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Im Zeichen des Franziskus. Sponsionen und Promotionen am 20. April 2013

Autor:Palaver Wolfgang
Veröffentlichung:
Kategoriefak
Abstrakt:
Publiziert in:
Datum:2013-04-24

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Magnifizenz, sehr geehrter Herr Vizerektor Roland Psenner, lieber Promotor der Fakultät Bruno Niederbacher, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende, Verwandte, Freunde und Bekannte unserer AbsolventInnen und natürlich ganz besonders Sie, die Sie heute hier den Abschluss Ihres Studiums feiern dürfen.

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Als Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät möchte ich zuerst auf drei aktuelle Zeitmomente eingehen, die unsere heutige Welt gerade auch im Blick auf die zukünftigen Aufgaben von TheologInnen und PhilosophInnen prägen.

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Am Beginn steht erstens die vor kurzem erfolgte Wahl von Papst Franziskus, die berechtigt in und außerhalb der katholischen Kirche eine Stimmung der Hoffnung und des Aufbruchs ausgelöst hat. Schon die Wahl des Namens „Franziskus“ signalisierte, dass der aus Argentinien stammende Papst für eine Kirche eintritt, die sich bewusst auf die Seite der Armen der Welt stellt und sich daher besonders für die benachteiligten Menschen in der Welt einsetzt. Wörtlich sagte er: „Wie gern ich eine arme Kirche für die Armen hätte“.[1] Bei der ersten Pressebegegnung nach der Wahl sagte er, dass er den Namen „Franziskus“ gewählt habe, weil der heilige Franz von Assisi „ein Mann der Armut und ein Mann des Friedens“ gewesen sei. Persönlich habe ich mich über die Wahl des Namens „Franziskus“ auch deshalb gefreut, weil dieser große mittelalterliche Ordensgründer ebenso für eine offene Haltung gegenüber anderen Religionen und Kulturen steht. Mitten in der Zeit der Kreuzzüge vertrat er den gewaltfreien Weg Jesu, als er ohne Waffen zum ägyptischen Sultan durchdrang, um diesem die Botschaft von der Liebe zu verkünden.

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Papst Franziskus steht auch für den Geist des II. Vatikanischen Konzils, das vor 50 Jahren stattfand. Vor wenigen Tagen rief er zu einer Neubesinnung auf das Konzil auf. Es gehe dabei aber nicht darum, dem Konzil Denkmäler zu errichten, sondern dessen Geist – auch wenn er stört und unbequem ist – wach zu halten. Auch für unsere Arbeit als WissenschaftlerInnen bietet das Konzil tatsächlich immer noch wichtige Impulse und Anstöße.

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Ich möchte also zweitens einen kurzen Blick auf dieses Konzil werfen. Im Dekret über die christliche Erziehung Gravissimum educationis finden wir wichtige Überlegungen hinsichtlich der Universitäten. Im Blick auf die Studierenden heißt es dort, dass „Studenten … zu Menschen herangebildet werden sollen, die in ihrer Wissenschaft bestens bewandert, wichtigen Aufgaben im öffentlichen Leben gewachsen und Zeugen des Glaubens in der Welt sind“. Ausdrücklich wird auch auf die bewusste Sorge um jene Studierenden hingewiesen, die zu den „Armen“ zählen, besonders, wenn sie aus „den jungen Völkern stammen“. Ich hoffe, dass Sie als Absolventen unserer Fakultät in Ihrem Studium ein Bemühen um diesen Weg gespürt haben.

