahrscheinlich etwa 500'000 Opfer); ab Oktober 1939 Massenmord der polnischen Intelligenz- und Führungsschicht (wahrscheinlich über eine Million Opfer); am 30. März 1941 Anweisung zur kommenden Massenvernichtung in den russischen Gebieten (bis April 1942 etwa 560'000 Exekutierte, und im ganzen etwa 3 Millionen Verhungerte)(Anmerkungen zu Hitler. München 231983, 166-172). - G.Aly hat in seinem Werk 'Endlösung' ausführlich den Zusammenhang zwischen der Vernichtung der Juden und der umfassenden 'Umvolkungspolitik' herausgearbeitet, und dabei gezeigt, "daß die Betrachtung der 'Endlösung' und der Judenverfolgung überhaupt nicht aus dem Hauptstrom des deutschen Nationalismus in der Epoche der beiden Weltkriege herausgelöst werden kann - eines Nationalismus, der sich der Expansion nach Osten und dem Aufbau einer umfassenden deutschen Ostsiedlung längst verschrieben hatte, bevor Hitler an die Macht gelangte." (H.Mommsen, Spitze des Eisberges. In: "Die Zeit", 26. Mai 1995, 16).

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16. Haffner, Anmerkungen zu Hitler, 175.

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17. Z. Bauman, Modernity and the Holocaust. Ithaca 21993, 185 (eigene Übersetzung).

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18. Haffner, Anmerkungen zu Hitler, 27.30f.

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19. Ebd. 202.

67
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20. E.Alexander, Der Mythus Hitler. In: Theorien über den Faschismus. Hg. von E.Nolte. Köln 31972, (Neue Wissenschaftliche Bibliothek 21. Geschichte), 320-337.

68
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21. A.Hitler, Mein Kampf, München 209-2101934, 47.67.167.202.219-224.251.325-303.351.366.370.449.461.470.474.

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22. Vgl. "Es spricht der Führer", 7 exemplarische Hitler-Reden. Hg. von H.v.Kotze - H.Krausnick. Gütersloh 1966.

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23. J.Fest, Hitler, Frankfurt a.M 61974, 699.

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24. "... November 1918 war sein (Hitlers) Erweckungserlebenis." (Haffner, Anmerkungen zu Hitler, 19).

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25. A.Rosenberg, Der Mythus des 20.Jahrhunderts. München 441934, 698 (213'000 Exemplare von 1930-34).

73
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26. D.Cortés, Der Staat Gottes. hg. von L.Fischer. Karlsruhe 1933, 338.

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27. M.Greiffenhagen, Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland. Frankfurt a.M. 1986, 195.

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28. R.Böhm, Anti-Cartesianismus. Leipzig 1938, 218.

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29. Ebd. 196.

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30. "In August 1914, the entire liturgical apparatus of sacrifice was once again unpacked from the trunks. The bloody images were dusted off and made the center of attention in homes and newspapers." R.Calasso, The Ruin of Kasch. Translated by W.Weaver and St.Sartarelli. Cambridge (USA) 1994, 136.

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31. Vgl. Greiffenhagen, Dilemma, 197.

79
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32. "Die Identifizierung mit einem überpersönlichen Prinzip wirkte entlastend und verwandelte Kampf, Mord und 'Blutopferung' in Akte demütiger Erfüllung eines göttlichen Gebots: 'Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn', hat er [Hitler] in 'Mein Kampf' geschrieben, und fast zwanzig Jahre später, mitten in Krieg und Ausrottung, nicht ohne moralische Befriedigung versichert: 'Ich habe das reine Gewissen gehabt.'." (Fest, Hitler, 299f).

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33. Obwohl die argentinische Militärdikatatur von 1976 bis 1983 weit weniger mythisiert wurde als das Hitlerreich, sagt A.F.Scilingo, ein ehemaliger Korvettenkapitän, zu den militärischen Mordaktionen: "Niemand tat es gern, es war nichts Angenehmes. Aber es wurde gemacht, es wurde nicht darüber diskutiert. Es war etwas Höheres, das man für das Land tat. Ein höheres Werk." Zitiert in: K.Ambos, "Ich fühle mich als Mörder". in: "Die Zeit" 19. Mai 1995, 10.

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34. Vgl. M.Herzog, Scharfrichterliche Medizin. Zu den Beziehungen zwischen Henker und Arzt, Schafott und Medizin. in: Medizinhistorisches Journal 29 (1994) 309-331.

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35. Sternberger, Drei Wurzeln der Politik, 431-439. - Auch Z.Bauman betont, daß die Endlösung nur möglich wurde, weil es den Nazis zuerst gelungen ist, die Juden, die man kannte, aus der Gesellschaft zu verdrängen und sie so zu 'mythologischen' oder 'metaphysischen' Juden zu machen. (Modernity and the Holocaust, 187.189).

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36. "Das Wort Holocaust habe ich, ohne zu ahnen, was daraus werden würde, in den frühen sechziger Jahren zum ersten Mal für die Vernichtung der europäischen Juden gebraucht. Ich bin nicht sicher, daß ich damit das Richtige getan habe." E.Wiesel, Ein Volk auslöschen. in: "Die Zeit", 14. April (Nr.16) 1995, 50.

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37. "Theologisch kann man es nicht verantworten, diese Bedeutung [Holocaust als Ganzopfer] auf den systematischen Mord an sechs Millionen Juden anzuweden. Als Begriff mit dieser sicherlich nur halbbewußten Konnotation macht sich 'Holocaust' ideologieverdächtig: als ginge es um die Ästhetisierung und moralische Beschönigung der Wirklichkeit in einem religiösen Mythos." J.Kohn, Haschoah. Müchen 1986, 28. - vgl. auch: J.J.Petuchowski, Mein Judesein. Wege und Erfahrungen eines deutschen Rabbiners. Freiburg i.Br. 1992, (Herder/Spektrum 4092), 146.

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38. E.Norhofen, Beleuchtung des schwarzen Loches, in: "Die Zeit", 3.März 1995, 67.

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39. Für E.Jünger war auch der Kampf eine mythische Vermischung zwischen den Feinden: "Wenn wir aufeinanderprallen im Gewölk von Feuer und Qualm, dann werden wir eins, dann sind wir zwei Teile von einer Kraft, zu einem Körper verschmolzen. Zu einem Körper - das ist ein Gleichnis besonderer Art. Wer es versteht, der bejaht sich selbst und den Feind, der lebt im Ganzen und in den Teilen zugleich. Der kann sich eine Gottheit denken, die die bunten Fäden sich durch die Hände gleiten läßt - mit lächelndem Gesicht." (Der Kampf als inneres Erlebnis. Berlin 1922, 108).

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40. O.Marquard, Lob des Polytheismus. Über Monomythie und Polymythie. in: Philosophie und Mythos. hg.von H.Poser. Berlin - New York 1979, 40-58.

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41. Vgl. N.Bolz, Das Böse jenseits von Gut und Böse. in: Das Böse. hg. von C.Colpe - W. Schmidt-Biggemann. Frankfurt a.M. 1993, 256-273.

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42. Calasso, Ruin of Kasch, 156.

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