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Herlinde Pissarek-Hudelist 70

Autor:Heizer Martha
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:Sie war von 1984 bis 1994 Professorin für Katechetik/ Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Innsbruck, weltweit die erste Dekanin einer Theologischen Fakultät (1989-93),Vorstandsmitglied der „Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie" und Gründungsmitglied der „Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR)".
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2002-06-24

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Anlässlich des 70. Geburtstages, den Herlinde Pissarek-Hudelist am 5, Juni 2002 gefeiert hätte, hat sich die Fakultät und ein breiter Freundeskreis mit Freude und Wehmut an sie erinnert.

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Elisabeth Moltmann-Wendel, Tübingen, eine der Gründer-Mütter der feministischen Theologie im deutschen Sprachraum, erzählte aus ihrer gemeinsamen Arbeit am „Wörterbuch Feministische Theologie" und von den vielen intensiven theologischen Erörterungen, die sie gemeinsam geführt hatten, von ihrer unnachahmlichen Art, „die Fragen der Tradition, ohne sie arrogant abzutun, mit den Themen der Feministischen Theologie zu verknüpfen und dabei in kein Entweder-Oder-Denken zu verfallen" und betonte ihre Fähigkeit, Theologie als Therapie zu begreifen und „vom Ansatz beim Menschen, bei den verletzten Frauen, immer neu zu beginnen". Sie nannte auch jene großen Fragen, an denen Herlinde Pissarek-Hudelist noch weiterarbeiten wollte und nicht mehr dazu kam - und die noch immer dringende Aufgaben für die Feministische Theologie darstellen: aus dem reichen Schatz von Frauenerfahrungen sind Perspektiven der Ewigkeit zu entdecken, damit auch die Feministische Theologie zu einer Theologie wird, „mit der wir leben und sterben können". Die Jesusgestalt, an die sich die jahrhundertelangen Hoffnungen der Kleinen, Ohnmächtigen und Leidenden geknüpft haben, ist in ihrer erlösenden Lebenskraft auch für Frauen nicht zu schmälern - und mitunter wieder neu zu erschließen. Und schließlich bleibt die Frage nach der christlichen Identität: „Wer nirgends steht, wird uninteressant. Wer nichts an Reibungsfläche zu bieten hat, wird langweilig."

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Silvia Arzt, Religionspädagogin in Salzburg, eine der renommierten jungen feministischen Theologinnen, warf einen Blick auf die triste Situation von feministischen Frauen an den Universitäten unter den Aspekten „Gleichheit" und „Differenz" und forderte alle Verantwortlichen auf, „in Hinkunft in ihren Projekten, Aufträgen etc. Frauen und Männer als Problem immer mit zu denken, das Geschlechterverhältnis also auf allen Ebenen ihres Tuns zu berücksichtigen. Anders gesprochen, die Gender Perspektive soll in den politischen Mainstream aufgenommen werden."

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Sie beschrieb zentrale religionspädagogische Anliegen von Herlinde Pissarek-Hudelist. „Sie hat spannende Anfragen an ihr Fach gestellt. Unter anderem:

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Sie sieht, dass die Vielfalt biblischer Gottesbilder nicht wahrgenommen und eingeschränkt vermittelt wird und wünscht sich ein volleres, farbigeres, leuchtenderes Bild von Gott, das mehr Atem- und Freiraum für Frauen in der Kirche mit sich bringt (Als Frau von Gott erzählen, 115)

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Sie fordert, alle Erziehungs- und Lehrziele, Lehrbücher und sonstige Medien auf die Frage hin zu überprüfen, ob sie Mädchen und Jungen, Frauen und Männern dazu helfen, eine befreiende Partnerschaft und Geschwisterlichkeit zu leben (Christliche Erziehung, 182)

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 All dies ist erst in Anfängen geleistet. Und ist noch zu tun".

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Zum Schluss entführte uns Silvia Arzt nach Utopia: zur Feier des 100. Geburtstags von Herlinde Pissarek-Hudelist 2032 und beschrieb die „Herlindiana", die Feministisch-Theologische Hochschule in Österreich.

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(„Natürlich sind auch der Bischof und die Bischöfin der Diözese Innsbruck anwesend. Vor zwei Jahren wurden sie gewählt. Die Kirche wird in kollegialen Gremien geleitet, immer zumindest von einer Frau und einem Mann. Denn die Kirche hat gelernt, dass der Mensch immer zwei ist, er nur als Mann und Frau Abbild Gottes ist.") Diese hoffnungsvollen Zukunftsaspekte lösten Schmunzeln und Zuversicht - und Nachdenklichkeit - aus.

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Und schließlich berichtete Helen Schüngel-Straumann, Professorin für Biblische Theologie in Kassel, von ihren konsequenten Bemühungen, eine „Stiftung für Feministische Theologie" ins Leben zu rufen, in deren Rahmen (ungehindert) feministisch-theologische Studien betrieben werden können und die alle Materialien Feministischer Theologie von ihren Anfängen an sammelt und archiviert.

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Im Anschluss an den Studienteil gingen die TeilnehmerInnen zum Grab, um dort einen Rosen-Kranz niederzulegen.

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In der Jesuitenkirche feierte dann P. Hasitschka SJ mit der Fest-Gemeinde einen Gottesdienst, in dem besonders die befreiende Botschaft des Christentums, die für Herlinde Pissarek-Hudelist immer die zentrale war, betont wurde.

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Den Abschluss bildete ein Buffet, das die Axamer Bäurinnen vorbereitet hatten, und das den Rahmen für viele erinnernde und zukunftsträchtige Gespräche bot.

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