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Zur Eröffnung der Islamischen Religionspädagogik an der Universität Innsbruck

Autor:Scharer Matthias
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2014-10-23

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Lassen Sie mich ein wenig hinter die Kulissen bei der Errichtung der Islamischen Religionspädagogik (IRP) an der Universität schauen und auch auf die Stolpersteine auf dem Weg dorthin nicht vergessen. Ich habe die mehr als tausend E-Mails kursorisch durchgesehen, die ich in meinem Mailordner unter „Islamische Religionspädagogik“ abgelegt habe. Deren wissenschaftliche Auswertung würde ein interessantes Beispiel für eine multiperspektivische Auseinandersetzung an der Universität Innsbruck darstellen. Hier kann ich nur auf die wichtigsten Etappen verweisen.

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1. Die Weitsicht Pater Schwagers

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Zumindest was das Engagement der Theologischen Fakultät für die Errichtung einer IRP betrifft, ist an die Weitsicht des ehemaligen Dekans P. Raymund Schwager zu erinnern, der sich als Nachfolgeprofil für seine dogmatische Professur islamische Kompetenz gewünscht hat. Kaum jemand an der Fakultät konnte das verstehen und er ist mit seinem Vorschlag, wie man so schön sagt, „baden gegangen“. Gleichzeitig gab es aber an der Theologischen Fakultät schon seit längerer Zeit – vor allem in der Philosophie – Kooperationen mit muslimischen Fakultäten, ich nenne vor allem Qom, bevor auch einige andere Fakultäten auf die interreligiöse Thematik aufgesprungen sind.

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2. „heilig- tabu“ – Muslime und Christen wagen Begegnung

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Einen Meilenstein im Hinblick auf das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer IRP im Westen Österreichs bildete zweifellos der dritte Kongress Kommunikativer Theologie „heilig- tabu“ – Muslime und Christen wagen Begegnung und dessen Vor- und Nachbereitung. Von muslimischer Seite nahmen daran u.a. Ednan Aslan, Hamideh Mohagheghi als ExpertInnen teil. Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch mit Ednan Aslan, das wir auf dem Weg zum Bahnhof geführt haben. Ednan sagte damals: „Matthias! So viele muslimische ReligionslehrerInnen im Westen Österreichs brauchen eine theologisch-religionspädagogische Qualifikation; für sie ist Wien zu weit. Was können wir in Innsbruck tun?“ Diese Frage hat nicht nur mich, sondern auch meine MitarbeiterInnen, speziell Martina Kraml, das Forschungszentrum „Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung“ (RGKW) und schließlich die Fakultät nicht mehr losgelassen. Die Katholisch-Theologische Fakultät stellte einen diesbezüglichen Antrag an das Rektorat Töchterle; Rektor Töchterle ist damals allerdings beim Wissenschaftsministerium „abgeblitzt“.

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3. Vizerektorin Margret Friedrich als treibende Kraft

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Es gab eine Person im damaligen Rektorat, welche den Gedanken einer IRP an der Universität Innsbruck von Anfang an unterstützt hatte: Die damalige Vizerektorin für Lehre und Studierende, Margret Friedrich. Sie ist im WS 2010, zu einem Zeitpunkt, da wir keine Hoffnung auf die Errichtung einer IRP mehr hatten, an unseren Fachbereich, konkret an Martina Kraml (ich war damals schwer krank), mit der Frage herangetreten, ob wir „die Sache“ nicht doch irgendwie vorantreiben könnten. In diesem Zusammenhang kam der Gedanke auf, das Wiener Masterstudium „Islamische Religionspädagogik“ in Innsbruck zu übernehmen und hier durchzuführen. Eine Besonderheit des Innsbrucker Zweiges war, dass von Anfang auch alevitische Studierende aufgenommen und für sie auch einige spezielle Lehrveranstaltungen angeboten wurden, was speziell Vizerektor Wolfgang Meixner ein besonderes Anliegen war. Ich könnte Ihnen jetzt lange über die Schwierigkeiten berichten, welche die im SS 2011 rasch vorbereitete Einführung des Wiener Masterstudiums bereitete. Letztlich gelang es aber doch – unter großer Unterstützung der Vizerektorin und der Innsbrucker Studienabteilung unter Leitung von Herrn Hlavac – das Masterstudium durchzuführen.

