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Das Projekt 'Sozialwort'
(- ein ökumenischer Meilenstein?)

Autor:Hell Silvia
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:Das Projekt 'Sozialwort' kann als ein ökumenischer Meilenstein gewertet werden: 14 verschiedene christliche Kirchen aus westlicher und östlicher Tradition machen sich gemeinsam auf den Weg, um ihrer sozialen Verantwortung als Kirche nachzukommen. Verkündigung ereignet sich auch im sozialpolitischen Engagement; Mystik und Politik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Kirchen müssen dort ihre Stimme erheben, wo Menschen unter die Räder kommen, wo menschenunwürdige Strukturen Leben verunmöglichen.
Publiziert in:# Veröffentlicht in: Ölbergflitzer 5 (19. März 2002) 4
Datum:2002-06-19

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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"Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi" - mit diesen Worten beginnt die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils 'Gaudium et Spes' (Nr. 1, 1965). Damit wird eine Grunddimension der Kirche angesprochen. Die Kirche ist eine zutiefst prophetisch-diakonische Existenz: prophetisch, weil sie immer dort ihre Stimme erheben muß, wo es ungerechte Strukturen gibt und Menschen unter die Räder kommen; diakonisch, weil sie den Gott-mit-Uns zu bezeugen hat und sie dies nur tun kann, wenn sie eine klare Option für den Menschen trifft. Das Wort "Existenz" ist ihr auf den Leib geschrieben: "ex"-"sistere" - aus sich und über sich hinausstehen. Die Kirche ragt in doppelter Hinsicht über sich hinaus: Sie ist Raum für die in Begegnung geschehende Menschwerdung des Menschen und für die sich darin ereignende Begegnung mit Gott, der sich in seinem Mensch gewordenen Sohn in die tiefsten Tiefen menschlicher Existenz hinabbegeben hat und weiterhin begibt.

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Es kann tatsächlich als ein Meilenstein gewertet werden, wenn sich 14 verschiedene christliche Kirchen aus westlicher und östlicher (!) Tradition gemeinsam auf den Weg machen, um ihrer sozialen Verantwortung als Kirche nachzukommen. Erstmals ist es gelungen, die soziale Praxis der Kirchen und die politischen und gesellschaftlichen Trends in gemeinsamer ökumenischer Verantwortung zu beschreiben. Aus mehr als 500 Einsendungen von Privatpersonen und Institutionen (6.200 Seiten!) wurde ein auf 183 Seiten gekürzter, gut lesbarer Sozialbericht erstellt. "Die Sozialarbeit der christlichen Kirchen", so heißt es im Faltblatt zum Sozialbericht, "ist für Österreich unersetzlich und in der Öffentlichkeit weitgehend unbestritten - und wird angesichts der zunehmenden 'Privatisierung' wichtiger sozialer Aufgaben des Staates weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig aber bedrohen eine Vielzahl finanzieller und gesellschaftlicher Entwicklungen, aber auch innerkirchliche Probleme die künftige Aufrechterhaltung dieses entscheidenden Dienstes an der Solidarität und Nächstenliebe - und damit den 'sozialen Grundwasserspiegel' in unserem Land."

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Soziales Engagement ist ein wesentlicher Grundzug gelebter christlicher Existenz. Den 14 christlichen Kirchen, die alle im Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs vertreten sind und beim Projekt 'Sozialwort' mittun, ist vermutlich bewußt geworden, daß Verkündigung das sozialpolitische Engagement miteinschließt. Mystik und Politik können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Spiritualität darf nicht in den Binnenraum der Kirche zurückgedrängt werden. Alle Kirchen sollen, so wird von verschiedener Seite gefordert, ihren 'sozialpolitischen Flügel' stärken, "neben ihrer spirituellen und karitativen Arbeit auch die Bewußtseinsbildung und das politische Engagement" (Faltblatt) intensivieren. Die Kirchen "müßten bestehende Strukturen des Unrechts und der Verhinderung von Chancengleichheit weit deutlicher als bisher benennen und unbeirrt von gesellschaftlichen Trends und politischer Opportunität ein überzeugender Anwalt der Würde des Menschen vom Embryo bis zum Sterbenden sein" (ebd.).

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Im mittlerweile vorliegenden Sozialbericht wird eine Fülle von Problemen, Wünschen und Forderungen an Kirchen, Gesellschaft und Politik gestellt. Nach einem über mehrere Monate andauernden breiten Diskussionsprozeß soll ein gemeinsames Sozialwort aller christlichen Kirchen erstellt werden - "als Appell an Kirchen, Öffentlichkeit und Staat - und als ein Versuch, konkrete Wege aus den erkannten Problemen und Schwierigkeiten aufzuzeigen" (ebd.).

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Zum Projekt 'Sozialwort' gibt es an unserer Fakultät ein Seminar, das zusammen von o. Univ.Prof. Dr. Franz Weber und mir geleitet wird. In Form einer Projektarbeit wird der Sozialbericht kritisch analysiert, Mangelhaftes aufgedeckt und eventuell Fehlendes eingefordert. Die Ergebnisse des Seminars werden an die Katholische Sozialakademie Österreichs weitergeleitet und bei der Erstellung des Sozialwortes berücksichtigt werden.

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Weitere Information dazu:

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Internet: www.sozialwort.at

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e-mail: sozialwort@ksoe.at

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Adresse: Katholische Sozialakademie - Schottenring 35 / DG, A-1010 Wien.

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