Hörimplantate-Pionier Erwin Hochmair verabschiedet

Er hat tauben und schwerhörigen Menschen wieder Hoffnung gegeben: Prof. Erwin Hochmair gilt weltweit als einer der Pioniere in der Entwicklung von Hörimplantaten. Nun tritt er in den Ruhestand. Anlässlich seiner Emeritierung als Professor für Angewandte Physik fanden gestern an der Universität Innsbruck ein Symposium und eine Akademische Feier statt.
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Bild: Rektor Karlheinz Töchterle mit Prof. Erwin Hochmair und Frau Dr. Ingeborg Hochmaier-Desoyer

Als überaus schätzenswerten Kollegen beschrieb Rektor Karlheinz Töchterle gestern anlässlich dessen Verabschiedung Prof. Erwin Hochmair. „Sie haben während ihrer akademischen Laufbahn nicht nur die wissenschaftliche sondern auch die medizinische und die wirtschaftliche Entwicklung vorangetrieben", sagte der Rektor. Vizerektor Tilmann Märk betonte, dass Hochmair eine wesentliche Stütze der erfolgreichen Entwicklung der Lebenswissenschaften am Forschungsstandort Tirol sei. Die Laudatio auf den emeritierenden Wissenschaftler hielt der Mediziner Prof. Jan Helms aus Würzburg. Er sagte: „Aus meiner Sicht sind die Cochlea-Implantate die bedeutendste medizinische Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denn sie ersetzen ein ganzes Sinnesorgan."

Ertragreiches Forscherleben

Der ausgebildete Elektrotechniker Erwin Hochmair hatte sich gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg schon früh dem Ziel verschrieben, Hörverlust mit implantierbarer Medizintechnik zu überwinden. Bereits in den 1970er-Jahren entwickelte er erste Hörimplantate. Zugute gekommen sind ihm dabei seine Kenntnisse in der Entwicklung integrierter Halbleiterschaltungen und die Erfahrung mit dem Rauschverhalten solcher Bauelemente. 1977 wurde der ersten Patientin ein von Prof. Hochmair und seinem Team entwickeltes mikroelektronisches Mehrkanal-Cochlea-Implantat eingesetzt. Darauf aufbauend entwickelte er eine auf analogen Stimulationssignalen basierende Strategie, die 1980 erstmals zu einem verwertbaren Sprachverständnis führte. Nach seiner Berufung an die Universität Innsbruck 1985 führte Prof. Hochmair mit seiner Forschungsgruppe diese Arbeiten erfolgreich weiter. Heute können taube oder schwerhörige Menschen mit solchen Implantaten wieder hören, taub geborenen Kindern verhelfen sie zu einer praktisch normalen Entwicklung.
Mit den in das Ohr implantierten elektronischen Apparaten wird der Hörnerv direkt stimuliert. In den Anfangsjahren hatten viele Experten bezweifelt, dass diese Form der Therapie überhaupt erfolgreich sein könnte. „Erwin Hochmair erkannte vielversprechende Forschungsrichtungen immer sehr frühzeitig und hat diese dann mit viel Mut und Engagement weiter verfolgt, auch wenn sich Erfolge erst nach vielen Jahren eingestellt haben", erzählt sein langjähriger Mitarbeiter Prof. Clemens Zierhofer vom Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik der Universität Innsbruck. Für die Vermarktung der Hörimplantate wurde 1989 das Unternehmen MED-EL gegründet, das bisher erfolgreichste Spin-off-Unternehmen der Universität Innsbruck. Heute arbeiten über 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die weltweit agierende Firma mit Stammsitz in Innsbruck und erwirtschaften einen Umsatz, der im Vorjahr die Grenze von 1 Milliarde Schilling (rd. 73 Mill. Euro) durchbrochen hat.

25 Jahre Professor in Innsbruck

Erwin Hochmair wurde 1940 in Wien geboren. Er studierte an der dortigen Technischen Hochschule Elektrotechnik und forschte von 1967 bis 1985 als Universitätsassistent an der TU Wien. Mehrjährige Forschungsaufenthalte führten ihn in dieser Zeit auch an das NASA Weltraumzentrum in Huntsville, Alabama, und an die Stanford Universität in Kalifornien. 1980 habilitierte sich Hochmair für das Fachgebiet Elektronik einschließlich medizinischer Anwendungen. 1985 folgte er dem Ruf an die Universität Innsbruck, wo er Ordinarius für Angewandte Physik und Mikroelektronik an der Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde. Von 1993 bis 1995 war er Dekan dieser Fakultät, von 1995 bis 2006 leitete er das Institut für Angewandte Physik. Sein wissenschaftliches Werk umfasst über 100 Fachpublikationen auf den Gebieten Elektronik, Schaltungstechnik und Cochlea Implantate. An über 40 Patenten war er als Erfinder beteiligt. Für seine Leistungen wurde Prof. Hochmair mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 2003 den Erwin Schrödinger Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2004 verlieh ihm die TU München gemeinsam mit seiner Frau Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer das Ehrendoktorat für Medizin.

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