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Mit Josef der Weihnacht entgegen
(Predigt zum 4. Adventsonntag )

Autor:Niewiadomski Jozef
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2014-01-03

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Predigt zum 4. Adventsonntag (Jes 7,10-4 und Mt1,18-24), gehalten in der Jesuitenkirche (um 11.  und 18  Uhr) am 22. 12.203

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Nein! Sein Weg zur Weihnacht war nicht ausgeleuchtet: durch tausendfach leuchtenden Girlanden. Dunkelheit breitete sich von den Augen Josefs aus. Dunkelheit und Schock. Jener Schock, dem die Frischverliebten ausgeliefert sind, wenn sie von der sprichwörtlichen siebten Wolke stürzen. Wenn sie stürzen in den Abgrund des Misstrauens, in den Abgrund der Kränkung. Der Schock, dem die Eheleute ausgeliefert sind, wenn sie von der Atmosphäre der bürgerlichen Ehe in den Abgrund eines Rosenkriegs stürzen. Wenn sie die Schuldfrage stellen und natürlich die Partnerin schuldig sprechen, den Partner für schuldig befinden. Denn - wie wir alle wissen - im sprichwörtlichen Rosenkrieg findet man keine Menschen mehr vor, bloß Schlampen und Hurenböcke, bloß Spinner und Egoisten. Dem schockierten Josef aus dem Evangelium, der ja mir nichts dir nichts seine Frau schwanger vorfindet: schwanger - aber nicht von ihm -, diesem Josef stand wohl diese Möglichkeit zur Verfügung. Die Tradition und das Gesetz waren eindeutig, nicht so interpretationsbedürftig wie heutzutage. Eine Strafanzeige gegen seine Frau wäre die logische Folge gewesen, eine Strafanzeige, die meistens im odesurteil mündete. Und so den Ausweg aus der existentiellen Sackgasse bot!

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Diese archaische Klarheit soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf einem solchen Weg bloß eine Sackgasse durch eine andere Sackgasse ersetzt wird. So war es damals, so ist es heute, so wird es auch morgen sein. Die Sackgasse der Kränkung findet in der Sackgasse der gewaltsamen Trennung ihre Lösung!

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Und auch der Weg des biblischen Königs Ahas - von dem die heutige Lesung erzählt - auch dieser Weg war nicht ausgeleuchtet. Dunkle Wolken zogen auf und verdunkelten die Zukunftsperspektive. Sein Staat, der kleine Staat Israel droht zwischen Großmächten zerrieben zu werden und sucht nach einem Ausweg, will Allianzen schließen, Rüstung und Infrastrukturen modernisieren. Dieser kleine Staat gerät aber gerade dadurch - so paradox es klingen mag - unweigerlich in den Teufelskreis der Gewalt und wird auch bald verschlungen. Ähnliche Erfahrung machten ja in jüngster Vergangenheit unzählige Kleingeschäfte und Kleinbetriebe, die Allianzen mit Großen schlossen, sich in diesem Kontext modernisierten und schlussendlich verschlungen wurden.

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So unterschiedlich die Texte der Lesung und des Evangeliums zu sein scheinen, beide verbindet eine tiefe Gemeinsamkeit. Es ist eine Gemeinsamkeit, die diese uralten Texte auch mit unseren Leben verbindet. Es ist dies die Erfahrung der Sackgasse, in die sich das Leben verirren kann, das Leben einer politischen Gemeinschaft und das Leben in einer Zweierbeziehung. Und noch eines ist den Texten und auch unserem Leben gemeinsam: und das ist die Frage nach dem Wunder. “- Moment mal!” - wird der moderne Zeitgenosse einwenden. “Sackgasse: vielleicht ja; Wunder? Sicher nein!”. Der Zeitgenosse, der aufgeklärt ist und distanziert bleibt, derjenige, der sich mit Abscheu von denn religiösen Fundamentalisten abwendet, weil er sie im Mittelalter vermutet, oder auf den religiösen Galapagosinseln, gerade der moderne Zeitgenosse wird die Gemeinsamkeit abstreiten und das Wunder höchstens belächeln. Er wird das Wunder auch zu erklären suchen, mindestens so lange, so lange er selber nicht in der Sackgasse steckt. Das Beten wird er - wenn überhaupt - den Kindern und Greisen überlassen. Gerade dieser Zeitgenosse wird sich problemlos der Meinung des biblischen König Ahas anschließen. “Was hat es einen Sinn zu beten? Was bringt es, von Gott ein Zeichen zu erbitten? Arbeiten muss man, oder die richtigen Connections haben!”

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Liebe Schwestern und Brüder, bei aller archaischen Fremdheit ist dieser israelischer König doch ein hochmoderner Mensch, ein Politiker aus Fleisch und Blut. Einer, der das Beten den anderen überlässt. Einer, der in seinem Handeln mit Gott nicht rechnet. Und wenn ich nun ehrlich sein sollte, so muss ich sagen, dass dieser Ahas in mir selber steckt - obwohl ich Jozef heiße und im Jahre 2013 der Weihnacht entgegengehe.

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Der biblische Josef aber, der Josef aus dem Evangelium unterscheidet sich von mir. Er unterscheidet sich von uns allen. Sein Weg der Wahrheit entgegen, sein durch die Lichtgirlanden nicht ausgeleuchteter Weg gleicht ja einem Wunder. Und dies nicht nur, weil er die Sackgasse in der sein Leben mit Maria steckt, weil er diese Sackgasse zu meiden sucht, indem er sich “in Stille trennen will”, wie die deutsche Übersetzung uns seine Haltung zu erklären sucht. Deswegen auch das Missverständnis provoziert, Josef will sich davon machen.  Hals über Kopf. Wie ein Feigling. Nein! Dieses “sich in Stille trennen” steht für den Verzicht auf öffentliche Anklage, für Verzicht auf eine Strafanzeige. Der biblische Josef sucht nicht nur die Sackgasse der öffentlichen Anklage zu meiden, er hört auch auf die Stimme des Engels. Er hört auf die Stimme, die für das Leben Partei ergreift. Und er glaubt auch an Wunder. Denn: nur das Wunder vermag die Kränkung zu heilen. Dieser Josef wird den Immanuel erleben, den “Gott mit uns”. Sein Weg wird deswegen in die Weihnacht einmünden.

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Und was ist mit mir? Mit mir, der ich zwar Jozef heiße, dem modernen Ahas aber näher stehe? Dem Ahas mit seiner Skepsis gegen das Wunder, mit seiner Ablehnung, Gott in der Sackgasse um Hilfe zu bitten, mit seinen Kränkungen, mit seinem Vertrauen bloß auf sich selber. Was ist mit mir? Das Wunderbare am Wunder ist, dass dieses auch dem skeptischen Ahas zugesagt wird. Trotz seiner Skepsis. Trotz seiner emsigen Bemühung, die Sackgasse selber zu sprengen. Trotz seines Willens, die Situation selber zu meistern, wird auch ihm das Wunder zugesagt, wird auch er auf den Weg, der Weihnacht entgegen, mitgenommen. Mitgenommen von Josef. Dem biblischen Josef, der die anderen nicht schuldig sprach, der sich nicht vom Wind treiben ließ, sondern vom Engel geleiten. Mitgenommen von Josef, der wohl darauf vertraute, dass das Wunder auf ihn wartet. Lassen wir uns von diesem Josef auf den Weg, der Weihnacht entgegen, mitnehmen. Erbitten wir von Gott ein Zeichen, das Wunder, das alle Kränkungen heilt

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