Gebet für Papst Franziskus. Anstatt eines Kommentars zur jetzigen Situation

von
Józef Niewiadomski
Kommentar

(erstmals publiziert in einem Sammelband bei Styria 2014)

Vom ersten Augenblick seines Pontifikats an,
o Herr,
hast du ihm und deiner Kirche
geschenkt:
den Rausch des Palmsonntags.

Vom Geist erfüllt, rief Franziskus
der ahnungslosen Menge zu:
„Buona sera“,
und Millionen von Herzen flogen ihm zu.
Die Spötter verstummten.
Nur die im Guten Verhärteten
versteinerten noch mehr
vor so viel Spontaneität.
All die Suchenden aber,
und auch all jene, deren Herz schon längst brannte,
beteten für den Bischof von Rom
und seine Kirche des Karsamstags:
die Kirche der Grabesruhe,
die Kirche der Erinnerung
an bessere Zeiten,
die Kirche der Resignierten.

Vom Rausch des Palmsonntags trunken,
fragen wir uns ängstlich,
o Herr,
ob auch ihm die Nacht im Garten Getsemani
zuteil werde,
ob er nicht schon längst
sein Gebet spricht:
„Möge dieser Kelch an mir vorübergehen.“

Wir bitten dich, o Herr, für ihn
und wir bitten für deine Kirche
um Beistand des Geistes
und um Kraft,
sollte er mal zum Sündenbock
all jener werden, die enttäuscht sich abwenden
und nicht einmal „Kreuziget ihn“ schreien.

Wir bitten dich, o Herr, für die Kirche des Karfreitags:
die Kirche der Leidenden,
die Kirche der an den Rand Gedrängten,
die Kirche der Hoffenden
wider den gesunden Menschenverstand.

Und wir danken dir
für all die Dramatik der kirchlichen Karwoche,
für dein Mitgehen
mit uns:
den Enttäuschten,
den Suchenden,
den im Guten Verhärteten,
den Spöttern
und den ganz Normalen.
Nach Emmaus flüchtend
Danken wir dir doch noch
für deine Worte:
„Begreift ihr denn nicht?“

Franziskus hat es ja begriffen.
Sein Herz brennt ja schon längst.
Lass es,
o Herr,
noch lange brennen.
Und unsere Herzen
Entflammen.

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