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Wo bist du, Jesuskind?
(Predigt zum Weihnachtsfest)

Autor:Niewiadomski Jozef
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2014-01-03

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Predigt zum Weihnachtsfest, gehalten am 25. Dezember um 11. Uhr in der Jesuitenkirche.

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Liebevoll hat er unsere Kirche weihnachtlich geschmückt - Toni, unser Mesner. Er stellte dort drüben auf der rechten Seite der Kirche in der Seitenkapelle die Krippe auf, eine Krippe, in der Menschen das Jesuskind förmlich suchen. Versinnbildlicht durch die Gestalt des blinden Mannes, der zur Krippe von einem jungen Buben geführt wird. Beide geleitet durch einen Engel. Er positionierte die Figur des Jesuskindes auf dem Hochaltar, damit alle, die diese Kirche beitreten, den Menschgewordenen erblicken und dadurch inspiriert werden, das Jesuskind auch woanders zu suchen.

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Denn: das Jesuskind will gesucht werden. Es will gefunden werden! Deswegen macht sich dieses Kind - rebellisch wie die Kinder halt sind - gerade zu Weihnachten auf und davon. Es sucht die Weite und liefert sich jener Dramatik aus, von der das Johannesevangelium spricht. Wir haben es so oft gehört - freilich nicht so schön gesungen wie heute durch unseren Neudiakon -: “Das Wort wurde Fleisch und hat unter uns gewohnt”. Es kam also zu uns, zu den Seinen. Doch wir, die wir die Seinen sind, haben es nicht erkannt. Geblendet durch den Glanz dieser Welt verpassen wir das eigentliche Wunder, sind für das Wunder blind. Was also tun an diesem stürmischen Tag, bei dieser wunderschönen Liturgie mit ihren Minis, Lektorin, Kantoren, Sängerinnen und Musikern. Was tun in der berstvollen Kirche, mit den vielen Menschen, die mit Freude dem weihnachtlichen Mittagessen entgegenblicken und deswegen mich, den Prediger halb grimmig anschauen: “Er soll doch Papst Franziskus ernst nehmen und kurz predigen! Was also tun?”

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Der Prediger greift auf das Gedicht des begnadeten französischen Dichters Jean Anouilh zurück und buchstabiert die Dramatik von Weihnachten heute auf poetische Art und Weise. “Jesuskind, wo bist Du?/ Du bist nicht mehr zu sehen,/ Leer ist deine Krippe wo Ochs und Esel stehen./ Ich seh Maria, die Mutter, und Josef Hand in Hand,/ ich seh die schönen Fürsten vom fernen Morgenland/ Doch dich kann ich nicht finden./ Wo bist du Jesuskind?”

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Wie viele Zeitgenossen können sich dieser fragenden Klage anschließen? Sie sehen die vielen Zeichen. Sie hören tausendfach die Lieder, erblicken die Bilder und die Krippen. Sie vermögen aber den menschgewordenen Gott nicht zu erkennen, oft oder gerade nicht in den Kirchen, weil sie ihnen fremder vorkommen als der sagenumwobene Stall von Bethlehem.

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Noch einmal Anouilh: “Maria, voller Sorgen, sie sucht dich überall,/ draußen bei den Hirten, in jeder Eck im Stall./ Im Hof ruft Vater Josef und schaut ins Regenfass/ sogar der Mohrenkönig, er wird vom Schrecken blass./ Alles sucht und ruft dich:/ Wo bist du, Jesuskind?” Ja! Alles sucht dich.  Alles! Selbst diejenigen, die das bestreiten. Selbst diejenigen, die der Religion den Rücken kehren und nur noch Spott für das Fest übrig haben. Oder aber Gleichgültigkeit an den Tag legen. Sie suchen noch. Oder sie haben resigniert. Sind fortgegangen. “Das Geheimnis von Weihnachten? Das war einmal ... in den Kindertagen. Heute sind wir Erwachsen geworden!”

