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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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VERDA, Johann Anton

 

1. VERDA, Johann Anton (Giovanni Antonio; Anthony)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Steinmetz, Baumeister

3. BIOGRAPHIE

Stammt aus einer Baumeister- und Steinmetzfamilie aus Gandria am Luganersee, Bruder des Alessandro Verda.

Kam 1558 mit seiner Familie nach Graz und arbeitete dort von 1562 und 1598 an verschiedenen Projekten wie am 1562 und 1566 am Landhaus, 1568, 1571, 1575 an der Stadtbefestigung (Bastei des Eisernen Tores), 1571 an der Stiftsschule. Er
lieferte aus seinen Steinbrüchen Marmor für den Mausoleumsbau in Seckau, wo er auch als Steinschneider tätig war.

1590 u. 1598 fertigte er ein Modell für das damals im Bau befindliche Paulustor. Die Zuschreibung des Portals im Admonter-
hof zu Graz v. 1558 durch Wastler (Mitt. d. hist. Ver. f. Steierm., 37, p. 212) beruht auf Verwechslung mit Marco Antonius
Tade aus Gandria.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

In seinen Diensten am Schloss Straßburg standen der Maurermeister aus Scaria Antonio dell' Allio (Daglio) und der Steinmetz aus Scaria Andrea Allio (Aglio).

 

5. WERKE

(KÄRNTEN)

5.1 1581 bis 1587 Baumeister (gemeinsam mit Hans Freymann aus Bleiburg und Ulrich Vogelsang) des Landhauses in Klagenfurt zwischen Altem Platz und Heiliggeistplatz - Fertigstellung des Süd-Turmes, Verlängerung des Süd-Flügels nach Osten, hofseitige Arkadengalerie mit den offenen Treppenaufgängen und die Tore des Mitteltraktes - und der Stadtbefestigung
(Thieme-Becker; Bd. 34, S 232, Dehio-Handbuch; Kärnten, S 366).

5.2 1584 Schloss Straßburg: Erbauer des Stall- und Kastengebäudes im NW und des dreigeschossigen Loggien-Verbindungsganges zum Hauptgebäude des Schlosses unter Bischof Christoph Andreas Freiherr von Spaur (Thieme-Becker; Bd. 34, S 232, Dehio-Handbuch; S 930). Stilistische Beeinflussung der Architektur der Dom- und Stadtpfarrkirche Hll. Petrus und Paulus, Klagenfurt, Domplatz (Dehio-Handbuch; Kärnten, S 350). Pläne für das Haus Burggasse Nr. 3, genannt „Burg“, Baubeginn 1586 von den protestantischen Ständen als Collegium sapientiae et pietatis.

(STEIERMARK)

5.3 Stubenberg (BH Hartberg)
In der Pfarrkirche zum Hl. Nikolaus, die urkundlich auf das Jahr 1217 zurück geht und in den Jahren 1759 bis 1766 neu
gebaut wurde, steht - neben einiger adliger Grabsteine - ein Epitaph des Georg von Stubenberg von Anton Verda (Dehio Steiermark 1956, 286). Genauere Angaben wie die Jahreszahl und eine Beschreibung des Epitaphs fehlen, weshalb nur vermutet werden kann, dass dieses Standbild von ein und demselben Johann Anton Verda aus Gandria stammt.

5.4 Landhaus in Graz 1562-1566 (Thieme - Becker 1940, 232)
Vermutlich war Johann Anton Verda am Bau des Haupttraktes (1557-1565) Ecke Landhausgasse-Herrengasse nur zeitweise (1562-1566) beschäftigt, denn als Baumeister wird Domenico dell’ Allio genannt (Heinz Held 1981, 275).

5.5 Grazer Stadtbefestigung (Bastei des Eisernen Tores) 1568, 1571, 1575 (Thieme Becker1940, 232)

5.6 Grazer Stiftsschule 1571 (Thieme - Becker 1940, 232)

5.7 Mausoleumsbau im Benediktinerstift, Seckau
Johann Anton Verda lieferte aus seinen Steinbrüchen den Marmor für den Mausoleumsbau und verrichtete auch Stein-schneidearbeiten. Anschließend an diese Arbeit wurde er zum Bauleiter des Landhauses in Klagenfurt berufen (Thieme -
Becker 1940, 232).  Dieses Habsburger-Mausoleum befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Es wurde in den Jahren 1587
bis 1612 errichtet und wird als bedeutendstes italienisch beeinflusstes Kunstwerk des Frühbarocks diesseits der Alpen hervorgehoben.
Als Architekt wird nicht Johann Anton sondern sein Bruder Alexander de Verda angeführt (Heinz Held 1981, 378).

5.8 Modell für das Paulustor
1590 bis 1598 entwarf er das Modell für das - zu jener Zeit noch in Bau befindliche - Paulustor (Thieme – Becker 1940, 232).
Es ist das einzige Tor, das von der Renaissance-Befestigung der Stadt noch vorhanden ist. Mit dem Bau wurde bereits 1582 begonnen. Die Wappen Ferdinand II. und seiner Frau Maria Anna von Baiern stammen von Pacobello aus dem Jahre 1605 (Heinz Held 1981, 283f).
6. ABBILDUNGEN

Abb. 1: Seckau, Eingang zum Mausoleum (Heinz Held 1981, Abb. 143)
Abb. 2: Seckau, Mausoleum Karl II. von Innerösterreich (Franz Attems und Johannes Koren 1988, 61)

Verda_Seckau, Eingang MausoleumSeckau_Mausoleum

 
7. BIBLIOGRAPHIE

Thieme-Becker; Künstler-Lexikon, 34. Leipzig: Hans Vollmer, 1990, S 232
Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, Verlag Anton Schroll & Co, Wien, 2001, Kärnten, S 350, 366.
372, 930
Riesenhuber, Martin: Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Verlag der christlichen Kunstblätter, Linz, 1923
Schrift des Bundesdenkmalamtes; Landeskonservatorat für Kärnten E. Morpurgo, I, R. 1937, 54 Kraigher, 271
Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd 2., Günter Meißner (u.a.) Leipzig:
VEB E.A. Seemann Verlag 1986, S.247
R. List, Kunst und Künstler der Steiermark, Band 3, 1974

Franz Attems und Johannes Koren, Kirchen und Stifte der Steiermark, Innsbruck 1988
Heinz Held, Kärnten und Steiermark. Vom Großglockner zum steirischen Weinland, Köln 1981
Eberhard Hempel und Eduard Andorfer, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (Dehio Steiermark), Wien/München ³1956
Thieme – Becker (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 34, Leibzig 1940

©Maria Mayrl, Februar 2006 - ergänzt von Maria Theresia Hofmann, 2007

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