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Priesterinnenweihe

Autor:Rotter Hans
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:Viele Frauen sind mit ihrer Stellung in der katholischen Kirche unzufrieden. Manchen ist offenbar die Geduld ausgegangen. So werden etwa 12 Frauen am 29. Juni geweiht werden. Diese Konsekration ist unerlaubt und nach Meinung vieler Kanonisten auch ungültig. Auf jeden Fall liegt hier ein massiver innerkirchlicher Konflikt vor, der aber mit großer Behutsamkeit behandelt werden sollte und theologisch wohl auch nicht so klar ist, wie das in einer kanonistischen Sicht erscheint.
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2002-06-10

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Am 29. Juni wollen sich zwölf Kandidatinnen zu Priesterinnen der katholischen Kirche weihen lassen. Zu diesem Vorhaben ist von amtlicher Seite Gültiges gesagt worden, besonders was die Sicht des Kirchenrechtes angeht. Auch der Vorstand meines Institutes, Prof. Dr. Jozef Niewiadomski, hat sich dazu eindeutig geäußert (In: Kirche In, Nr. 6/2002). Die Weihen wären wohl ungültig. Sie brächten die Gefahr einer Spaltung in die Kirche, bei dem Versuch, die priesterlichen Funktionen auszuüben, würde die Strafe der Exkommunikation eintreten, es könnte dem Anliegen der Frauen in der Kirche Schaden zugefügt werden usw. Diese Einwände haben ja auch die Plattform "Wir sind Kirche", die die Anliegen des Kirchenvolksbegehrens weiterträgt, das von Anfang an die Zulassung der Frau zur Priesterweihe gefordert hatte, bewogen, zu dem angekündigten Vorhaben auf Distanz zu gehen,.

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Allerdings scheint mir die Sache auch noch andere, besonders pastorale Seiten zu haben, die vielleicht deutlicher gesehen werden sollten. Da ist zunächst der Wille von Johannes Paul II, dass die Unmöglichkeit des Empfanges des Ordo für Frauen als endgültig entschieden betrachtet und nicht mehr weiter diskutiert werden soll. So klar diese Aussage ist, so ist dabei zu bedenken, dass in dem vom Papst sehr gewünschten und geförderten ökumenischen Gespräch mit andern christlichen Kirchen, die aber inzwischen die Weihe von Frauen eingeführt haben (Anglikaner, Altkatholiken, Lutheraner usw.), dieses Thema notwendiger Weise diskutiert werden muss. Ist dieser Punkt tatsächlich kirchentrennend? Wenn nicht, dann wird sich doch wieder die Frage stellen, ob ein Ordo der Frau tatsächlich auch künftig für die katholische Kirche undenkbar ist.

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Der Standpunkt des Kirchenrechtes steht derzeit fest. Aber weniger eindeutig scheint mir die Frage zu sein, ob das Kirchenrecht in diesem Punkt nicht geändert werden kann. Als sich Levebvre und seine Anhänger in Opposition zum Vaticanum II begeben haben, und schließlich auch unerlaubte Bischofsweihen vorgenommen wurden, reagierte Rom sehr behutsam und machte große Anstrengungen, machte auch erstaunliche Konzessionen, um eine Spaltung zu vermeiden. Wäre das nicht auch bei einer Priesterweihe von Frauen angebracht? Wäre es nicht empfehlenswert, im Vatikan einen ähnlichen Rat für das Gespräch mit der Gruppe dieser ungeduldigen Frauen einzurichten, wie man das analog für das Gespräch mit den Levebvrianern getan hat.

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Denn das eine dürfte klar sein: Wenn die Kirche auf die bevorstehenden Weihen mit voller Härte des Kirchenrechts reagiert, wird das viele Frauen, die mit ihrer Stellung in der katholischen Kirche nicht zufrieden sind, sehr kränken. Das würde eine verbreitete Empörung vieler Frauen bestärken oder sie noch tiefer in die Resignation treiben. Man hat oft von der Gefahr oder auch der Tatsache einer Entfremdung, bzw. einer heimlichen Auswanderung der Frauen aus der Kirche gesprochen. Man sieht darin nicht selten eine Parallele zur Auswanderung der Arbeiter im 19. Jahrhundert. Insofern handelt es sich hier sicher um eine brisante Angelegenheit, in der eine große Behutsamkeit des Vorgehens wünschenswert ist. Darauf sollte man auch in der theologischen Diskussion um dieses Thema Bedacht nehmen.

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Es wird nicht viel bringen, nur ein schweres Vergehen gegen das Kirchenrecht zu konstatieren. Wichtiger scheint mir die Frage nach den Ursachen des ganzen Geschehens zu sein. Die Frauen, die sich da weihen lassen wollen, sind nicht zu beneiden. Warum haben sie, darunter etwa Dr. Ida Raming und Dr. Iris Müller, sich dann dazu entschlossen? Sollte man ihr Anliegen nicht doch ernst nehmen? Sind wirklich die theologischen Gründe für den Ausschluss der Frau aus dem Ordo, eventuell auch aus dem Diakonat so zwingend, dass man davon theologisch gebildete Frauen überzeugen kann und dass es unmöglich ist, in dieser Richtung auch noch offene Türen zu sehen?

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