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Als drittes aktuelles Zeitereignis möchte ich kurz auch zum aktuellen „Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien“ Stellung nehmen. Die in diesem Volksbegehren verwendeten Formulierungen sind mehr als unpräzise. So wird dort beispielsweise im Blick auf theologische Fakultäten bloß von „kirchlichen Fakultäten“ gesprochen, die „vom Staat bezahlt“ und „vom Vatikan“ kontrolliert würden. Unsere Fakultät ist aber keine „kirchliche Fakultät“ – solche gibt es durchaus in Österreich (aber eben ohne staatliche Bezahlung) –, sondern eine theologische Fakultät an einer staatlichen Universität. Die Verbindung zum Vatikan – bei uns zuerst und vor allem über den Jesuitenorden – ist eine durch einen völkerrechtlichen Vertrag geregelte Kooperation, die sich nicht auf den polemischen Begriff „Kontrolle“ reduzieren lässt.

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Aber ich möchte jetzt gar nicht näher auf das Volksbegehren als solches eingehen, sondern bei dieser Gelegenheit die größere religionspolitische Aufgabe ansprechen, vor der die europäischen Gesellschaften heute stehen. Meine Distanz zum Volksbegehren heißt nämlich nicht, dass einfach alles beim Alten bleiben könnte und es nichts zu tun gäbe. Nicht die Privatisierung der Religion und deren Verdrängung aus der Öffentlichkeit ist das Gebot der Stunde, sondern das aktive Wahrnehmen und Gestalten des kulturellen und religiösen Pluralismus, der unsere Gesellschaft prägt. Dieser Pluralismus erfordert Veränderungen, die sowohl die Universität als auch die Theologische Fakultät betreffen. Wir haben uns in den letzten Jahren aktiv dafür eingesetzt, dass es ab kommenden Herbst auch ein Bachelorstudium Islamische Religionspädagogik an unserer Universität geben wird. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich beim Rektorat unserer Universität und insbesondere bei den Vizerektoren Roland Psenner und Wolfgang Meixner bedanken, die sich mit ganzer Kraft für dieses wichtige Anliegen eingesetzt haben.

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Mit diesen drei aktuellen Momentaufnahmen (Papst Franziskus, 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil und die Frage der Gestaltung von Religion und Öffentlichkeit), die gerade für eine Theologische Fakultät wichtig sind, versuchte ich jene aktuellen Herausforderungen in unserer Welt zu beschreiben, die auch für die AbsolventInnen der Theologischen Fakultät bedeutsam sind.

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Ein Blick auf die Arbeiten unserer heutigen AbsolventInnen zeigt, dass auch sie in ihren wissenschaftlichen Arbeiten wichtige Fragen unserer Welt aufgegriffen haben.

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Ich beginne mit der Dissertation von Pater Lalao Soa Adonis Tsiarify, der aus Madagaskar stammt, dem Orden der Kapuziner angehört und im Fach Kirchengeschichte eine von Prof. Bernhard Kriegbaum begleitete Arbeit mit dem Thema Les Capucins D'Alsace à Madagascar. De l'établissement controversé à l‘implantatio Ordinis geschrieben hat. Es geht in dieser Arbeit um die madagassische Missionstätigkeit des elsässischen Kapuzinerordens von 1932 bis in den Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit dem Kapuzinerorden treffen wir übrigens wieder auf den heiligen Franziskus, auf den auch dieser Orden zurückgeht. Im Zentrum der Arbeit steht die allmähliche Übernahme der Missionsaufgaben durch eine einheimische Kirche. Langsam kommt es zur Einwurzelung (implantation) des Ordens in Madagaskar. Der Verfasser konnte seine Dissertation vor allem auch durch seine sorgfältige Arbeit in den entsprechenden Archiven durchführen.

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Was die heutigen Sponsionen betrifft, so möchte ich zuerst zwei Gäste aus der Fakultät für Betriebswirtschaft, die beide ihre Magisterarbeit im Rahmen des Diplomstudiums Internationale Wirtschaftswissenschaften verfasst haben, begrüßen und sie kurz mit ihren Themen vorstellen.

