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Ein Leben, das „nach oben offen ist“
(Predigt in der Jesuitenkirche Innsbruck, 2. Juli 2017)

Autor:Findl-Ludescher Anni
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2017-07-05

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Predigt zu Mt 10,37-42

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„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach …“ In jeder Eucharistiefeier sprechen wir dieses Gebet. Auch heute – in ca. 20 min. vor der Kommunion - wird es wieder soweit sein. Ein vertrauter, gewohnter Satz. Für manche ist dieses „Herr, ich bin nicht würdig…“ eine Formulierung, an der sie sich immer wieder stoßen. Was soll das bedeuten, „nicht würdig zu sein“? Bin ich nicht gut genug so wie ich bin? Nicht einmal hier in der Kirche? … Heute im Evangelium begegnet uns drei Mal die Formulierung „ist meiner nicht würdig“ Wenn wir die Eltern mehr lieben als Jesus, sind wir seiner nicht würdig. Wenn wir unsere Kinder mehr lieben als ihn, sind wir seiner nicht würdig. Und wenn wir nicht das Kreuz annehmen und ihm nachgehen, sind wir seiner nicht würdig. – Was will er da von uns?

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Wenn ich unterwegs bin, in der Stadt oder bei einer Veranstaltung, dann kommt es oft zu kurzen Begegnungen, die ungefähr so ablaufen: Hallo! Geht es dir gut? Und der Familie? Alles gesund?

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Das ist so der übliche small-talk, höfliche Gepflogenheit. Aber de facto werden in diesen kurzen Gesprächen die Heiligtümer unserer Zeit abgefragt: Das eigene Wohlergehen, die Familie, die Gesundheit – das sind die Heiligtümer unserer Zeit. Das steht ganz hoch oben auf unserer Werteskala, alle Umfragen bestätigen das.

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Und punktgenau darauf zielt Jesus hin: Die Familie ist das höchste! Nein: wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als Jesus, ist seiner nicht würdig. Die eigene Zufriedenheit, ein gutes Lebenskonzept ist das wichtigste und natürlich das Allerwichtigste: die Gesundheit! Nein: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist seiner nicht würdig und: Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren.

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Unsere selbstverständliche Ordnung der Werte wird gründlich hinterfragt.

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Beim Hören, beim Nachdenken tut sich eine Spannung auf. Diese Radikalität Jesu ist schwer zu ertragen. Ich rette mich in die Deutung, dass diese Worte ja nur zu den 12 gesagt werden, nicht zur großen Menge. Dass sie also nur für die gelten, die Jesus ganz exklusiv nachfolgen: für Heilige und Märtyrer oder jedenfalls Ordensleute und Priester, … Aber schon während ich mir diese Deutung so zurecht lege, merke ich, dass Wahrheit darin liegt – auch für mich, für uns.

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Von Martin Walser stammt die Formulierung: ein Leben, das „nach oben offen ist“ „Nach oben offen…“

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Wenn die ganze Aufmerksamkeit, die ganze Liebe, die emotionale Kraft, die Leidenschaft in unsere kleine, geschlossene Welt hineingeht, wird es eng.

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„Nach oben offen“. So lebt Jesus und so motiviert er uns, es ihm gleich zu tun. Er will Unruhe stiften, Spannungen aufbauen, wenn unsere kleine Welt allzu geordnet und geschlossen ist. Wenn wir genau wissen, was richtig und was falsch ist. Wem unsere Liebe gehört und wem nicht.

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Jesus entwirft ein Bild für ein gutes Leben, ein Leben nach oben offen, ein Leben, das nicht nur um unsere gewohnten Heiligtümer kreist. Ein Leben, das sich draus bringen lässt und doch gehalten ist, orientiert an ihm, auch wenn alles durcheinander kommt.

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Noch eine Spannung tut sich auf beim Hören und Nachdenken. Die Worte Jesu klingen wie Forderungen: „Wer andere mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ Das klingt nach anspruchsvoller Forderung – und es geht doch um Liebe. Liebe und Forderung: geht das zusammen? Wirbt Jesus so um unsere Liebe? – Vielleicht ja! Leisten kann ich es nicht, dieser Anforderung zu genügen. Aber in der Liebe, im Werben um Liebe, da geht manches fast von selbst.

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 „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach“. Wir beten mit den Worten des Hauptmannes von Kafarnaum. Aus eigener Leistung kann er es nicht schaffen, so ganz Jesus gemäß zu sein, seiner würdig zu sein. Weil es aber nicht eine Sache der Mühe und der Leistung ist, sondern der Liebe, spricht er weiter:

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„aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

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Einfach nur durch Anstrengung schaffen wir dieses Leben nicht, das seiner würdig ist. Lassen wir uns umwerben von seiner Liebe.

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