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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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TORRIANI , Francesco Innozenz

 

1. TORRIANI, Francesco Innozenz (Innocente, Franciscus Innoc.)
Turiani (Thieme-Becker, 1939, 304; Bretschneider, 1914, 45), Turriani (Rießenhuber, 1924, 572), Torianus, della Torre, Turrianus (Durrer, 1899, 959 und Register; Welt des Barock. Katalog, 1986, 60)

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler religiöser Bilder
(Rießenhuber, 1924, 572; Thieme-Becker, 1939, 304; Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043).

 

3. BIOGRAPHIE

Geboren wurde er am 28.12.1648 in Mendrisio/Tessin (Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044). Im historisch-biographischen Lexikon der Schweiz wird als Geburtsjahr 1649 angegeben. Beim Sterbedatum gibt es in der
Literatur unterschiedliche Angaben. Laut dem Biografischen Lexikon der Schweizer Kunst ist er am 11.05.1700 in Como
(Italien) gestorben. Rießenhuber, Thieme-Becker, Czerny, das „Dizionario Enciclopedico dei pittori e degli incisori Italiani“
und das historisch-biographische Lexikon der Schweiz geben lediglich das Sterbejahr an, und zwar ist dies das Jahr 1712.

Francesco Innozenz erlernte die Malerei in der Werkstatt seines Vaters, dessen Werke einen sehr strengen, religiösen und ernsten Stil aufweisen. Seine späteren selbständigen Werke sind farbenfroher und durch das Spiel mit Licht und Schatten
auch viel lebhafter (Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044).

Durch seine Arbeit als Künstler erwarb er sich einen gewissen Bekanntheitsgrad (Rießenhuber, 1924, 572; Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043, Czerny, 1886, 167).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Er ist der Sohn des bekannten Malers Francesco Torriani und der Ippolita Sala aus Como. Francesco Innozenz war der
Älteste von insgesamt vier Kindern. Er erlernte die Malerei von seinem Vater und arbeitete auch in seiner Werkstatt, wo er
ihm bei der Ausführung der Arbeiten half. Eine akademische Ausbildung wird aber nicht ausgeschlossen, da in Mailand zu
jener Zeit, als Francesco Innozenz ca. 20 Jahre alt war, die „Accademia Ambrosiana“ wiedereröffnet wurde und gewisse Stilelemente von Werken jener Zeit (1670-1680) aus der Schule dieser Akademie in seinen Werken wiederzufinden sind (Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044).

Eines seiner ersten bekannten Werke ist das Bild in der ehemaligen Klosterkirche S. Giovanni in Mendrisiotto (Kanton
Tessin), das eine Madonna mit dem Kind sowie die Heiligen Rochus und Sebastian darstellt. Dieses Bild ist signiert und
datiert mit 1668. Ebenfalls in Mendrisiotto befinden sich in der dortigen katholischen Propsteikirche „SS. Cosma e Damiano“ einige Rosenkranzbilder im barocken Seitenaltar, welche die Muttergottesstatue umgeben. Diese Bilder sind ebenfalls von Francesco Innozenz signiert und datiert mit 1654 (Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044, Kunstführer Schweiz, Bd. 2, 1976 5 , 640, 641).

Der Künstler hatte aufgrund seiner Zusammenarbeit mit anderen lokalen Künstlern zudem auch viele Aufträge von Seiten einflussreicher, auswärtiger Familien (Beroldinghen, Sonnenberg, Troger), die sich zeitweilig in der Gegend von Mendrisio aufhielten. Weiters erhielt er viele Aufträge von Ordensleuten und Klöstern. Er arbeitete viel mit den Stuckateuren Silva
(sie zählten im 16. – 18. Jh. zu den tonangebenden Künstlerfamilien der Gegend) zusammen, und zwar in der Kirche
„Sacro Monte di Ossuccio“ (Como) in der Zeit von 1678-1680, in Orselina bei Locarno in der Zeit von 1678-1681 sowie in
der katholischen Pfarrkirche „S. Maria dei Miracoli“ in Morbio Inferiore, wo er ein qualitätsvolles Ölbild der Immakulata
(um 1647) gemalt hatte. In Mendrisiotto gibt es zwei Ölbilder (am linken Seitenaltar in der katholischen Kirche von
S. Martino, das den Hl. Michael darstellt, sowie das Kreuzigungsgemälde mit dem Hl. Franziskus und Karl Borromeo,
das sich im barocken Hochaltar im ehemaligen Kapuzinerkloster befindet) die Francesco Innozenz zugeschrieben werden (Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044; Kunstführer Schweiz, Bd. 2, 1976 5 , 654, 644, 643).

Das Altarbild in der Jesuitenkirche St. Franz Xaver von Luzern aus dem Jahr 1681 sowie das Bild am Hochaltar und ver-
mutlich auch das Bild am rechten Seitenaltar des Kapuzinerklosters in Stans (Kanton Unterwalden) stammen ebenfalls
von Francesco Innozenz (Kunstführer Schweiz, Bd. 1, 6 1971, 323, 694; Durrer, 1899, 959).