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“Die Könige sind gegangen./ Sie sind schon klein und fern;/ die Hirten auf dem Felde,/ sie sehn nicht mehr den Stern./ Die Nacht wird kalt und finster. Erloschen ist das Licht.../

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Liebe Schwestern und Brüder. Wo bist du, Jesuskind? - fragt der Prediger im Jahre 2013 und verhilft sich auch bei der Antwort auf diese brennende existentielle Frage mit den Worten des Dichtes, entdeckt dabei - ganz verblüfft - dass auch der Papst Franziskus sich das Gedicht zu Eigen machen könnte, weil seine Glaubenseinstellung doch den Antworten des Dichters ähnlich bleibt.  Wenn dieser folgende Antworten dem Kleinen, der scheinbar verlorenging, in den Mund legt:

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“Ich bin im Herzen der Armen, die ganz vergessen sind.” “Ich bin im Herzen der Kranken, die arm und einsam sind.” “Ich bin im Herzen der Heiden, die ohne Hoffnung sind.” Ja! Ausgerissen ist der Kleine. Machte sich auf und davon. Suchte die Weite. Suchte die Gemeinschaft und fand sie bei denen, die gebrochenen Herzens sind. Dort wird er gefunden! Gefunden in Herzen derer, die an den Rand gedrängt werden. Gefunden in Herzen derer, die vergessen werden, die sich sogar selber vergessen, weil sie halt dement sind. Gefunden in Herzen derer, die krank und einsam, vielleicht nur noch an die Schläuche in den Intensivstationen angeschlossen sind. Der Kleine will gefunden werden in all den Augen, die keine Tränen mehr weinen können, weil sie so viel geweint haben und nun gefühllos und sprachlos geworden sind. Er ist dort! Wenn auch nicht immer als menschgewordener Gott erkannt. ER ist ja bei den Seinen, selbst wenn die seinen ihn nicht erkennen.

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Liebe Schwestern und Brüder, wir kamen hierher zur besten Stunde des Tages, um des Wunders gewahr zu werden. Wir schauen die Krippe an, hören das Evangelium, feiern Eucharistie, das Drama der Verkennung des Menschgewordenen; das Drama seiner Angst, seiner Einsamkeit, seines Leidens und seines Todes. Wir empfangen seinen auferweckten Leib. Und all das tun wir, damit wir verwandelt werden. Und ihn auch dort erkennen, wo er als Gott herabgestiegen ist: in die Herzen von Menschen, vornehmlich jener, die arm und klein, und leidend sind. Dort will er gesucht und gefunden werden.

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Und auch dort, wo wir - die Kirchgänger - ihn auch zu selten vermuten. Und wo ist das? Dazu eine kleine Geschichte über Pater Peter Faber, den der Papst Franziskus vor kurzem überraschend und unbürokratisch heilig sprach. Gar ohne das obligate Wunder. Von diesem Jesuiten wird folgende wunderbare Weihnachtsgeschichte überliefert. Riesenstress zu Weihnachten. Eine Katastrophe folgt auf die anderen. Frustriert und niedergeschlagen sitzt er zu Weihnachten . Es ist ihm alles andere als weihnachtlich zumute. Und da hört er die Stimme eines Kindes: “Peter, Peter”. Jesus selbst sagt zu ihm: “Mach dir keine Sorgen wegen dem Mist in deinem Leben”. Wegen all dem Scheiß, den du gebaut hast - das ist natürlich Niewi-Version der Geschichte. “Fürchte dich nicht und schäme dich nicht. Ich wurde doch geboren. Im Stall deines Herzens!”

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Wo bist du, Jesuskind? Im Herzen der Anderen! Aber auch in meinem eigenen Herzen. Wenn ich mir selber ein Anderer und ein Fremder geworden bin. Und ich mich deswegen erlebe: als einer, der gebrochenen Herzen ist. Kann es da noch ein größeres Wunder geben im Universum als die Menschwerdung Gottes? Wie der blinde Mann aus der Krippe in der Jesuitenkirche wollen wir uns geleiten lassen und des Wunders gewahr werden.

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