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Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Hans Rotter

Autor:Renöckl Helmut
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2014-03-20

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Sehr  geehrte, liebe Mittrauernde,

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erlauben Sie mir, in Anschluss an die Worte von Herrn Dekan Prof. Palaver, als erster und langjähriger Assistent von Prof. P. Hans Rotter, einige persönliche Erinnerungen wach zu rufen:

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Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass die schmale Publikation der Habilitation von Hans Rotter „Strukturen sittlichen Handelns. Liebe als Prinzip der Moral“, damals, 1969/1970, ganz wesentlich zum Fallen einer unverrückbar scheinenden Mauer, ganz wesentlich zum vom Konzil aufgetragenen Neuansatz der katholischen Moraltheologie beigetragen hat.

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Ich selber musste in der 2. Hälfte der 1960er Jahre, auch hier in Innsbruck, Moraltheologie noch nach Noldins „Theologia moralis“ studieren, das war eine streng neuscholastische Ordnungsmoral, vermeintlich objektiv-unveränderlich, mit exzessiver Kasuistik für alles und jedes, Personen und ihre Beziehungen, geschichtliche Entwicklungen und gegenwärtige Lebenswirklichkeiten waren nachrangig. Es herrschte so etwas wie eine bleiern drückende Schwere, wie eine Perma-Frost-Starre. Auch das Moraltheologie-Rigorosum hatte ich noch auf dieser Basis zu absolvieren. Bei der Vorbereitung reagierte auf diesen Druck mein Körper, mein Inneres, mit einem Magengeschwür.

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Mit Hans Rotter als neuem Professor und Institutsvorstand löste sich diese bleierne Schwere und Starre. In entschiedener Umorientierung stellte Hans Rotter -- aus biblischen und philosophischen Quellen schöpfend – die Person und ihre Beziehungen, die persönlichen Entwicklungen und gegenwärtigen Lebenswirklichkeiten in den Mittelpunkt. Mit Hans Rotters mutigem Neuansatz wurde das Institut für Moraltheologie und Gesellschaftslehre ganz rasch ganz lebendig, die Instituts-Bibliothek explodierte förmlich durch neue aktuelle Themenfelder und dafür relevante theologische und interdisziplinäre Fachliteratur. Diese Themen bestimmten auch die vielen Seminare, Diplomarbeiten, Dissertationen, wissenschaftliche und populäre Publikationen, die unzähligen Vorträge, Expertisen, Tagungen, die Hans Rotter für kirchliche und nichtkirchliche Adressaten initiierte und realisierte. Sein Arbeitspensum schien uns oft das menschliche Maß zu sprengen. Unsere besorgten Bremsversuche waren allerdings meist vergeblich …

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Der Zugang zu Prof. Rotter führte durch das Assistentenzimmer. Nicht nur unzählige Studierende, Lehrende, Seelsorger und Medienleute kamen zu Beratungen und Fachgesprächen, sondern auch Fakultätsangehörige und Menschen von nah und fern mit ihren persönlichen Anliegen und Problemen. Hans Rotter hatte für sie nicht nur ein offenes Ohr und hilfreiche Worte, oft half er direkt und ganz konkret.

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Ich erinnere mich aber auch an sehr schwierige Phasen für Hans Rotter: an die nachkonziliaren Polarisierungen, an die Konflikte in der Fakultät, die sich gerade während seiner Funktionsperiode als Dekan zuspitzten, an die fortwährenden Spannungen und Konflikte mit Rom, mit bestimmten Bischöfen und kirchlichen Gruppierungen bei den brennenden moraltheologischen Fragen, vor allem, aber nicht nur in der Sexual- und Bioethik. Von allen Seiten, progressiven wie konservativen, von rechten wie linken Personen und Gruppierungen wurde Hans Rotter teils scharf und rücksichtslos, nicht selten „von hinten“ angegriffen. Hans Rotter in seiner wohlwollenden, integrativen Grundhaltung hat darunter sehr gelitten, er kam da auch an seine Grenzen. Aber er hat durchgehalten, in unverbrüchlicher Loyalität zur Kirche, zum Orden, vor allem aber zu den Menschen mit ihren Anliegen, Freuden und Leiden.

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In starker Erinnerung ist mir die Festakademie, die von der Fakultät aus Anlass von Hans Rotters 60. Geburtstag veranstaltet wurde. Für den Festvortrag hatte man auf Hans Rotters ausdrücklichen Wunsch Prof. Alfons Auer aus Tübingen eingeladen. In den damaligen Auseinandersetzungen „Autonome versus Glaubens-Moral“ vertraten die beiden sehr kontroversielle Positionen. Bei der Begrüßung betonte Hans Rotter und dann auch Prof. Auer in seinem Festvortrag, dass sie sich trotz ernster Differenzen wechselseitig fachlich und menschlich außerordentlich schätzten. Dies stellte die Weichen für ein großartiges Symposium und für uns wurde deutlich: so vollzieht sich katholische Theologie in der notwendigen Tiefe und Weite.

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Meine beruflichen Wege führten mich 1976 nach Linz und später zusätzlich nach České Budějovice/Budweis. Selbstverständlich blieb die Beziehung zu Hans Rotter weiter intensiv und lebendig, nicht nur in ausführlichen Telefonaten und Treffen in Innsbruck, Hans war  immer wieder gerne bei uns in Linz zu Gast. Da war nicht nur Raum für Fachgespräche, sondern auch für das herzliche Miteinander. Nicht nur meine Frau, besonders auch unsere Kinder schätzten die Liebenswürdigkeit von Hans Rotter, sein Spielen und Singen mit ihnen, seine kreativen und zünftigen Kinderlied-Strophen. Jetzt haben unsere Kinder schon selber Kinder und singen mit ihnen diese Strophen, unter ausdrücklicher Bezugnahme auf P. Hans Rotter.

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Zum Abschluss eine Erinnerung in Zusammenhang mit Karl Rahner, den Hans Rotter sehr schätzte: Der Dogmatiker Karl Rahner, das ist wenig bekannt, interessierte sich stark für die Moraltheologie. Deshalb kam er von Zeit zu Zeit in unser Institut, um moraltheologische Fachliteratur einzusehen und auszuleihen, manchmal nahm er sich sogar Zeit für längere theologische und nicht nur theologische Gespräche. Von Karl Rahner stammt die Definition für Theologie: „Reflexion auf gelebten Glauben“. Entsprechend dieser Definition war Hans Rotter ein großartiger Theologe, ein Bahnbrecher der vom Konzil aufgetragenen bibel- und menschenorientierten Moraltheologie. Hans Rotter war ebenso ein authentisch Glaubender und aus seinem Glauben Handelnder, ein durch und durch glaubwürdiger Zeuge des menschenfreundlichen Evangeliums. Wie viele andere verdanke ich ihm maßgebliche persönliche und berufliche Orientierungen meines Lebens.

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Lieber Hans, Gott möge Dich, Gott wird Dich für Dein großartiges Leben und Wirken reichlich beschenken!

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Helmut. Renöckl.

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