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Frau Eva Maria Hasenauer aus Dorfgastein schrieb eine Diplomarbeit zum Thema „Digital Immigrants and Digital Natives – Akkulturation in die digitale Welt, Nutzungsverhalten, Einstellungen und Motive.“ Nachdem ich selbst seit Jahren Ethik für Informatiker an unserer Universität unterrichte, liegt dieses Thema durchaus auch in der Nähe meiner Interessen.

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Auch Herr Clemens Scholl aus Salzburg setzte sich mit einem interessanten und wichtigen Thema auseinander, das viele von uns interessiert, weil es darin um biologische Nahrungsmittel geht. Sein Thema: „Identifikation, Bewertung und Gestaltung alternativer Distributionswege für Bio-Handelsmarken: Eine Analyse am Beispiel ‚Natürlich für Uns’ der Pfeiffer Gruppe“.

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Zwei KandidatInnen der heutigen Sponsionen haben ihr Studium an der Theologischen Fakultät abgeschlossen.

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Herr Benjamin Ulrich Schwarz aus Eschenlohe absolvierte das Diplomstudium Katholische Fachtheologie und schrieb eine von unserem Studiendekan Wilhelm Guggenberger begleitete Arbeit zum Thema „Schöpfungsverantwortung konkret: Kirchliches Engagement im Bereich Naturschutz und Biodiversität“. Auch hier lässt sich wieder eine Brücke zu Franziskus schlagen, gilt doch dieser Heilige auch als Vorbild für den sorgsamen und nachhaltigen Umgang mit der Natur und den Tieren. Besonders interessant an dieser Arbeit ist der Blick auf konkrete Praxisfelder wie den Umgang mit kirchlichen Gebäuden, mit Friedhöfen sowie Kloster- und Pfarrgärten, mit der Bearbeitung kirchlicher Land- und Forstwirtschaftsgründe und vor allem auch mit dem Bereich der Bewusstseinsbildung.

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Frau Nadya Vitale aus Bozen – die heute leider aufgrund eines erlittenen Unfalls nicht dabei sein kann – absolvierte wiederum das Diplomstudium Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät und verfasste eine von Prof. Siegfried Battisti begleitete Arbeit zum Thema „Hannah Arendt: Leben und Wirken. Eine Untersuchung zur performativen Handlungstheorie in der Politik.“ Mit Hannah Arendt diskutiert Frau Vitale eine spannende Denkerin, die heute besonders große Beachtung findet, wenn wir nur an den aktuellen Kinofilm über diese politische Theoretikerin denken. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Beschäftigung mit der Theorie des politischen Handelns. Der Verfasserin geht es dabei vor allem auch um eine Überwindung der Dichotomie von Vernunft und Gefühl. Bei Hannah Arendt stößt man aber auch auf den heute schon erwähnten Begriff der Pluralität, den sie gerade für das politische Leben als besonders bedeutsam hervorhebt. Biblisch verweist sie dazu auf jene Version des Schöpfungsberichts, die nicht vom Hervorgehen Evas aus der Rippe des Menschen spricht, sondern immer schon von der Pluralität menschlicher Existenz ausgeht. Nach dieser Version erschuf „Gott nicht den Menschen …, sondern die Menschen: ‚und schuf sie einen Mann und ein Weib.’“[2]

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Die Themen aller Ihrer Arbeiten greifen wichtige Fragen unserer Welt auf. Mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten haben Sie zu einem besseren Verständnis dieser Fragen und auch zu möglichen Lösungen beigetragen. Dafür verdienen Sie Dank.

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Zum Abschluss möchte ich Ihnen allen herzlich zu Ihrem Studienabschluss gratulieren und Ihnen wünschen, dass Sie sich weiterhin für die großen und wichtigen Fragen interessieren und auch zukünftig an den notwendigen Lösungen mitarbeiten. Für Ihren weiteren Lebensweg wünsche ich Ihnen alles Gute und für heute noch ein schönes Feiern.

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[2] Arendt, Hannah. Vita Activa oder Vom Tätigen Leben. 7 ed. München: Piper, 1992, 15.

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