Aufgrund einer Empfehlung von Giovanni Battista Carloni (im Katalog „Welt des Barock“ wird berichtet, dass Francesco Innozenz den Auftrag über Vermittlung von Carlo Antonio Carlone bekommen hat) bekam Torriani 1685 einen großen Auftrag:
Er sollte ein großes Gemälde für den Dom von Passau malen. Guldan berichtet, dass die Comasken sich gegenseitig Auf-
träge zuzuspielen versuchten: Giovanni Battista Carlone war dem aus Mendrisio stammenden Francesco Innozenz Torriani bereits in Gleink und Garsten begegnet, wohin ihn Carlo Antonio Carlone, das ist der Sohn von Pietro Francesco Carlone empfohlen hatte (Guldan, 1964, 237, 244). Zusammen mit diesem Auftrag erhielt er den Auftrag noch weitere drei bis vier
Bilder für das Benediktinerkloster in derselben Diözese anzufertigen. Zwei dieser Bilder sind in Kremsmünster, eines in
Gleink, eines in Garsten und vermutlich eines in St. Florian (Österreich). Diese Werke wurden alle in der väterlichen Werk-
statt in Como angefertigt, welche Francesco Innozenz von seinem Vater übernommen hatte und auch weiterführte (Bio-grafisches Lexikon der Schweizer Kunst, 1998, 1043-1044; Welt des Barock. Katalog, 1986, S. 60).
 
5. WERKE (OBERÖSTERREICH)

5.1 Im Rundgang der Klosterkirche des ehemaligen Benediktinerstiftes von Garsten (BH. Steyr) befindet sich ein Skapulier-(Marien)Altar. Dort ist ein Ölgemälde (Seitenaltarbild) mit Maria in den Wolken und zu ihren Füßen wird Kaiser Leopold I.
mit Familie dargestellt – signiert ist das Bild mit: Innocentus Turrianus fecit 1685 (Welt des Barock, 1986, 60; Dehio OÖ,
1971, 82; Czerny, 1886, 167; Reclams Kunstführer, Bd. 1, 4 1974, 103; Bretschneider, 1914, 45);

5.2 Das Altarbild in der bischöflichen Hauskapelle von Gleink stammt ebenfalls von Francesco Innozenz (Dehio, OÖ,
1971, 92; Rießenhuber, 1924, 572);

5.3 Das Altarbild „Letztes Abendmahl“ (1682) in der Abteikirche zu Kremsmünster (Dehio OÖ, 1971, 139; Rießenhuber,
1924, 572; Czerny, 1886, 167; Röhrig, 1966, 52);

5.4 Das Bild „Christus auf dem Ölberge“ in der Abteikirche zu Kremsmünster (Dehio OÖ, 1971, 140; Rießenhuber, 1924,
572; Czerny, 1886, 167, Röhrig, 1966, 52; Reclams Kunstführer Bd. 1, 4 1974, 208);

5.5 Ein weiteres Bild, welches das Abendmahl darstellt, das ebenfalls Francesco Innozenz zugeschrieben wird, befindet
sich in der ehemaligen Stiftskirche der Benediktiner und heutigen Pfarrkirche Hl. Michael (nördl. Seitenschiff) in Mondsee -
BH. Vöcklabruck (Dehio OÖ, 1971, 202; Reclams Kunstführer, Bd. 1, 4 1974, 313).


 
6. BIBLIOGRAPHIE

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix
Becker, Hrsg. Hans Vollmer, Bd. 33, Leipzig 1939, S. 304

Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst. Unter Einschluss des Fürstentums Liechtenstein, hrsg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft Zürich und Lausanne, Bd. 2 (L-Z), Zürich 1998, S. 1.043-1.044.
Bretschneider, Alfred, Ein Beitrag zum Bauschaffen der landständischen Stifte Oberösterreichs im 17. und 18. Jahrhundert, Dissertation, Dresden 1914, S. 45.
Czerny, Albin, Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Linz 1886, S. 167.
Dehio – Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Oberösterreich, Wien 5 1971, S. 84, 92, 139, 140, 202.
Dizionario Enciclopedico dei pittori e degli incisori Italiani, Bd. 11, Torino 1976 und 1983, S. 131.
Durrer, Robert, Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, hrsg. von der Kommission für das Schweizerische Landesmuseum, Zürich 1899-1928, S. 959.
Guldan, Ernst, Quellen zu Leben und Werk italienischer Stukkatoren des Spätbarock in Bayern, in: Gli Stuccatori dal
barocco al Rococò (Arte e Artisti lombardi, Vol. II), hrsg. von Edoardo Arsaln, Como, 1964, S. 165-290.
Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, hrsg. von H. Tribolet, Deutsche Ausgabe, Bd. 7, Neuenburg 1934, S. 26-27.
Kunstführer durch die Schweiz, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 1, Bern 6 1971,
S. 323, 694.
Kunstführer durch die Schweiz, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bd. 2, Bern 1976 5 ,
S. 640, 641, 643, 644, 654.
Reclams Kunstführer Österreich, hrsg. von Karl Oettinger, Bd. 1, Stuttgart 4 1974, S. 103, 208, 313.
Rießenhuber, Martin P., Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Linz 1924, S. 572.
Röhrig, Floridus, Alte Stifte in Österreich, Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Bd. 1, Wien – München 1966, S. 52.
Welt des Barock. Katalog zur oberösterreichischen Landesausstellung 1986 im Augustiner Chorherrenstift St. Florian,
hrsg. vom Land Oberösterreich, Amt der oberösterreichischen Landesregierung, Abteilung Kultur, Linz 1986, S. 60.

 
©Irene Raifer, Januar 2004
 

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