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4. Ein Bachelorstudium ist vordringlich und wird errichtet

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Bereits bei der Anmeldung zum Masterstudium zeigte sich, dass ein Bachelorstudium „Islamische Religionspädagogik“ noch dringender wäre als ein Masterstudium. Nicht wenige StudienanwärterInnen erfüllten die Voraussetzungen für das Masterstudium nicht. Damals konfrontierte ich das inzwischen neue Rektorat Märk und den Senat, dem ich angehörte, erstmals mit der Idee, an der Universität Innsbruck einen eigenen Bachelor IRP mit einer islamischen Professur und entsprechender Ausstattung an der Universität Innsbruck einzurichten. Die große Schwierigkeit war selbstverständlich die Finanzierung dieses Studiums und der Professur.

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Bei einer Vorsprache von Kollegen Aslan und mir bei Wissenschaftsminister Töchterle erreichten wir großes Verständnis für die Sache und vage finanzielle Zusagen, hinter die sich anschließend das Rektorat geklemmt hatte. Mir war von Anfang an wichtig, die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich in das Vorhaben einzubinden. So besuchte ich den Präsidenten Fuat Sanaç, der dann in der Folge auch dem Rektorat einen Besuch abstattete. Ohne die große Unterstützung des Projekts durch die beiden Vizrektoren Psenner und Meixner im Rektorat wäre die Sache aber nie spruchreif geworden.

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Ich kann mich auch an die – speziell bei Stadt und Land wenig erfolgreichen – Bettelzüge mit Roland Psenner um Geld für dieses Studium gut erinnern. Schließlich hat aber doch die Universitätsleitung grünes Licht dafür gegeben, dass wir – zunächst informell – einen Studienplan für das Bachelorstudium entwerfen konnten. Bei der Einreichung und Genehmigung des Studienplans hat der damalige Vorsitzende der Curriculumkommission Lehramt, Franz Pauer, eine wichtige Rolle gespielt. Der Kampf um die Stunden des bereits fertiggestellten Curriculums war einer der Stolpersteine, die das Projekt im letzten Augenblick fast zu Fall gebracht hätten.

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5. Zuordnung und Beheimatung des Studiums und Errichtung der Professur

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Bereits Margret Friedrich legte in den ersten Verhandlungen darauf Wert, dass das Studium organisatorisch der damals noch in der Planung befindlichen School of Education zugeordnet werden solle. Damit war auch die Errichtung der Professur dort angesiedelt. Die KollegInnen an der School of Education stellten sich, nach einiger Überzeugungsarbeit, eindeutig hinter das Projekt. Dekan Schratz betrieb die Besetzung der Professur mit großer Energie, sodass – nach vielen Diskussionen – Zekirija Sejdini schließlich als Professor berufen wurde. Ich denke, dass inzwischen nicht nur die Berufungskommission, sondern viele innerhalb und außerhalb der Universität davon überzeugt sind, dass mit Sejdini ein kompetenter und in hohem Maße gesprächs- und kooperationswilliger Kollege an die Universität Innsbruck berufen werden konnte.

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Mein Ordner weist noch eine Reihe von E-Mails auf, welche die räumliche Zuordnung der IRP betreffen. Nur weil an der School of Education größte Raumnot besteht, hat das Rektorat nach längeren Debatten dem Angebot von Dekan Wolfgang Palaver, der das Projekt von Anfang an mit großer Überzeugung unterstützt hatte, zugestimmt, in den Räumen des ehemaligen Karl-Rahner-Archivs die Islamische Religionspädagogik unterzubringen, was sich inzwischen im Hinblick auf die Kooperation sehr bewährt hat. Schließlich ist mit der seit Jahren in der Sache hochengagierten Kollegin Martina Kraml eine Theologin Studienbeauftragte für die IRP.

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Unter dem Eindruck der zahlreichen E-Mails und der vielen Gespräche im Zusammenhang mit der IRP an der Universität Innsbruck und der großen Hürden, die zu überwinden waren, empfinde ich große Dankbarkeit gegenüber allen handelnden Personen. Mein Dank richtet sich in dieser Feierstunde aber auch an den einen und einzigen Gott, dem Allerbarmer, der Juden, Muslime und Christen verbindet und in dessen unvorhersehbaren und uneinsehbaren Plänen die Innsbrucker IRP immer schon war. 

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