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Wenn Christus nicht auferweckt ist, ist euer Glaube sinnlos

Autor:Wandinger Nikolaus
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2014-11-17

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Lesungen: (Weish 3,1-9); 1 Kor 15,12-20; Lk 7,11-17

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Liebe Gläubige,

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der Tod ist die letzte Grenze für uns Menschen, was dahinter ist, wissen wir weder aus eigener Anschauung noch von Augenzeugenberichten. Denn bei den Berichten, die es gibt, handelt es sich ja immer um Berichte von Menschen, die eben noch nicht tot sind, die nur fast gestorben sind, aber noch leben. So scheint der Tod für uns eine unüberwindliche Barriere zu sein, von der wir nicht wissen können, ob jenseits dieser Barriere noch etwas ist oder einfach das schrankenlose, unendliche Nichts auf uns wartet.

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Und so gibt es auch viele Menschen, die versuchen Jesus nachzufolgen, Gott und die Mitmenschen zu lieben, die – landläufig gesprochen – gute Katholiken und Katholikinnen sind, aber bei der Frage nach dem Leben nach dem Tod unsicher werden. Ist es vielleicht nicht doch nur ein frommer Wunsch, der in uns aufflammt, weil wir liebe Menschen, die uns der Tod genommen hat, vermissen, und wir das leichter aushalten, wenn wir an ihre Auferstehung glauben? Und so denken wir vielleicht oft an die Toten, sprechen mit ihnen in diesem Gedenken – und sind uns doch unsicher, ob da noch jemand ist, der uns hört. Vielleicht gibt es auch manche, die sich denken: Das Christentum ist eine gute Sache, weil es die Menschen zur Nächstenliebe und zum moralischen Handeln erzieht und weil dadurch die Welt ein wenig besser ist als sie es sonst wäre – aber das mit der Auferstehung der Toten, mit dem ewigen Leben, das ist vielleicht doch eher fromme Fantasie als Wirklichkeit.

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Liebe Gläubige,

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zu behaupten, ich wüsste mehr und könnte diese Bedenken zerstreuen, wäre unredlich. Auch ich war noch nicht dort. Ja, nicht einmal der Apostel Paulus beansprucht, ein eigenes Wissen vom Jenseits zu haben – und doch warnt er uns ganz eindringlich davor, den Glauben an die Auferstehung aufzugeben oder als unwichtigen Teil des Glaubens an Christus herabzustufen.

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Denn – so argumentiert er – der Glaube an die Auferstehung der Toten und der Glaube an Christus sind untrennbar miteinander verbunden. „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ (1 Kor 15,13-14) Paulus ist überzeugt, dass die Auferstehung Jesu von den Toten nicht eine einmalige Ausnahme, ein Sonderfall der Geschichte für den Sohn des Chefs war, sondern der Beginn einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit. Und so gilt auch: Wer leugnet, dass es dieses allgemeine Gesetz geben könnte, der leugnet auch dessen Beginn. Gerade fromme Menschen sind ja vielleicht geneigt, an die Auferstehung Jesu zu glauben, aber bei der eigenen oder der von nahestehenden Verwandten zu zweifeln. Paulus weist uns aber darauf hin, dass wir auch in Sachen des Glaubens konsequent sein sollen: Wenn ich wirklich nicht glaube, dass meine Großeltern, meine Großtante, mein Vater auferweckt werden, dann müsste ich auch die Auferstehung Jesu als Fantasterei abtun.

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Spielt Paulus hier nicht mit dem Feuer? Ist es nicht naheliegend, dass Menschen ihn beim Wort nehmen und auch die Geschichten von der Auferstehung Jesu als fromme Wunschprojektion abtun? Die Gefahr besteht und es dürften ihr schon viele Menschen erlegen sein. Paulus aber geht dieses Risiko ein, offensichtlich weil ihm die Sache so wichtig ist, dass er eben nicht strategisch vorgeht, sondern ganz offen und unverblümt – ja fast rücksichtslos.

