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„Uns ist ein Kind geboren“
(Weihnachtsbrief des Dekans der Theologischen Fakultät)

Autor:Palaver Wolfgang
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2013-12-23

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Liebe Freunde der Theologischen Fakultät!

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Zwei Momente des christlichen Weihnachtsfestes sind besonders bedeutsam. Das Geschenk des Neuanfangs befähigt uns, aus Erstarrungen im Alten aufzubrechen, und kann vor jener Hoffnungslosigkeit bewahren, die keine Kraft zur Verbesserung des Lebens in unserer Welt mehr aufbringt. Die große politische Theoretikerin Hannah Arendt hat das Moment des Neuanfangs als eigentliche Quelle allen Handelns verstanden: „Daß man in der Welt Vertrauen haben und daß man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien ‚die frohe Botschaft‘ verkünden: ‚Uns ist ein Kind geboren‘.“

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Das zweite Moment betrifft den konkreten Ort, an dem der geschenkte Neuanfang in die Welt einbricht. Er liegt weit abseits von Prunk, Macht und berauschender Kaufkraft. Ganz am Rande der damaligen Gesellschaft kommt der Erlöser in einer armseligen Krippe zur Welt.

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In der katholischen Kirche spüren wir diese beiden Momente von Weihnachten zurzeit in besonderer Frische. Papst Franziskus wagt den Aufbruch aus innerkirchlichen Verkrustungen und ruft uns dazu auf, in der Sorge um die Ärmsten unsere vorrangigste Aufgabe zu sehen. So wie Weihnachten am Rand der Gesellschaft in die Welt bricht, ist die Kirche aufgerufen, „an die menschlichen Randgebiete“ zu gehen: „Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist,“ schreibt er in seiner Programmschrift „Evangelii Gaudium“.

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Auch für Wissenschaft und Forschung sind diese beiden Momente des Weihnachtsfestes bedeutsam. Ohne Neuanfänge gibt es keine Schritte in wissenschaftliches Neuland. Und auch die Wissenschaft darf die Option für die Armen nicht aus den Augen verlieren. Mag ein Forschungsgebiet auf den ersten Blick auch noch so weit von der konkreten Sorge um die Schwächsten entfernt liegen, der notwendige tiefere Blick zeigt, dass es immer auch Zusammenhänge mit den menschlichen Randgebieten gibt, die nie übersehen werden sollten.

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Im Namen der Katholisch-Theologischen Fakultät bedanke ich mich für Ihre Unterstützung im vergangenen Jahr und wünsche gesegnete Weihnachten, vor allem die Offenheit für das Geschenk des Neuanfangs.

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