University Logo

Ein Muslim schaut das Kreuz an!

Autor:Niewiadomski Jozef
Veröffentlichung:
Kategoriekommentar
Abstrakt:
Publiziert in:Tiroler Tageszeitung am 18. März 2016
Datum:2016-03-21

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

1
Paragraph Icon

Was siehst Du da? - fragte ein Christ seinen muslimischen Freund. Sie standen gerade vor einem Kruzifix. Dieser antwortete: Zwei, vielleicht drei Kreuze. Dem Christen verschlug es die Sprache: Wie meinst Du das? Der Andersgläubige setzte fort: Da gibt es zuerst das Kreuz der ausgebreiteten Arme. Dieses wurde von Gott erschaffen. Brauchst nur die Kinder anzuschauen. Wie sie sich immer wieder umarmen. Oder wie sie sich in die ausgebreiteten Arme der Mütter fallen lassen. Von den Liebenden schon ganz zu schweigen. Diese können ja nicht genug an Umarmungen kriegen. Sagt ihr nicht selber, Gott sei die Liebe? Doch werden im Alltag die ausgebreiteten Arme allzu oft festgenagelt. Durch die Menschen! Sie sind es, die das zweite Kreuz schaffen. Sie nageln sich selber und erst recht andere Menschen an. Dadurch wird das Kreuz zum Instrument der Selbstverachtung und des Hasses. Oder aber der Sündenbockjagd. Weil Menschen glauben, sie selber würden davon kommen, wenn sie die anderen opfern. Sagte doch jemand, es wäre besser wenn einer stirbt, bevor viele andere zur Kasse gebeten werden. Dieses menschliche Kreuz bildet eine Menge von der Wirklichkeit ab. Weltweit! Unabhängig von Rasse, Klasse und Religion. Der Mensch ist auch ein „kreuzigendes Wesen“. Trotz all der gegenteiligen Beteuerungen aller Humanisten. Und ihr Christen? Ihr glaubt doch wohl noch an ein drittes Kreuz. Das Kreuz Jesu! Die Menschen nagelten ihn zwar fest. Er sollte sich aber kraft göttlicher Liebe aus der Position der festgenagelten Arme befreit haben. Damit er umarmen kann. Vor allem aber: andere festgenagelte Menschen befreien! Ist das nicht das, was ihr, Christen glaubt? Wofür das Christentum in dieser Welt steht?

2
Paragraph Icon

An ein derartiges Gespräch erinnert sich der Trappistenmönch Christian de Chergé. Er lebte mit seinen Mitbrüdern mitten unter Muslimen in einem Dorf in Algerien. Geachtet, von muslimischer Bevölkerung geradezu verehrt, wurden die Mönche vor 20 Jahren von Islamisten ermordetet. Nicht nur ihr Schicksal zeigt, dass das Drama der Karwoche sich tagtäglich abspielt. Und dass auch deswegen der christliche Glaube nötiger denn je sei. Zur Entgiftung einer hasserfüllten Welt. Karwoche und Ostern: das ist mehr als eine Orgie der Schokoladenhasen. Daran erinnert uns der gläubige Muslim!

© Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehalten
Hilfe | Impressum

Powered by XIMS