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Paulus geht davon aus, dass er zu Menschen spricht, die durch ihren Glauben etwas von dem Sinn, der in ihr Leben eigewoben ist, entdeckt haben; zu Menschen, welche die Erfahrung gemacht haben, dass die Führung Gottes in ihrem Leben immer wieder aufscheint; und sie erkennen dadurch immer reicher und tiefer, welch großes Geschenk dieses Leben eigentlich ist. Der Glaube hat für diese Menschen also den Sinn ihres Lebens deutlicher gemacht. Das ist der springende Punkt! Menschen, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gestalten, haben mit diesem Glauben Erfahrungen der Sinnhaftigkeit des Lebens gemacht – davon geht Paulus aus. Nicht Erfahrungen in dem Sinn, dass das Leben dadurch gefahrloser oder angenehmer würde; aber die Erfahrung, dass Gott sie durch alle Widrigkeiten und Gefahren begleitet und ihnen beisteht, und so den Sinn, den er ihrem Leben verleiht, ihnen auch zeigt. Gott verleiht unserem Leben aber nicht einen vorläufigen oder nur kurzfristigen Sinn. Gott verleiht unserem Leben einen absoluten, einen unwiderruflichen, ja einen ewigen Sinn.

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Gerade das wissen wir durch die Auferstehung Jesu. Sie zeigt uns, dass der Sinn seines Lebens nicht ein begrenzter, sondern ein ewiger ist. Paulus fordert die Gläubigen nun heraus, das ernst zu nehmen, indem er sagt: Wenn euer Glaube nicht auch enthält, dass Christus auferweckt wurde, dann seid ihr ja doch nicht bereit, dem Leben Jesu einen ewigen, unzerstörbaren Sinn zuzuschreiben. Und doch habt ihr schon am eigenen Leib erfahren, dass der Glaube Sinn befördert! Wenn Christus aber nicht von den Toten auferstanden wäre, wären sogar sein Leben und sein Tod sinnlos gewesen – um wieviel mehr dann unser Leben und Tod? Wenn wir aber schon in unserem Leben immer wieder spüren, dass es Sinn hat, – wie viel mehr dann das Leben Jesu!

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Und doch: Was ist mit jenen Menschen, die keinen Sinn in ihrem Leben spüren? Die – aufgrund von großem Leid, von Krankheit oder Schmerz, wegen des vielen Bösen in der Welt – gerade ihr eigenes Dasein und das der ganzen Welt für zynisch und sinnlos erachten? Muss für diese die eben dargestellte Sichtweise nicht wie Hohn erscheinen?

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Auch hier kann der Blick auf Jesus weiterhelfen. Wie sah es denn mit der Frage nach dem Sinn seines Lebens kurz nach der Kreuzigung aus? Hatte nicht dieser Tod alle hehren Erwartungen, welche die Jünger an Jesus gehabt hatten, zerschmettert? Die Menschen, die jahrelang mit ihm herumgezogen waren, ihr früheres Leben aufgegeben hatten und ihm nachgefolgt waren, sie sahen sich plötzlich um ihr Leben und ihre Hoffnung betrogen. Der erhoffte Erlöser und Retter als Verbrecher hingerichtet – und Gott ließ es geschehen! Auch ihnen musste alles sinnlos erscheinen: ihr Engagement für die Sache Jesu, ihre Hoffnungen, Jesu Lehren und Heilen – alles zerstört durch das Folter- und Mordinstrument des Kreuzes! Und genauso rücksichtslos wie Paulus müsste man dazu sagen: Ja, wenn Jesus nicht auferstanden wäre, dann wäre das tatsächlich alles sinnlos gewesen, da hilft kein frommes Drumherumreden. Aber unser Glaube sagt genau das Gegenteil: Auch wenn wir den Sinn von etwas nicht sehen können, auch wenn etwas vielleicht tatsächlich keinen Sinn hat, Gott kann dennoch dem Leben Sinn verleihen. Ob er jedem Leiden Sinn verleihen wird, wissen wir nicht; aber, jedem Leben kann und wird er Sinn verleihen – das ist unser Glaube. Ein Glaube, der steht und fällt mit der Überzeugung, dass Gott dem Leben und Tod eines als Gotteslästerer verurteilten Predigers aus Galiläa ewigen Sinn verliehen hat – und damit auch dem Leben und Tod aller anderen Menschen.

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Liebe Gläubige,

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ob wir unsere Verstorbenen für Heilige oder für Missetäter halten, ob wir selbst oder sie ihr Leben als sinnerfüllt und gelungen betrachten oder nicht, durch die Auferstehung Jesu kann jedem Leben ewiger und unzerstörbarer Sinn verliehen werden – dem unserer Verstorbenen und auch unserem – das ist unser Glaube und unsere Hoffnung.

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