Pluralismus – Konflikte – Pluralismuskonflikte

Das war der Titel einer interdisziplinären Tagung, die der Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit der Universität Poitiers organisierte.
Die Diskussionen wurden auch in den Pausen weitergeführt.
Bild: Die Diskussionen wurden auch in den Pausen weitergeführt.

Am 7. und 8. Mai trafen sich JuristInnen, PolitikwissenschaftlerInnen, TheologInnen und PhilosophInnen in der Claudiana, um zu Themen wie der weltanschaulichen Neutralität des Staates, den ethischen Herausforderungen der Reproduktionsmedizin oder dem Missbrauch der Meinungsfreiheit durch politische Radikalismen auf Französisch und Deutsch zu diskutieren.

 

Über Grenzen der Sprachen und der Disziplinen hinweg entwickelte sich ein angeregter Austausch zwischen z.B. VerfassungsjuristInnen und TheologInnen, RechtsphilosophInnen und PolitikwissenschaftlerInnen, der auch in den Kaffeepausen intensiv weitergeführt wurde. Vom Recht aufs (gesunde) Kind und subtilen Fragen der Medizinethik über Burkaverbot, Schul-Kruzifixe und Homosexuellen-Ehe bis zu Wiederbetätigungsverbot und Rechtspopulismus wurde klar, dass man den Herausforderungen der modernen pluralistischen Gesellschaften nur durch ein Zusammenwirken von Fachleuten aus verschiedensten Disziplinen und kulturellen Hintergründen gerecht werden kann.

 

Der Kulturrat der französischen Botschaft in Wien, Monsieur Philippe Noble, hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass gerade dieser Brückenschlag zwischen Kulturen und Disziplinen im Wissenschaftsdiskurs die eigentliche Kernaufgabe des interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkts der Universität Innsbruck ist. Dessen Leiterin, Prof. Eva Lavric, betonte, dass diese Tagung auf eine neuartige Initiative des Schwerpunkt-Mitarbeiters Florian Schallhart zurückging, der unabhängig von bestehenden Kooperationen einfach die verschiedensten französischen Universitäten angeschrieben hatte, ob sie nicht Interesse hätten, mit Innsbruck zu kooperieren. Geantwortet hatte Prof. Pascal Mbongo von der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Poitiers, der das Thema vorgeschlagen und seinen Dekan, Prof. François Hervouët, sowie eine Reihe weiterer Kollegen für das Tagungsprojekt gewonnen hatte. Auch in Innsbruck hatten sich zahlreiche TeilnehmerInnen aus verschiedenen Fakultäten für das Thema begeistert.

 

Höhepunkt war eine hochkarätige Podiumsdiskussion zum Thema „Der autoritäre Populismus in Europa“, bei der unter der Leitung von ORF-Paris-Korrespondentin Eva Twaroch österreichische und französische ExpertInnen das Publikum im vollbesetzten Claudiasaal zwei Stunden lang in Atem hielten. Neben Pascal Mbongo aus Poitiers und der Politologin Doris Dialer (Europäisches Parlament) diskutierten die beiden bekannten Politikwissenschaftler Prof. Anton Pelinka (früher Universität Innsbruck, jetzt Budapest) und Prof. Heinrich Neisser (ehem. NR-Präsident, Universität Innsbruck) darüber, warum und wann Populismus gefährlich sei, und was man denn überhaupt genau darunter zu verstehen habe. Populismus ist demnach in der Demokratie inhärent vorprogrammiert, und er ist etwas, was man nie für sich selbst beansprucht, sondern immer nur dem politischen Gegner vorwirft. Gefährlich ist er trotzdem, weil er durch die Simplifizierung und Dramatisierung, die ihn für die Medien so attraktiv machen, der Komplexität der modernen Gesellschaften nicht gerecht wird und in seiner rechtsextremen Form politisches Kapital aus dem Aufbauschen von Bedrohungsszenarien und Feindbildern gewinnt.

(ip)

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