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Promotion und Sponsion (24.Nov.2001)
(Ansprache des Dekans)

Autor:Schwager Raymund
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2001-12-07

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Sehr geehrter Herr Rektor, sehr geehrte Damen und Herren

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Mit der heutigen Feierstunde soll ein Abschnitt in Ihrem Leben, liebe Absolventinnen und Absolventen, öffentlich markiert werden. Sie treten aus der Zeit des Studiums heraus und sind im Begriff, neue Aufgaben in ihrem beruflichen Leben zu übernehmen. Die theologische Fakultät hofft, dass das Studium ihnen bei der Vorbereitung auf diese Verantwortung geholfen hat. Mehr als bei anderen Fächern ist die Beschäftigung mit der Theologie nicht bloß eine distanzierte und akademische Angelegenheit. In ihr geht es letztlich um die wichtigsten Fragen im Leben: Woher kommen wir? Was sind wir im tiefsten? Was ist unser letztes Ziel? Zwar gibt es auch im Theologiestudium den Alltag. Als Studierende hatten sie sich mit viel Stoff, mit Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen zu beschäftigen. Ich hoffe aber, dass sie trotz des vielen die letzten Fragen, die den akademischen Rahmen teilweise sprengen, immer wieder mitgehört haben: Was bedeutet für mich persönlich jene Wirklichkeit, die wir Gott nennen?

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Wir leben in Welten, in der Vordergründiges das Feld beherrscht - dies gilt für die Wissenschaften und die Wirtschaft, für die Medien und die Politik. Die letzten Fragen werden oft nur noch schwach und in Randsituationen des Lebens gehört. Das religiöse, christliche und kirchliche Leben ist deshalb in der Öffentlichkeit Westeuropas während der letzten Jahrzehnte zurückgegangen. Die Zahl der Studierenden an unserer Fakultät ist - verglichen mit anderen Fakultäten - entsprechend klein. Das Vordergründige ist aber längst nicht immer das Wichtigste, und ich bin zutiefst überzeugt, dass Stimmen, die leise klingen, auf Dauer in der Geschichte wirkmächtiger sein können als das, was stark aus Lautsprechern tönt.

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Dass die vordergründige und oft glanzvoll erscheinende Welt auch ihre Risse hat, haben wir in den letzten Wochen erlebt. Wir haben ebenso erfahren, dass Religionen in der weltweiten Öffentlichkeit weiterhin eine Rolle spielen, wenn auch bisweilen eine bedenkliche. Die Theologische Fakultät hofft, dass sie, liebe Absolventinnen und Absolventinnen, gelernt haben, in diesen komplexen Problemzusammenhängen etwas klarer zu sehen. In Zukunft werden gewiss nochmals neue Fragen und Herausforderungen auf sie zukommen. Im existentiellen und religiösen Bereich wird sich auch vieles nie so lösen lassen, wie man technische Probleme löst. Die Religionsgeschichte und die Glaubensgeschichte Israels und der Kirche zeigen vielmehr, dass große Probleme, die ganze Völker oder einzelne in ihren tiefsten Schichten betreffen, oft nur hoffend und leidend durchgestanden werden können.

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Ein gemeinsames und dauerhaftes Mitgehen, Mitdenken und Mittragen ist deshalb wichtig. Aus diesem Grund hoffe ich, dass mit dem Ende Ihres Studiums die Kontakte zwischen Ihnen und der Fakultät nicht abbrechen werden. Um diese Kontakte - trotz des äußeren Abschiednehmens - zu erleichtern, haben wir in den letzten Wochen in der Homepage unserer Fakultät einen eigenen Leseraum eingerichtet, in dem sich Kommentare, Mitteilungen und grundsätzliche Artikel finden, die über die Arbeit, die Forschung und die Anliegen der Fakultät informieren. Wir hoffen so einen Kreis von Leser und Leserinnen zu finden, die am Leben der Fakultät ständig etwas Anteil nehmen. Dies soll aber nicht eine Einbahnstraße sein. Deshalb haben wir auch einen Verein von Absolventen und Freunden der Fakultät gegründet, und wir träumen davon, dass über diese Kontaktstelle viele Anregungen und Hilfen von außen zu uns zurückfließen werden. Sie alle sind deshalb herzlich eingeladen, Mitglieder dieses Vereins zu werden, um so mit dem Leben der Fakultät in einem dauernhaften und direkten Kontakt zu bleiben oder neu zu treten.

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Im Augenblick wollen wir uns aber einfach freuen, dass Sie, liebe Absolventinnen und Absolventen, ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Bei der nun folgenden Promotion und Sponsion werden sie einzelnen mit Namen aufgerufen. Sie sollen so auch in dieser Feier je persönlich hervortreten, und darin vielleicht ein kleines Zeichen sehen, dass Gott jeden bei seinem Namen ruft und jeder und jedem eine persönliche Berufung gibt.

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